Codeshare-Flüge: Welche Airline muss für die Verspätung zahlen?

Foto Codeshare-Flüge waren kürzlich Gegenstand einer KlageWenn Reisende ihren Anschlussflug verpassen, weil der erste Flieger zu spät landete, ist das sehr ärgerlich. Wenn sie dann auch noch mit verschiedenen Airlines geflogen sind, ist das Chaos perfekt: Wer muss die Entschädigung für die Flugverspätung der Codeshare-Flüge zahlen? Ein Urteil bringt Ordnung in das Chaos.

Verwirrung um Codeshare-Flüge

Damit ihre Flieger gut gefüllt sind, verkaufen viele Fluggesellschaften ihre Sitze in Flugzeugen an andere Airlines. Sie stimmen ihre Flugpläne aufeinander ab – fertig sind die Codeshare-Flüge. Allerdings sorgt diese Praxis für Verwirrung, wenn es zu Verspätungen kommt. Welche Airline muss betroffenen Passagieren eine Entschädigung zahlen, wenn sich der erste Flug mit Fluggesellschaft A verspätet und Reisende den Anschlussflug mit Fluggesellschaft B verpassen?

Gab es eine einheitliche Buchung?

Wie das Amtsgericht Hamburg feststellte, ist es entscheidend, ob die beiden Codeshare-Flüge in einem Buchungsvorgang gebucht wurden oder in zwei getrennten Vorgängen. Wurde bei Airline B auch der Zubringerflug mit Airline A gebucht, ist Airline B für die gesamte Flugreise verantwortlich (Az.: 20a C 219/14). Über den Rechtsstreit berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in der Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“. Im vorliegenden Fall hatten Urlauber einen Flug von Hamburg nach München sowie von München über Johannesburg nach Kapstadt in Südafrika bei der beklagten Fluggesellschaft gebucht. Den ersten Flug nach München führte ein Codeshare-Partner durch. Dieser Zubringerflug landete mit 51 Minuten Verspätung in München, sodass die Kläger ihren Weiterflug nach Johannesburg verpassten. Erst mit einem Tag Verspätung kamen die Reisenden in Kapstadt an. Sie forderten von der Airline eine Entschädigung nach EU-Recht in Höhe von 600 Euro pro Person und bekamen vor Gericht Recht.

Gericht: Airlines stehen in der Pflicht

Das Amtsgericht Hamburg sah es als erwiesen an, dass die Verspätung mehr als drei Stunden betrug. Es sei unerheblich, dass sich der erste Flug nur um 51 Minuten verspätete, denn der Zeitverlust am Ende der gesamten Flugstrecke sei ausschlaggebend für den Anspruch auf eine Entschädigung. Die Kläger hatten alle Flüge dieser Flugstrecke bei der gleichen Airline gebucht, daher sei diese laut des Gerichts auch für die Durchführung verantwortlich. Nach Ansicht des Amtsgerichts dürfen Passagiere davon ausgehen, dass Codeshare-Partner die Umstiegszeiten aufeinander abgestimmt haben. Da die Codeshare-Partner für den jeweils anderen Flug die Verantwortung übernehmen müssen, gab das Gericht den klagenden Passagieren Recht und gestand ihnen eine Ausgleichszahlung in Höhe von jeweils 600 Euro zu.

Welche Leistungen Passagieren zusteht, deren Flug Verspätung hat, verrät das folgende Video:

Quelle: YouTube/1971nvk