Entschädigung: Airline muss auch für Ersatzflug zahlen

Bild BGH-Urteil zu Entschädigung bei ErsatzflugFällt ein Flug aus, muss die verursachende Airline für Ersatz sorgen. Gibt es beim Ersatzflug ebenfalls Probleme, ist auch dann die Fluggesellschaft in der Pflicht, bei der die Reisenden den ursprünglichen Flug gebucht haben.

Die aktuelle Entscheidung des Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe gibt Passagieren mehr Sicherheit, wenn ihr Flug ausfällt. Denn wenn ihre Airline einen Ersatzflug organisiert, ist sie auch für diesen verantwortlich, so das Urteil (BGH, Aktenzeichen X ZR 73/16).

Entschädigung auch für verspäteten Ersatzflug

Beim vorliegenden Fall hatten die Kläger einen Langstreckenflug von Frankfurt am Main ins australische Sydney gebucht. Die ausführende Singapore Airlines cancelte die Verbindung jedoch und organisierte einen Ersatzflug bei einer anderen Fluggesellschaft. Dieser verspätete sich aber u 16 Stunden, wodurch die Reisenden ihren Anschlussflug in Richtung des roten Kontinents verpassten und am Ende 23 Stunden später als geplant ankamen. Einer Forderung nach Ausgleichszahlung für den stark verspäteten Interkontinentalflug kam Singapore Airlines jedoch nicht nach. Die Begründung: Sie sei ihrer Verpflichtung bereits mit dem angebotenem Ersatzflug nachgekommen, die Entschädigungsforderung von je 600 Euro damit nicht zulässig.

BGH gibt Passagieren Recht

Dieser Argumentation wollte der BGH jedoch nicht folgen. Ein Ersatzflug befreie die Fluggesellschaft nicht von der Ausgleichspflicht, so das Urteil. Dies sei nur dann so, wenn die Passagiere ihr Endziel mit lediglich bis zu vier Stunden erreichen, je nachdem, wann die Verspätung angekündigt wurde. Im verhandelten Fall waren es jedoch 23 Stunden und damit fast ein ganzer Tag gewesen, den die Reisenden am Ende länger unterwegs waren, als geplant. Zudem könne sich Singapore Airlines nicht von der Verantwortung freisprechen, indem sie auf die Ersatzfluglinie verweise. In der Pflicht sei immer die Airline, bei welcher der ursprüngliche Flug gebucht wurde. Diese Verantwortung bleibe, auch wenn eine Ersatzfluglinie die Verbindung übernehme.

Verspätungen und Entschädigungen

Immer wieder kommt es auch an deutschen Flughäfen zu starken Verspätungen und Flugausfällen. Erst kürzlich hat der Flughafen Berlin-Tegel das unrühmliche Prädikat als unpünktlichster Airport im bundesdeutschen Vergleich erhalten, mit 55 Prozent verspäteter Abflüge und 2,6 Prozent Flugausfällen. Je nachdem, wie klein oder groß eine Verspätung ausfällt, steht Passagieren im Ernstfall eine Ausgleichszahlung von 250 Euro bis zu 600 Euro zu. Manche Airline nimmt es mit der EU-Fluggastrechte-Verordnung jedoch nicht ganz so genau und setzt lieber darauf, den klagenden Kunden durch Aussitzen zu zermürben. Fast bis zur Pfändung einer Maschine hat es in diesem Jahr etwa Bulgaria Air getrieben, die einer Zahlung von 500 Euro entgehen wollte.