Gestrandet am Flughafen: Welche Entschädigung steht mir zu?

Foto Entschädigung bei FlugverspätungWird ein Flug umgebucht oder fällt ganz aus, sorgt das oft noch einige Zeit später für Ärger. Nämlich dann, wenn sich Passagiere und Airline um die Entschädigung für den Pannenflug streiten. Zwei neue Urteile bringen Klarheit ins Wirrwarr der Entschädigungsregeln.

Bei einer Verspätung ab drei Stunden, einer Annullierung und einer Nichtbeförderung steht den Passagieren eine Entschädigung zu. Die Höhe dieser Entschädigung ist abhängig von der Flugstrecke:

Flugstrecke bis zu 1.500 km 250 €
Flugstrecke zwischen 1.500 und 3.500 km 400 €
Flugstrecke über 3.500 km 600 €

Keine Entschädigung für kostenlos mitreisende Kinder

Diese Entschädigungsansprüche gelten jedoch nicht für Kinder, die kostenlos mitreisen, wie der Bundesgerichtshof (BGH) kürzlich entschied (Az.: X ZR 35/14). Damit wiesen die Richter am BGH die Revision eines Elternpaares zurück. Dieses hatte für seine zum Reisezeitpunkt unter zwei Jahre alte Tochter eine Ausgleichszahlung von 250 Euro gefordert und scheiterte damit bereits in den Vorinstanzen. Grund des Rechtsstreites war eine Flugverspätung auf der Heimreise. Die Familie hatte eine Pauschalreise nach Mallorca unternommen. Der Rückflug von Palma de Mallorca nach München verzögerte sich jedoch um sechseinhalb Stunden. Wie der BGH erklärte, gelte die europäische Fluggastrechte-Verordnung, in der die Entschädigung von Reisenden geregelt wird, für solche Fälle nicht.

Flug nicht angetreten und trotzdem Entschädigung erhalten

Wenn sich ein Flug um mehrere Stunden verspätet, haben Fluggäste auch dann Anspruch auf Entschädigung, wenn sie den verspäteten Flug nicht mehr antreten. In diesem Fall muss die Fluggesellschaft trotzdem eine Entschädigungszahlung leisten, wie das Amtsgericht Königs Wusterhausen feststellte (Az.: 4 C 1304/13). In diesem Gerichtsverfahren ging es um Reisende, die einen Abendflug von Basel nach Berlin gebucht hatten. Dieser Flug fand jedoch nicht statt, sondern wurde auf den nächsten Tag verlegt. Den Ersatzflug nahmen die Kläger nicht wahr und forderten von der Fluggesellschaft eine Entschädigung in Höhe von 250 Euro. Das Gericht gab den Reisenden Recht und erklärte, dass der Anspruch auf Entschädigung auch dann nicht erlischt, wenn die Passagiere wegen einer Annullierung oder einer großen Verspätung eine alternative Beförderungsart wählen. In diesem Fall ist die Ausgleichszahlung als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten zu betrachten. Erst kürzlich urteilte der Bundesgerichtshof übrigens, dass Airlines auch bei rechtzeitig angekündigten Umbuchungen von Flügen die betroffenen Passagiere entschädigen müssen.