Insolvenz: Air Berlin kann nicht mehr

Bild Air Berlin ist insolventNun also doch: Die angeschlagene Air Berlin hat Insolvenz angemeldet. Mindestens drei Monate soll der Flugbetrieb noch aufrecht erhalten werden, der Bund gibt einen Kredit von mehr als 150 Millionen Euro. Ein Desaster für Mitarbeiter und Kunden.

Lange hatte man sich bei Air Berlin gegen die Vorwürfe gewehrt, sich nicht aus eigener Kraft aus der finanziellen Schieflage befreien zu können. Zuletzt hatte das Unternehmen sogar den Gedanken an eine Staatsbürgschaft ad acta gelegt, neue Mitarbeiter wurden angeheuert.

Insolvenzantrag am Dienstag gestellt

Air Berlin hat Antrag auf Insolvenz gestellt, nachdem der Hauptaktionär Etihad erklärt hatte, keine weiteren finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen. Beim deutschen Flugunternehmen sei man daraufhin zu dem Ergebnis gekommen, dass „keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht“, so Deutschlands zweitgrößte Airline am Dienstag. Die Insolvenz soll in Eigenverwaltung abgewickelt werden, ein Übergangskredit der Bundesregierung in Höhe von 150 Millionen Euro den fortlaufenden Betrieb sichern. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) äußerte sich aller Umstände zum Trotz zuversichtlich, dass in den den nächsten Monaten eine Teilübernahme durch die Lufthansa aus der Misere führen könnte. Eine Übernahme der Schulden durch den Bund schloss die Ministerin jedoch aus. Weitere Kredite wurden jedoch vorerst nicht ausgeschlossen.

Abwärtsspirale seit fast zehn Jahren

Schon seit 2008 geht es für Air Berlin fast dauerhaft bergab, Gewinne konnten kaum noch erwirtschaftet werden. Im vergangenen Jahr kam es dann zum sagenhaften Rekordverlust von 780 Millionen Euro, der sich zusammen mit den Verlusten aus den Jahren zuvor auf einen 1,2 Milliarden Euro großen Schuldenberg summierte. Zuletzt hatten auch die Passagiere die Krise immer stärker zu spüren bekommen: Die Umstellung auf den Sommerflugplan Ende März brachte etliche Verspätungen und Flugausfälle mit sich, immer wieder gab es Probleme mit dem Bodenabfertigung am Flughafen Tegel. In Folge dessen lösten sich auch viele treue Air Berlin Kunden von der Fluggesellschaft, wodurch sich die finanzielle Lage des Unternehmens weiter verschlechterte. Großaktionär Etihad allein hatte die Fluglinie noch am Leben gehalten, erst im April weitere 250 Millionen Euro zugeschossen, um das Unternehmen auf Kurs zu halten. Nun sieht man wohl auch in Abu Dhabi keine Zukunft mehr für die deutsche Airline.

Air Berlin setzt auf Neuanfang

Was für Mitarbeiter und Kunden jetzt bleibt, ist die Hoffnung, dass Konkurrent Lufthansa Teile von Air Berlin übernimmt und entsprechend weiterführt. Immer wieder war in der Vergangenheit spekuliert worden, ob die Kranich-Airline beim kleineren Rivalen einsteigen könnte. Abschreckend wirkte jedoch offenbar die immense Schuldenlast, unter der Air Berlin schon seit Jahren laborierte. Das insolvente Unternehmen selbst lässt unterdessen verlauten, dass die Verhandlungen mit Lufthansa und anderen Partnern zum Erwerb von Betriebsteilen weit fortgeschritten seinen.