Insolvenzverfahren gegen Air Berlin eröffnet

Bild Insolvenzverfahren gegen Air BerlinEs geht los: Seit 1. November ist das Insolvenzverfahren gegen Air Berlin eröffnet. In diesem muss geklärt werden, welche Gläubiger noch Geld aus der Insolvenzmasse erhalten. Doch aus dem Verkauf wird wohl nicht genug herausspringen.

Air Berlin geht wohl jetzt schon das Geld aus. Nachdem der Betrieb offiziell Ende Oktober eingestellt wurde, wird immer deutlicher, dass selbst für die wichtigsten Verbindlichkeiten nicht mehr ausreichend Mittel da sind.

Bleibt der Bund auf seinen Kosten sitzen?

Insolvenzverwalter Lucas Flöther (bei eigenverwalteter Insolvenz auch: Sachverwalter) hat bereits am Tag der Verfahrenseröffnung bekanntgegeben, dass die vorhandenen Mittel wohl nicht einmal dazu ausreichen werden, den Überbrückungskredit der Bundesregierung zurückzuzahlen. Wir erinnern uns: Die Summe von 150 Millionen Euro sicherte im Sommer einerseits den laufenden Flugbetrieb ab und verhinderte damit auch das sogenannte Grounding, mit dem Air Berlin auch für potenzielle Käufer wertlos geworden wäre. Während man beim Bundeswirtschaftsministerium weiter davon ausgeht, dass der Kredit in voller Höhe beglichen wird und auch ein Sprecher der insolventen Airline ähnliches verkündet hat, sieht Sachverwalter Flöther die sogenannten Masseverbindlichkeiten noch nicht ausgelöst.

Verkaufsverhandlungen längst nicht abgeschlossen

Grundlage für die unklaren Finanzzustände in der Insolvenz sind vor allem die noch nicht abgeschlossenen Verkaufsverhandlungen mit Lufthansa und Easyjet. Der erwartete Verkaufserlös soll bei insgesamt 250 Millionen Euro liegen. Doch ob und wie viel Geld bereits geflossen ist, ist nicht klar. Lufthansa als Hauptkäufer hat die Teilübernahme just bei der EU-Kommission zur Abnahme angemeldet und wartet auf eine Entscheidung, die sich jedoch noch einige Wochen hinziehen könnte. Bei einer Insolvenz in dieser Größenordnung werden nur in den seltensten Fällen alle Gläubiger entsprechend ihrer Forderungen bedient. Zumindest reicht der Erlös aus einer Veräußerung meist aber soweit, dass die Masseverbindlichkeiten beglichen werden können. Ist auch das nicht möglich, tritt im schlimmsten Fall die Masseunzulänglichkeit ein, die eine Insolvenz in der Insolvenz beschreibt. Dann könnten auch jene Gläubiger auf ihren Kosten sitzenbleiben, die Air Berlin die Treue gehalten und weiter investiert haben. Ob es so kommt, werden wohl die nächsten Wochen und Monate zeigen.

Schlechte Aussichten für Gläubiger und Beschäftigte

Bis zum 1. Februar 2018 haben Gläubiger ab sofort die Möglichkeit, ihre Möglichkeiten beim Sachverwalter schriftlich anmelden. Das gilt auch für Kunden der insolventen Airline, die auf den Kosten für ihre Flugtickets sitzengeblieben sind: Sie können sich in die Insolvenztabelle des Unternehmens eintragen. Die Aussichten, das bereits gezahlte Geld zurück zu erhalten, sind jedoch eher schlecht. Zuletzt wurden für Air Berlin Schulden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro gezählt.

Für die Beschäftigten von Air Berlin geht die Zitterpartie derweil weiter. Nur ein Teil von ihnen wird in eine Transfergesellschaft übernommen, viele müssen sich neu und zu wesentlich schlechteren Bedingungen auf ihren alten Arbeitsplatz bewerben. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens werden sie zunächst freigestellt