Bald keine Kreuzfahrtschiffe mehr in Venedig?

Bild Keine Kreuzfahrtschiffe mehr in VenedigJetzt ist es entschieden: Venedig verbannt Kreuzfahrtriesen aus seinen Gewässern. Lange wurde darüber diskutiert, dass die weltberühmte Lagunenstadt nicht nur im Meer, sondern auch in Touristen ertrinkt. Wer mit dem Schiff anreist, muss demnächst an anderer Stelle ankern.

Es wird zu viel für Venedig, das ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden. Immer mehr Menschen schieben sich gerade im Sommer durch die wunderschöne Altstadt und drängen sich auf dem Markusplatz. Mehr als 30 Millionen Besucher jährlich können weder die historische Bausubstanz, noch die wenigen verbliebenen Einheimischen wirklich gut verkraften.

Tagestouristen belasten die Stadt

Eine Ursache des Übels ist die hohe Zahl an Tagestouristen, die zwecks mangelnder Übernachtung vergleichsweise wenig Geld in die Stadt bringen, und diese dennoch stark belasten. Denn genau wie andere Urlauber, die gleich mehrere Tage in der Stadt verbringen und so zumindest etwas Geld im Hotel in Venedig und der Gastronomie lassen, rauschen die Tagestouristen lediglich durch die historischen Gassen, um dann nach wenigen Stunden wieder abzureisen. Das Fatale: Ein Großteil der Tagestouristen reist mit Kreuzfahrtschiffen in die Lagune von Venedig, die mit ihren Abgasen einerseits die Stadt und das alte Mauerwerk belasten und andererseits auch dafür mitverantwortlich sind, dass der Wasserpegel weiter steigt.

Kreuzfahrtschiffe müssen andere Route nehmen

Diese Art des sogenannten Overtourism soll nun eingeschränkt werden, so hat es der Minister für Infrastruktur und Verkehr in Italien, Graziano Delrio, in dieser Woche mitgeteilt. Bei einem Treffen mit Vertretern von Stadt und Region wurde beschlossen, dass Kreuzfahrtschiffe künftig eine andere Route nehmen sollen und dann im Hafen von Marghera ankern sollen, das auf dem Festland liegt. Damit ziehen Stadt und Landesregierung die Notbremse für das Kulturgut Venedigs, dessen Welterbetitel durch die UNESCO schon entzogen werden sollte, wenn sich keine Änderung einstelle. 18 Monate lang hatten die Verantwortlichen über den neuen Infrastrukturplan diskutiert, bevor er am Dienstagabend endlich abgesegnet wurde. In der Umsetzung wird er aber mindestens noch einmal so lang dauern, denn ein adäquates Kreuzfahrtterminal für die Riesen der Meere muss in Marghera erst noch gebaut werden. Bis dahin werden werden wohl noch etliche Millionen Tagestouristen Venedig im Sommer bevölkern. Die Stadt setzt derweil auch auf andere Maßnahmen, um dem Besucherstrom Herr zu werden. Geplant ist etwa ein Bezahlsystem für den Zugang zum beliebten Markusplatz. Gleichermaßen sollen auch die wenigen echten Venezianer, die es in der Stadt noch gibt, mehr Vorteile erhalten. So könnten sie Vortritt an den Wassertaxis erhalten, genau wie Urlauber, die mehr als einen Tag in Venedig verbringen.