Mega-Streik der Lokführer: fast 100 Stunden Stillstand

Foto Züge stehen stillEskalation im Tarifstreit: Schon ab heute Nachmittag bestreikt die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) erneut den Bahnverkehr in Deutschland. Zunächst ist der Güterverkehr betroffen, ab Donnerstagmorgen 2 Uhr stehen dann auch Personenzüge still. Der Ausstand soll bis kommenden Montag andauern und wird damit der längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn sein.

5 Tage Streik

Millionen Reisende in Deutschland müssen in den nächsten Tagen starke Nerven beweisen: Schon wieder wollen die in der GDL organisierten Lokführer streiken und planen diesmal die längste Arbeitsniederlegung in der Geschichte der Deutschen Bahn. Zunächst startet am Mittwoch ab 15 Uhr der Streik im Güterverkehr. Ab Donnerstagmorgen 2 Uhr wird dann auch im Personenzugverkehr die Arbeit niedergelegt, hunderte S-Bahnen, Regional- und Fernverkehrszüge sollen ausfallen. Der Streik in beiden Bereichen soll am Montagmorgen, den 10. November, um 4 Uhr enden.

Ersatzfahrplan und Alternativen

Die Deutsche Bahn hat einen Ersatzfahrplan aufgestellt und kündigte an, etwa ein Drittel der sonst üblichen Verbindungen anzubieten. Dennoch wird es nach Angaben des Unternehmens vor allem im Nahverkehr zu erheblichen Behinderungen kommen. Reisende, die vom kommenden Bahnstreik betroffen sind, erhalten unter der gebührenfreien Bahn-Rufnummer 08000-996633 Informationen zu Zugausfällen und dem Ersatzfahrplan. Auch im Internet unter www.bahn.de gibt es aktuelle Informationen zum Streik der GDL und zu Ersatzzügen. Zudem haben Bahnkunden weitere Alternativen, um ihre Reise trotz des Bahnstreiks durchzuführen:

– Mitfahrgelegenheiten: Auf diversen Internetportalen/schwarzen Brettern können Reisende Fahrgemeinschaften bilden
– Fernbusse: wegen des Streiks bieten viele Fernbusunternehmen mehr Fahrten als üblich an
– Flugzeug: Reisende, die eine längere Fahrt vor sich haben, können auch nach passenden Flügen suchen
– Mietwagen: hier heißt es schnell sein, denn viele Fahrzeuge sind bereits vermietet
– eigener PKW: vor allem für kurze und mäßig lange Strecken eine Alternative

Kritik an GDL

Hintergrund des erneuten Streiks ist der anhaltende Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft der Lokführer. Schon fünfmal hatte die GDL den deutschen Zugverkehr im aktuellen Tarifstreit bestreikt, beim letzten Streik vom 17. bis 20. Oktober fielen hunderte Züge aus. Die GDL fordert unter anderem mehr Lohn und eine geringere Wochenarbeitszeit. Am vergangenen Wochenende scheiterte der jüngste Versuch einer Einigung zwischen der Deutschen Bahn, der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) am Widerstand der GDL. Politiker kritisierten den Chef der Lokführergewerkschaft Claus Weselsky anschließend scharf. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi beispielsweise erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, Weselsky verliere jedes Maß und die GDL schade mit ihrem Verhalten allen Gewerkschaften. Bahn-Vorstand Ulrich Weber nannte den Streikaufruf „reine Schikane“.