Pannen bei der Bahn: Lohnt sich die neue Strecke Berlin-München wirklich?

Bild Strecke Berlin-München jetzt schneller?Es hätte so schön sein können: Am Wochenende wurde die neue Schnellfahrstrecke der Bahn zwischen Berlin und München unter großem Medieninteresse eröffnet. Seitdem jagt jedoch eine Panne die andere und schnell scheint auf dieser Route erst einmal nichts zu gehen.

Sie sollte DIE Alternative zu den Flugangeboten zwischen Berlin und München sein – die neue Schnellfahrstrecke, auf der die ICEs der Bahn mit bis zu 300 km/h fahren können. Seit der offiziellen Jungfernfahrt am vergangenen Freitag häufen sich jedoch die Verspätungen.

Pannen auf neuer Schnellfahrstrecke Berlin-München

Es ging noch gut los, als zwei Sonderzüge am Freitagnachmittag von München aus in Richtung Berlin starteten. Mit an Bord ausschließlich geladenes Publikum: Vertreter aus Politik und Medien, Personen des öffentlichen Lebens. Die Hinfahrt gelang noch reibungslos, in Berlin stieg gar Kanzlerin Angela Merkel für kurze Zeit zu. Auf dem Rückweg kam es jedoch schon zur ersten Panne. Einer der beiden Sonderzüge blieb zunächst eine Stunde lang liegen, bevor Bamberg als unplanmäßiger Halt angesteuert werden musste. Eine technische Störung am ICE sei Grund für das Liegenbleiben auf halber Strecke gewesen, wie das Schienenunternehmen anschließend bestätigte. Von der ursprünglichen Ankunftszeit um 23.15 Uhr in der bayerischen Landeshauptstadt waren die bis zu 150 Ehrengäste nach der Panne jedoch weit entfernt. Mit einer Verspätung von mehr als zwei Stunden erreichte der gar nicht so schnelle Sonderzug letztendlich sein Ziel.

Seit dem peinlichen Start scheint die Pannenserie auf der neuen Schnellfahrstrecke jedoch nicht abzureißen. Auch am Sonntag, dem ersten Tag des regulären Betriebs auf der 623 Kilometer langen Strecke hatte sich ein ICE wegen technischer Probleme stark verspätet. Am gestrigen Montag fiel die Verbindung um 7.38 Uhr vom Berliner Hauptbahnhof in Richtung München aus, weil der Zug nicht abfahrbereit am Gleis stand. Die letzte Panne gab es erst vor wenigen Stunden, am Dienstagmorgen: Wieder traf es die frühe Verbindung vom Hauptbahnhof Berlin, nun allerdings wegen einer technischen Störung am Zug. Der ICE habe schon aus Hamburg nicht losfahren können und sei dementsprechend nicht in der Hauptstadt angekommen. Und die Fahrgäste? Die müssen auch heute auf die nächste Verbindung warten oder auf langsamere Züge ausweichen.

Neuer Fahrplan kann (noch) nicht mit Flugplan konkurrieren

Mit dem Fahrplanwechsel zum 10. Dezember 2017 sollten die regulären ICE-Züge zwischen Berlin und München viereinhalb Stunden benötigen, die „Sprinter“ mit nur drei Zwischenhalten rund vier Stunden. Verlässlich scheint diese Ankündigung angesichts der aktuellen Pannen wohl noch nicht zu sein. Wem es wirklich auf die Zeit ankommt, die für die Strecke Berlin-München benötigt wird, sollte sich daher auch die Flugangebote von Berlin nach München ansehen. Bei rechtzeitiger Flugbuchung sind diese nicht nur günstiger als eine Bahnfahrt, der Flug nimmt mit gut einer Stunde auch wesentlich weniger Zeit in Anspruch als eine pünktliche Fahrt mit dem ICE-Sprinter.