Pannen und Störfälle: Wie sicher ist Fliegen?

Bild Wegen giftiger Dämpfe im Cockpit haben nicht alle Piloten gut LachenNachdem kontaminierte Kabinenluft Ende 2010 zu einem Beinahe-Absturz einer Germanwings-Maschine geführt hat, hat sich inzwischen herausgestellt, dass das wohl kein Einzelfall war. Wie der Spiegel berichtet, haben deutsche Airlines bereits wiederholt gegen ihre Meldepflicht bei derartigen Störungen verstoßen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will nun das Thema Flugsicherheit und speziell die ‘Probleme mit der Kabinenluft’ auf europäischer Ebene angehen.

Das Thema Flugsicherheit hat wieder deutlich an Brisanz gewonnen, nachdem Ende September ein Untersuchungsbericht über den Beinahe-Absturz einer Maschine der Lufthansa-Billigtochter Germanwings vor knapp zwei Jahren bekannt wurde.

Deutsche Fluglinien seien nach Erkenntnissen des Luftfahrt-Bundesamts bereits des öfteren ihrer Meldepflicht nicht nachgekommen, heißt es in einem Schreiben der Behörde vom November 2010. Das war einen Monat bevor ein A319 der Lufthansa-Tochter Germanwings in Köln beinahe abgestürzt wäre, weil offenbar giftige Öldämpfe ins Cockpit der Maschine gelangt waren. Beide Piloten des mit 149 Menschen besetzten Fliegers hatten daraufhin fast das Bewusstsein verloren. Einem Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) ist zu entnehmen, dass beide Piloten einen ungewöhnlichen Geruch wahrnahmen und danach über Konzentrationsschwierigkeiten, Übelkeit sowie Taubheitsgefühle klagten.

Bundesverkehrsminister Ramsauer fordert gemeinsames Handeln

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer fordert hinsichtlich der kontaminierten Kabinenluft ein gemeinsames Vorgehen auf europäischer Ebene. Zugleich wies er Vorwürfe zurück, die Behörden würden Probleme mit den Öldämpfen vertuschen. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung befasse sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Kabinenluft, von den Ermittlern werde nichts unter den Teppich gekehrt. Kritik zu dieser Absicht kommt aus der SPD-Bundestagsfraktion. Der tourismuspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Hans-Joachim Hacker, meint, das Ramsauer halbherzig reagiere.Bild Lufthansa will die Antriebsaggregate ihrer gesamten A380-Flotte nachbessern Er fordert, dass der Minister zunächst einen Masterplan zur Klärung aller Fragen in Verbindung mit dem Auftreten kontaminierter Kabinenluft und zur Beseitigung der Risiken im deutschen Luftraum vorlegen solle.

Lufthansa hat bereits Maßnahmen eingeleitet

Schätzungen der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) zufolge gibt es allein bei deutschen Airlines bis zu zehn Vorfälle dieser Art pro Woche. Ein Sprecher sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin Focus, dass die Flugzeughersteller diese Tatsache bisher einfach nur zur Kenntnis nähmen, weil noch keiner abgestürzt sei. Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty wies die Vorwürfe, dass die gesetzlich vorgeschriebene Meldepflicht nicht erfüllt wird, für seine Airline zurück. „Das, was gemeldet werden muss, melden wir auch.” Nicht jeder untypische Geruch an Bord sei meldepflichtig. Es sei ihm zudem schleierhaft, wie Cockpit auf derartige Zahlen komme. Lufthansa hat angekündigt, ein Gerät zur Schadstoffmessung in der Kabine entwickeln zu lassen und die Antriebsaggregate ihrer gesamten A380-Flotte nachzubessern.