Referendum: Menschen in Katalonien stimmen für Unabhängigkeit

Bild Referendum in KatalonienIm spanischen Katalonien drehte sich am Wochenende alles um ein Referendum, das keines sein darf. Begleitet von harten Polizeieinsätzen schafften es dennoch etwa 2,6 Millionen Menschen zu den Wahllokalen, um ihre Stimme abzugeben. Das Ergebnis: 90 Prozent der Katalanen sind für eine Abspaltung von Spanien.

In Katalonien hat eine überwältigende Mehrheit dafür gestimmt, sich vom Mutterland loszulösen. Doch das von der Regionalregierung angestoßene Referendum war illegal, es war vorab gerichtlich verboten worden und wurde gegen den Willen der Zentralregierung Spaniens durchgeführt. Zusammenstöße mit der Staatsgewalt waren fast vorprogrammiert und doch in ihrer Härte für Beobachter kaum zu ertragen.

Abstimmung begleitet von zahlreichen Eskalationen

Was sich am Wochenende in einem der beliebtesten Städtereiseziele Europas, der katalanischen Hauptstadt Barcelona, abgespielt hat, haben wohl viele nicht erwartet. Weil sie das Referendum weder erlaubt hatte, noch deren Ergebnis anerkennen würde, hat die spanische Zentralregierung mit aller Härte versucht, die Abstimmung zu verhindern. Bereits im Vorfeld waren Wahlplakate und Wahlzettel beschlagnahmt worden, abstimmungswillige Bürger wurden teils gewaltsam angegangen. Europaweit wird jetzt das Vorgehen der Beamten, die auf Anweisung der spanischen Regierung handelten, kritisiert. Amtlichen Angaben zufolge wurden 844 Menschen verletzt. Das alles ändert jedoch nichts am Ergebnis der Abstimmung, das zugunsten einer Abspaltung vom Mutterland Spanien ausgefallen ist. Doch weshalb wollen die Katalanen unbedingt raus?

Deshalb will sich Katalonien abspalten

Schon immer hat Katalonien seine eigene Kultur und Traditionen, gar eine eigene Sprache, der Nationalismus ist stark verwurzelt. Mit der Regierung in Madrid verbindet viele Katalanen nur wenig, zumal gerade der amtierende Ministerpräsident Rajoy in den vergangenen Jahren nicht auch nur das geringste Zugeständnis an die freiheitsliebenden Katalanen gemacht hat. Und noch eines ärgert die Menschen in der Region: Mit Barcelona, der Costa Brava und der Costa Dorada befinden sich gleich drei Top-Reiseregionen in Katalonien, die jährlich von etwa 18 Millionen Urlaubern besucht werden. Mit anderen Worten – in der autonomen Gemeinschaft Katalonien sitzt das Geld, das vom wirtschaftlich eher schwachen Rest des Landes jedoch nur zu gerne mitgenutzt wird. Da erscheint es nur zu verständlich, dass die Katalanen, die sich seit jeher schon von Kastilien abgrenzen wollen, zu so großen Teilen für die Unabhängigkeit votiert haben.

Aktuelle Hinweise für Urlauber

Wie es nach dem offiziell ungültigen Abstimmungsergebnis weitergeht, ist angesichts der verhärteten Fronten in Spanien noch nicht absehbar. Urlaubern wird gerade in Barcelona empfohlen, größere Menschenansammlungen zu meiden und den Anweisungen von Behörden und Sicherheitskräften Folge zu leisten. Dazu ruft auch das Auswärtige Amt auf.