Reisepass: Deshalb ist das „X“ für Intersexuelle nicht ganz neu

Bild Reisepass mit drittem GeschlechtDie aktuelle Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, neben den Geschlechtern „männlich“ und „weiblich“ auch ein drittes Geschlecht, wie „anders“ oder „divers“ im Personenstandsregister bei den deutschen Standesämtern zu ermöglichen, hat auch Auswirkungen auf den deutschen Reisepass.

Kaum bekannt ist jedoch, dass es schon vor der offiziellen Einführung eines dritten Geschlechts, ein dritter Eintrag im Reisepass möglich gewesen ist. Wer als intersexueller Mensch von der Änderung betroffen ist, hatte demnach schon seit dem Jahr 2013 die Möglichkeit, ein drittes Geschlecht im Reisepass eintragen zu lassen.

Im Reisepass gibt es schon länger drei Geschlechter

Nicht das Passgesetz selbst, sondern ein Rundschreiben des Bundesinnenministeriums vom 16. September 2013 (Az. IT 4 – 20105/20#21) wies darauf hin, dass im Reisepass ein drittes Geschlecht einzutragen ist. Diese Empfehlung folgerte ihrerseits aus der Entscheidung des Gesetzgebers im Mai 2013, dass der Geschlechtseintrag im Geburtsregister offengelassen werden kann. Bei Reisepässen ist ein Eintrag aber zwingend erforderlich, weshalb das Innenministerium bereits vor vier Jahren empfahl, bei unbestimmtem Geschlecht, das Kürzel „X“ zu setzen. Für das weibliche Geschlecht wird internationalen Bestimmungen zufolge ein „F“ (englisch: female) gesetzt, für das männliche Geschlecht ein „M“ (englisch: male). Wenn auch das „X“ aus dem Jahr 2013 bewusst nur für die Kategorie des unbestimmten Geschlechts, nicht aber für die des dritten Geschlechts, eingeführt wurde, dürfte es auch künftig beim „X“ im Reisepass bleiben.

Intersexualität jetzt auch gesetzlich anerkannt

Immerhin ist das „X“ schon jetzt international etabliert, wenn es auch keine offiziellen Zahlen dafür gibt, wie viele deutsche Inhaber eines Reisepasses einen solchen Eintrag führen. Deshalb schlägt das Deutsche Institut für Menschenrecht auch vor, „X“ im Reisepass immer dann zu verwenden, wenn es um Personen mit dem Geschlechtseinträgen „weitere Geschlechtsoptionen“ oder „keine Angabe“ zu verwenden. Auch für das neu zu schaffende dritte Geschlecht dürfte das „X“ im Reisepass zur Anwendung kommen, wenn es auch dann nicht mehr für etwas „Unbestimmtes“, sondern eben für eine selbständige Alternative.

Wer als intersexueller Mensch die Bezeichnung „X“ noch nicht im Reisepass führt, kann diese jetzt einschreiben lassen, auf Grundlage dessen was im jeweiligen Geburtenregister eingetragen ist. 80.000 bis 160.000 Menschen sind nach Schätzungen in Deutschland von Intersexualität betroffen. Bei intersexuellen Menschen kann anatomisch oder hormonell nicht eindeutig festgelegt werden, ob sie Mann oder Frau sind. Für alle Betroffenen trägt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das Geschlecht eines jeden als Persönlichkeitsrecht zu schützen, eine wichtige Bedeutung: Damit wird auch die eigene Identität derjenigen geschützt, die sich nicht dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen lassen.


Quelle: YouTube/anyway.tv