Unmut: Wird der Tourismus zu viel für Island?

Bild Tourismus auf IslandIsland ist eines der Trend-Reiseziele der vergangenen Jahre. Ein paar Tage im kleinen, aber super-hippen Reykjavik, danach eine längere Wandertour zu den Naturschönheiten der eisigen Insel. Doch der Ansturm gefällt nicht alle – unter vielen Einwohnern regt sich Widerstand.

Kaum jemand, der in letzter Zeit nicht von Island gehört hat. Seit 2010 ist die Zahl der Touristen auf der Insel um das Vierfache gestiegen. Eigentlich leben nur 330.000 Einwohner in dem Land, doch gerade im Sommer ist fast an jeder Ecke ein Besucher zu sehen.

Immer mehr Besucher auf der Vulkaninsel

Vielen Isländern stellt sich seit dem Tourismus-Boom immer häufiger die Frage, wie viele Besucher die Insel mit ihrer einzigartigen Natur überhaupt verkraften kann. Bereits vor einigen Monaten hat die isländische Tourismusbehörde bei den Einwohner nachgefragt und dabei festgestellt: Für drei Viertel ist der Druck schlicht zu groß. Jetzt gibt auch der Tourismusindustrieverband des Landes eine Warnung davor heraus, dass sich die Einstellung der Isländer gegenüber Besuchern weiter verschlechtern könnte. Vor allem in beliebten Regionen gebe es Zeichen dafür, dass die Stimmung gegenüber Touristen langsam kippt, so Direktorin Helga Árnadóttir gegenüber der dpa. Für den Tourismus als zweitgrößter Wirtschaftsfaktor auf der vulkanischen Insel eine große Gefahr. Nach der schweren Finanzkrise in den Jahren ab 2008 waren die steigenden Besucherzahlen ein echter Rettungsanker. Für 2017 erwarten Experten rund 2,3 Millionen Besucher auf der kleinen Insel, was einem satten Plus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Allein im September dieses Jahres wurden 378.300 Übernachtungen statistisch erfasst. Größte Besuchergruppe sind, wen wundert es, die Deutschen. Dahinter folgen zahlenmäßig die US-Amerikaner.

Auch Isländer profitieren von Urlaubern

Gerade im Bereich der gastronomischen Infrastruktur hat sich viel getan, seit immer mehr Touristen von außen kommen. Davon profitieren auch die Einwohner selbst, gerade in der Hauptstadt Reykjavik selbst, die sich teils sehr den Bedürfnissen der Urlauber angepasst hat. Auf dem Land dagegen konnten sich viele Bauern durch den Tourismus eine zweite Einnahmequelle aufbauen. Doch was genau stört die Isländer an ihren Besuchern, wenn diese doch frisches Geld ins Land bringen? Die Antwort ist, dass auch auf der Vulkaninsel die Mieten steigen, viele Hotels entstehen und es vielleicht nicht mehr ganz so einsam und gemütlich ist, wie vor einigen Jahren. Alles gängige Effekte eines wachsenden Tourismus, wie sie auch an vielen anderen Orten zu beobachten sind. Eine moderate Begrenzung des Wachstums scheint auch den Tourismusvertretern daher ratsam, um einem Ausverkauf Islands entgegenzuwirken. Konkret könnte das festgelegte Zahlen für Neueröffnungen von Restaurants und Hotels sein, aber auch beschränkte Zugänge zu den wichtigsten Naturschauplätzen der Insel.

Unterdessen wirbt Island aber weiter um neue Besucher. Der aktuelle Viral-Hit der isländischen Tourismusbehörde ist ein Video, in dem sich Touristen an dem vielleicht „schwersten Karaoke-Song der Welt“ versuchen. Lustig ist das allemal und macht auch Lust auf einen Island-Urlaub:


Quelle: YouTube/inspiredbyiceland