Übernahme: Lufthansa und Air Berlin stehen vor Unterschrift

Bild Air Berlin geht heute zu Teilen an LufthansaJetzt ist es sicher: Lufthansa und Air Berlin treffen sich heute um 12 Uhr beim Notar, um einen Kaufvertrag für einen Großteil der insolventen Fluggesellschaft zu unterschreiben. Das hat Unternehmenschef der Lufthansa, Carsten Spohr am Donnerstag bekannt gegeben.

Einen „Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Air Berlin“ stelle der heutige Termin dar, so Spohr. Es sei ein großer Tag, der in wenigen Stunden durch die Unterschrift besiegelt werde. Der Notartermin dürfte den Abschluss der wochenlangen Verhandlungen bilden.

Lufthansa erhält heute den Zuschlag

Mitte August hatte Air Berlin Insolvenz angemeldet, nachdem sie bereits Jahre in den roten Zahlen gesteckt hatte. Mit einem Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro durch die Bundesregierung wurde das Schlimmste, das sogenannte „grounding“ verhindert. In diesem Fall wären die Flugzeuge der Airline am Boden geblieben und wohl die wichtigsten Bieter aus den Verkaufsverhandlungen ausgestiegen. Von den ursprünglichen Interessenten waren am Ende nur noch Easyjet und eben Konkurrent Lufthansa übrig geblieben. Mitbewerber wie Ryanair hatten zuvor die Bevorzugung der Kranich-Airline durch Air Berlin kritisiert. Allerdings hatte Lufthansa-Chef auch in den Monaten davor bereits dafür gesorgt, sein Unternehmen in beste Ausgangslage zu bringen: Durch die Anmietung von 38 Air-Berlin-Maschinen mitsamt der Crews hatte Lufthansa bereits für frisches Kapital gesorgt. Gleichzeitig kam es zu einer Kooperation mit Großaktionär Etihad und der Spohr-Vertraute Thomas Winkelmann wurde als Chef der nunmehr insolventen Air Berlin eingesetzt. Bei all diesen Rahmenbedingungen hätte es schon sehr verwundert, wenn Lufthansa nicht die gewünschten Unternehmensteile erhalten hätte.

Wie sieht die Zukunft von Air Berlin aus?

Zu den bereits angemieteten Flugzeugen sollen demnach weitere Mittelstrecken-Maschinen hinzukommen. Von insgesamt 81 Flugzeugen ist die Rede, die Lufthansa übernehmen soll. Dazu wolle man 3000 Mitarbeiter einstellen und rund 1,5 Milliarden Euro investieren, so Spohr gegenüber der „Rheinischen Post“. Das Geld wird auch dringend benötigt, denn wie Anfang der Woche durchsickerte, sind die Kassen bei Air Berlin leer. Nur noch bis zum 28. Oktober könne man den Flugverkehr aus eigenen Mitteln aufrechterhalten, so das Unternehmen. Würde es heute nicht zur Unterschrift kommen, ginge bei der insolventen Fluggesellschaft ab Monatsende demnach nichts mehr. Wie seit 25. September bekannt ist, wird in jedem Fall die Langstrecke von Air Berlin zum 15. Oktober eingestellt. Gestrandeten Passagieren will man von Seiten Lufthansas im Einzelfall wohl auch zu einer vergleichsweise günstigen Heimreise verhelfen, wenn die Kapazitäten ausreichen.