Wartezeiten und Gepäckverlust: So ersparen Airlines sich Kundenvertrauen

Bild Gepäckverlust und andere ÄrgernisseWenn der Flug nur zwei Stunden dauert, Sie aber drei Stunden am Gepäckband auf Ihren Koffer warten, sind Sie wahrscheinlich gerade an einem europäischen Airport gelandet. Bei vielen Airlines wird der Gepäck-Service immer schlechter – mit Folgen für die Kunden.

Europas Airlines sparen an allen Ecken. Was bisher vor allem auf Kosten der Mitarbeiter ging, weitet sich nun auf die Kunden aus, die eigentlich von günstigeren Ticketpreisen profitieren sollten. Doch guten Service gibt es eben nicht für umsonst, gerade in der Ferienzeit.

Sparkurs der Airlines führt zu Chaos bei Gepäckabfertigung

Wegen der starken Konkurrenz untereinander müssen vor allem die Billigflieger in Europa den Gürtel enger schnallen. Das tun sie bei den Personalkosten, bei der Bestuhlung in ihren Maschinen, nicht zuletzt aber auch bei der Personalplanung an sich. Zu Zeiten großer Auslastung, wie etwa im Sommer, zeigt sich schnell, wenn am falschen Ende gespart wird. Wer derzeit in Berlin, aber auch Hamburg, Düsseldorf und Bremen aus dem Urlaub zurückkehrt, muss Geduld mitbringen, weil die Masse der Gepäckstücke für die angestellten Verlader kaum mehr zu bewältigen ist. Wartezeiten von mehreren Stunden auf einen einzigen Koffer sind da keine Seltenheit.

Bild Koffer wegDoch wie kann es zu solchen Engpässen kommen? Weder die Sommerferien noch der Urlaub der eigenen Belegschaft dürften für Airlines und ihre dienstleistenden Unternehmen unvorhersehbare Ereignisse sein. Mit guter Personalplanung müsste auch die Hochsaison an deutschen und anderen Airports zu stemmen sein. Doch am aktuellen Gepäck-Debakel zeigt sich, wie dünn die Personaldecke tatsächlich ist. Laut Airport-Sprechern sei es generell schwer, geeignetes Personal für den Schichtdienst bei der Gepäckabfertigung zu finden. Hinzu kämen überraschende Krankheitsfälle. Übersetzt heißt das so viel wie: Wir haben so wenig Personal, dass die Erkrankung einiger Mitarbeiter gleich Chaos verursacht. Dazu kommen die Problematik relativ vieler Umsteige an den Drehkreuzen und Terminals, die über keine modernen Gepäcksysteme, wie etwa in Asien, verfügen. So entstehen leicht längere Wartezeiten, im schlimmsten Fall kommt es gar zum Verlust des Koffers. Doch welche Rechte haben Flugreisende und was ist zu tun, wenn der Koffer weg ist?

Passagierrechte bei Wartezeit und Gepäckverlust

Für alle, die ihren Koffer erst nach Stunden vom Gepäckband holen können, zunächst eine schlechte Nachricht: Die EU-Fluggastrechteverordnung sieht für solche Fälle bisher keine Entschädigungen vor. Wenn der Flieger ohne Verspätung gelandet ist, hat die Airline ihre Pflicht zunächst einmal erfüllt. Und trotz allen Ärgers ist der Koffer zumindest noch da. Ist das Gepäckstück wirklich weg, gilt es den Schaden innerhalb von sieben Tagen an den Lost-and-Found-Schaltern Flughafen und bei der Airline zu melden. Dort erhalten Passagiere auch eine Schadensmeldungsnummer, die den Vorgang weiter begleitet. Nach der Schadensmeldung können Reisende einen Noteinkauf tätigen, der jedoch verhältnismäßig sein sollte. Die Belege sind aufzubewahren, um die Kosten später zurückfordern. Maximal 1350 Euro werden auf Grundlage des Montrealer Übereinkommens erstattet. Auch ein Grund, weshalb Wertgegenstände unbedingt ins Handgepäck gehören. Als verloren gelten Koffer, Taschen und andere Gegenstände, wenn sie nach 21 Tagen noch nicht aufgetaucht sind. Wer ohne Koffer im Pauschalurlaub ankommt, hat zusätzlich einen Anspruch auf Preisminderung, die jedoch oft mit dem Reiseveranstalter auszuhandeln ist. Experten halten eine Reduktion von 25 Prozent ab drei Tagen ohne Gepäck für angemessen, für die gesamte Reisezeit von 50 Prozent.

Unser Tipp: Machen Sie noch vor Aufgabe des Gepäcks ein Bild von Koffer und Inhalt. Das erleichtert im Schadensfall den Nachweis der tatsächlichen Schadenssumme.


Quelle: YouTube/Frankfurt Airport