Weingenuss auf Mallorquin

Bild Mallorca OlivenbaumTypisch spanische Abende und Feiern, bei denen es an gutem Wein nicht fehlen darf, kennen die meisten nur aus dem Fernsehen. Deshalb sollte für jeden Urlauber auf Mallorca, der gleichzeitig an Kultur und Geschichte der Region interessiert ist, die wunderschöne Weinroute von Palma durchs malerische Landesinnere auf dem Programm stehen. Der fruchtbare Boden der Gegend verleiht dem Wein einen einzigartigen Geschmack und macht ihn über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Von Palma aus empfiehlt es sich, mit dem Mietwagen oder Zug in Richtung Inca zu fahren. Dieser fährt immer wochentags zwischen ca. 6:00 und 20:00 Uhr stündlich vom Bahnhof „Plaça Espanya“ ab, an den Wochenenden etwas seltener. Die Reiseroute verläuft nordöstlich und durchquert dabei die Serra de Tramuntana, wo zahlreiche Weinkellereien in den Dörfern auf Weinliebhabern aus aller Welt warten.

Santa Maria de Camí

Der erste Stopp ist im 20km entfernten Santa Maria de Camí. Im 18.Jh. wurde hier vermehrt Branntwein hergestellt und nach ganz Europa sowie Südamerika exportiert. Besonders sehenswert ist die Avenc de Son Pou, eine 50m hohe Naturhöhle, durch deren Öffnung das warme Licht der Sonne einfallen kann. Ebenso empfiehlt sich ein Besuch der Pfarrkirche Santa Maria del Camí aus dem 17.Jh., deren Kirchturm von blauen Wandfliesen geschmückt wird.

Consell

Nach nur weiteren 5km führt die Weinroute den Urlauber durch das beschauliche Örtchen Consell, dessen Name sich vom lateinischen concilium – Versammlung – ableitet. Zur römischen Zeit versammelten sich hier die hohen Amtsträger. Die Römer waren es auch, die den Wein-, Oliven- und Getreidebau in die Region einführten. Der Camí de Muntanya, ursprünglich ein Herdenwanderweg, ist besonders sehenswert. Er führt an den ältesten Häusern der Gegend vorbei, die allesamt in Verbindung mit dem Weinanbau der damaligen Zeit entstanden.

Binissalem

Der dritte und bekannteste Ort entlang der Weinroute ist Binissalem, nur 27km von Palma entfernt. Neben den Weinbauern leben im Ort selbst noch viele Steinmetze. So kann man beim Schlendern durch die Straßen und Gassen die wunderschönen Steinhäuser und Herrschaftshäuser in der „Passeig des Born“ – Passage, sowie deren Architektur bewundern, zum Beispiel am Haus „Can Marc“, welches durch eine ansehnliche barocke Fassade aus dem 18.Jh. geschmückt wird.

Die für die Binissalem und die Region typischen Rotweine aus verschiedenen Verschnitten der Rebsorten Manto Negro, Callet und Moll mit europäischen Weinsorten verleihen den Weinen einen ganz eigenen Charakter. Nur diese verdienen die weltweit bekannte Herkunftsbezeichnung „Binissalem“ und stehen überall in den Weinkellereien zur Verköstigung bereit. Zu den bekanntesten Kellereien gehören Vins Nadal, Biniagual, Antonio Nadal, José Luis Ferrer und Tianna Negre. Seit Generationen wird hier das Fachwissen über traditionellen, liebevollen und qualitativ hochwertigen Weinanbau weitergegeben.

Beim Weinlesefest Ende September muss man unbedingt die „Fideus de Vermar“ (zu deutsch: Weinlesenudeln), ein traditionelles Gericht aus Fadennudeln und Lammfleisch, probieren. Die Mahlzeit wird von den Erntehelfern während der Weinlesezeit bevorzugt, da sie satt macht ohne schwer im Magen zu liegen. Die Gegend rund um Binissalem zeichnet sich durch eine große kulturelle Vielfalt aus. So finden sich viele Besucher zum Beispiel zum Tanz der Feuerteufel – „Correfoc“, den Weinstampffesten und -wettbewerben ein.

Sencelles

Ein weiterer erwähnenswerter Ort dieser Weinroute ist Sencelles. Über den Camí de Biniagual sind es von Binissalem aus nur knappe 7km. Ab dem 13.Jh. erlebte dieser Ort großen wirtschaftlichen Aufschwung, der der Wein- und Branntweinherstellung geschuldet war. In den Jahren bis zum 19.Jh. entstanden hier mehr als 127 Kellereien, weshalb Sencelles mittlerweile ein bedeutender Wallfahrtsort für Weinbauern und Weinliebhaber ist. Des Weiteren bietet sich hier die Gelegenheit, sich auf dem Rundweg um den Ort und mitten durch die malerische Landschaft zu begeben. Zu Fuß benötigt man in etwa 1,5 Stunden und passiert dabei zwei bedeutende Anwesen: Can Raió und Can Morelló. Zum Abschluss dieser Reise laden die Kellereien von Jaume Bennàssar, Can Ramis und Ca Sa Padrina ebenfalls zur Verköstigung ihrer traditionellen Weinsorten ein.

Wer nun Lust hat, sich auf die erlebnisreiche Weinroute zwischen Palma und Inca zu begeben, der sollte mindestens einen Urlaubstag dafür einplanen. Besser sind allerdings zwei, damit ausreichend Zeit für die Besichtigung der einzelnen Kellereien bleibt.