Eine Schlucht voller Legenden: Der Grand Canyon in den USA

Schluchten, oder auf Englisch „Canyons“, gibt es viele – auch in Deutschland. Hierzulande wird das Elbtal an der Bastei als Canyon betitelt oder aber das tiefe Bodetal bei Thale im Harz. In Frankreich kennt man die berühmte Verdonschlucht und in Griechenland die Vikos-Schlucht, die als vermeintlich tiefste Schlucht im Guinness-Buch steht. Doch der Grand Canyon in den USA stellt sie alle in den Schatten. Platz 3 unserer Reihe:

 

Grand Canyon: 1 von 10 Orten, die man gesehen haben muss

Der Mythos Grand Canyon

Vor allem die gigantischen Ausmaße des Grand Canyon sind es, die ihm seine Bedeutung als eines der größten Naturwunder der Erde eingebracht haben. Er ist zwar nicht die tiefste Schlucht der Welt – die liegt in Nepal mit einer Tiefe von 5.000 Metern -, doch der Grand Canyon setzt sich am besten in Szene. Der Colorado River hat sich auf einer Fläche von stolzen 4.925 Quadratkilometern bis zu 1.800 Meter tief in die Gesteinsschichten gegraben. Die durchschnittliche Breite der Schlucht beträgt 16 Kilometer! Hinzu kommt die rote Farbe des Gesteins, durch welche der Grand Canyon wirkt, als wäre er einer Landschaft vom Mars nachempfunden.


Quelle: Youtube.com/Around The World 4K

Von Legenden umrankt ist der Grand Canyon zudem durch die ausgeprägte, indianische Kultur. Die Anasazi lebten schon 700 vor Christus im Gebiet des Grand Canyons, bekannter sind jedoch die jüngeren Stämme Hopi und Navajo. Und wer alten Kulturen wenig abgewinnen kann, den begeistert der Artenreichtum. Vom höchsten Punkt auf 2.683 Metern über die steilen Hänge bis tief in das Tal des Colorado hinab drängen sich unterschiedliche Lebensräume auf kleiner Fläche. Der Grand Canyon ist deshalb Heimat von 1.500 Pflanzen-, über 350 Vogel- und knapp 90 Säugetierarten, darunter sogar der Puma. Hinzu kommen 56 Reptilien- und Amphibienarten. Weltweit berühmt wurde der Grand Canyon letztlich aber erst durch die Filmindustrie. Er diente als Kulisse für unzählige Western, Abenteuerfilme und Road Movies. Dadurch wurde der Grand Canyon nicht nur Symbol für das Göttliche, Naturgewalten und das Leben, sondern auch ein Symbol der Freiheit. Zugleich lehrt er dem Menschen Demut und all das ist es, was die Schlucht mit Legenden füllt.

Schwierige Anfahrt zum Grand Canyon

Für Besucher stellt der Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona eine Herausforderung dar, da das riesige Gebiet schwer zu umfahren und mit dem Auto nur aus zwei Richtungen zu erreichen ist. Die jährlich über fünf Millionen Besucher des Canyons kommen entweder von Norden und fahren auf der Route 67 bis zum weniger erschlossenen „Noth Rim“, dem Nordrand, mit dem North Rim Visitor Center und dem Walhalla Overlook Point – oder sie reisen aus dem Süden an und kommen auf der Route 64 aus Richtung Williams und Flagstaff.

Die Route aus dem Süden ist unter anderem optimal, reist man von Las Vegas aus an. Dann sollte man wegen der langen Fahrt (ca. 4,5h) jedoch eine Übernachtung einplanen, möchte man den Grand Canyon ausgiebig besichtigen. Kurz vor dem Grand Canyon erreicht man auf der Route 64 das „Grand Canyon Village“ am Südrand des Canyons. Dort gibt es Gastronomie und Hotels. Hinter dem Village biegt die Route 64 nach Osten und führt 30 Kilometer entlang des „South Rim“ durch den Grand Canyon Nationalpark mit vielen Aussichtspunkten und dem 70 Meter hohen „Dessert View Watchtower“

Der Dessert View Watchtower am Grand Canyon

Der Grand Canyon Nationalpark

Für gewöhnlich bezahlt man in den USA an der Einfahrt zu einem Nationalpark Eintritt. Tickets für private PKW kosten  im Grand Canyon Nationalpark beispielsweise 25 US-Dollar. Das Ticket berechtigt zum Besuch des Nationalparks an sieben aufeinanderfolgenden Tagen. Weitere Preise für den Grand Canyon Nationalpark:

  • Motorräder: 25 $
  • Fußgänger: 10$
  • Radfahrer: 10$

Wer jedoch bei einem Urlaub in den USA macht und mehrere Nationalparks besuchen mag, für den lohnt die Jahreskarte „America the Beautiful Annual Pass“. Diese Jahreskarte gilt für alle Nationalparks auf einmal und kostet 80 US-Dollar.

Tipps für Aktivitäten am und um den Grand Canyon

Im Grand Canyon Nationalpark selbst kann man dann verschiedene Aktivitäten wahrnehmen. Das meist schon länger im Vorfeld ausgebuchte Angebot reicht von geführten Wanderungen über Bootstouren bis zu Helikopterrundflügen. Touren mit Flugzeugen und Helikoptern lassen sich aber nicht nur am Grand Canyon chartern, sondern auch ab Las Vegas. Von dort werden auch Tagesausflüge mit dem Bus angeboten, die jedoch relativ strapaziös sind. Ab Las Vegas fährt man zum Grand Canyon Village etwa 4,5 Stunden.

Zu den Aktivitäten am Grand Canyon zählt auch die Tierbeobachtung.
In die Grand Canyon Tagesprogramme sind oft auch Indianeraufführungen oder kurze Rundflüge eingebunden. Bei den Rundflügen sollte man bei der Auswahl der Anbieter vor allem darauf achten, wie lange der Rundflug jeweils dauert. Oft sind es nur kurze Flüge über den Canyon von zirka 10 bis 15 Minuten. Das reicht an sich auch völlig aus, aber manch einer erhofft im Nachhinein vielleicht mehr für sein Geld?

Neben Helikopter- und Flugzeugtouren ab Las Vegas sowie vor Ort gibt es im Ort Tusayan den Grand Canyon Airport, von welchem Flugzeuge zu etwas längeren Flügen entlang des Grand Canyon aufbrechen. Aber auch dieser Spaß ist verständlicher Weise nicht der günstigste, da die Flugangebote begrenzt und dennoch stark nachgefragt sind.

Die preiswerteste Möglichkeit, den Grand Canyon zu entdecken sind die kostenlosen Shuttle Busse im Nationalpark, die am Südrand („South Rim“) unterwegs sind. Sie erschließen den Canyon auf drei Routen und verbinden Aussichtspunkte, Wanderwege und gastronomische Einrichtungen auf Straßen, die für private PKW weitgehend gesperrt sind. Die Busse fahren tagsüber etwa alle 15 Minuten, sodass ein Fahrplan eigentlich überflüssig ist.

Für Wanderungen im Grand Canyon Nationalpark empfiehlt sich das Grand Canyon Village am South Rim. Von hier sind verschiedene Routen wie der Rim Trail oder der Bright Angel Trail ausgeschildert. Besonders beliebt ist die Wanderung den Canyon hinab zum Colorado River. Man sollte jedoch nicht unterschätzen, dass die Routen in die Schlucht hinab nicht nur steil, sondern auch unwegig sind. Weil einige die Anstrengung, die Höhenluft und den Anspruch der Wanderung unterschätzen, kommt es jährlich zu schweren Unfällen von Wanderern. Am besten kombiniert man Wanderungen im Nationalpark mit dem kostenlosen Shuttle-Service.

Unterhaltsam und bequem ist die Erkundung des Canyons mit dem Maulesel. Auf dem Rücken der Tiere kann man die Wege am besten bewältigen und zugleich genießen. Die Touren führen alle am Rand des Canyons entlang. Ausflüge mit dem Maultier zum Colorado River hinab gibt es nicht. Zu beachten ist, dass man nicht über 100 Kilogramm wiegen darf und sich rechtzeitig anmelden muss, da wie bei den Rundflügen auch bei den Trail Rides lange Wartezeiten bestehen. Erhält man einen Platz, dauert der kürzeste Ausflug mit dem Maultier etwa eine Stunde entlang des South Rim. Halbtagestouren gibt es zum Uncle Jim’s Point sowie in den Canyon zum Supai Tunnel am Kaibab Trail.

Komfortable Anreise mit der Grand Cannyon Railway

Wer den Grand Canyon in ein umfassendes Abenteuerprogramm einbetten möchte, kann für die Anreise auch ganz auf ein Auto oder Fluggerät verzichten und stilecht mit der Eisenbahn anreisen. Die Grand Cannyon Railway fährt unter dem Motto „Make A Grand Trip Grander“ einmal täglich sogar mit einem schnaufenden Dampfross (meist jedoch mit Dieselloks) und klimatisierten Wagen von Williams (Arizona) zum Grand Canyon Village. Da die Bahn in den USA einen völlig anderen Status genießt, als bei uns, kann man sich auf ein erstklassiges Erlebnis voller Komfort und Service freuen. Hier wird die Bahnfahrt zum Event.


Quelle: Youtube.com/Grand Canyon Railway & Hotel

Schon seit 1901 ist die Bahnstrecke in Betrieb, um das hiesige Hotel zu bedienen. Heute bringt einen die Bahn nicht nur auf bequeme Weise durch eine herrliche Landschaft bis zum Canyon, sie bricht im gleichen Moment zu einer Zeitreise in die Vergangenheit auf. Man fühlt sich zurückversetzt in die abenteuerliche Zeit der Goldgräber und Pioniere, die Amerika entdecken und vermessen wollten.

Der Grand Canyon Skywalk

Aber es gibt noch eine Alternative: Der Grand Canyon beschränkt sich nicht nur auf den gleichnamigen Nationalpark. Ein gutes Stück westlich, näher an Las Vegas, liegt außerhalb des Parks der Flughafen Grand Canyon West mit dem gleichnamigen Erlebnispark. Er ist über die Bundesstraße 25 und 261 aus Kingman oder Dolan Springs zu erreichen. Ab Las Vegas verkürzt sich die Fahrzeit hierhin zum „West Rim“ beispielsweise auf unter 2,5 Stunden.

Erlebnispark Grand Canyon West am West Rim des Grand Canyons
Der Erlebnispark Grand Canyon West bietet eine ebenso spektakuläre Aussicht wie die Viewpoints im Nationalpark. Die große Besucherattraktion ist jedoch der Grand Canyon Skywalk, den die Hualapai-Indianer 2007 nach vier Jahren Bauzeit eröffnet haben. Der Skywalk besteht aus einer hufeisenförmigen Terrasse mit durchsichtigem Glasboden, die über den Rand des Grand Canyons ragt. Das sieben Zentimeter dicke Spezialglas des Grand Canyon Skywalk kommt übrigens aus Köln und das Glas der Brüstung aus Berlin. Der Eintritt zum Grand Canyon Skywalk kostet 80 US-Dollar inklusive Mahlzeit, Shuttle-Service und Führung zu drei weiteren Aussichtspunkten.

Mit einem Hotel in der Nähe kann man den Grand Canyon auch im Sonnenuntergang erleben.

Die 5 besten Aussichtspunkte am Grand Canyon

  • Hopi Point: Hier hat man ein fantastisches Panorama und erkennt demutsvoll die gigantischen Dimensionen des Grand Canyons. Der Hopi Point ist zudem Ausgangspunkt für eine Wanderung auf dem Rim Trail entlang der Schlucht.
  • Lipan Point: Dieser Aussichtspunkt am Grand Canyon liegt auf 2.243 Metern am Desert View Drive. Von hier kann man auch einen Blick auf den Colorado River und die Mündung des Zuflusses Unkar Creek werfen. Außerdem sieht man die Stromschnellen des Hance Rapids.
  • Mather Point Vista: An diesem Aussichtspunkt findet man eine Informationstafel vor, die Details über den Grand Canyon und den Colorado River preisgibt, zum Beispiel dass der Canyon hier 1.524 Meter oberhalb des Flusses liegt.
  • Grandview Point: Der Name dieses Aussichtspunkt lässt richtig vermuten, dass man hier eine besonders beeindruckende Sicht auf ein sehr breites Panorama des Grand Canyons hat. Der Grandview Point liegt an dem Desert View Drive entlang des South Rim und ist mit dem kostenlosen Shuttle des Nationalparks zu erreichen.
  • Grand Canyon Skywalk: Der Skywalk am West Rim ist über den Zugang zum Erlebnispark Grand Canyon West erreichbar und bietet eine spektakuläre Rundumsicht sowie den einmaligen Blick durch den Glasboden nach unten.

Haben Sie Lust bekommen, den Grand Canyon zu besuchen? Mehr Orte, die man im Leben gesehen haben muss, finden Sie in unserer gleichnamigen Artikelserie. Hier geht es zu Platz 4: Das Great Barrier Reef in Australien.

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