Welterbe Rhätische Bahn


Im Juni 1888 erfolgte der Spatenstich zu einem mehr als bemerkenswerten Meisterwerk: Der eisenbahntechnischen Erschließung des Schweizer Kantons Graubünden. Und das Vorhaben gelang mit Bravour! Inzwischen sind die von der Rhätischen Bahn betriebenen Strecke Teil des Welterbes und ein absolutes „Must-See“.

Die Rhätische Bahn (RhB) betreibt insgesamt neun Linien in Graubünden, wobei das Streckennetz auch Italien erreicht. Insgesamt misst es über 380 Kilometer und ist somit mehr als geeignet, um das malerische Kanton zu entdecken. Ein guter Ausgangspunkt ist der Hauptort Chur am rechten Ufer des Alpenrheins, wo die Rhätische Bahn ihren Unternehmenssitz pflegt. Chur gilt als älteste Stadt der Schweiz und übt so eine große Anziehungskraft aus. Mittelpunkt bildet die Tangente vom historischen Postplatz über die Poststraße in die Altstadt zum Rathaus aus dem 15. Jahrhundert. Auch Bürgerhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert bereichern das imposante Stadtbild. Hotels in Chur sind glücklicherweise in großer Zahl vorhanden, um hier genügend Zeit zum Staunen und Genießen zu verbringen.

Rhätische Bahn aus der Vogelperspektive

Rhätische Bahn aus der Vogelperspektive

Deshalb muss man Graubünden mit der Bahn entdecken

Von Chur aus lässt sich die herrliche Schweizer Alpenlandschaft am besten mit der Bahn erkunden. Nach dem Spatenstich 1888 erfolgte 1896 die Eröffnung des Abschnitts Landquart – Chur – Thusis als erster und heute ältester Teil des Streckennetzes. Ab Chur beginnt zudem die als Albulabahn bezeichnete Bahnstrecke, welche hinter Thusis noch bis zum Winterurlaubsort St. Moritz verlängert wurde. Ab St. Moritz führt die Strecke weiter auf der Berninabahn bis nach Tirano in der nördlichen Lombardei. – Und diese Strecke von Chur über St. Moritz bis nach Tirano ist seit 2008 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Dabei steht nicht nur die bahntechnische Meisterleistung durch das schwierige Gelände unter UNESCO-Schutz, sondern auch die Landschaft entlang der Strecke. Wichtige Kulturgüter, Ortsbilder sowie Naturerscheinungen bis zu 1.000 Meter links und rechts der Strecke sind ebenfalls in dem UNESCO-Titel enthalten. So ist nicht nur die Fahrt auf der Schmalspurbahn selbst eine Attraktion, sondern auch der Blick auf die atemberaubende Landschaft.

Rhätische Bahn aus der Froschperspektive

Die Rhätische Bahn von unten

Highlights und Abenteuer auf der Albulabahn

Die Albulalinie (benannt nach dem größten Nebenfluss des Hinterrheins) verläuft über rund 62 Kilometer. Bereits nach wenigen Minuten hinter dem Bahnhof Thusis geht es in spektakulärer Trassenführung über zahlreiche Brücken und durch Tunnel. Mit dem Soliser Viadukt wird auf 89 Metern die höchste Brücke der Rhätischen Bahn überfahren. Das Wahrzeichen der Bahn ist jedoch der 65 Meter hohe Landwasserviadukt. Diese Brücke verläuft in einem Bogen von nur 100 Meter Radius und führt unmittelbar gegen eine Felswand, durch welche der nächste Tunnel führt. Bei den Bergdurchfahrten nimmt der Zug auch sogenannte Kehr- und Spiraltunnel, wobei in 360 Grad-Kurven die extremen Höhenunterschiede gemeistert werden. Der bahntechnisch anspruchsvollste Abschnitt folgt dann zwischen Bergün und Preda. Hier werden bei nur 6,5 Kilometern Luftlinie mehr als 410 Meter Höhendifferenz überwunden.

Ihren höchsten Bahnhof erreicht die Albulabahn dann auf 1.815 Höhenmetern in Spinas. Während dieser atemberaubenden Fahrt bieten sich aus den komfortablen Waggons spektakuläre Aus- und Fernsichten in die herrliche Alpenlandschaft. Diese Strecke von Chur über Spinas bis zum Endpunkt der Albulabahn in St. Moritz ist auch die Strecke des legendären Glacier-Express. Dieser „langsamste Schnellzug der Welt“ ist mit seinen Panoramawagen speziell auf Schweiz-Urlauber ausgerichtet und verkehrt von Zermatt aus in acht Stunden über 291 Brücken, durch 91 Tunnel und über den 2.033 Meter hohen Oberalppass.

Rhätische Bahn vor einem Bergsee

Die Rhätische Bahn vor einem Bergsee

So grandios fährt’s sich auf der Berninabahn

Vom berühmten Kurort St. Moritz aus kann es schließlich auf der Berninabahn weiter über und durch das UNESCO-Welterbe gehen. Die Berninabahn nutzt ein anderes Bahnstromsystem, startet aber im selben Bahnhof der Albulabahn. Dabei steigt die Strecke wieder steil an auf bis zu 2.253 Höhenmeter nach Ospizio Bernina. Nun geht es durch Gletscherwelten. Dabei wird der mit 689 Meter längste Tunnel der gesamten Strecke durchfahren und es folgt ab Bernina Lagalb der landschaftlich reizvollste Teil. Im munteren Kurvenspiel der Gleise wechselt der Zug von Talseite zu Talseite. Ihren Endpunkt hat die Berninabahn schließlich, nach 60 Kilometern phänomenalem Bahn- und Naturerlebnis, in Tirano. Bei der Einfahrt in den malerischen Ort, dessen Kirchen und Plätze vor Romantik nur so strotzen, überquert die Berninabahn noch quer den Piazza Basilica. Hier sollte man aussteigen und die kulinarischen Spezialitäten genießen: köstlicher Wein, hervorragender Käse sowie die regionaltypische Teigware Pizzoccheri. Die Albula- und Berninabahn, das ist nicht zu bezweifeln, sind eine einzigartige Erfahrung der Alpen. Neben der reizvollen Natur werden zudem mehrere Kulturräume und historische Orte von großer Wertschätzung passiert. Darum ist diese Bahn eindeutig ein „MustSee“ für Urlauber in Graubünden und Italien-Reisende.

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