Tunesisches Essen entdecken


Das zauberhafte Land am Mittelmeer, eingerahmt von goldenen Stränden, weiten Olivenhainen und den Ausläufern der Sahara, packt auf jeden Teller so viel Geschichte, Wärme und Aroma, dass ihr nach dem ersten Bissen verstehen werdet, warum tunesisches Essen hier mit so viel Stolz gekocht wird.

Überblick

Der Duft von gegrillten Paprika in den engen Gassen der Medina, der erste Löffel einer dampfenden Kichererbsensuppe an einem kühlen Morgen, das Knuspern einer frisch frittierten Teigtasche, aus der das Eigelb leise hervorquillt. Tunesisches Essen ist mutig, sonnengereift und herzlich. Genau wie die Menschen, die sie euch servieren. Es lebt von frischem Gemüse, von Olivenöl, von Gewürzen, die wärmen, und natürlich von Harissa, jener feurig-roten Paste, die in fast keinem Gericht fehlt. Schnürt eure Sandalen, bringt Hunger mit und lasst uns gemeinsam herausfinden, was Tunesien so unwiderstehlich lecker macht.

Tunesisches Essen Gewuerze
Freut euch auf exotische Gewürze!

Geschichte der tunesischen Küche

Bevor wir zu den einzelnen Gerichten kommen, möchten wir euch gerne erzählen, warum das Essen in Tunesien so viel mehr ist als bloße Verpflegung: Es ist gelebte Geschichte. Über Jahrhunderte haben sich hier die unterschiedlichsten Kulturen vermischt. Und jede von ihnen hat ihre Spuren auf dem Esstisch hinterlassen.

  • Berber: Sie brachten den Couscous, der bis heute als tunesisches Nationalgericht gilt.
  • Araber: Sie sorgten für die aromatischen Gewürze und das süße Gebäck.
  • Andalusier: Sie steuerten schließlich die typisch süß-pikanten Geschmackskombinationen bei.
  • Franzosen: Sie hinterließen das knusprige Baguette, das ihr heute an jeder Ecke kauft.

Phönizier, Römer und Osmanen prägten über die Jahrhunderte weitere, spannende Zutaten.

Traditionen

Essen ist in Tunesien zudem ein zutiefst geselliger Akt. Man teilt, man reicht herum, man tunkt gemeinsam Brot in dieselbe Schüssel. Besonders während des Ramadan oder zu Festen wie dem Eid kommen ganze Familien zusammen, und die Tische biegen sich. Gastfreundschaft ist heilig: Setzt ihr euch an einen tunesischen Tisch, werdet ihr garantiert nicht hungrig wieder aufstehen. Diese Großzügigkeit, dieses Herzblut, das schmeckt man in jedem einzelnen Bissen.

Tunesisches Essen Medina
Lasst es euch in den Restaurants schmecken

Vorspeisen

Tunesische Vorspeisen sind kleine Geschmacksexplosionen und der perfekte Einstieg in jede Mahlzeit. Sie sind bunt, frisch und oft angenehm pikant. Und sie wecken den Appetit auf alles, was noch kommt. Viele werden lauwarm oder kalt serviert, immer begleitet von frischem Brot, mit dem ihr genüsslich tunken könnt.

Slata Mechouia

Ein gegrillter Gemüsesalat, der eure Geschmacksnerven verzaubern wird. Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch werden über offener Flamme geröstet, bis ihre Schalen schwarz werden und das Fruchtfleisch herrlich rauchig schmeckt. Danach häutet, hackt und vermengt man sie mit Olivenöl, Kümmel und Koriander zu einer aromatischen Paste. Garniert wird das Ganze klassisch mit Thunfisch, hart gekochten Eiern, Oliven und Kapern. Dazu reicht man frisches Brot. Diese rauchig-süße, leicht scharfe Vorspeise ist purer Sommer auf dem Teller und auf keiner tunesischen Tafel wegzudenken.

Brik

Die wohl berühmteste Vorspeise Tunesiens und ein echtes Erlebnis. In ein hauchdünnes Teigblatt namens Malsouka schlägt man ein rohes Ei, gibt Thunfisch, gehackte Petersilie, Kapern und manchmal etwas Kartoffel hinzu, faltet alles zu einem Dreieck und frittiert es goldbraun in heißem Öl. Die Kunst besteht darin, hineinzubeißen, ohne dass das noch flüssige Eigelb herausläuft. Die Tunesier schmunzeln über jeden Anfänger. Serviert wird Brik mit einem Spritzer Zitrone und Harissa. Knusprig, herzhaft, unvergesslich.

Tunesisches Essen Brik
Eine der bekanntesten Vorspeisen Tunesiens

Houria

Dieser wunderbar einfache, aber raffinierte Möhrensalat zeigt, wie viel Geschmack in wenigen Zutaten steckt. Karotten werden weichgekocht und anschließend grob zerdrückt. Dann mischt man sie mit Knoblauch, Harissa, Kümmel, Koriander, etwas Essig und reichlich Olivenöl. Das Ergebnis ist eine warme, leuchtend orangefarbene Spezialität, die süßlich, würzig und sanft scharf zugleich schmeckt. Oft wird sie mit Kapern, Oliven oder kleinen Käsewürfeln verziert. Houria serviert man als Teil der typischen Vorspeisenplatte mit Brot. Ein echter Geheimtipp für alle, die während ihres Urlaubs in Tunesien Neues entdecken wollen.

Kafteji

Kafteji ist tunesisches Soulfood und ein herzhaftes Vergnügen. Verschiedene Gemüse wie Paprika, Kürbis, Kartoffeln, Tomaten und Zwiebeln werden separat frittiert und anschließend gemeinsam auf einem Holzbrett klein gehackt. Dazu kommen gebratene Eier, manchmal auch etwas Leber. Gewürzt wird mit Harissa, Kümmel und Salz. Das Ergebnis ist eine warme, aromatische Mischung, die ihr direkt mit frischem Brot oder als Füllung im Sandwich genießt. Günstig, sättigend und absolut typisch für den tunesischen Alltag.

Tunesisches Essen Kafteji
Ein beliebter Imbiss zu jeder Tageszeit

Suppen und Eintöpfe

Wenn die Abende kühler werden oder der Magen nach etwas Wärmendem verlangt, sind tunesische Suppen und Eintöpfe genau das Richtige. Sie sind herzhaft, oft langsam geköchelt und stecken voller Aroma. Viele dieser Gerichte haben eine lange Tradition und werden besonders während des Ramadan zubereitet, wenn nach Sonnenuntergang die Familie zusammenkommt. Sie sättigen, trösten und erzählen Geschichten.

Lablabi

Ein wahres Wohlfühlgericht und der heimliche Star der tunesischen Frühstückskultur. Die Basis bildet eine Brühe aus weich gekochten Kichererbsen, kräftig gewürzt mit Knoblauch, Kümmel und Harissa. In eine Schüssel reißt man zunächst altbackenes Brot, gießt die heiße Brühe darüber und krönt das Ganze mit einem pochierten oder rohen Ei, Öl, Kapern, Oliven und einem Spritzer Zitrone. Jeder würzt nach eigenem Geschmack nach. Lablabi ist günstig, wärmend und unglaublich befriedigend.

Chorba Frik

Ihr besonderer Charakter kommt vom Frik, geröstetem Grünweizen, der der Suppe eine angenehm nussige Note und sämige Konsistenz verleiht. Gekocht wird sie mit Lamm- oder Rindfleisch, Tomatenmark, Zwiebeln, Sellerie und Petersilie, gewürzt mit Kümmel, Koriander und etwas Harissa. Alles köchelt langsam, bis sich die Aromen perfekt verbinden. Serviert wird die Chorba heiß mit einem Spritzer Zitrone und frischem Brot. Sie wärmt von innen und ist ein echtes Stück tunesischer Familientradition.

Tunesisches Essen Frik
Guten Appetit!

Hauptspeisen

Jetzt kommen wir zum Herzstück der tunesischen Tafel. Die Hauptgerichte sind üppig, aromatisch und spiegeln die ganze Vielfalt des Landes wider. Von der Küste mit ihrem frischen Fisch bis ins Landesinnere mit deftigen Fleischeintöpfen. Charakteristisch sind die kräftigen Gewürze, das allgegenwärtige Olivenöl und natürlich Harissa. Viele Gerichte werden gemeinsam aus einer großen Schüssel gegessen.

Couscous

Das tunesische Nationalgericht schlechthin und der unangefochtene Star jedes Festes. Der feine Hartweizengrieß wird traditionell mehrfach über dampfendem Wasser in einem speziellen Topf gegart, bis er locker und fluffig ist. Darauf kommt ein Eintopf aus Gemüse wie Karotten, Kürbis, Kichererbsen und Kartoffeln, dazu Lamm, Rind, Huhn oder an der Küste auch Fisch.

Ojja

Ein herzhaftes Pfannengericht, das ihr in ganz Tunesien findet und das blitzschnell zubereitet ist. Die Basis bilden Tomaten, Paprika, Knoblauch und reichlich Harissa, die zu einer würzig-scharfen Soße einkochen. Hinein schlägt man dann Eier, die in der heißen Umgebung stocken dürfen. Beliebte Varianten enthalten Merguez-Würstchen, Garnelen oder Tintenfisch. Gewürzt wird mit Kümmel und Koriander. Serviert wird Ojja direkt in der Pfanne mit viel Brot zum Tunken.

Tunesisches Essen Ojja
Würzig, sättigend und herrlich unkompliziert

Tunesische Tajine

Verwechselt sie nicht mit der marokkanischen Variante: Die tunesische Tajine ist etwas ganz anderes und erinnert eher an eine herzhafte Frittata oder einen Auflauf. Verquirlte Eier werden mit Fleisch wie Huhn oder Lamm, Käse, Petersilie, Zwiebeln und manchmal Kartoffeln oder Spinat vermengt und im Ofen gebacken, bis das Ganze fest und goldbraun ist. Gewürzt wird mit Kümmel und etwas Harissa. Nach dem Backen schneidet man sie in Würfel oder Stücke. Serviert wird sie warm oder kalt mit Salat und Brot.

Kamounia

Kamounia ist ein deftiger Eintopf, dessen Name vom Kümmel (arabisch „kamoun“) stammt, der hier großzügig zum Einsatz kommt. Rindfleisch oder Leber wird in Würfel geschnitten und langsam in einer Soße aus Tomatenmark, Knoblauch, viel Kümmel und Harissa geschmort, bis das Fleisch zart zerfällt. Manchmal kommen Kichererbsen hinzu. Die intensive, erdige Kümmelnote macht dieses Gericht unverwechselbar. Kamounia köchelt geduldig vor sich hin, damit sich die Aromen voll entfalten. Serviert wird sie heiß mit Brot oder einer Portion Reis.

Tunesisches Essen Kamounia
Herzhaft und tief würzig

Merguez

Merguez sind feurige Würstchen, die ihr in Tunesien einfach lieben werdet. Gemacht aus Rind- oder Lammhackfleisch, werden sie kräftig gewürzt mit Harissa, Knoblauch, Kümmel, Koriander und Paprika, was ihnen ihre charakteristische rote Farbe und scharfe Note verleiht. Anschließend grillt oder brät man sie, bis sie außen knusprig und innen saftig sind. Serviert werden Merguez gerne mit Pommes, Salat und Brot, oft auch als Füllung in einem Sandwich. An jedem Imbissstand steigt euch ihr verlockender Duft in die Nase.

Gegrillter Fisch

An Tunesiens Stränden ist gegrillter Fisch ein absolutes Muss. Fangfrische Doraden, Wolfsbarsche oder Sardinen werden lediglich mit Olivenöl, Knoblauch, Zitrone und etwas Salz mariniert und dann über glühender Holzkohle gegrillt, bis die Haut knusprig und das Fleisch saftig ist. Die Schlichtheit ist hier das Geheimnis. Sie lässt die Frische des Fisches strahlen. Dazu reicht man Slata Mechouia, gegrillte Paprika, Zitronenspalten und natürlich eine kleine Schale Harissa. Genießt dieses Gericht am besten direkt am Hafen mit Blick aufs Meer.

Gegrillter Fisch Tunesien
Einfach unwiderstehlich, unwiderstehlich einfach

Nachspeisen

Tunesische Desserts sind herrlich süß, oft duftend nach Rosen- oder Orangenblütenwasser und reich an Datteln, Nüssen und Honig. Sie zeigen den arabischen und osmanischen Einfluss besonders deutlich und werden gerne zum süßen Minztee gereicht. Egal ob auf einem Fest, in einer Patisserie oder als kleiner Genuss zwischendurch am Straßenstand: Die süße Seite Tunesiens solltet ihr euch keinesfalls entgehen lassen.

Makroudh

Ein traditionelles Gebäck aus der Stadt Kairouan und ein wahres Stück tunesischer Süßkunst. Ein Teig aus feinem Grieß und Olivenöl wird um eine Füllung aus zerdrückten Datteln gelegt, die mit Zimt und Orangenblütenwasser gewürzt sind. Die kleinen Rauten werden dann frittiert oder gebacken und anschließend in warmem Honig oder Zuckersirup gebadet, bis sie glänzen. Das Ergebnis ist außen leicht knusprig und innen herrlich saftig.

Tunesisches Essen Makroudh
Makroudh serviert man zum Tee

Bambalouni

Tunesisches Straßenglück in seiner reinsten Form. Aus einem luftigen Hefeteig formt man große Ringe, die in heißem Öl goldbraun frittiert werden, bis sie außen knusprig und innen wunderbar fluffig sind. Frisch aus der Pfanne wälzt man sie großzügig in Kristallzucker. Diesen süßen Genuss bekommt ihr vor allem in Sidi Bou Saïd, wo der Duft der Bambalouni-Stände durch die blau-weißen Gassen zieht. Am besten schmecken sie warm.

Assida Zgougou

Assida Zgougou ist eine ungewöhnliche, tief aromatische Süßspeise und eine echte tunesische Spezialität. Ihre Basis ist ein Pudding aus den fein gemahlenen Samen der Aleppokiefer, die mit Wasser und Zucker zu einer dunklen, sämigen Creme eingekocht werden. Darauf kommt eine helle Schicht aus Vanille- oder Milchcreme und das Ganze wird üppig garniert mit gehackten Pistazien, Mandeln, Haselnüssen und Pinienkernen. Serviert wird Assida Zgougou kühl in kleinen Schälchen, vor allem zum Mawlid, dem Geburtstag des Propheten.

Getränke

Das wohl beliebteste heiße Getränk während eures Urlaubs in Tunesien ist der grüne Minztee, stark, süß und oft mit Pinienkernen oder gerösteten Mandeln serviert. In den Cafés gehört er einfach dazu. Ebenso beliebt ist der starke, türkisch inspirierte Kaffee, oft mit Orangenblütenwasser verfeinert und in kleinen Tassen genossen. An heißen Tagen erfrischt ihr euch am besten mit einer selbstgemachten Citronnade, einer spritzigen Limonade aus frischen Zitronen und Minze. Sehr typisch ist auch Mandelmilch, ein süßes, cremiges Getränk, das es kalt serviert gibt. Frisch gepresste Säfte aus Orangen, Granatäpfeln oder Feigen bekommt ihr an vielen Ständen.

Wer Alkohol mag, sollte wissen: Tunesien produziert durchaus eigene Weine und das beliebte Bier Celtia. Eine landestypische Spezialität ist Boukha, ein klarer Branntwein aus Feigen, sowie der süße Dattellikör Thibarine. Da Tunesien ein überwiegend muslimisches Land ist, wird Alkohol eher dezent und vor allem in touristischen Gegenden ausgeschenkt. Respektvoller Genuss ist hier das A und O.

Tunesisches Essen Tee
Erfrischende Minze zu jeder Tageszeit

Vegetarisch und vegan essen

Gute Nachrichten für alle, die pflanzlich essen: Tunesien ist ein überraschend dankbares Reiseland für Vegetarier und Veganer. Viele Gerichte basieren ohnehin auf Gemüse, Hülsenfrüchten und Olivenöl. Slata Mechouia, Houria, Slata Tounsia und Kafteji lassen sich problemlos ohne Thunfisch und Ei bestellen.

Bei den Süßspeisen habt ihr mit Bambalouni und Makroudh zwei oft vegane Optionen, da sie meist mit Olivenöl statt Butter zubereitet werden. Fragt im Zweifel kurz nach. Wichtig zu wissen: Harissa, das Herzstück der Küche, ist von Natur aus vegan. Die vegetarische und vegane Restaurantszene wächst stetig, vor allem in Tunis, in Sidi Bou Saïd und in touristischen Küstenorten wie Hammamet. Dort findet ihr zunehmend Lokale, die sich bewusst auf pflanzliche Küche einstellen. Mit ein bisschen Offenheit und der Bereitschaft, nachzufragen, werdet ihr in Tunesien also rundum satt und glücklich.

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