Die kleine Insel Naoshima liegt mitten im glitzernden Seto-Binnenmeer von Japan zwischen Honshu und Shikoku. Was einst ein stilles Fischerdorf war, hat sich seit den 1990er Jahren in eine Weltbühne für zeitgenössische Kunst verwandelt. Lasst euch von einer Mischung aus Tradition, idyllischer Natur und staunenswerten Meisterwerken verzaubern.
Überblick
Auf Naoshima wird Kunst zu einer echten Erfahrung. Die Insel ist mittlerweile weltweit bekannt für ihre spektakulären Museen, darunter das legendäre Chichu, welches komplett unterirdisch in einen Hügel eingebettet liegt. Über das Eiland verteilt begegnen euch Skulpturen sowie Installationen bedeutender Kreativer, vom ikonischen gelben Kürbis Yayoi Kusamas bis zu James Turrells Lichtkompositionen. Das Art House Project verwandelte historische Wohnbauten in begehbare Erlebnisräume, während terrassenförmig konzipierte Komplexe beeindruckende Blicke auf das Meer eröffnen. Zwischen diesen Werken erwarten euch ruhige Küstenabschnitte, die zum Baden einladen, sowie verschlungene Pfade und ursprüngliche Ortschaften, die euch die traditionelle Seite Japans vor Augen führen.

Sehenswürdigkeiten
Das Eiland empfängt euch mit seiner eindrucksvollen Sammlung architektonischer Meisterwerke und kreativer Installationen, die ganz harmonisch in die natürliche Umgebung eingebettet wurden. Folgende zählen zu Naoshimas größten Highlights.
Chichu Art Museum
Das Chichu Art wurde komplett in einen Hügel hineingebaut, sodass von außen nur geometrische Öffnungen sichtbar sind. Ein wahres Meisterwerk der Architektur und von den rund fünf großen Museen auf Naoshima eines, das definitiv einen ausgiebigen Besuch wert ist. Tadao Ando schuf hier Räume, in denen natürliches Licht eine zentrale Rolle spielt und sich im Verlauf des Tages ständig verändert.
Diese unterirdische Konstruktion fügt sich nahtlos in die Landschaft der Insel ein und beherbergt permanente Werke von nur drei Künstlern, darunter Claude Monets Seerosenbilder, die in einem speziell konzipierten Raum präsentiert werden. Faszinierend fanden wir vor allem die Lichtinstallationen von James Turrell, die eure Wahrnehmung herausfordern und optische Phänomene erlebbar machen.

Lee Ufan Museum
Als bedeutender Vertreter der Mono-ha-Bewegung, der minimalistische Philosophien vertritt, nutzt Lee Ufan vor allem natürliche Materialien für seine Kreationen. Die Ausstellung des koreanisch-japanischen Künstlers auf Naoshima präsentiert Gemälde und Skulpturen aus verschiedenen Schaffensperioden, wobei der bewusste Einsatz von Leere und Stille die zentralen Gestaltungselemente der Werke darstellt.
Wieder zeichnet Tadao Ando sich für die Architektur verantwortlich. Die halbunterirdischen Räumlichkeiten schmiegen sich sanft in einen Talhang. Im Außenbereich entdeckt ihr großformatige Steinplastiken, die mit ihrer Umgebung korrespondieren und philosophische Fragen über Sein und Vergänglichkeit aufwerfen. Schmale Durchgänge und sorgfältig komponierte Sichtachsen lenken den Blick auf ausgewählte Details der mediterranen Vegetation.
Benesse House
Dieses Museum vereint auf innovative Weise Ausstellungsräume mit einem exklusiven Hotel und bietet so ein außergewöhnliches Konzept des Zusammenlebens mit zeitgenössischer Kunst. Tadao Ando entwarf auch diesen Komplex, der terrassenförmig am Hang liegt und spektakuläre Ausblicke auf das Seto-Binnenmeer gewährt.
Die Sammlung des Benesse-Kunststätte auf Naoshima umfasst Werke internationaler Talente der Gegenwart, die sowohl in Innenräumen als auch im weitläufigen Außengelände präsentiert werden. Betonarchitektur und natürliche Materialien verschmelzen zu einer harmonischen Einheit, während großflächige Fenster die Grenze zwischen drinnen und draußen auflösen.

Art House Project
Im Honmura-Viertel lernt ihr Naoshima von ihrer traditionellen Seite kennen. Das Art House Project hat klassische Holzhäuser in permanente Kunstinstallationen verwandelt und bewahrt zugleich das historische Ortsbild. Sieben verschiedene Gebäude wurden hier von internationalen Talenten gestaltet und geprägt, wobei jedes ein ganz eigenständiges Werk darstellt.
So hat Tatsuo Miyajima beispielsweise im „Kadoya” LED-Installationen geschaffen. Diese leuchten in dunklen Wasserräumen und zeigen digitale Zählwerke. Das „Minamidera” beherbergt derweil James Turrells Arbeit, wo ihr nach einer Eingewöhnungsphase in völliger Finsternis allmählich subtile Lichtphänomene wahrnehmt. Zwischen den Kunsthäusern schlendert ihr durch verwinkelte Gassen, vorbei an gepflegten Gärten und traditionellen Tempeln.
Yayoi Kusamas Kürbis-Skulpturen
Die leuchtend gelbe und rot gepunktete Kürbis-Skulptur von Yayoi Kusama am Miyanoura-Pier ist zum weltbekannten Wahrzeichen der Insel avanciert. Sein organisches Muster und die intensive Farbgebung schaffen einen starken visuellen Kontrast zur umgebenden Meereslandschaft. Fotografen von allen Kontinenten pilgern zu dieser Installation, um das perfekte Bild vor der spektakulären Kulisse am Wasser einzufangen.
Eine zweite Kürbis-Skulptur in strahlendem Gelb thront auf einem Pier am Benesse House Museum. Beide Arbeiten sind frei zugänglich und zählen zu den meistfotografierten Kunstwerken Japans. Wir empfehlen die frühen Morgenstunden für einen Besuch, um die Installationen in Ruhe zu genießen.

Ando Museum
Das Ando Museum würdigt den visionären Architekten Tadao Ando, dessen Entwürfe das Gesicht dieser Insel maßgeblich geprägt haben. Es befindet sich in einem über hundert Jahre alten Holzhaus, dessen äußere Erscheinung über die Zeit hinweg bewahrt wurde. Im Inneren kontrastiert jedoch hochmoderner Betonbaustil mit der traditionellen Hülle und demonstriert Andos charakteristische Gestaltungsphilosophie.
Zeichnungen, Modelle und Fotografien dokumentieren seine bedeutendsten Projekte auf der Naoshima Insel und weltweit. Interaktive Displays erläutern Andos Designprinzipien, bei denen Licht, Geometrie und natürliche Materialien zentrale Rollen einnehmen. Die kompakte Ausstellung vermittelt anschaulich, wie der selbst ausgebildete Architekt schließlich zu einem international gefeierten Meister avancierte.
Aktivitäten
Die vielen verschiedenen Kunstwerke haben Naoshima zu etwas Besonderem gemacht, doch auch abseits von diesen gibt es schöne Möglichkeiten, die Insel und ihre Natur im Urlaub aktiv zu entdecken. Freut euch auf zahlreiche neue Eindrücke.
Fahrradtour rund um die Insel
Dank seiner kompakten Größe ist das Eiland ideal für ausgedehnte Touren, bei denen ihr flexibel verschiedene Attraktionen und Strände ansteuern könnt. Am Miyanoura-Hafen habt ihr die Möglichkeit, Räder zu mieten, darunter auch elektrisch unterstützte Modelle für die hügeligen Passagen. Die gut ausgebauten Straßen auf Naoshima führen durch malerische Dörfer, entlang schimmernder Buchten und vorbei an terrassenförmig angelegten Feldern.
Unterwegs begegnen euch immer wieder Skulpturen und Installationen sowie auch herrliche Aussichtspunkte, die zum spontanen Fotostopp einladen. Die frische Meeresbrise und die entspannte Verkehrslage machen das Radeln zum Vergnügen. Eine vollständige Umrundung dauert etwa zwei bis drei Stunden. Besonders schön fanden wir die Strecken entlang der Ostküste, wo der Blick bis zu benachbarten Inseln reicht.

Wanderung auf den Mount Miyanoura
Ihr wollt den ultimativen Rundumblick genießen? Dann auf zum höchsten Punkt der Insel! Eure Wanderung auf den Miyanoura wird mit einer spektakulären Aussicht auf das Seto-Binnenmeer und die umliegenden Eilande belohnt, darunter die schöne Shikoku. Der Aufstieg führt durch dichte Wälder und unterwegs begegnen euch traditionelle Schreine sowie steinerne Laternen.
Am Gipfel angekommen überblickt ihr ganz Naoshima mit ihren terrassenförmig angelegten Museumskomplexen und malerischen Dörfern. An klaren Tagen reicht die Sicht bis zu den Bergen der japanischen Hauptinsel Honshu. Die Wanderung dauert etwa eineinhalb Stunden und eignet sich für durchschnittlich fitte Besucher.
Island-Hopping zu Teshima und Inujima
Nicht nur auf Naoshima ist Kunst zu finden – das Seto-Binnenmeer beherbergt mehrere Inseln mit sehenswerten Werken und Highlights. Ihr könnt diese im Zuge von Tagesausflügen erkunden. Teshima liegt nur eine kurze Fährfahrt entfernt und beeindruckt mit dem organisch geformten Art Museum, dessen architektonische Hülle einer Wassertropfen-Skulptur ähnelt.
Inujima ist die kleinste der drei künstlerisch geprägten Inseln. Sie wartet mit der Ruine einer Kupferproduktionsstätte auf, die zum Museum umfunktioniert wurde. Die Industriearchitektur aus der Meiji-Periode bildet einen spannenden Kontrast zu zeitgenössischen Installationen. Regenerative Energiesysteme versorgen die Anlage, was das Nachhaltigkeitskonzept unterstreicht. Plant ihr sorgfältig eure Fährenverbindungen, könnt ihr beide Eilande an einem Tag besuchen.

Strände genießen
Neben all den kulturellen Highlights ist auf Naoshima der Strand ebenfalls einen Besuch wert. Auch wenn es sich um keine klassische Badeinsel handelt, findet ihr rund um das Eiland idyllische Küstenabschnitte mit Sand oder Kiesel und klarem Meerwasser. So könnt ihr zwischen euren Museums-Trips hervorragend im kühlen Nass entspannen.
Vor allem rund um den Tsutsuji-so-Bereich ist das Wasser gut zugänglich und die Atmosphäre bleibt selbst in der Hochsaison angenehm ruhig, da nur wenige Besucher gezielt zum Baden kommen. Auch der sandige Gotanji Beach ist eine gute Adresse, um am Meer zu entspannen oder eine Runde schwimmen zu gehen.
Reise-Infos
Ein Besuch auf der Insel Naoshima erfordert etwas Vorbereitungen, damit ihr den Aufenthalt optimal genießen könnt. Die folgenden Informationen helfen bei der Planung eurer Reise nach Japan und sorgen für einen reibungslosen Ablauf.
Ideale Reisezeit und Reisedauer
Frühling und Herbst gelten als optimal für einen Trip zur Insel. Von März bis Mai verwandelt die japanische Kirschblüte die Kulisse in eine rosa Farbflut. Die Monate September bis November bestechen durch intensive Laubfärbung und stabile Wetterverhältnisse. Im Sommer kann das Thermometer auf über 30 Grad Celsius klettern, wodurch das Meer zum Baden einlädt. Auch im Winter lohnt sich ein Besuch in Naoshima: Es herrscht mildes Klima und ihr genießt mehr Ruhe, da Nebensaison herrscht. Allerdings schließen einige Outdoor-Installationen in dieser Zeit.
Wir empfehlen, mindestens drei volle Tage auf Naoshima zu bleiben, besser noch vier oder fünf. Diese Zeitspanne ermöglicht entspannte Museumsbesuche, bei denen jedes Haus die verdiente Aufmerksamkeit erhält. Zudem habt ihr dann ausreichend Gelegenheit, auch den sehenswerten Nachbarinseln Teshima oder Inujima einen ausführlichen Besuch abzustatten.

Reisevorbereitung
Deutsche Staatsbürger benötigen für touristische Aufenthalte bis zu 90 Tagen kein Visum, lediglich ein Pass mit mindestens sechsmonatiger Gültigkeit über das Rückreisedatum hinaus ist erforderlich. Pflichtimpfungen existieren nicht, wobei der Standardschutz gegen Tetanus, Diphtherie und Hepatitis A sowie eine Auslandskrankenversicherung empfehlenswert sind.
Da vor Ort Typ-A-Stecker mit 100 Volt verwendet werden, ist für deutsche Geräte ein Adapter notwendig. Kreditkarten werden zunehmend akzeptiert, doch gilt Japan noch immer als eine bargeldorientierte Gesellschaft, weshalb ihr während eures Aufenthalts ausreichend Noten in der Landeswährung Yen mitführen solltet.
Anreise und Fortbewegung vor Ort
Die Anreise nach Naoshima erfolgt typischerweise über die Flughäfen in Tokio oder der Metropole Osaka. Im Anschluss nehmt ihr den Hochgeschwindigkeitszug (Shinkansen) bis Uno in der Präfektur Okayama, von wo mehrmals täglich Fähren zur Insel übersetzen und euch innerhalb von 20 Minuten ans Ziel bringen.
Dank der kompakten Größe benötigt ihr auf Naoshima kein Auto, um das Eiland zu erkunden. Fahrräder stellen das bevorzugte Verkehrsmittel dar und können im Hafen ausgeliehen werden. Auch zu Fuß kommt ihr zwischen den Sehenswürdigkeiten gut voran. Zudem pendelt ein kostenloser Shuttlebus zwischen den wichtigsten Museen.
Essen und Spezialitäten
In kleinen Restaurants und Cafés genießt ihr auf dem Eiland Sashimi von tagesfrischem Fisch und Meeresfrüchten. Udon-Nudeln aus der Präfektur Kagawa auf benachbarter Shikoku-Insel haben in Japan einen exzellenten Ruf und werden auch auf Naoshima in verschiedensten Variationen serviert. Tempura mit saisonalem Gemüse, in leichtem Teig frittiert, stellt eine weitere Köstlichkeit dar.
Okonomiyaki, herzhafte Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen, werden in einigen Lokalen frisch auf heißen Platten zubereitet. Regionale Sake-Sorten aus nahen Brauereien begleiten Mahlzeiten auf authentische Weise und kleine Izakaya-Bars servieren abends Tapas-ähnliche Gerichte, die eine gesellige Atmosphäre schaffen und zum Kennenlernen der verschiedenen Geschmacksrichtungen einladen.
Hotels und Unterkünfte
Die Übernachtungsmöglichkeiten reichen von exklusiven Designhotels bis zu traditionellen Gasthäusern mit Tatami-Matten und Futon-Betten. Einige Unterkünfte verfügen über Gemeinschaftsbäder oder private Onsen, in denen ihr nach einem aktiven Tag wunderbar entspannen könnt. Euren Besuch in Naoshima selbst müsst ihr nicht im Voraus buchen, allerdings solltet ihr euch aufgrund der begrenzten Möglichkeiten auf der Insel eine Übernachtungsmöglichkeit rechtzeitig sichern, genau wie eure Eintrittskarten für die verschiedenen Museen, die ihr sehen wollt.









