Die Luft schmeckt nach Salz und feuchter Erde. Zwischen uralten Wurzeln öffnet sich der Blick auf das türkisfarbene Meer. Im Tayrona Nationalpark, einem der artenreichsten Ökosysteme Südamerikas, trifft Kolumbiens Regenwald auf die Karibikküste. Wenn ihr durch das dichte Blätterdach wandert und schließlich am Strand steht, werdet ihr verstehen, warum dieser Ort verzaubert.
Überblick
Der Tayrona Nationalpark (Parque Nacional Natural Tayrona) liegt an Kolumbiens Karibikufer. Auf rund 150 Quadratkilometern erstreckt sich hier eines der vielfältigsten Ökosysteme Südamerikas: Korallenriffe grenzen an Mangroven, Trockenvegetation wechselt sich mit feuchten Wäldern ab. Im Hintergrund erhebt sich die Sierra Nevada de Santa Marta, das höchste Küstengebirge der Welt. Seit 1964 steht das Gebiet offiziell unter Schutz, um die einzigartige Biodiversität und das archäologische Erbe zu bewahren. Jedes Jahr kommen rund eine halbe Millionen Besucher für dieses besondere Erlebnis her.
Bevor die Spanier 1525 landeten, blühte hier eine der fortschrittlichsten Hochkulturen. Die Tairona, nach denen das Gebiet benannt ist, errichteten Städte aus Steinterrassen und entwickelten komplexe Bewässerungssysteme. Ihre Nachfahren, die Kogi, Arhuaco, Wiwa und Kankuamo, leben noch heute auf ihrem angestammten Land. Für die kolumbianische Umweltschutzbehörde gilt der Park als Vorzeigeprojekt, allerdings führten die hohen Besucherzahlen zu Konflikten mit den indigenen Gemeinschaften. Nach Gesprächen mit der Regierung schließt das Areal nun mehrmals im Jahr, damit sie ihre Reinigungszeremonien ungestört durchführen können. Wenn ihr herkommt, erlebt ihr mehr als nur ein paar entspannte Tage am Strand.

Highlights
Was macht den Tayrona Nationalpark so besonders? Es ist die einzigartige Mischung aus unberührten Stränden, dichtem Dschungel und einer Kultur, die seit Jahrhunderten mit diesem Land verbunden ist. Von archäologischen Stätten über die artenreiche Tierwelt bis hin zu versteckten Buchten findet ihr hier Naturschönheiten und Schätze, die ihr nirgendwo sonst erlebt.
Cabo San Juan del Guía
Dieser Strand ist vermutlich der meistfotografierte im Parque Nacional Natural Tayrona. Eine kleine felsige Halbinsel teilt die Bucht in zwei perfekte Hälften. Auf ihrer Spitze sitzt eine einfache Holzhütte, die zu einem beliebten Postkartenmotiv geworden ist. Der weiße Sand, das türkisfarbene Wasser und die Palmen schaffen eine Kulisse, die kaum ursprünglicher wirken könnte. Ihr erreicht Cabo San Juan del Guía nach etwa zwei bis drei Stunden Wanderung durch den Dschungel vom Haupteingang El Zaino aus. Auf dem Weg hierher kommt ihr an kleineren Baien wie Arrecifes vorbei, die sich wunderbar für eine Pause eignen.
Das Wasser lädt zum Schwimmen ein, auch wenn die Strömungen manchmal kräftig sein können. Am frühen Morgen und gegen Abend zeigt sich der Cabo San Juan von seiner ruhigsten Seite. Die meisten Tagesbesucher sind dann entweder noch nicht angekommen oder bereits auf dem Rückweg. Eine Nacht in den Hängematten oder einfachen Cabañas direkt am Strand lohnt sich. Ihr erlebt den Sonnenaufgang über dem Meer und habt die Bucht beim Aufwachen fast für euch allein.

La Piscina
Der Name verrät es bereits: Hier badet ihr wie in einem natürlichen Swimmingpool. Vorgelagerte Felsen schützen die Küste und halten das Wasser deutlich ruhiger als anderswo im Tayrona Nationalpark. Wellen brechen sich an den Steinen, lange bevor sie das Ufer erreichen. Das Meer schimmert in verschiedenen Türkistönen, der Sand ist fein und hell. Besonders für Familien und weniger geübte Schwimmer ist der Strand daher ideal. Ihr erreicht La Piscina nach etwa 45 Minuten Fußweg von Arrecifes oder in rund eineinhalb Stunden vom Haupteingang El Zaino.
Anders als am Cabo San Juan geht es hier etwas ruhiger zu. Es gibt weniger Infrastruktur, aber genau das macht den Charme aus. Ein paar Palmen spenden Schatten, und mit etwas Glück beobachtet ihr Krebse zwischen den Steinen oder kleine Fische im klaren Wasser. Die Bucht eignet sich perfekt für eine längere Pause während eurer Wanderung. Wenn ihr eine sichere Badestelle sucht, solltet ihr auf jeden Fall bei La Piscina vorbeischauen.
Pueblito Chairama
Versteckt im dichten Dschungel, auf etwa 250 Metern Höhe, findet ihr die Überreste einer historischen Siedlung, die zu den bedeutendsten archäologischen Stätten im gesamten Nationalpark gehört. Steinterrassen, Fundamente von Wohnhäusern und ein komplexes System aus Treppen und Wegen zeugen von der fortschrittlichen Baukunst dieser präkolumbianischen Kultur. Die Tairona errichteten ihre Städte so, dass sie mit der natürlichen Topografie harmonierten. Ihr erreicht das Pueblito Chairama entweder über einen steilen, etwa zweistündigen Aufstieg von Cabo San Juan aus oder über den Eingang Calabazo, der euch durch den bergigen Dschungel führt.
Der Weg ist anspruchsvoll, aber er lohnt sich. Oben angekommen, steht ihr zwischen moosbedeckten Steinen und alten Baumwurzeln, die sich über Jahrhunderte durch die Ruinen geschlungen haben. Die Atmosphäre ist still, fast meditativ. Von hier oben könnt ihr über das dichte Grün bis runter zur Küste schauen. Noch heute leben indigene Gemeinschaften wie die Kogi und die Arhuaco in der Nähe. Sie betrachten diese Stätte als heilig. Seid also respektvoll, nehmt nichts mit und hinterlasst nur eure Fußspuren. Wichtig: Der direkte Zugang zum Pueblito kann kurzfristig eingeschränkt oder gesperrt sein. Informiert euch am besten am Parkeingang über die aktuelle Situation.

Indigene Kultur und heilige Stätten
Die Kogi, Arhuaco, Wiwa und Kankuamo sind direkte Nachfahren der Tairona und leben seit Jahrhunderten in der Sierra Nevada de Santa Marta. Für sie ist dieses Gebiet weit mehr als nur eine Landschaft. Es ist das „Herz der Welt“ (El Corazón del Mundo), und sie verstehen sich selbst als dessen Hüter. Ihre spirituellen Überzeugungen basieren auf der „Ley de Origen“, dem Gesetz des Ursprungs, das die Balance zwischen Mensch und Natur regelt. Durch Rituale und Zeremonien, die sogenannten Pagamentos, geben sie der Erde zurück, was ihr genommen wurde, und erhalten so das ökologische Gleichgewicht.
Ihr Wissen über nachhaltigen Umgang mit ihrem Umfeld ist nicht nur kulturelles Erbe, sondern aktiver Naturschutz. Die vier Gemeinschaften setzen sich dafür ein, dass heilige Stätten unversehrt bleiben und traditionelle Praktiken fortbestehen. Viele der Wanderwege im Park folgen uralten Tairona-Pfaden. Die Verwaltung berücksichtigt die Bedürfnisse der Gruppen etwa durch regelmäßige Schließungen für Zeremonien. Wenn ihr respektvolle Touren mit indigenen Guides bucht, unterstützt ihr diese Communitys direkt und helft ihnen, ihre Rolle als Hüter der Welt weiter auszuüben.
Fauna des Dschungels
Im Tayrona Nationalpark leben über 300 Vogelarten, zahlreiche Säugetiere, Reptilien und Amphibien. Zuerst bemerkt ihr sicher die Brüllaffen, deren tiefe Rufe schon frühmorgens durch den Dschungel hallen und euch auf euren Wanderungen begleiten. Mit etwas Glück seht ihr die lautstarken Primaten in den Baumkronen, wo sie sich auf der Suche nach Futter durch die Zweige hangeln. An den Stränden und auf den Felsen sonnen sich grüne Leguane, manche über einen Meter lang. Oft huschen auch ein paar niedliche Kapuziner durch das Geäst. Diese neugierigen Gesellen sind deutlich weniger scheu als ihre johlenden Verwandten und beobachten euch gleich vor eurer Nase.
Am besten erkundet ihr die Wildnis frühmorgens oder am späten Nachmittag, wenn die Hitze nachlässt. Dann zeigen sich Tukane mit ihren leuchtend bunten Schnäbeln, Kolibris, die zwischen Blüten schwirren, und gelegentlich ein Faultier, das sich langsam durch die Äste bewegt. Im Unterholz leben Agutis, große Nager, die ihr oft am Wegesrand entdecken könnt. Schlangen gibt es ebenfalls, aber die meisten sind harmlos und ziehen sich zurück, wenn sie euch hören. Seid aufmerksam, aber nicht ängstlich. Die Dschungelbewohner sind hier zu Hause und ihr seid nur zu Gast.

Flora am Karibikufer
Der Tayrona Nationalpark schützt einen der letzten intakten Küstenregenwälder Südamerikas. Auf engstem Raum wächst hier eine außergewöhnliche Pflanzenvielfalt, die vom Meeresspiegel bis auf 900 Meter Höhe reicht. Dichte Mangroven säumen die Ufer und dienen als Kinderstube für Fische und Krebse. Dahinter beginnt die tropische Trockenvegetation mit ihren dornigen Sträuchern und Kakteen, bevor der Weg in den feuchten Dschungel der Berghänge führt. Lianen schlängeln sich um mächtige Baumstämme, Farne bedecken den Boden, und Bromelien wachsen in den Astgabeln.
Was diesen Ort so besonders macht, ist seine Nähe zum Meer. Die salzhaltige Luft prägt die Vegetation, und viele Arten haben sich an diese Bedingungen angepasst. Kokospalmen wiegen sich im Wind, Ceiba-Bäume ragen hoch über das Blätterdach hinaus. Ihre Stämme bilden mächtige Brettwurzeln. Überall blüht und duftet es, Orchideen verstecken sich im Halbschatten. Die Pflanzen hier sind nicht nur schön anzusehen, sie spielen auch eine zentrale Rolle im Ökosystem. Sie filtern Wasser, stabilisieren Böden und sind der Lebensraum für unzählige Tierarten. Respektiert diese Vielfalt und bleibt immer auf den Wegen.
Aktivitäten
Im Parque Nacional Natural Tayrona wartet hinter jeder Ecke ein neues Abenteuer. Zwischen Dschungelpfaden und versteckten Buchten könnt ihr seltene Vögel beobachten, durch den tropischen Regenwald ziehen und die Kultur der indigenen Gemeinschaften kennenlernen. Ob ein kurzer Ausflug oder eine mehrtägige Tour: Das Schutzgebiet bietet euch alles vom entspannten Strandspaziergang bis zur intensiven Wildniswanderung.
Trekking zum Cabo San Juan
Die beliebteste Route im Tayrona Nationalpark führt euch vom Haupteingang El Zaino durch den Dschungel bis zum Strand. Die Strecke ist gut ausgeschildert und dauert etwa zwei bis drei Stunden in eine Richtung. Ihr startet am Parkplatz Cañaveral und lauft durch dichten Regenwald, vorbei an mächtigen Baumriesen und über wurzelige Pfade. Der Weg führt euch zunächst nach Arrecifes, einen langen, wilden Küstenabschnitt mit einem großen Campingplatz, wo ihr eine erste Pause einlegen könnt. Von hier sind es etwa 10 Minuten bis zur geschützten Bucht La Piscina und eine weitere 20 bis zum Cabo San Juan.
Mit einigen Anstiegen und steinigen Stellen ist die Wanderung moderat anspruchsvoll. Festes Schuhwerk ist Pflicht, denn der Weg kann nach Regen rutschig sein. Startet am besten früh am Morgen, wenn es noch kühl ist und die Tiere aktiver sind. Ihr habt verschiedene Optionen: Ihr könnt in einem Hotel in Santa Marta übernachten und als Tagestrip hin- und zurücklaufen oder im Freien schlafen, um den Sonnenaufgang am Strand zu erleben. Alternativ könnt ihr über den Calabazo-Eingang kommen, eine forderndere Route durch bergiges Gelände, die weniger frequentiert ist. Packt ausreichend Wasser, UV-Schutz und Snacks ein. Unterwegs gibt es kleine Stände, aber die Preise sind oft höher als außerhalb des Parks.

Mehrtägige Touren mit Übernachtung
Wer viel Zeit mitbringt, sollte mindestens einmal im Tayrona Nationalpark schlafen. Das Erlebnis unterscheidet sich grundlegend von einem Tagesausflug: Ihr habt die Strände am frühen Morgen fast für euch allein, bevor die ersten Wanderer eintreffen, und könnt den Sonnenuntergang in Ruhe genießen, wenn die anderen Besucher bereits auf dem Rückweg sind. Die Übernachtungsmöglichkeiten reichen von einfachen Hängematten unter Palmendächern bis zu komfortablen Ecohabs, kleine Holzhütten auf Stelzen, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Am beliebtesten sind die Campingplätze in Arrecifes und direkt am Cabo San Juan.
Übernachten in Hängematten ist ein besonderes Erlebnis: Ihr schlaft mit dem Rauschen der Wellen im Ohr und wacht auf, wenn die ersten Sonnenstrahlen durch die Palmenblätter fallen. Die Campingplätze bieten kostenlose Schränke für eure Wertsachen, einfache Sanitäranlagen und kleine Restaurants. Bringt aber eigene Vorhängeschlösser mit und plant eure Ankunft möglichst früh, denn die besten Stellen sind schnell vergeben. Da ihr in der schwülen Tropenhitze alles selbst tragen müsst, solltet ihr so leicht wie möglich packen. Wer mehr Komfort bevorzugt, bucht ein Ecohab im Voraus. Wenn ihr länger im Park bleibt, habt ihr genügend Zeit für Wanderungen zum Pueblito Chairama oder entspannte Strandtage.
Vogelbeobachtungen
Der Parque Nacional Natural Tayrona ist ein Paradies für Ornithologen. Über 300 verschiedene Arten leben hier, von bunten Tangaren im Regenwald bis zu Reihern in den Mangroven. Die unterschiedlichen Ökosysteme schaffen ein Biotop für eine außergewöhnliche Vielfalt. Ihr müsst kein Experte sein, um die Tierwelt zu genießen. Schon beim Wandern durch den Dschungel werdet ihr auf Schritt und Tritt vom Zwitschern begleitet. Besonders eindrucksvoll sind die leuchtend roten Aras, die ab und zu über die Baumkronen fliegen, und die eindringlichen Rufe der Montezuma-Stirnvögel.
Am frühen Morgen zwischen sechs und neun Uhr sind eure Chancen für Sichtungen am größten. Nehmt ein Fernglas mit, auch ein einfaches reicht völlig aus. Bewegt euch langsam und leise, bleibt immer mal wieder stehen und schaut nach oben. Viele Vögel halten sich in den Baumkronen auf. Der Weg von Cañaveral nach Arrecifes gilt als besonders artenreich. Wenn ihr einen Guide bucht, der sich mit der Avifauna auskennt, lernt ihr nicht nur die Namen, sondern auch die Besonderheiten der verschiedenen Spezies. Respektiert die Tiere und haltet Abstand: Kein Foto der Welt ist es wert, sie in ihrem Lebensraum zu stören.

Begegnung mit den Kogi in Teyku
Diese indigene Gemeinschaft ist ein direkter Nachfahre der Tairona und hat ihre überlieferten Praktiken über Jahrhunderte bewahrt. Im Dorf Teyku am Calabazo-Eingang haben sie ein Ökotourismus-Projekt etabliert, bei dem ihr die Kultur kennenlernen könnt. Ein Mitglied der Kogi führt euch herum und erklärt euch die Traditionen, Anbaumethoden und den Umgang mit Heilpflanzen. Ihr seht die typischen Rundhäuser, zeremonielle Versammlungsgebäude und erfahrt von den Mamos, den spirituellen Führern, wie sie durch Pagamentos (Rituale der Rückgabe) das ökologische Gleichgewicht erhalten.
Der Besuch dauert etwa einen halben Tag und führt oft weiter zum Mendihuaca-Strand, wo ihr euch am Fluss und am Meer entspannen könnt. Im Dorf könnt ihr handgewebte Mochilas, traditionelle bunte Umhängetaschen, kaufen und damit die Gemeinschaft unmittelbar unterstützen. Wichtig: Fotografiert die Kogi nur mit ausdrücklicher Erlaubnis. Der Besuch ist ausschließlich mit lizenzierten Guides möglich, die mit den indigenen Autoritäten zusammenarbeiten. So ist sichergestellt, dass die Begegnung respektvoll abläuft und die Einnahmen der Community zugutekommen.
Sendero de las 9 Piedras
Nur wenige Meter vom Haupteingang entfernt beginnt ein Pfad, den viele leicht übersehen. Der Sendero de las Nueve Piedras ist eine anderthalbstündige Rundwanderung, die euch durch dichten Dschungel, über Klippen mit Blick aufs Wasser und vorbei an einer stillen Lagune führt. Entlang des Wegs kommt ihr an neun großen Felsblöcken vorbei, in die die Tairona vor über tausend Jahren perfekt runde Öffnungen gemeißelt haben. Die Löcher dienten der Beobachtung des Kosmos. Durch sie konnten sie Sonnenwenden, Mondphasen und den Lauf der Sterne verfolgen. Schaut ihr hindurch, seht ihr genau jene Landschaftselemente, die für die indigene Kultur so zentral waren: das Meer, die Berge und der Himmel.
Die Route startet bei Cañaveral, wo der Shuttlebus vom Haupteingang El Zaino hält. Nach etwa zwanzig Minuten erreicht ihr eine Lagune mit einem schmalen Holzsteg, von dem aus ihr mit etwas Glück Kaimanen beim Sonnen zuschauen könnt. Dann geht es sanft bergauf zu einem Aussichtspunkt mit spektakulärem Blick über die gesamte Küste. Da diese Wanderung weniger bekannt ist, begegnet ihr hier deutlich seltener anderen Menschen und habt bessere Chancen, Wildtiere zu beobachten. Respektiert die kulturelle Bedeutung der Steine: Fasst sie nicht an und klettert nicht darauf herum. Die indigenen Gemeinschaften betrachten sie als heilig, und auch wenn der Weg öffentlich zugänglich ist, solltet ihr euch wie gern gesehene Gäste verhalten.

Bootstouren zu abgelegenen Buchten
Wer den Parque Nacional Natural Tayrona vom Meer aus erleben möchte, bucht einen Ausflug zu den versteckten Stränden im Nordwesten. Die Touren starten meist in Taganga oder an der Marina von Santa Marta und führen euch entlang der Küste zu Playa Cristal und Bahía Cinto. Auf dem Weg gleitet ihr vorbei an steilen Klippen, dichtem Dschungel und einsamen Buchten, die ihr zu Fuß nie erreichen würdet. Der erste Stopp trägt seinen Namen zurecht: Hier ist das Wasser so klar, dass ihr bereits vom Boot aus bunte Fische zwischen den Korallen erkennen könnt. Da dieser Abschnitt auf 300 Besucher pro Tag begrenzt ist, solltet ihr euch rechtzeitig um eine Reservierung kümmern.
Bahía Cinto ist deutlich ruhiger und ursprünglicher. Hier gibt es keine Restaurants, kaum Infrastruktur und nur wenige andere Gäste. Der goldene Sand, das türkisfarbene Wasser und die unberührte Umgebung machen diesen Ort zu einem echten Geheimtipp. Die meisten Touren kombinieren beide Strände und dauern einen ganzen Tag. Ausrüstung zum Schnorcheln könnt ihr oft gegen Aufpreis leihen. Beachtet, dass die Überfahrt zwischen Dezember und April bei starkem Wellengang recht rau sein kann. Nehmt Sonnenschutz und genug zu trinken mit und respektiert die Natur: Lasst keinen Müll zurück und berührt keine Korallen oder andere Tiere.
Reise-Infos
Ein Urlaub in Kolumbien führt viele auch in den Parque Nacional Natural Tayrona. Damit euer Besuch reibungslos verläuft, lohnt sich eine gute Vorbereitung: Der Park hat Besucherlimits, jährliche Schließungszeiten und strikte Regeln zum Schutz des Ökosystems. Wer diese kennt und berücksichtigt, erlebt den Dschungel, die Strände und die Tierwelt in vollen Zügen.
Ideale Reisezeit und Reisedauer
Die angenehmsten Bedingungen für einen Besuch im Tayrona Nationalpark herrschen zwischen Dezember und April. In diesen Monaten sind die Wege gut begehbar, die Sonne zeigt sich verlässlich und die Luftfeuchtigkeit ist erträglicher als während der Regenzeit. Eine zweite Trockenperiode von Juli bis August eignet sich ebenfalls, allerdings mit etwas mehr Niederschlag. Wer Menschenmassen meiden möchte, sollte die kolumbianischen Schulferien umgehen, besonders Weihnachten, Neujahr und die Semana Santa im März oder April. Denn gerade dann platzt das Schutzgebiet aus allen Nähten.
Wichtig: Der Tayrona schließt mehrmals im Jahr für jeweils zwei Wochen. So kann sich das Ökosystem erholen. Außerdem führen die indigenen Gemeinschaften dann ihre traditionellen Zeremonien durch. Meistens liegen die Termine im Februar, Juni und Oktober oder November, aber sie können auch variieren. Prüft die aktuellen Daten am besten früh genug vor eurer Buchung. Ein Tagesausflug reicht für einen ersten Eindruck, zwei bis drei Nächte lassen euch den Park wirklich erleben. Wer Zeit hat, bleibt länger und entdeckt auch die stillen Ecken abseits der Hauptrouten.

Reisevorbereitung und Packliste
Für die Einreise nach Kolumbien benötigen Staatsangehörige aus der EU und der Schweiz kein Visum für Aufenthalte bis zu 90 Tagen. Prüft dennoch die aktuellen Bestimmungen vor eurem Abflug, da sich Regelungen ändern können. Eine Gelbfieberprophylaxe wird für den Tayrona Nationalpark empfohlen und kann sogar verpflichtend sein, wenn ihr die Grenze aus bestimmten Nachbarländern passiert. Weitere Impfungen wie Hepatitis A und B sowie Tetanus sollten aufgefrischt sein. Konsultiert rechtzeitig einen Tropenmediziner, um euch optimal vorzubereiten.
Packt feste, wasserdichte Wanderschuhe, lange, leichte Kleidung für den Abend und ausreichend Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor ein. Mückenspray ist unverzichtbar, besonders in den Dämmerungsstunden. Elektronische Geräte gehören in wasserdichte Beutel, denn die Luftfeuchtigkeit ist hoch und Regenschauer kommen auch in der Trockenzeit vor. Wichtig ist ausreichend Bargeld in kolumbianischen Pesos, da es im Park keine Geldautomaten gibt. Beachtet das Plastikverbot: Wiederverwendbare Wasserflaschen und der Verzicht auf Einwegverpackungen sind Pflicht. An den meisten Stränden herrschen lebensgefährliche Strömungen, schwimmt deshalb nur an den markierten Abschnitten.
Anreise und Eingänge
Der Tayrona Nationalpark liegt etwa 35 Kilometer östlich von Santa Marta an der kolumbianischen Karibikküste. Von dort erreicht ihr den Haupteingang El Zaino in rund einer Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder einem individuellen Transfer. Die Busse starten am Mercado Público, sobald sie voll sind, und sind deutlich günstiger als eine private Fahrt. Vom Tor aus bringt euch ein kleines Shuttle weiter bis Cañaveral, wo die eigentlichen Wanderwege beginnen. Spart euch die Strecke zu Fuß und nutzt lieber gleich diese Verbindung.
Wer es ruhiger mag, wählt das Calabazo-Tor, das etwa zehn Minuten vor El Zaino an derselben Straße liegt. Von hier führt euch eine anspruchsvollere Route durch bergiges Gelände bis zum Cabo San Juan. Auf diesem Weg begegnet ihr deutlich weniger Menschen und habt bessere Chancen, Wildtiere zu sehen. Die dritte Option ist Palangana, von wo aus ihr Playa Cristal und Neguanje erreicht. Diese Strände steuert ihr am besten mit einem Boot an, das vom Hafen in Taganga oder der Marina in Santa Marta ablegt. Die Überfahrt dauert je nach Ziel und Wellengang zwischen 45 Minuten und anderthalb Stunden.
Fortbewegung und Orientierung im Park
Innerhalb des Schutzgebietes bewegt ihr euch ausschließlich zu Fuß. Die Hauptroute führt von Cañaveral über Arrecifes und La Piscina bis zum Cabo San Juan und dauert etwa zwei bis drei Stunden in eine Richtung. Die Wege sind gut ausgeschildert und führen durch Dschungel, über Holzstege und entlang der Küste. Plant genug Zeit ein, denn die Hitze und Luftfeuchtigkeit machen das Wandern anstrengender als erwartet. Ausreichend Wasser ist Pflicht, da es im Park nur wenige Verkaufsstellen gibt und die Preise deutlich höher sind als außerhalb. Startet am besten frühmorgens, wenn es noch kühler ist und die Tiere aktiver sind.
Mobilfunkempfang habt ihr im Park kaum bis gar nicht, verlasst euch also nicht auf digitale Navigations-Apps. Macht am Eingang ein Foto der ausgehängten Übersicht oder ladet euch vorher eine Offline-Karte herunter. Die Routen sind zwar markiert, aber Abzweigungen können verwirrend sein. Zwischen einigen Stränden verkehren Boote, die euch den Fußmarsch zum Ausgang ersparen können. Diese Verbindungen sind wetterabhängig und nicht immer verfügbar, plant daher besser damit, wieder zu laufen. Tragt feste Schuhe, denn die Pfade können nach Regen rutschig werden.

Eintritt, Öffnungszeiten und Formalitäten
Die Gebühren für den Tayrona Nationalpark sind gestaffelt und richten sich nach Jahreszeit und Nationalität. Ausländer zahlen in der Hochsaison deutlich mehr als in ruhigeren Monaten, während kolumbianische Staatsbürger generell reduzierte Tarife erhalten. Die aktuellen Preise schwanken und sollten vor der Reise geprüft werden. Zusätzlich zum Eintritt müsst ihr eine obligatorische Versicherung abschließen, die pro Tag berechnet wird. Ohne sie dürft ihr das Schutzgebiet nicht betreten. Bargeld in kolumbianischen Pesos ist empfehlenswert, auch wenn an den Toren oft Kartenzahlung möglich ist.
Der Park öffnet morgens um acht und schließt um 17 Uhr für alle, die nicht übernachten. Wer dort bleibt, kann sich auch außerhalb dieser Zeiten frei bewegen. Wichtig: pro Tag dürfen maximal 7.000 Menschen hinein. In der Hochsaison ist dieses Limit schnell erreicht, besonders an Wochenenden. Bucht euren Platz deshalb unbedingt vorab über das offizielle Portal. Vergesst euren Reisepass nicht, denn er wird am Eingang kontrolliert. Spontane Besuche ohne Voranmeldung enden oft an der Schranke.













