Rock’n‘Goethe: Auf dem Brocken tobt der Teufel

Ab dem 27. Oktober tritt in Deutschlands höchst gelegenem Bühnenhaus auf 1.146 Metern wieder der Teufel auf. Die Rede ist von „FAUST! – Die Rockoper“. Dieses einzigartige Spektakel auf dem Brocken ist DAS Highlight für den Urlaub im Harz.

Die Faust Rockoper, Maskierter Mann und als teufel verkleidete Frauen tanzen und singen

Die Faust Rockoper

Der Brocken übt seit Alters her eine magische Faszination auf die Menschen aus. In grauer Vorzeit sollen germanische Schamanen auf dem mystischen Berg okkulte Frühlingsrituale abgehalten haben, um den Winter zu vertreiben. Später erklärten christliche Missionare zur Abschreckung, auf dem Brocken würden sich Hexen und Teufel in wilden Orgien versündigen. Wie angsteinflößend die wilden Geschichten auf die Bevölkerung gewirkt haben mussten, erkennt man daran, dass sie bis heute nicht vergessen sind. Niemand sollte dem Berg zu nahekommen. Einer, der sich vom sagenumwobenen „Blocksberg“ nicht hat abschrecken lassen, war Johann Wolfgang von Goethe. Als er im Herbst 1777 seine erste Brockenbesteigung unternahm, widersetzte sich ihm der Berg mit Nebel, Eis und Schnee. Bei diesem Wetter boten die verknöcherten Brockenfichten, die schroffen Granitformationen und die gefährlichen Hochmoore eine denkbar gespenstische Atmosphäre. Zu einer Schneehöhe von rund 30 Zentimetern pfiff ein eisiger Wind geheimnisvolle Lieder und tanzende Nebelschwaden malten unheimliche Schatten in die kalte Luft. – Gefallen hat es Goethe im Harz trotzdem, noch zwei Mal wird er anreisen und er erlebt auf dem Brocken auch die andere Seite des Wetters, wenn der Gipfel oberhalb des Wolkenmeeres liegt und sich darüber nichts als der weite, blaue Himmel spannt.

Goethe zurück auf dem Brocken

Die Empfindungen, die Goethe bei seiner für damalige Verhältnisse lebensmüden Brockenwanderung hatte, verarbeitet er später metaphorisch in der entscheidenden Walpurgisszene seiner Tragödie „Faust“. Bis heute gilt dieses Meisterwerk als das bedeutendste Werk der deutschen Literaturgeschichte. Und als international rezipierter „Bestseller“ wird mit dem „Faust“ plötzlich auch die Harzer Sagenwelt weltweit bekannt. Dann, über 200 Jahre später, kommt Goethe auf den Berg zurück. Freilich nicht in Person, aber verewigt durch sein Werk. Denn seit 2006 kann man am Originalschauplatz der Walpurgisnacht Goethes Tragödie als grandios inszenierte Rockoper erleben. „FAUST!“ -Die Rockoper auf dem Brocken verwendet sogar die Originaltexte, besticht außerdem durch eine rasante Show aus rockigen Uptempo-Nummern sowie sanften Balladen, dicht gestrickten Licht- und Pyroeffekten sowie nicht zuletzt durch einen hervorragenden Cast, angeführt von Falko Illing als perfekt verkörperter Mephisto.

Nur stilecht mit Feuer und Schwefel

In Deutschlands wohl höchstem Bühnenhaus auf 1.146 Metern startet die Rockoper „FAUST!“ ab 27. Oktober endlich in eine neue Spielzeit. Schon jetzt sind wieder zahlreiche Vorstellungen ausverkauft. Das Erfolgsgeheimnis des diabolischen Spektakels sind aber nicht nur die mitreißenden Schauspieler und die besondere Atmosphäre auf dem „Blocksberg“, sondern auch die einmalige Art der Anreise. Für gewöhnlich kündigt sich eine Aufführung der Rockoper nämlich durch weiße Dampfwolken über Wernigerode an. Die bunte Fachwerkstadt am Fuße des Brockens ist Sitz der Harzer Schmalspurbahnen (HSB), die tagtäglich bimmelnd und schnaufend mit Dampfloks den Harz erschließen.

Auf insgesamt 140 Kilometern betreibt das regionale Bahnunternehmen zwischen Wernigerode, der Welterbestadt Quedlinburg im Selketal, Nordhausen in Thüringen und dem Brocken das größte schmalspurige Schienennetz in Europa. Damit und mit ihren 25 Dampfloks bilden die HSB einen der letzten großen Dampflokbetriebe der Welt, dessen Ursprünge inzwischen 130 Jahre zurückreichen. Erst kürzlich wieder wurde die HSB zur beliebtesten Attraktion des Harzes gewählt. Klar, dass bei einer so ehrwürdigen Bahn, sogar der Höllenfürst zusteigt, um auf den Brocken zu gelangen. Und so beginnt ein Abend bei der Rockoper „FAUST!“ nicht erst im Bühnensaal, sondern stilecht mit Feuer und Schwefel im „Mephisto-Express“ ab Wernigerode. Die Fahrt im nostalgischen Sonderzug führt in der anbrechenden Nacht bis hinauf in den Nationalpark Harz und endet auf 1.125 Metern direkt am Brockengipfel. Damit ist der Bahnhof Brocken der höchste Bahnhof einer deutschen Adhäsionsbahn. Dort oben werden die Fahrgäste dann bereits vom Brockenwirt mit einem deftigen Abendessen erwartet, bevor die eigentliche Show erst richtig beginnt. Dieses Gesamtpaket ist es, das „FAUST!-Die Rockoper“ zu einem einmaligen Erlebnis macht, das man nicht länger versäumen sollte.

Mit Mephisto-Express zum Brocken


Quelle: Youtube.com/elbe39110

Unsere Tipps für Ihre „FAUST!“-Vorstellung

Um den Urlaub im Harz mit einem Besuch bei „FAUST!“ zu krönen, haben wir hier noch einige praktische Tipps. Bei der Rockoper handelt es sich um eine Produktion der Harzer Schmalspurbahnen GmbH mit Unterstützung der Manthey Event GmbH, des Brockenwirts und Radio SAW. Tickets für die Aufführungen sind bei einschlägigen Ticketportalen online erhältlich und beinhalten die An- und Abreise mit dem dampfbespannten „Mephisto-Express“. Die Abfahrtszeit ist meist gegen 18:00 Uhr am Bahnhof von Wernigerode. Die Fahrt im bewirtschafteten Mephisto-Express von Wernigerode zum Brocken dauert knapp 90 Minuten. Das aufgeweckte Zugpersonal aus Hexen und Teufeln sorgt derweil für amüsante Unterhaltung. Bei Aufführungen Ende Oktober oder Ende April hat man aber auch die Chance, noch etwas von der romantischen Stimmung des Nationalparks Harz im Sonnenuntergang zu erleben. Außer der Fahrt im Dampfzug sind zudem noch ein Begrüßungstrunk sowie das Abendessen (ohne Getränke) beim Brockenwirt im Ticketpreis inbegriffen. Die Preise bewegen sich je nach Sitzplatzkategorie zwischen 90 und 100 Euro. – Wer die Tickets direkt bei den Harzer Schmalspurbahnen bestellt, hat gegenüber anderen Internetportalen einen Preisvorteil von bis zu 10 Euro pro Karte. Urlaubern empfehlen wir dabei den Besuch von „Faust I“, denn inzwischen wird auf dem Brocken neben einer komischen Faust-Oper und Schülervorstellungen auch der zweite Teil von Goethes Tragödie inszeniert. Teil 1 von „FAUST!“ beinhaltet dennoch eine geschlossene Handlung und wird nur auf dem Brocken mit der legendären Walpurgisszene aufgeführt.

Etwa gegen Mitternacht ist das teuflische Spektakel vorbei und man gelangt mit der Bahn zurück ins Tal. Man kann die An- und Abreise mit dem Zug verkürzen, sich aber eines guten Teils des Events berauben, indem man die Zwischenstationen Drei-Annen-Hohne oder Schierke für den Zu- und Ausstieg nutzt. Gegen 1:30 Uhr ist der „Mephisto-Express“ zurück in Wernigerode. Den Bahnfreunden sowie für einen kurzen Heimweg empfehlen wir hier das dem Bahnhof gleich gegenüber gelegene, komfortable sowie preiswerte Eisenbahn-Themenhotel Altora oder aber eines der anderen schönen Hotels in Wernigerode. Termine für Faust I gibt es dieses Jahr noch bis 26. November. Wir wünschen teuflisch viel Vergnügen bei diesem heißen Event im Harz.

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1 Kommentar zum Thema
  1. Christin Neuber

    Mein Mann und ich fahren gerne in den Harz und dieser sehr interessant geschrieben Artikel macht richtig Lust, einmal diese Rockoper zu besuchen. Ich würde mich über mehr deutsche Themen freuen.