An der deutschen Ostsee gibt es Orte, von denen sich selbst Kenner nur hinter vorgehaltener Hand erzählen: Versteckte Buchten, Fischerdörfer mit krummen Häusern und Wälder bis ans Wasser. Während sich woanders die Badegäste auf den Promenaden tummeln, findet ihr hier Stille, echtes Handwerk und eine Küste, die sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt hat.
Überblick
Zwischen Flensburg und Usedom erstreckt sich die deutsche Ostseeküste, gezähnt und zerklüftet, voller versteckter Förden und Bodden. Hinter den bekannten Kurbädern verbergen sich auf diesen rund 2.000 Kilometern Landstriche, die in keiner Hochglanzbroschüre erscheinen: Halbinseln, die ihr nur über Kopfsteinpflasterstraßen erreicht, Steilufer ohne Café, Leuchttürme ohne Souvenirshop. Sucht ihr Ursprünglichkeit, verzichtet auf Infrastruktur. Hier ist weniger noch mehr.
Insider schätzen diese versteckten Orte, weil sie nach ihren ganz eigenen Regeln funktionieren. Binnenfähren zu den kleineren Boddeninseln verkehren im Winter oft nur dreimal täglich, die Tür zu so mancher Hafenkneipe bleibt bei Flaute auch mal zu, und der Wiesenweg zum Meer steht bei Flut unter Wasser. Wer hierherkommt, akzeptiert Gezeiten, Wetterlaunen und die Tatsache, dass nicht jeder Pfad asphaltiert ist. Genau das macht diese Abschnitte der Ostsee zu einem Geheimtipp für alle, die mehr suchen als Strandkörbe.

Versteckte Küstenorte
Während große Seebäder wie Binz, Kühlungsborn und Timmendorfer Strand ihre Kurpromenaden auf Hochglanz polieren, steht in anderen Dörfern der Region die Zeit still. Hier findet ihr keine Hotels mit Infinity-Pool oder Instagram-Hotspots. Stattdessen entdeckt ihr reetgedeckte Häuser, die seit Generationen in Familienhand sind, und Häfen mit echter Fischerei.
Vitt auf Rügen
Das Dörfchen liegt in einer Uferschlucht nördlich von Kap Arkona. Zwischen Steilküste und Meer drängen sich hier eine Handvoll reetgedeckte Katen, verbunden durch gepflasterte Straßen, auf denen ihr nur ab und zu ein Versorgungsfahrzeug seht. Viele der Häuser stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, als Heringsfischer hier ihre Saison verbrachten. Ihr erreicht Vitt unter anderem über den Veilchenweg, der euch mehr als 100 Stufen steil nach unten führt.
Haltet beim Abstieg kurz inne und genießt die traumhafte Aussicht. Unten angekommen, erwartet euch der kleine Hafen mit ein paar wenigen Booten. Eine winzige Räucherei serviert frischen Fisch, oft ganz unkompliziert auf die Hand. Das Wasser schlägt gegen Findlinge, die seit der letzten Eiszeit hier liegen, und bei Nordost türmen sich die Wellen so hoch auf, dass das Dorf schon mal von der Außenwelt abgeschnitten sein kann. Plant festes Schuhwerk ein und freut euch auf einen Ort wie aus dem Bilderbuch.

Gothmund bei Lübeck
Wenige Kilometer östlich von Travemünde liegt dieser Ortsteil, den selbst viele Ansässige nicht kennen. Der Fischerweg ist das Herz des Dorfes: eine Sackgasse mit ca. 18 Katen, viele davon aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Hier findet ihr keinen Supermarkt, kein Café, nur den Fluss, der breit und brackig zum Meer strömt, und Netzwerfer, die ihrem alten Handwerk nachgehen. Bei eurem Besuch werdet ihr sofort spüren, dass diese Gemeinde anders tickt als der Rest der Küste.
Die Häuser in Gothmund stehen dicht an dicht, manche kaum vier Meter breit, mit Türen so niedrig, dass ihr euch bücken müsst. Obstbüsche wuchern in vielen Vorgärten. Zwischen Wildpflanzen liegen verwitterte Ruderboote, die niemand mehr benutzt. Am Ufer erstreckt sich ein schmaler Schilfgürtel, dahinter Wattflächen, die bei Niedrigwasser Schlickformationen freigeben. Hier riecht ihr Tang, Salz und das Aroma der Räucheröfen.
Maasholm an der Schlei
Das Dorf liegt auf einer Landzunge, die so schmal ist, dass ihr vom Hafen aus das gegenüberliegende Ufer sehen könnt. Das Besondere an Maasholm sind die Kontraste: auf der einen Seite die Förde mit spiegelglattem Wasser, auf der anderen die offene Ostsee mit Brandung und Möwengeschrei. Nur eine Straße führt hierher. Wer falsch abbiegt, landet schon mal im Schlamm oder zwischen Schilf.
Der Hafen beherbergt ein paar Dutzend Fischkutter und ist weit mehr als nur ein Postkartenmotiv. Die Boote laufen hier jeden Tag morgens um fünf für den Fang aus. Auch eine Bockwindmühle aus dem Jahr 1887 tut noch fleißig ihren Dienst. Die Luft schmeckt nach Salz, und abends färbt sich das Wasser kupferrot, während ihr auf der Hafenmauer sitzt und zuschaut, wie die Sonne langsam versinkt.

Freest an der Peenemündung
Ein Abzweig von der Hauptstraße bringt euch in dieses idyllische Fischerdorf. Der Hafen ist das Zentrum von Freest mit Kuttern, Netzen, die zum Trocknen aufgehängt sind, und dem intensiven Geruch von Diesel und Meeresluft. Statt einer Marina für Segelyachten oder einem Boutique-Hotel findet ihr hier nur einen Räucherschuppen und einen Imbiss, der öffnet, wenn der Fang gut war.
Freest wirkt fast wie aus der Zeit gefallen. Holzverkleidungen blättern ab, Gärten wuchern wild, und zwischen Schuppen stehen verrostete Anker als stumme Zeugen längst vergangener Jahre. Vom Hafen aus führt euch ein Pfad zum Peenestrom, wo Kormorane auf Buhnen sitzen und das Schilf sich im Wind wiegt. Bei Sonnenuntergang spiegelt sich der Himmel im flachen Wasser, und es ist so still, dass euer eigenes Herz zum lautesten Geräusch wird.
Abgelegene Naturstrände
Insider schätzen an der Ostsee vor allem Uferabschnitte, die sich auf keiner Übersichtskarte finden. Die abgelegenen Buchten erreicht ihr meist über Waldwege, Trampelpfade oder bei bestimmten Gezeiten auch gar nicht. Windrichtung und Wasserstand bestimmen, ob ihr überhaupt ans Meer gelangt. Doch genau diese Unwägbarkeiten garantieren euch Ruhe und echte Einsamkeit.
Weststrand Darß
Von Prerow aus erstreckt sich dieser Küstenabschnitt über 14 Kilometer bis zu dem kleinen Ostseedorf. Die Anreise ist autofrei, aber ihr könnt euch entscheiden, ob ihr lieber über einen Pfad durch den Wald spaziert oder am Wasser entlanglauft. Die Dünen sind bis zu zehn Meter hoch. Dahinter wachsen die berühmten Windflüchter: Kiefern, deren Kronen vom Westwind zur Seite gebogen wurden.
Das Besondere am Weststrand Darß ist das Holz, das ihr überall findet. Stürme reißen ganze Bäume aus dem Kliff, das Meer treibt sie ans Ufer, und so entsteht eine bizarre Landschaft aus gebleichten Stämmen und Wurzeln. Manche Stücke sind so groß, dass ihr darauf sitzen, liegen oder klettern könnt. Der Sand ist fein und hell, das Wasser klar, aber selbst im Sommer kalt. Packt für diesen Ausflug auf jeden Fall Proviant ein, denn der nächste Kiosk ist mehrere Kilometer entfernt.

Hohe Düne bei Rostock
Dieser Küstenabschnitt liegt am östlichen Ufer der Warnemünder Hafeneinfahrt, direkt gegenüber des beliebten Seebads. Die abgeschiedene Seite der Hohe Düne erstreckt sich kilometerweit nach Osten, ohne Promenade und Strandkörbe, die euch die Sicht verstellen. Um euch herum gibt es nur Sand und den Blick auf die Fracht- und Fährschiffe, die euch im Vorbeiziehen an die Verbindung zur Welt erinnern.
Ihr erreicht den entlegenen Teil der Hohe Düne über eine kleine Fähre oder einen langen Fußweg vom Warnemünder Strand aus. Das Wasser ist hier so flach, dass ihr 50 Meter hinauswaten könnt, ohne dass es über die Knie geht. Herumliegende Netze, Algen und Treibholz vermitteln Authentizität.
Hermannshöhe bei Lübeck
Im Osten von Travemünde verläuft das Brodtener Steilufer mit bis zu 20 Meter hohen Klippen aus Geschiebemergel. Mit dem Auto kommt ihr bis zum Aussichtspunkt Hermannshöhe, wo es auch ein kleines Restaurant gibt. Ein kurzer Spaziergang vom Parkplatz aus Richtung Norden führt euch zu einem versteckten Pfad hinab zum Strand. Die Treppe ist provisorisch aus Holzbohlen gezimmert, die regelmäßig erneuert werden.
Unten angekommen steht ihr auf einem steinigen Uferstreifen und blickt aufs weite Meer hinaus. Der Strand besteht überwiegend aus Findlingen und Kies. Nur an wenigen Stellen gibt es sandige Abschnitte. Das Wasser ist hier tiefer als gewohnt: Nach ein paar Metern reicht es schon bis zur Brust. Im Frühjahr und Herbst könnt ihr mit etwas Aufmerksamkeit Fossilien und Versteinerungen finden, die aus dem Kliff gebrochen sind.

Boiensdorfer Werder
Die Halbinsel erstreckt sich zwischen Wismar und Boltenhagen. Wanderwege durch den Buchenwald führen euch zu dem schmalen und steinigen Strand. Hier gibt es keinen Sand, nur Kies in allen Größen. Bei Sturm donnern die Wellen gegen das Ufer, bei Flaute liegt das Wasser glatt wie Öl. Ihr werdet hier keine perfekten Badetuchfotos machen, aber dafür die unberührte Natur erleben.
Da das Boiensdorfer Werder unter Schutz steht, gibt es keine Bebauung oder Infrastruktur. Nur Schilf, Erlen und das Wasser, das je nach Lichteinfall von Grau bis Türkis changiert. Bei Ebbe liegen Muschelbänke frei und Bernsteinstücke glänzen zwischen Tang. Plant festes Schuhwerk ein, denn Barfußgehen ist hier unmöglich. Dafür erlebt ihr den Strand, wie er schon vor 200 Jahren ausgesehen haben muss.
Verborgene Schätze
Manche Orte in dieser Region haben eine Aura, die sich nicht in Worte fassen lässt. Sie stehen in keinem Reiseführer, weil sie sich jeder Kategorisierung entziehen. Ihr müsst sie einfach erleben. Freut euch auf Herrenhäuser mit englischen Landschaftsparks, Wälder wie aus Märchenbüchern, uralte Hügelgräber und verfallene Militäranlagen.
Gespensterwald Nienhagen
Zwischen Warnemünde und Kühlungsborn liegt dieser verwunschene Forst. Alte Buchen krümmen sich entlang der Küste. Die Äste wachsen horizontal, die Kronen hängen schief, manche Bäume sind komplett entrindet und stehen weiß und kahl da wie Skelette. Bei Nebel wirkt dieser Wald tatsächlich gespenstisch: Licht sickert diffus durch die Wipfel, der Boden ist mit Laub bedeckt, und ihr fühlt euch wie in eine andere Welt versetzt.
Schmale Pfade führen euch am Kliff entlang zum Wasser hinunter. Seid vorsichtig beim Abstieg, denn hier brechen immer wieder Teile des Steilufers ab. Auch Wurzeln können zur Stolperfalle werden, wenn Bäume ins Meer abstürzen und die Reste freiliegen. Wenn ihr öfter herkommt, könnt ihr selbst beobachten, wie sich das Antlitz der Küste von Jahr zu Jahr wandelt.

Bunker am Peenemünder Haken
Die nördlichste Spitze Usedoms war bis vor wenigen Jahren militärisches Sperrgebiet und ist heute ein surrealer Ort zwischen Geschichte und Wildnis. Den Peenemünder Haken, eine schmale Landzunge im Meer, erreicht ihr nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg verfallen zwischen Dünen; Betonruinen und Startrampen rosten vor sich hin.
Der Haken ist aber auch ein Naturparadies mit Salzwiesen und Schilfgürteln. In den Tümpeln brüten Wasservögel. Das Licht hier ist anders: flach, weit, endlos. Ihr seht die Greifswalder Oie im Norden, die Kreidefelsen Rügens im Westen, und fühlt euch, als wärt ihr am Ende der Welt. Abends färbt sich der Himmel rot, so dass die Silhouetten der verfallenen Militärbauten wie die Kulissen eines dystopischen Films wirken.
Großsteingräber von Lancken-Granitz
Versteckt in einem Waldstück auf Rügen erwartet euch eine der bedeutendsten jungsteinzeitlichen Bestattungsanlagen Norddeutschlands. Vier Gräber erheben sich zwischen Buchen und Eichen. Manche sind über zehn Meter lang, aufgebaut aus tonnenschweren Findlingen. Zu Fuß erreicht ihr die Ruhestätte nach einem kurzen Spaziergang vom Parkplatz in Lancken-Granitz.
Die Gräber liegen im Halbschatten der Bäume, von Moos überzogen, und strahlen eine Kraft aus, die ehrfürchtig macht. Stellt euch vor, wie Menschen vor 5.500 Jahren die gewaltigen Findlinge hierher transportierten, ohne moderne Technik, nur mit Muskelkraft und einfachen Werkzeugen. In der Anlage könnt ihr frei herumlaufen, die Steine berühren und die Ruhe genießen. Besonders eindrucksvoll ist ein Besuch bei tiefstehender Sonne, wenn das Licht durch die Blätter fällt und die Megalithen lange Schatten werfen.

Schlosspark Kalkhorst
Dieses neugotische Schmuckstück aus der Mitte des 19. Jahrhunderts findet ihr im Klützer Winkel zwischen Lübeck und Wismar. Das Herrenhaus entstand zwischen 1853 und 1874 und wird heute für Konzerte, Vorträge und Trauungen genutzt. Der dazugehörige Park im englischen Landschaftsstil erstreckt sich über 13 Hektar und wurde ab 1996 liebevoll restauriert. Ihr erreicht das Anwesen über eine kleine Allee, die euch zur Schlossanlage führt.
Im Park könnt ihr euch auf versteckte Schätze freuen. Ein restaurierter Felsengarten lädt zum Erholen ein, ein See spiegelt die alten Bäume, und ein Arboretum zeigt seltene Gehölze. Im Frühling blühen entlang der Wege Schneeglöckchen, im Sommer Fingerhut und Glockenblumen. Eine kleine Kapelle aus dem Jahr 1889 vervollständigt die romantische Stimmung rund um das Kalkhorster Schloss. Besichtigungen sind möglich, aber ihr müsst euch vorher anmelden.
Maritime Streifzüge
Die Region zeigt euch ihr wahres Gesicht nicht im Hochsommer bei 25 Grad, sondern in den Randzeiten. Freut euch auf Herbststürme, die das Meer aufpeitschen, Wintermorgen mit Raureif auf den Dünen und Frühjahrsabende, wenn die Kraniche über die Bodden ziehen. Wer die Küste im Stillen erleben will, muss sich auf ihre Launen einlassen.
Herbstwanderungen durch die Wälder
Im Oktober und November leuchten die Wälder entlang der Küste in Rot-, Gelb- und Brauntönen. Das Laub raschelt unter euren Schuhen, Nebel steigt aus den Tälern, die Luft riecht nach Pilzen und feuchter Erde. Jetzt habt ihr die Pfade fast für euch allein. Besonders eindrucksvoll sind Touren am Rande der Steilufer: von Ahrenshoop zum Darßer Ort, von Lohme nach Sassnitz, von Boltenhagen zur Wohlenberger Wiek.
Der Wind pfeift euch um die Ohren, Wellen krachen gegen die Klippen, Möwen kreischen über dem Wasser. Nach mehreren Stunden erreicht ihr durchgefroren eine Räucherei oder ein Dorfgasthaus, wo Fischsuppe dampft, und der Ofen knistert. Packt Regenjacke und Thermoskanne ein, denn das Wetter kann schnell umschlagen.

Versteckte Radwege durch die Bodden
Zwischen Rostock und Usedom sind die Wege auch fernab der Hauptrouten gut ausgebaut. Sie führen euch über Dämme zwischen Bodden und Meer, durch Schilfgürtel, vorbei an Windmühlen und verfallenen Gehöften. Ein paar wenige Radstrecken sind noch unbefestigt. Hier fordern Schlaglöcher und Wurzeln eure Aufmerksamkeit.
Ein besonderer Tipp ist die Route von Zingst über Prerow zum Darßer Ort. Wenn ihr fit seid, könnt ihr die Strecke durch Wald und Küstenlandschaft in drei Stunden schaffen. Auch die Tour um den Greifswalder Bodden, vorbei an Ludwigsburg und Loissin, ist eine echte Empfehlung. Die Luft schmeckt nach Salz, Libellen schwirren über Wasserflächen, Reiher stehen reglos in der Uferzone. Außer ein paar Anglern oder kleinen Radlergruppen habt ihr die Wege fast für euch allein.
Sturmbeobachtungen an Aussichtspunkten
Wenn ihr die Ostsee bei Windstärke 8 oder 9 erleben wollt, fahrt nach Kap Arkona oder zum Gollwitzer Haken auf Poel. Hier zeigt euch das Meer seine ganze Kraft ohne Filter. Wellen türmen sich meterhoch auf, Gischt fliegt über die Dünen, und der Sturm bläst so kräftig, dass ihr euch dagegen lehnen müsst, um nicht umzufallen. Es ist laut, nass und überwältigend und genau das, was ihr sucht.
Die Leuchttürme bieten euch Schutz, zumindest optisch, denn die Elemente toben weiter. Ihr steht im Wind, spürt die Salzwassertropfen auf der Haut und seht zu, wie die Wellen gegen Buhnen und Felsen krachen. Das Meer färbt sich graugrün und schäumt weiß auf wie kochende Milch. Nach einer halben Stunde seid ihr zwar durchgeweicht, aber fühlt euch bestimmt so lebendig wie noch nie.

In Handwerksstuben stöbern
Entlang der Küste existieren noch Betriebe, die Traditionen pflegen, die anderswo längst ausgestorben sind. In Freest gibt es eine Werft, in der noch klassische Holzkutter gepflegt und restauriert werden. In Vitt räuchert eine Familie Fisch über Erlenholz nach eigenem Rezept. In Maasholm restauriert ein Tuchmacher Segel für historische Schiffe, die noch auf der Ostsee fahren. Diese Gewerbe öffnen ihre Werkstätten manchmal für Besucher: Fragt einfach nach, ob ihr ihnen zuschauen dürft.
Wenn ihr hereingelassen werdet, gibt es keine organisierte Tour mit festen Zeiten, sondern ein echtes Kennenlernen. Ihr steht in der Werkstatt, riecht das frische Holz, hört das Zischen des Ofens und spürt die Hitze. Die Meister erzählen euch von ihrer Arbeit, von der Ostsee, von Stürmen und guten Fängen aus vergangenen Jahrzehnten. Kauft vielleicht geräucherten Aal oder einen handgeflochtenen Korb; nicht als Souvenir, sondern als Zeugnis eines Berufs, der weiterlebt.
Häufige Fragen von Küstenentdeckern
Wer nach Geheimtipps für die Reise an die Ostsee sucht, stellt andere Fragen als der Durchschnitt. Nicht „Wo ist der nächste Strandkorb?“, sondern „Welche Badeplätze erlauben Hunde ohne Leine?“. Hier sind die fünf besten Insider-Empfehlungen für Familien, junge Leute und alle, die mehr wollen als nur die üblichen Tipps.
Tipps für den Urlaub an der Ostsee mit Hund
Die besten Strände für euch und euren Vierbeiner liegen abseits der bewachten Badestellen. An abgelegenen Ufern wie dem Boiensdorfer Werder, auf dem Darß oder am Boddenstrand bei Ludwigsburg geht es für Hunde oft deutlich entspannter zu, besonders außerhalb der Hauptsaison. Achtet aber immer auf lokale Hinweisschilder zu Leinenpflicht und Naturschutz. Viele Wanderpfade entlang der Küste sind ideal für ausgedehnte Spaziergänge, da weniger los ist und eure Fellnase im Wasser planschen kann.
Im Sommer solltet ihr die Hauptstrände von Binz, Kühlungsborn oder Warnemünde ganz vermeiden. Dort sind Hunde oft komplett verboten und ihr müsst mit Bußgeldern rechnen, wenn ihr sie dabei habt. Stattdessen bieten euch die kleinen Fischerdörfer wie Vitt oder Gothmund entspannte Alternativen, wo niemand euch schräg anschaut. In vielen Hotels an der Ostsee sind eure Fellfreunde herzlich willkommen, besonders wenn ihr in der Nebensaison anreist. Packt Handtücher ein, denn ein Bad im Meer ist salzig und sandig, und nicht jede Unterkunft hat eine Außendusche.
Tipps für die Ostsee für Familien mit Kindern
Wenn ihr mit euren Kleinen an die Küste fahrt, solltet ihr euch Orte aussuchen, wo das Wasser besonders flach ist. In Hohe Düne bei Rostock können eure Kinder weit ins Meer waten, da der Strand sanft abfällt. Achtet aber immer auf Strömung und Wellen. Der breite Sandstrand bei Boltenhagen lädt zum Buddeln, Muschelsuchen und Steinhüpfen ein. Auch der südliche Bodden bei Zingst gilt als meist ruhige See, ideal zum Entspannen. Lasst die Kids dennoch nie unbeaufsichtigt.
Auch abseits des Strandes gibt es viel zu entdecken: Der Gespensterwald Nienhagen fasziniert die Kleinen mit seiner verwunschenen Atmosphäre. Auf dem Darßer Ort könnt ihr mit etwas Glück Rehe und Wildschweine beobachten. Ein Besuch in einer Räucherei ist auch interessant. Viele Betriebe erklären euch gerne ihre Arbeit. Wichtig: Packt genug Wechselkleidung ein, auch im Sommer. Das Wetter an der Ostsee kann schnell umschlagen, und durchnässte Kinder frieren rasch.
Ostsee-Tipps für junge Leute
Die klassischen Kurbäder sind für alle, die gerade noch studieren oder in der Ausbildung stecken, oft zu teuer und zu langweilig. Fahrt lieber in eine der Universitätsstädte an der Ostsee, wie Rostock, Greifswald oder Stralsund. Dort findet ihr sicher tolle Couchsurfing-Angebote. Abends zieht ihr dann mit euren Gastgebern durch die Bars.
Für Abenteuerlustige darf auch die Camping-Ausrüstung nicht fehlen. Sucht Stellplätze oder private Zeltplätze außerhalb des Nationalparks, zum Beispiel am Westrand des Darß. Wer im Urlaub gerne aktiv ist, kann in vielen Dörfern ein Kajak mieten, um die Boddenlandschaft auf eigene Faust zu erkunden. Surfer finden bei Kap Arkona oder am Darßer Ort ideale Bedingungen. Bringt einfach euer Brett mit oder leiht dort eins.
Die besten Tagesausflüge an die Ostsee
Wenn euch am Wochenende plötzlich die Sehnsucht nach dem Meer packt, könnt ihr von Norddeutschland aus auch problemlos am Samstag an die Küste fahren. Startet zum Beispiel in Wismar mit einem Altstadtbummel und Fischbrötchen. Von dort geht es weiter nach Boltenhagen für zwei Stunden Strand. Abends endet euer Ausflug in der Wohlenberger Wiek, wo ihr bei Sonnenuntergang die einfliegenden Wasservögel beobachtet.
Oder ihr fahrt nach Warnemünde und setzt von dort mit der Fähre zu Hohe Düne über. Ein Spaziergang entlang des einsamen Strands führt euch bis zum Gespensterwald. Später könnt ihr euch in einer Gaststätte in Nienhagen mit einer Fischsuppe stärken. Für diesen Ausflug seid ihr etwa fünf bis sechs Stunden unterwegs, je nachdem, wie viele Pausen ihr einlegt. Wichtig: Startet früh! Die schönsten Lichtverhältnisse habt ihr morgens oder abends, wenn die Sonne tief steht.
Tipps für die Ostsee im Herbst
Im Herbst wird es an der Küste dramatisch: Die Wälder färben sich, Nebel steigt über den Bodden auf, und Stürme peitschen das Wasser gegen die Klippen. Die Luft ist klar und kühl, perfekt für lange Wanderungen, bei denen ihr nicht zu sehr ins Schwitzen kommt. Außerdem sind die Strände und Pfade nahezu menschenleer, selbst an den bekannteren Orten.
Auch kulinarisch ist der Herbst an der Ostsee ein Hit: Der Fisch ist frisch gefangen und in den Gasthäusern stehen Wildgerichte und Sanddornsuppen auf der Karte. Die Preise für Unterkünfte fallen spürbar im Vergleich zum Sommer. Da freut sich euer Geldbeutel. Und dann sind da noch die Kraniche. Tausende rasten auf den Bodden und bieten euch morgens und abends ein spektakuläres Schauspiel, wenn sie in riesigen Schwärmen auffliegen und ihre Rufe die Landschaft erfüllen.









