Ob ihr zum Frühstück mit Kaya-Toast in den Tag startet, mittags in einem dampfenden Hawker Centre Schlange steht oder abends am Wasser in eine Chili-Krabbe beißt – in Singapur wird Essen zu einem kleinen Abenteuer. Schnappt euch eine Serviette und kommt mit auf eine kulinarische Reise durch die Löwenstadt!
Überblick
Der Stadtstaat ist zwar nur fast so groß wie Hamburg, doch auf dieser kleinen Fläche treffen chinesische, malaiische, indische und peranakanische Kochtraditionen zusammen – und verschmelzen zu etwas ganz Eigenem. Über die Jahrzehnte haben sich diese Einflüsse nicht nur nebeneinander entwickelt, sondern immer wieder gegenseitig bereichert. So kommt es, dass ihr in eurem Urlaub in Singapur ein chinesisches Nudelgericht mit Curry oder ein indisches Fladenbrot mit Ei und Käse genießen könnt.
Der wichtigste Ort, um all das zu erleben, ist das Hawker Centre. In den überdachten Hallen findet ihr Dutzende Stände nebeneinander, an denen oft seit Generationen ein einziges Gericht perfektioniert wird. Hier sitzen Büroangestellte, Familien und Reisende Seite an Seite. Das Essen in Singapur ist in diesen Foodcourts besonders günstig. So könnt ihr für wenig Geld echte Spezialitäten aus allen Küchen des Landes probieren.

Geschichte der Singapur Küche
Was das Essen in Singapur so besonders macht, ist seine Geschichte: Jede Bevölkerungsgruppe hat ihre eigenen Zutaten und Kochtraditionen mitgebracht und so die Küche geprägt, die ihr heute im Stadtstaat erleben könnt.
- Malaiische Wurzeln: Die malaiische Bevölkerung steuerte Kokosmilch, Sambal und Zitronengras bei – Zutaten, die bis heute in vielen Gerichten den Ton angeben.
- Chinesische und indische Einwanderung: Einwanderer aus Hokkien, Teochew und Hainan brachten ihre Wok-Künste mit, Händler und Arbeiter aus Südindien ihre Gewürzmischungen sowie Fladenbrot.
- Peranakan-Küche: Aus Ehen zwischen chinesischen Einwanderern und der malaiischen Bevölkerung entstand die Peranakan-Kultur, deren Nyonya-Küche Techniken und Gewürze beider Länder kombiniert.
- Hawker: In den 1970er- und 80er-Jahren holte die Regierung die Straßenköche (Hawker) von den Bürgersteigen und siedelte sie in Essenshallen an. Seit 2020 gehört diese Kultur zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
Traditionen
Auch die Traditionen rund ums Essen in Singapur sind spannend. Statt „Wie geht’s?“ fragen die Einheimischen zur Begrüßung gern „Schon gegessen?“ – das sagt eigentlich alles über den Stellenwert guter Küche. Gespeist wird mit Stäbchen, mit Löffel und Gabel oder, vor allem in der indischen und malaiischen Küche, mit der rechten Hand. Mahlzeiten werden gern geteilt, sodass alle von allem probieren können.
Wer in Singapur im Food Market einen Tisch reservieren möchte, legt eine Packung Taschentücher darauf – das sogenannte „Chope“. Trinkgeld ist dort unüblich, ihr bezahlt den aufgerufenen Preis einfach direkt am Stand. Genau diese Mischung aus Lässigkeit und Leidenschaft macht das Essen in dem asiatischen Land so besonders.

Vorspeisen
Gegrillt, gerollt, frittiert oder frisch gemischt: Die Vorspeisen spiegeln die ganze Vielfalt des Stadtstaats wider und sind ideal, um euch durch die verschiedenen Küchen zu probieren, bevor es mit den großen Gerichten weitergeht. Diese Klassiker solltet ihr nicht verpassen.
Satay
Satay sind Spieße aus mariniertem Hühner-, Rind- oder Schweinefleisch, teilweise sind auch Varianten mit Garnelen erhältlich. Das Dressing unterscheidet sich je nach Küche und besteht unter anderem meist aus Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel und Ingwer. Diese verleiht dem Gericht seine goldgelbe Farbe. Gegrillt wird traditionell über Holzkohle. Serviert werden die kleinen Snacks mit einer süß-würzigen Erdnusssauce, Gurkenstücken, Zwiebeln und Ketupat, gepressten Reiskuchen.

Popiah
Popiah sind Frühlingsrollen, die ihren Ursprung in der Hokkien- und Teochew-Küche haben. Die hauchdünnen Teigblätter aus Weizenmehl, Wasser und Salz werden mit süßer Sauce und Chilipaste bestrichen und anschließend mit langsam geschmorten Yambohnen, Karotten, Sojasprossen, Ei, Garnelen, Salat, Erdnüssen und Koriander gefüllt. Frittiert wird bei dieser Vorspeise nichts: Das Ganze wird frisch gewickelt und in mundgerechte Stücke geschnitten.
Ngoh Hiang
Ngoh Hiang ist ebenfalls ein bekanntes Streetfood. Der Name bezieht sich auf das Fünf-Gewürze-Pulver, das diesem Snack seinen Charakter gibt. Gehacktes Schweinefleisch, Garnelen, Wasserkastanien und Frühlingszwiebeln werden damit verfeinert, in eine Haut aus getrocknetem Tofu gerollt, gedämpft und anschließend goldbraun frittiert. In Scheiben geschnitten landet die Speise oft gemeinsam mit Fischbällchen, knusprigem Tofu und Reisnudeln auf einem Teller. Dazu bekommt ihr eine süßliche dunkle Sauce und einen feurigen Chilidip.

Otak-Otak
Otak-Otak ist ein würziger Fischkuchen, der traditionell in Bananenblätter gepackt und über Holzkohle gegrillt wird. Die Basis bildet fein pürierte Makrele, vermischt unter anderem mit Kokosmilch, Knoblauch, Chili, Zitronengras, Koriander und Kurkuma. Letztere verleiht dem Ganzen seine charakteristische orange Farbe. Ihr wickelt die kleinen Päckchen einfach selbst aus und esst die Füllung pur, mit etwas Reis oder Brot.
Suppen und Eintöpfe
Suppen und Eintöpfe sind in Singapur keine Vorspeise, sondern vollwertige Mahlzeiten, die oft schon zum Frühstück oder in der Mittagspause gegessen werden. Die Brühen köcheln stundenlang, mal mit Kräutern und Pfeffer, mal mit Kokosmilch und Chili. Diese drei Gerichte solltet ihr unbedingt probieren.
Laksa
Laksa ist wohl die berühmteste Suppe Singapurs und ein echtes Erbe der Peranakan-Küche. Die Basis bildet eine Gewürzpaste aus Chili, Zitronengras, Galgant, Kurkuma und getrockneten Garnelen, die in Öl angeschwitzt und mit Kokosmilch und Brühe aufgegossen wird. In den cremigen, orangefarbenen Sud kommen dicke Reisnudeln, die meist so kurz geschnitten sind, dass ihr alles mit dem Löffel essen könnt. Weitere typische Einlagen sind Tofu, Hähnchenfleisch, Fischkuchen und Eier.

Bak Kut Teh
Der Name bedeutet übersetzt „Fleisch-Knochen-Tee“, doch Tee steckt gar nicht in der Suppe – er wird dazu getrunken. In Singapur dominiert die Teochew-Variante, die im Vergleich zur malaysischen Version hell ist und sich durch besonderes Aroma auszeichnet: Schweinerippchen werden stundenlang in einer klaren Brühe mit reichlich weißem Pfeffer und ganzen Knoblauchzehen geköchelt, bis das Fleisch zart vom Knochen fällt. Das Ergebnis ist leicht scharf und unglaublich wärmend. Serviert wird die Speise mit Reis, frittierten Teigstangen zum Eintunken sowie eingelegtem Gemüse.
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Hauptspeisen
Die Hauptspeisen sind das Herzstück, um Singapur kulinarisch kennenzulernen. Ob Reis, Nudeln oder Meeresfrüchte: Fast jedes Gericht erzählt die Geschichte einer Einwanderergruppe, die ihre Rezepte in die Stadt mitgebracht hat. Hier kommen sechs Klassiker, die auf eurer Liste stehen sollten.
Hainanese Chicken Rice
Hainanese Chicken Rice gilt in Singapur als inoffizielles Nationalgericht. Ein ganzes Huhn wird sanft in einem Sud mit Ingwer, Knoblauch und Frühlingszwiebeln pochiert und danach in Eiswasser getaucht, damit die Haut glatt und das Fleisch saftig bleibt. Der Reis wird in Brühe und Fett mit den gleichen Gewürzen gekocht – das macht ihn so herrlich aromatisch. Serviert wird die Speise mit Gurke und frischem Koriander. Dazu gibt es Chili-Sauce, dunkle Sojasauce und ein Schälchen mit Öl.
Chili Crab
In Singapur ist dieses Essen ebenfalls typisch, das in den 1950er-Jahren in der Stadt erfunden wurde. Hierfür werden Schlammkrabben in Stücke geteilt, kurz angebraten und dann im Wok in einer Sauce aus Tomaten, Chili, Knoblauch, Ingwer, Schalotten und Brühe geschwenkt. Zum Schluss wird verquirltes Ei untergezogen, das dem Gericht seine seidige Konsistenz verleiht. Der Sud schmeckt süß, leicht scharf und ist viel zu gut, um ihn zurückgehen zu lassen. Deshalb gibt es Mantou dazu, frittierte oder gedämpfte Brötchen zum Auftunken.

Char Kway Teow
Char Kway Teow ist ein weiteres traditionelles Essen in Singapur: In einem glühend heißen Wok werden dafür flache Reis- sowie gelbe Weizennudeln in Schweineschmalz, heller und dunkler Sojasauce, Knoblauch und Chilipaste angebraten. Hinzu kommen Wurstscheiben, Fischkuchen, Sojasprossen, Eier sowie Herzmuscheln oder Garnelen. Entscheidend ist das sogenannte „Wok Hei“, ein rauchiges Aroma, das nur bei extrem hoher Hitze entsteht. Dieses Gericht schmeckt leicht süßlich, deftig und ist wunderbar sättigend – ein echter Seelentröster.

Nasi Lemak
Nasi Lemak ist ein malaiischer Klassiker, der ursprünglich als Frühstück gegessen wurde, heute aber zu jeder Tageszeit beliebt ist. Herzstück ist Reis, der mit Kokosmilch und Pandanblättern gegart wird und dadurch cremig und duftend schmeckt. Dazu gibt es Sambal, frittierte Sardellen, geröstete Erdnüsse, Gurkenscheiben und gekochtes oder gebratenes Ei. Viele Stände bieten außerdem knusprige Hähnchenflügel, Fischfilet oder -kuchen sowie Rindfleisch-Rendang an. Traditionell wird diese Speise in ein Bananenblatt gewickelt verkauft.
Hokkien Mee
Für dieses typische Hawker-Gericht werden gelbe Weizennudeln und dicke Reisnudeln gemeinsam im Wok angebraten und anschließend in einer kräftigen Brühe aus Garnelenköpfen, Schalen und Schweinefleisch geschmort. Die Nudeln saugen den Sud auf und bekommen dadurch einen intensiven Meeresgeschmack. Mit dabei sind Garnelen, Tintenfisch, Ei und Bauchspeck. Die Konsistenz ist feucht und leicht sämig, keineswegs trocken. Auch bei dieser Speise spielt das „Wok Hei“, das rauchige Aroma durch extrem hohe Hitze, eine wichtige Rolle. Serviert wird dieses Essen meist mit Sambal und einer Calamansi-Limette.

Roti Prata
Roti Prata stammt aus der südindischen Küche und ist ein Fladenbrot, das außen knusprig und innen weich ist. Der Teig aus Mehl, Ghee, Wasser und etwas Salz wird geknetet, geölt und ruht mehrere Stunden. Dann folgt die Show: Die Köche schleudern ihn hauchdünn durch die Luft, falten ihn zusammen und braten ihn auf einer heißen Eisenplatte goldbraun. Ihr könnt das Ganze pur bestellen oder mit Ei, Zwiebeln oder Fleisch gefüllt. Dazu bekommt ihr eine Schale mit würziger Currysauce zum Eintunken.
Nachspeisen
Süßes hat in Singapur eine ganz eigene Handschrift. Statt Sahne und Schokolade stehen Kokosmilch, Palmzucker, Pandan, Bohnen und tropische Früchte im Mittelpunkt. Lasst euch davon nicht abschrecken, denn gerade diese Kombinationen machen den Reiz aus. Drei Favoriten stellen wir euch hier vor.
Ice Kachang
Ice Kachang, auch Ais Kacang genannt, ist ein bunter Berg aus fein geschabtem Eis, der an heißen Tagen wahre Wunder wirkt. Darunter verstecken sich rote Bohnen, Maiskörner, Palmfrüchte (Attap Chee), Geleewürfel oder Erdnüsse. Anschließend wird das Ganze großzügig mit rotem Rosensirup, grünem Pandansirup und gesüßter Kokos- oder Kondensmilch übergossen. Manche Stände krönen das Dessert mit Durian oder einer Kugel Eiscreme. Serviert wird die erfrischende Speise in einer Schale mit Löffel – esst zügig, bevor alles schmilzt!
Pulut Hitam
Pulut Hitam ist ein warmer Pudding aus schwarzem Klebreis, der in der indonesischen und Peranakan-Küche zu Hause ist. Die Grundzutat wird über Nacht eingeweicht und dann langsam mit Pandanblättern und Palmzucker gekocht, bis sie eine dicke, cremige Konsistenz erhält. Sie sorgt zudem für die tiefviolette Farbe und ein leicht nussiges Aroma. Kurz vor dem Servieren kommt ein Schuss Kokosmilch oder -creme darüber. In Singapur findet ihr zudem auch weitere Interpretationen dieses Desserts wie Kuchen oder Schokolade.

Ondeh-Ondeh
Ondeh-Ondeh sind kleine grüne Bällchen, die beim ersten Biss im Mund regelrecht explodieren. Der Teig besteht aus Reismehl und aromatischem Pandansaft, der für die leuchtend grüne Farbe sorgt. In jede Kugel wird ein Stück Palmzucker gedrückt, dann wird sie verschlossen und in kochendem Wasser gegart, bis sie an die Oberfläche steigt. Dabei schmilzt die Füllung zu einem flüssigen Sirup. Zum Schluss wird das Ganze in frisch geraspelter, leicht gesalzener Kokosnuss gewälzt. Ihr bekommt sie in Bäckereien und auf Märkten.
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Getränke
In Singapur wird viel Kaffee und Tee getrunken – allerdings in einer ganz eigenen Form. Im Kopitiam, dem traditionellen Kaffeehaus, bestellt ihr Kopi: Die Bohnen werden mit Margarine und Zucker geröstet, durch einen Stoffbeutel gefiltert und standardmäßig mit gesüßter Kondensmilch serviert. Wer es anders mag, lernt schnell die Codes: „Kopi O“ steht für schwarz mit Zucker, „Kosong“ für ohne Süßmittel und „Peng“ für eisgekühlt. Ebenso beliebt ist Teh Tarik, ein kräftiger Schwarztee mit Kondensmilch, der aus großer Höhe zwischen zwei Gefäßen hin- und hergegossen wird, bis er eine schaumige Krone bekommt.
Bei schwüler Hitze sorgen kalte Getränke für Abkühlung. Probiert unbedingt frisch gepressten Zuckerrohrsaft, süßen Gerstentee oder Lime Juice aus kleinen Calamansi-Limetten. Bandung ist eine knallpinke Mischung aus Rosensirup, Milch und Wasser und ist bei Groß und Klein Kult. Am Abend dürft ihr einen Klassiker nicht verpassen: den Singapore Sling. Der fruchtige Gin-Cocktail mit Kirschlikör, Ananassaft und Grenadine wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Singapur erfunden und ist bis heute das Aushängeschild der Stadt. Bierfans greifen zum lokal gebrauten Lager.

Vegetarisch und vegan essen
Im Urlaub in Singapur vegetarisch zu essen, ist leichter als gedacht: Das liegt vor allem an den großen indischen und buddhistischen Gemeinschaften. Dort findet ihr zahlreiche Lokale, die Thalis, Dosas und Gemüsecurrys servieren. Chinesische Restaurants bieten fleischlose Küche, oft mit Ersatz aus Weizengluten, Tofu oder Pilzen. Auch in fast jedem Hawker Centre gibt es einen vegetarischen Stand, und in Vierteln wie Tiong Bahru oder Tanjong Pagar hat sich eine moderne Szene mit veganen Cafés, Bowls und pflanzlichen Burgern entwickelt.
Viele der vorgestellten Gerichte lassen sich anpassen: Roti Prata ist meist vegetarisch – fragt für die vegane Variante nach dem Ghee. Popiah gibt es ohne Ei und Garnelen. Laksa, Char Kway Teow und Nasi Lemak bekommt ihr an manchen Ständen in fleischfreien Versionen, etwa mit Tofu oder Tempeh. Bei den Desserts habt ihr es leicht: Pulut Hitam und Ondeh-Ondeh sind in der Regel pflanzlich, beim Ice Kachang verzichtet ihr einfach auf die Kondensmilch. Unser Tipp: Sagt ausdrücklich dazu, dass ihr keine Fisch- oder Garnelenpaste möchtet – sie versteckt sich gern in Saucen und Sambal.









