Zwischen den Olivenhainen Tunesiens und dem türkisfarbenen Mittelmeer liegt Houmt Souk, die Hauptstadt der Insel Djerba. Hier verschmelzen Orient und Okzident: Berberische Traditionen treffen auf arabische Handelswege, Synagogen stehen neben Moscheen, und in den schattigen Basaren herrscht seit Jahrhunderten reges Treiben. Wenn ihr durch die weiß getünchten Gassen schlendert, wird euch der Ort gleich in seinen Bann ziehen.
Überblick
Houmt Souk bedeutet übersetzt schlicht „Marktviertel“, und genau das war dieser Ort schon immer: ein lebendiger Umschlagplatz für Waren aus der Sahara, vom Mittelmeer und aus dem Orient. Phönizier und Römer legten hier auf ihren Seerouten an, byzantinische Baumeister errichteten Wehrtürme, im Mittelalter kämpften Normannen und Spanier um die strategische Lage. Der berüchtigte Pirat Dragut baute im 16. Jahrhundert die Festung Borj el Kebir aus und machte Djerba zu einem gefürchteten Korsarenstützpunkt. Wenn ihr heute durch die engen Gassen schlendert, spürt ihr an jeder Ecke, wie viel Geschichte sich in diesen alten Mauern verbirgt.
Was die Hauptstadt von Djerba so besonders macht, ist das friedliche Nebeneinander verschiedener Glaubensrichtungen. Seit mehr als 2500 Jahren leben hier Muslime und eine der ältesten jüdischen Gemeinden der Welt Seite an Seite. Ihre Synagoge El Ghriba ist bis heute ein spirituelles Zentrum. Die weißen Häuser mit ihren flachen Dächern und blauen Fensterläden schmiegen sich dicht aneinander, und schattige Innenhöfe bieten Schutz vor der Hitze. In den Gassen entdeckt ihr neben Gebetsstätten Moscheen, neben traditionellen Werkstätten moderne Boutiquen und junge Künstler, die mit bunten Murals das Ortsbild bereichern. Diese Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart macht den Charme von Houmt Souk aus.

Sehenswürdigkeiten
Wenn ihr durch die Stadt schlendert, begegnet euch an jeder Ecke ein Stück Geschichte. Römische Einflüsse treffen auf osmanische Architektur, spanische Festungsanlagen auf traditionelle Berberbauten. Nehmt euch ausreichend Zeit für ausgedehnte Spaziergänge in Houmt Souk, denn hinter jeder Biegung der engen Gassen wartet eine neue Entdeckung.
Die historische Altstadt
Das Herz der Medina besteht aus einem Labyrinth schmaler Straßen, überwölbter Passagen und schattiger Plätze, die sich seit dem Mittelalter kaum verändert haben. Weiß getünchte Fassaden mit blauen Fensterläden und filigran beschlagene Holztüren reflektieren das Sonnenlicht und sorgen für eine natürliche Kühlung. Bunte Stoffe und reich verzierte Keramik schmücken die Auslagen. Anders als in vielen anderen nordafrikanischen Basaren findet ihr hier noch echte Handwerker, die ihre Waren selbst herstellen: Schmiede, die vor euren Augen Messingkannen hämmern, Weber, die mit flinken Händen Muster wirken, und Korbflechter, die aus Palmwedeln kunstvolle Behälter entstehen lassen.
In den Seitengassen entdeckt ihr kleine Ateliers, in denen Männer an antiken Nähmaschinen sitzen und traditionelle Djellabas anfertigen, während nebenan Frauen Henna-Paste für die aufwendigen Körperbemalungen anrühren. Der Duft von frisch gemahlenem Kaffee, Gewürzen und gebrannten Mandeln schwebt in der Luft und mischt sich mit dem salzigen Hauch des nahen Meeres. Besonders in den frühen Morgenstunden, wenn die Geschäftsleute ihre Rollläden hochziehen und die ersten Kunden eintreffen, erlebt ihr den authentischen Rhythmus in den bunten Straßen von Houmt Souks Altstadt. Nehmt euch Zeit für ausgedehnte Spaziergänge und lasst euch von den Wundern der Medina überraschen.

Der Fischmarkt
Am nördlichen Rand der Medina, dort, wo die Straßen ans Meer grenzen, herrscht jeden Morgen besonders geschäftiges Treiben. Gegen sechs Uhr kehren die Fischer mit ihren bunt bemalten Booten vom nächtlichen Fang zurück und entladen Kisten voller Sardinen, Doraden und Langusten auf die betonierten Flächen. Die Versteigerung beginnt mit lautem Geschrei, wilden Gesten und einem Tempo, das für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist. Händler aus den Restaurants der Insel und Hausfrauen mit prall gefüllten Taschen drängen sich um die besten Exemplare, während die Auktionatoren in rapidem Arabisch die Preise ausrufen.
Das Treiben hat fast etwas Archaisches, als wäre die Zeit hier stehen geblieben: Seeleute in verschlissenen Arbeitshosen sortieren die Fische, während Möwen kreischend über ihren Köpfen kreisen und nach Resten schnappen. Die Sonne bricht sich in den glänzenden Schuppen und taucht den Markt in silbernes Licht. Nach dem Verkauf werden die Stände abgespritzt, und das Areal verwandelt sich in einen ruhigen Hafenbereich, wo alte Männer im Schatten sitzen, Netze flicken und Geschichten austauschen. Kommt am besten frühmorgens, denn dann erlebt ihr dieses Spektakel in eurem Urlaub auf Djerba hautnah mit.
Borj el Kebir
Am östlichen Ende des Hafenbeckens von Houmt Souk erhebt sich eine wuchtige Festungsanlage, die zu den eindrucksvollsten militärischen Bauten Tunesiens zählt. Normannische Kreuzritter legten im neunten Jahrhundert die ersten Fundamente, doch erst der berüchtigte Korsarenadmiral Dragut verlieh ihr die heutige Gestalt. Die Spanier verstärkten später die Mauern, die Osmanen fügten Türme und Kanonen hinzu. Wenn ihr durch das massive Eingangstor tretet und die steilen Rampen erklimmt, spürt ihr mit jedem Schritt die strategische Bedeutung dieses Postens: Von hier konnte man die gesamte Nordküste perfekt kontrollieren.
Im schattigen Innenhof zeigt eine kleine Ausstellung Navigationsinstrumente, alte Kanonen und Keramikfunde aus verschiedenen Epochen. Von den Zinnen genießt ihr einen weiten Ausblick über das azurblaue Meer, den geschäftigen Hafen und die weißen Dächer der Medina. Bei klarem Wetter reicht die Sicht sogar bis zum tunesischen Festland. Die Einheimischen nennen die Anlage auch Borj Ghazi Mustapha, nach einem osmanischen Befehlshaber. Plant euren Besuch am späten Nachmittag, wenn das schräge Licht die ockerfarbenen Steine zum Leuchten bringt und ihr vom nahegelegenen Café aus dieses Schauspiel bei einem Minztee beobachten könnt.

Die Fondouks
Verstreut in der Altstadt von Houmt Souk stoßt ihr auf eindrucksvolle Gebäudekomplexe mit schweren Eingangstoren, die auf den ersten Blick wie Wohnhäuser wirken. In Wahrheit sind es historische Herbergen für Karawanen, in denen Kaufleute aus der Sahara und dem Inland ihre Waren lagerten und für einige Tage oder Wochen Quartier bezogen. Diese sogenannten Fondouks sind um rechteckige Innenhöfe angelegt, wo früher die Kamele angebunden wurden. Heute werden die ehemaligen Stallungen vor allem von kleinen Werkstätten genutzt. Die oberen Galerien mit ihren Balken aus dunklem Holz und einfachen Kammern dienten den müden Händlern damals als bescheidene Schlafstätten.
Einige dieser Bauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert wurden liebevoll restauriert und beherbergen nun Kunstgalerien, Teppichläden oder kleine Hotels, die euch einen authentischen Einblick in die Architektur jener Zeit bieten. Der Fondouk der Tunesier unweit der großen Moschee zeigt die ursprüngliche Struktur besonders eindrucksvoll mit seinen zweistöckigen Arkaden und dem schattig-kühlen Atrium. Wenn ihr nachmittags durch den Eingang schlüpft, entkommt ihr dem geschäftigen Treiben draußen und könnt die Ruhe dieser historischen Rückzugsorte auf euch wirken lassen. Beachtet allerdings, dass manche dieser Höfe noch immer in Privatbesitz und daher nicht öffentlich zugänglich sind.
Moscheen und Synagogen
In Houmt Souk gehört religiöse Vielfalt zum Alltag wie Olivenbäume und Palmen zur djerbischen Landschaft. Mitten im Basarviertel steht die kleine Moschee der Türken. Von ihrem weißen Minarett ertönt fünfmal am Tag der Ruf des Muezzins über den Dächern, während nur wenige Straßen entfernt eine jüdische Gebetsstube die lange Geschichte der sephardischen Gemeinde bezeugt. Dieses friedliche Miteinander ist keine moderne Erfindung, sondern seit Jahrhunderten gelebte Realität auf der Insel, die als Zufluchtsort für Verfolgte aus dem gesamten Mittelmeerraum diente. In den Souks findet ihr Silberschmiede, die sowohl islamische Kalligrafie als auch Davidsterne in ihre Arbeiten integrieren, ein sichtbares Zeichen der gegenseitigen Achtung.
Etwa acht Kilometer südlich, im Dorf Hara Sghira, steht die El Ghriba Synagoge, eines der bedeutendsten jüdischen Heiligtümer Nordafrikas. Der Legende nach reichen ihre Wurzeln bis zur babylonischen Gefangenschaft zurück, als Flüchtlinge einen heiligen Stein aus dem zerstörten Tempel Jerusalems mitbrachten. Im Inneren erwarten euch kunstvoll geflieste Wände in leuchtenden Blau- und Weißtönen, geschnitzte Holzarbeiten und zahlreiche Votivtafeln von Pilgern aus aller Welt. Besucher jeder Konfession sind willkommen, wenn sie respektvoll auftreten und angemessene Kleidung tragen.

Street Art in Erriadh
Etwa sieben Kilometer südlich von Houmt Souk hat sich ein kleines Dorf seit 2014 in eine Open-Air-Galerie verwandelt. Im Rahmen des Projekts „Djerbahood“ kamen Kreative aus aller Welt nach Erriadh und bemalten über 150 Fassaden mit bunten Murals: von politischen Botschaften über surreale Fantasien bis hin zu Hommagen an die berbische Kultur. Die weißen Häuser wurden zu Leinwänden für Werke aus Tunesien, Frankreich, Deutschland und vielen anderen Ländern. Was als zeitlich begrenztes Kunstprojekt begann, zieht heute Besucher von nah und fern an.
Wenn ihr durch die stillen Gassen schlendert, entdeckt ihr an jeder Biegung neue Überraschungen: Ein riesiges Auge, das euch von oben anblickt, geometrische Muster in leuchtenden Farben, poetische Kalligrafie neben realistischen Portraits. Die Bewohner haben die Malereien in ihren Alltag integriert. Manchmal seht ihr Kinder davor spielen oder alte Frauen in Türöffnungen sitzen, als wären die überdimensionalen Wandbilder die natürlichste Sache der Welt. Viele der ursprünglichen Arbeiten sind mittlerweile verblasst, aber ständig kommen frische Werke hinzu. Nehmt eine Kamera mit, denn diese Kombination aus traditioneller Architektur und zeitgenössischer Straßenkunst bietet unzählige Motive.
Aktivitäten
Neben den historischen Bauwerken bietet Houmt Souk eine Fülle von Erlebnissen, die euch den Alltag auf der Insel näherbringen. Von kulinarischen Entdeckungen über maritime Abenteuer bis zu handwerklichen Traditionen und geschäftigen Märkten: Hier entdeckt ihr die authentische Seite von Djerba.
Töpferwerkstätten in Guellala
Etwa 15 Kilometer südwestlich von Houmt Souk hat sich ein ganzes Dorf der Keramikkunst verschrieben. Der rötliche Lehm aus den umliegenden Hügeln liefert schon seit der Antike das Material für Amphoren, Krüge und Schüsseln, die überall auf der Insel zum Einsatz kommen. Wenn ihr durch die staubigen Gassen von Guellala streift, hört ihr aus jeder zweiten Werkstatt das rhythmische Surren der Töpferräder. Handwerker verwandeln mit nassen Händen und erstaunlicher Geschwindigkeit unscheinbare Klumpen in symmetrische Gefäße, während ihre Füße die schweren Drehscheiben antreiben.
Nach dem Formen trocknen die Stücke in der Sonne, bevor sie in riesigen Öfen bei über tausend Grad gebrannt werden. Rauchfahnen steigen über den Dächern auf, und die fertigen Werke zeigen die typischen Muster: geometrische Linien, stilisierte Fische und Palmen in Blau, Grün und Ocker. In den Verkaufsräumen könnt ihr vom winzigen Teelichthalter bis zur meterhohen Amphore alles erwerben. Die Familienbetriebe führen euch gerne herum und erklären jeden Arbeitsschritt, auch wenn die Verständigung manchmal über Gesten läuft. Plant einen halben Tag ein, denn schon die Fahrt durch die karge Landschaft mit ihren Olivenhainen und Feigenkakteen ist ein Erlebnis.

Kulinarische Entdeckungen
In den schattigen Cafés rund um die Basare von Houmt Souk erlebt ihr die tunesische Esskultur in ihrer authentischsten Form. Probiert unbedingt Brik, eine knusprig frittierte Teigtasche, die traditionell mit Ei, Thunfisch und Kapern gefüllt wird und beim ersten Biss eine Geschmacksexplosion auslöst. Die Kunst liegt darin, den flüssigen Dotter nicht auslaufen zu lassen, während ihr in die hauchdünne Hülle beißt. Dazu reicht man scharfe Harissa-Paste und einen frisch gepressten Zitronenschnitz, der die Aromen perfekt abrundet.
Nach dem herzhaften Imbiss folgt unweigerlich ein Glas Minztee. Mehrere Restaurants und Kulturzentren bieten zudem Kurse an, in denen ihr unter Anleitung erfahrener Gastgeberinnen regionale Spezialitäten zubereitet. Ihr lernt die wichtigsten Gewürzmischungen kennen, stellt Harissa selbst her und erfahrt, warum das Olivenöl von Djerba als eines der besten Nordafrikas gilt. Nach dem gemeinsamen Kochen wird natürlich auch zusammen gegessen, oft begleitet von Geschichten aus den Familien eurer Lehrmeisterinnen.
Bootstour zur Flamingo-Insel
Von den kleinen Anlegestellen am Hafen von Houmt Souk starten täglich Ausflüge zu einer unbewohnten Landzunge vor der Nordküste Djerbas, die Tausenden der rosafarbenen Vögel als Brutplatz dient. Die hölzernen Fischerboote schaukeln gemächlich über die türkisfarbene Bucht, während die Kapitäne Geschichten über ihre Fänge und das Leben auf dem Meer erzählen. Nach etwa 30 Minuten erreicht ihr das Eiland, wo die Flamingos in großen Schwärmen im seichten Wasser stehen und mit ihren gebogenen Schnäbeln nach Nahrung suchen.
Die Szenerie wirkt unwirklich: Das Meer leuchtet in allen Schattierungen von Türkis bis Smaragdgrün, während sich die pinken Vögel vor dem azurblauen Himmel abheben. Die meisten Bootsführer legen an einem einsamen Strand an, wo ihr euch im Sand entspannen, schwimmen und die Ruhe genießen könnt: ein perfekter Kontrast zu den belebteren Badeplätzen der Hauptinsel. Ferngläser sind hilfreich, wenn ihr die scheuen Flamingos aus der Nähe beobachten möchtet. Die beste Zeit für den Ausflug ist am frühen Morgen, wenn die Tiere am aktivsten sind. Vergesst nicht, Sonnencreme und einen Hut mitzunehmen, und plant je nach Wetter zwei bis drei Stunden für die Tour ein.

Ausstellung zur Volkskunde
Am Rande der Altstadt versteckt sich das Djerba Traditional Heritage Museum in einem Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert. Schon beim Betreten taucht ihr in eine andere Zeit ein: Niedrige Sitzkissen auf gemusterten Teppichen, geschnitzte Truhen und kunstvoll bemalte Holzdecken zeigen euch, wie wohlhabende Familien hier einst lebten. Jedes Zimmer erzählt seine eigene Geschichte, vom intimen Schlafgemach über die Küche mit ihren Kupfergefäßen bis zum prachtvollen Empfangsraum, wo die Männer ihren Gästen Tee und Gebäck anboten.
Lasst euch Zeit bei der Ausstellung historischer Trachten und Schmuckstücke: Ihr seht silberne Fibeln, die Gewänder zusammenhielten, mit Korallen besetzte Stirnbänder und schwere Fußreifen, die verheiratete Frauen trugen. Die Beschriftungen in Arabisch, Französisch und teilweise Englisch helfen euch, die Bedeutung der einzelnen Objekte zu verstehen. Im schattigen Innenhof steht eine alte Olivenpresse, an der ihr die klassische Methode der Ölgewinnung nachvollziehen könnt. Plant etwa eine Stunde für euren Besuch ein. Danach werdet ihr die Bräuche verstehen, die in den Straßen von Houmt Souk teilweise noch heute lebendig sind.
Markttreiben erleben
In Houmt Souk wird Einkaufen zum Ereignis. Wenn ihr in die Gebote um einen handgewebten Teppich, ein silbernes Armband oder eine lederne Tasche einsteigt, begebt ihr euch in ein jahrhundertealtes Ritual, bei dem Höflichkeit, Geduld und ein Hauch von Schauspielkunst gefragt sind. Der anfangs genannte Betrag ist stets ein Vielfaches des tatsächlichen Werts. Seid beim Handeln ruhig mutig, denn die Verkäufer erwarten, dass ihr mit einem deutlich niedrigeren Gegenvorschlag kontert.
Zwischen den einzelnen Angeboten werden oft Tee oder Kaffee serviert, Geschichten ausgetauscht und Komplimente ausgetauscht, bis ihr euch schließlich auf einen Preis einigt, mit dem beide Seiten zufrieden sind. Fotografieren ist in den Souks grundsätzlich möglich, allerdings solltet ihr vorher um Erlaubnis fragen, besonders wenn Menschen im Bild sind. Manche Händler verlangen eine kleine Gebühr, andere freuen sich einfach über die Aufmerksamkeit. Respektiert immer die Privatsphäre der Bewohner und verzichtet auf eure Schnappschüsse, wenn jemand seine Ablehnung zeigt.

Insel-Erkundung
Die überschaubare Größe macht Djerba perfekt für Entdeckungstouren auf dem Drahtesel. Viele Stationen in Houmt Souk vermieten Fahrräder und Motorroller zu erschwinglichen Preisen, sodass ihr unabhängig die versteckten Ecken der Insel erkunden könnt. Da es überall flach ist, könnt ihr selbst ohne gute Kondition bequem die Küste umrunden und die Aussicht auf Palmen, Olivenhaine und Fischerdörfer genießen.
Mit dem Motorroller seid ihr besonders flexibel. Ihr erreicht in kurzer Zeit abgelegene Strände, wo ihr oft ganz alleine schwimmen könnt, oder steuert die Ruinen römischer Ansiedlungen an. Die Straßen sind meist in gutem Zustand; der Verkehr außerhalb der Hauptrouten ist minimal. Plant unbedingt einen Stopp in den Dörfern ein, wo ihr in einfachen Restaurants frisch zubereitete Mahlzeiten probiert oder in kleinen Läden Olivenöl, Datteln und Gewürze kauft. Packt ausreichend Wasser ein, denn besonders im Sommer kann es heiß werden.
Reise-Infos
Euer Urlaub in Tunesien beginnt mit der richtigen Vorbereitung. Wann ist die beste Reisezeit? Wie kommt ihr nach Houmt Souk? Wo übernachtet ihr am besten? Damit ihr entspannt auf Djerba ankommen könnt, findet ihr hier alle wichtigen Informationen rund um eure Ferien.
Ideale Reisezeit und Reisedauer
Djerba verwöhnt euch mit mediterranem Klima und über 300 Sonnentagen im Jahr. Die Hochsommermonate Juli und August können so heiß werden, dass selbst die Meeresbrise kaum Abkühlung schafft. Deutlich angenehmer ist es im Frühling zwischen April und Juni, wenn alles blüht und die Temperaturen noch moderat sind. Auch der Herbst von September bis November eignet sich hervorragend, denn dann ist das Wasser noch warm genug zum Schwimmen. Im Winter könnt ihr bei mildem Wetter die Sehenswürdigkeiten in aller Ruhe erkunden.
Ein besonderes Highlight erwartet euch im Mai. Dann strömen Tausende zur jährlichen Pilgerfahrt zur El Ghriba Synagoge, wo eines der bedeutendsten jüdischen Feste Nordafrikas gefeiert wird. Plant für Houmt Souk und die nähere Umgebung mindestens vier Tage ein. So habt ihr genügend Zeit für die Altstadt, einen Ausflug zum Strand, den Besuch der Töpferwerkstätten in Guellala und eine Bootstour zu den Flamingos. Wer die Sahara, Matmata oder Tunis einbeziehen möchte, sollte eine Woche oder länger bleiben.

Reise-Vorbereitung
Deutsche, österreichische und schweizerische Staatsangehörige benötigen für einen Besuch von bis zu drei Monaten kein Visum. Euer Pass muss bei der Ankunft noch mindestens sechs Monate gültig sein. An der Grenze erhaltet ihr eine Karte, die ihr während eures gesamten Aufenthalts aufbewahren solltet. Pflichtimpfungen gibt es nicht; allerdings empfiehlt das Auswärtige Amt die Standardimmunisierungen gemäß dem aktuellen Kalender. Eine Auslandskrankenversicherung ist sinnvoll, da die medizinische Versorgung auf Djerba zwar grundsätzlich vorhanden ist, jedoch nicht immer europäischen Standards entspricht.
In Tunesien werden Steckdosen vom Typ C und E verwendet, die mit den in Deutschland, Österreich und der Schweiz üblichen Adaptern kompatibel sind. Ihr braucht also keine zusätzliche Ausrüstung mitzunehmen. Bezahlt wird mit dem Tunesischen Dinar, den ihr am besten vor Ort am Automaten abhebt oder in Bureaux de Change wechselt. Kreditkarten werden in Hotels und größeren Restaurants akzeptiert, für Märkte und kleine Geschäfte solltet ihr Bargeld dabei haben. Da die Ein- und Ausfuhr der Landeswährung verboten ist, solltet ihr nur so viel umtauschen, wie ihr tatsächlich benötigt.
Anreise und Fortbewegung vor Ort
Der internationale Flughafen liegt etwa 15 Kilometer östlich von Houmt Souk. Ihr erreicht den Djerba-Zarzis International Airport mit Direktverbindungen aus vielen deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten. Vom Terminal bringt euch ein Shuttle oder ein privater Transfer in rund 20 Minuten ins Zentrum. Wer sparen möchte, steigt in einen Bus oder ein Sammeltaxi. Diese sogenannten Louages verkehren allerdings nur unregelmäßig. Mit dem Mietwagen erreicht ihr den Ort flexibel über die gut ausgebaute P1. Besonders eindrucksvoll ist die Route über den antiken Römerdamm El Kantara, der die Insel im Südosten mit dem Festland verbindet.
Die Altstadt von Houmt Souk erkundet ihr am besten zu Fuß. Autos sind hier weitgehend verboten, aber die engen Gassen laden ohnehin zum Schlendern ein. Am Rand der Medina findet ihr genügend Parkplätze. Für Ausflüge zu den Stränden, nach Guellala oder Erriadh mietet ihr euch Räder, Motorroller oder nutzt die Louages, die zwischen den Orten pendeln. Auch Fahrdienste sind eine gute Option, allerdings solltet ihr den Preis vorher aushandeln, da sie meist keine Taxameter haben.
Essen und Spezialitäten
Auf Djerba verschmelzen berbische, arabische, jüdische und mediterrane Aromen zu etwas ganz Eigenem. Meeresfrüchte stehen auf jeder Speisekarte im Mittelpunkt, ob gebraten, frittiert oder in würzigen Eintöpfen mit Tomaten, Paprika, Kreuzkümmel, Koriander und Safran. Lasst euch Brik schmecken, knusprige Teigtaschen mit Thunfisch, Ei und Kapern, oder Couscous mit Fleisch und Gemüse. Auch gegrillter Oktopus und Chorba, eine dickflüssige Suppe aus Lamm und Kichererbsen, gehören zur Inselküche. Die besten Adressen sind oft die einfachen Lokale am Hafen, in denen auch die Seeleute nach Feierabend einkehren.
Naschkatzen werden in den Patisserien glücklich. Makroudh, mit süßer Paste gefüllte Grießkekse und Baklava in allen Variationen genießt ihr am besten zu starkem Kaffee oder Pfefferminztee. Die Datteln von Djerba, besonders die Sorte Deglet Nour, gelten in ganz Tunesien als Delikatesse. Auf dem Wochenmarkt könnt ihr euch mit den getrockneten Früchten, Oliven, Harissa und aromatischem Olivenöl eindecken. So habt ihr auch gleich ein paar fantastische Mitbringsel, die euch noch lange an den Geschmack von Houmt Souk erinnern.

Hotels und Unterkünfte
In Houmt Souk findet ihr Übernachtungsmöglichkeiten für jeden Geschmack: kleine Pensionen in restaurierten Altstadtgebäuden, moderne Adressen am Hafen oder schlichte Gästezimmer mit Familienbetrieb. Die begehrtesten Unterkünfte liegen innerhalb der historischen Mauern, wo ihr morgens vom Ruf des Muezzins geweckt werdet und abends auf der Dachterrasse den Sonnenuntergang über dem Meer beobachten könnt. Dank der zentralen Lage könnt ihr die Medina zu Fuß erkunden und spontan in eines der vielen Restaurants gehen.
In der Zone Touristique entlang der Nordküste findet ihr ruhige Hotels mit direktem Strandzugang. Eine reizvolle Alternative sind die Menzels, traditionelle Gehöfte im Inselinneren, die zu Gästehäusern umgebaut wurden. Hier wohnt ihr mitten in Olivenhainen und Palmengärten, oft mit hausgemachtem Frühstück aus regionalen Produkten. Reserviert rechtzeitig, besonders in den Sommermonaten und zur Zeit der religiösen Feste. Im Frühjahr und Herbst profitiert ihr von deutlich günstigeren Konditionen bei angenehmem Wetter. Viele Unterkünfte bieten außerdem Flughafentransfers und Pakete mit organisierten Ausflügen an.









