Vom Klimawandel bedrohte Reiseziele


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Es gibt Orte, die fühlen sich an, als wären sie schon immer da gewesen und würden immer dableiben. Und dann liest man eine Zahl, eine einzige Zahl, und plötzlich klingt „ewig“ wie ein sehr optimistisches Wort. Wir besuchen mit euch zusammen die zehn Reiseziele, die vom Klimawandel am meisten bedroht sind.

Überblick

Der Klimawandel verändert manche Reiseziele schneller, als wir sie bereisen können. Dafür gibt es einen Begriff: Last-Chance-Tourismus. Also schnell noch hin, bevor es weg ist. Offen gestanden halten wir diesen Ansatz für schwierig, denn oft ist ausgerechnet die Reise ein Teil des Problems. Aber die Alternative kann auch nicht sein, dass wir gar nicht mehr hinschauen. Diese Orte brauchen Menschen, die sie kennen, verstehen und für sie sprechen. Und sie brauchen Gäste, die bewusst reisen, statt einfach nur abzuhaken.

In diesem Artikel nehmen wir euch mit zu zehn Reisezielen, die der Klimawandel besonders unter Druck setzt. Ihr erfahrt bei jedem Ort, was genau passiert, welche Zahlen dahinterstehen, welcher Zeithorizont realistisch ist und ob ihr aktuell noch hinreisen könnt. Am Ende geben wir euch außerdem meine ehrlichen Tipps, wie ihr diese Ziele verantwortungsvoll bereist. Versprochen: ohne erhobenen Zeigefinger, aber auch ohne Schönfärberei.

Bedrohte Reiseziele im Überblick

Reiseziel Bedrohung Kernzahl Zeithorizont Quelle
Everglades / Florida (US) Verlust von Feuchtgebieten Rund die Hälfte des Feuchtgebiets bereits verloren ca. 30 Jahre Weather Channel, FIU
Great Barrier Reef (AU) Korallenbleiche Bei +1,5 °C 70–90 % der Riffe gefährdet ab sofort / 2100 AIMS, Max-Planck-Gesellschaft
Glacier-Nationalpark (US) Gletscherverlust Von ca. 150 Gletschern sind ca. 25 übrig Mitte des Jahrhunderts USGS
Malediven Meeresspiegelanstieg Höchster natürlicher Punkt ca. 2,4 m ca. 2050 / 2100 Planet Wissen, Weltbank
Venedig (IT) Landabsenkung + Hochwasser Boden über 20 cm in 100 Jahren gesunken bis 2100 Copernicus (2021)
Kilimandscharo (TZ) Gletscherschmelze Über 90 % der Eisflächen seit 1900 verschwunden Mitte des Jahrhunderts Uni Innsbruck
Tuvalu Meeresspiegelanstieg Bis zu 95 % des Landes könnten überflutet werden bis 2100 Max-Planck-Gesellschaft
Alpengletscher (AT/CH/DE) Gletscherschmelze Von 3.198 Gletschern bleiben bei 2,7 °C ca. 110 bis 2100 ETH Zürich / Uni Innsbruck (2025)
Seychellen Meeresspiegelanstieg 115 flache Inseln, Infrastruktur an den Küsten laufend t-online
Totes Meer (IL/JO) Austrocknung Wasserspiegel sinkt ca. 1 m pro Jahr laufend seit den 1980ern ESKP, LebensraumWasser

Alle Angaben nach dem Stand der jeweils zitierten Veröffentlichung. Prognosen zum Klimawandel hängen stark vom zugrunde gelegten Emissionsszenario ab und werden von Forschungseinrichtungen laufend aktualisiert.

1. Everglades-Nationalpark (Florida)

Warum verschwindet das größte Sumpfgebiet der USA? Etwa die Hälfte der ursprünglichen Everglades ist in den letzten rund 100 Jahren verloren gegangen. Umgewandelt in Siedlungs- und Agrarflächen. Eine Analyse der Florida International University geht davon aus, dass das Feuchtgebiet innerhalb der nächsten etwa 30 Jahre vom Meer überflutet werden könnte. Der Meeresspiegel in Florida ist seit dem Jahr 2000 bereits um rund 13 Zentimeter gestiegen. Vorhergesagt worden waren rund 15 Zentimeter bis 2050. Die Realität überholt die Prognose.

Bedrohte Reiseziele Klimawandel Everglades
Besucht den Süden von Florida

Das Tückische ist hier der Salzwassereinbruch. Die Everglades sind ein Süßwasser-Ökosystem, ein langsam fließender, breiter Fluss aus Gras. Dringt Salzwasser ein, verschieben sich die Lebensräume: Mangroven wandern landeinwärts, Sägegras-Prärien verschwinden, und mit ihnen die Grundlage für Alligatoren, Seekühe und über faszinierende 350 Vogelarten.

Gleichzeitig läuft hier eines der größten Renaturierungsprojekte der Welt. Der Umbau von Kanälen soll den natürlichen Wasserfluss teilweise wiederherstellen. Könnt ihr noch hin? Ja, doch wir empfehlen euch dringend eine Tour mit einem Ranger oder einem lokalen Naturführer statt der lautesten Airboat-Fahrt. Bei einem Urlaub in Florida sind die leisen Kajaktouren durch die Mangrovenkanäle ohnehin das schönere Erlebnis.

2. Great Barrier Reef (Australien)

Stirbt das größte Riff der Welt? Das Great Barrier Reef ist rund 2.300 Kilometer lang, UNESCO-Welterbe und in den letzten Jahren massiv unter Druck geraten. Die Massenbleiche im Jahr 2024 hatte die größte räumliche Ausdehnung, die jemals am Riff gemessen wurde. Die Rückgänge im Norden und Süden waren laut dem australischen Meeresforschungsinstitut AIMS die stärksten innerhalb eines einzelnen Jahres seit Beginn der Beobachtungen vor 39 Jahren.

Bedrohte Reiseziele Klimawandel Australien
Bedrohte Lebensräume schützen

Kurz zur Einordnung, weil es oft missverstanden wird: Korallenbleiche bedeutet nicht automatisch Tod. Bei zu warmem Wasser stoßen Korallen die Algen ab, mit denen sie in Symbiose leben und die ihnen ihre Farbe geben. Zurück bleibt das weiße Kalkskelett. Reguliert sich die Wassertemperatur schnell genug, können sich Korallen im Idealfall wieder erholen.

Die Prognosen sind entsprechend ernst. Nach Angaben der Max-Planck-Gesellschaft dürften bei einer Erwärmung von 1,5 °C schätzungsweise 70 bis 90 Prozent der weltweiten Riffe verloren gehen, bei 2 °C nahezu alle. Könnt ihr im Australienurlaub noch tauchen und schnorcheln? Ja, und das Riff ist stellenweise immer noch atemberaubend. Wählt zertifizierte Anbieter, fasst niemals Korallen an, nutzt riff-freundliche Sonnencreme und schaut euch Citizen-Science-Touren an, bei denen ihr spannende Beobachtungen für die essenzielle Forschung erfasst.

3. Glacier-Nationalpark (USA)

Wie viele Gletscher sind noch übrig? Um 1850 gab es im heutigen Glacier-Nationalpark in Montana rund 150 Gletscher. Heute sind es nach Zählung des US-Geologiedienstes USGS noch etwa 25. Gezählt werden dabei nur Eisflächen ab einer bestimmten Mindestgröße. Kleinere Eisfelder existieren noch, gelten aber nicht mehr als Gletscher im wissenschaftlichen Sinn.

Bedrohte Reiseziele Klimawandel USA
Naturwunder in Gefahr

Frühere Schätzungen nannten das Jahr 2030 als Zeitpunkt, an dem der Park praktisch gletscherfrei sein würde. Diese Zahl war so plakativ, dass sie jahrelang auf Schildern im Park stand und inzwischen wieder entfernt wurde. Heute gehen USGS-Fachleute davon aus, dass die verbliebenen Gletscher etwa um die Mitte des Jahrhunderts weitgehend verschwunden sein dürften. Ein anschauliches Beispiel dafür, dass Wissenschaft ihre Prognosen anpasst, wenn neue Daten vorliegen. Der Trend selbst hat sich dadurch bedauerlicherweise aber nicht verändert.

Und keine Sorge: Der Park heißt nicht nur wegen des Eises „Glacier“. Die spektakulären U-Täler, Kare und Bergseen sind von Gletschern der letzten Eiszeit geformt worden. Diese Landschaft bleibt, auch wenn das Eis geht. Die Going-to-the-Sun Road gehört weiterhin zu den schönsten Panoramastraßen der Welt. Könnt ihr noch hin? Ja. Beachtet jedoch bitte die zeitlich begrenzten Einfahrtsreservierungen in der Hochsaison.

4. Malediven

Wann versinken die Inseln wirklich? Die Malediven sind das flachste Land der Erde. Der höchste natürliche Punkt liegt bei nur etwa 2,4 Metern über dem Meeresspiegel. Studien gehen davon aus, dass rund 80 Prozent der Inseln bis etwa 2050 unbewohnbar werden könnten. Die Weltbank rechnet für den globalen Meeresspiegel bis 2100 mit einem Anstieg zwischen 10 und 100 Zentimetern, je nach wissenschaftlichem Szenario.

Bedrohte Reiseziele Klimawandel Malediven
Der Klimawandel hinterlässt seine Spuren

Die Malediven wehren sich mit beeindruckendem Einfallsreichtum: aufgeschüttete Inseln wie Hulhumalé, schwimmende Stadtprojekte, Korallenaufzucht-Programme, an denen ihr in vielen Resorts sogar selbst teilnehmen könnt. Übrigens: Prognosen, nach denen die Inseln vollständig untergehen, solltet ihr mit Vorsicht genießen. Die seriösen Studien sprechen von Bewohnbarkeit, nicht vom kompletten Verschwinden. Könnt ihr noch hinreisen? Ja, absolut. Die Malediven sind touristisch voll funktionsfähig und Urlauber finanzieren mit ihren Reisekassen einen erheblichen Teil des wichtigen Küstenschutzes.

5. Venedig (Italien)

Warum versinkt die Stadt? Venedig hat gleich zwei Probleme: Das Wasser steigt und der Boden sinkt. Eine Copernicus-Auswertung aus dem Jahr 2021 stuft das Reiseziel als hoch verwundbar ein. Der lokale Meeresspiegelanstieg bis 2100 wird je nach Szenario auf etwa 32 bis 110 Zentimeter geschätzt. Gleichzeitig hat sich der Untergrund in den letzten 100 Jahren um mehr als 20 Zentimeter abgesenkt.

Bedrohte Reiseziele Klimawandel Venedig
Das Wasser steigt

Das Phänomen, das ihr vielleicht aus den Nachrichten kennt, heißt Acqua Alta: Hochwasser, das bei bestimmten Wind- und Gezeitenlagen in die Lagune gedrückt wird und den Markusplatz unter Wasser setzt. Seit einigen Jahren ist das Flutschutzsystem MOSE in Betrieb: bewegliche Barrieren, die bei angekündigtem Hochwasser die Lagune vom Meer abriegeln. Es funktioniert grundsätzlich, aber Fachleute stellen infrage, ob es eine dauerhafte Lösung für die kommenden Jahrzehnte ist.

Unser Tipp aus Erfahrung: Reist außerhalb der Hauptsaison und plant einen ganzen Tag für Cannaregio oder die Insel Giudecca ein. Dort erlebt ihr ein Venedig, das noch Alltag hat. Könnt ihr noch hinreisen? Selbstverständlich. Beachtet bei eurem Urlaub in Venedig nur die Tagesticket-Regelung an bestimmten Terminen.

6. Kilimandscharo (Tansania)

Gibt es den „Schnee von Kilimandscharo“ noch? Vom legendären Eis des Berges sind seit der ersten Kartierung um 1900 mehr als 90 Prozent verschwunden. Eine Studie unter Beteiligung der Universität Innsbruck zeigt es in nackten Zahlen: Die größte zusammenhängende Eisfläche schrumpfte von 11,4 Quadratkilometern im Jahr 1900 auf 0,98 Quadratkilometer in den Jahren 2021/22. Die verbliebenen Gletscher könnten bis Mitte des Jahrhunderts vollständig verschwinden.

Bedrohte Reiseziele Klimawandel Kilimandscharo
Schneeschmelze bedroht den Berg

Spannend ist die Ursache, denn sie ist komplexer als „es wird wärmer“. Am Kilimandscharo spielt vor allem die veränderte Feuchtigkeit eine große Rolle: Es fällt weniger Schnee, der das Eis nachfüllen und gleichzeitig durch seine helle Oberfläche Sonnenstrahlung reflektieren würde. Das dunklere Eis heizt sich stärker auf und sublimiert, geht also direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über.

Für euch als Reisende heißt das: Der Aufstieg über die Marangu- oder Machame-Route ist nach wie vor eines der eindrücklichsten Trekking-Erlebnisse überhaupt. Aber das Gipfelfoto mit den mächtigen Eiswänden, das ihr aus alten Bildbänden kennt, ist so nicht mehr zu bekommen. Könnt ihr noch hin? Unbedingt. Achtet auf faire Bedingungen für Guides und Träger, das ist am Kilimandscharo ein echtes Qualitätsmerkmal.

7. Tuvalu (Pazifischer Ozean)

Versinkt der Inselstaat wirklich? In Tuvalu ist der Meeresspiegel in den letzten 30 Jahren etwa doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt. Bis zu 95 Prozent des Landes könnten bis 2100 überflutet sein. Tuvalu gilt als eines der ersten Länder, das durch den Klimawandel unbewohnbar werden könnte.

Bedrohte Reiseziele Klimawandel Tuvalu
Ein bedrohtes Paradies

Der Inselstaat im Südpazifik ist kein klassisches Urlaubsziel, aber er ist zum Symbol dieser ganzen Geschichte geworden. Rund 11.000 Menschen leben hier auf neun Atollen. Die Regierung hat begonnen, das Land digital zu archivieren. Landschaften, Verwaltungsstrukturen, kulturelles Erbe – für den Fall, dass das physische Territorium nicht zu halten ist. Gleichzeitig gibt es ein Abkommen mit Australien, das Bewohnern schrittweise Migrationsmöglichkeiten eröffnet.

Warum wir Tuvalu hier trotzdem aufführen, obwohl ihr dort vermutlich nie Urlaub machen werdet? Weil es die ehrlichste Antwort auf die Frage ist, worum es bei diesem Thema eigentlich geht. Nicht um verlorene Fotomotive, sondern um Menschen, die ihre Heimat verlieren, obwohl sie am wenigsten zur Ursache beigetragen haben.

8. Alpen (Verschiedene Gletscher)

Wie lange gibt es sie noch? Das ist der Punkt, an dem der Klimawandel für uns in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor der Haustür steht. In den Alpen gibt es heute rund 3.198 Gletscher. Eine im Dezember 2025 in Nature Climate Change veröffentlichte Studie der ETH Zürich und der Universität Innsbruck kommt zu einem klaren Ergebnis: Bei einer Erwärmung von etwa 2,7 °C wären bis 2100 nur noch rund 110 davon übrig. Bei 4 °C wären es sogar etwa nur 20.

Die Schweiz hat allein in den letzten drei Jahrzehnten mehr als 1.000 Gletscher verloren, also ungefähr vier von zehn. Und die Forschenden erwarten, dass die jährliche Zahl verschwindender Alpengletscher ihren Höhepunkt zwischen 2033 und 2041 erreicht. Wir stehen also nicht am Ende dieser Entwicklung, sondern kurz vor ihrer intensivsten Phase.

Bedrohte Reiseziele Klimawandel Alpen
Am Berg La Meije in Frankreich

Was das für den Wintersport bedeutet, ist noch offen. Gletscherskigebiete investieren massiv in Beschneiung und in die Abdeckung von Eisflächen mit Vliesen im Sommer. Gleichzeitig entdecken viele von euch die Alpen im Sommer neu, Stichwort Coolcation: Wenn es in Südeuropa 40 Grad hat, sind 22 Grad auf einer Almwanderung ziemlich verlockend.

Macht eine geführte Gletscherwanderung mit einem Bergführer. Wenn euch jemand zeigt, wo das Eis vor 30 Jahren noch endete, versteht ihr die Dimension besser als durch jede Grafik. Könnt ihr noch hin? Ja, und das sogar klimafreundlich per Bahn.

9. Seychellen (Indischer Ozean)

Sind die Inseln vom Klimawandel bedroht? Ja. Die Seychellen bestehen aus 115 überwiegend flachen Inseln, deren Bevölkerung und Infrastruktur sich stark an den Küsten konzentrieren. Schon kleine Veränderungen des Meeresspiegels haben deshalb überproportional große Auswirkungen: auf Straßen, Häfen, Hotels und natürlich auch die Süßwasserversorgung.

Bedrohte Reiseziele Klimawandel Seychellen
Auf der Bucketliste vieler Urlauber

Die Regierung setzt aktiv dagegen: mit Küstenschutzmaßnahmen und der Wiederaufforstung von Mangroven. Mangroven sind dabei die unauffälligen Helden der Geschichte. Sie brechen Wellen, halten Sediment fest und sind gleichzeitig Kinderstube für unzählige Fischarten. Wer beim Urlaub auf den Seychellen eine Tour macht, versteht danach ziemlich genau, warum das kein Nischenthema ist. Und ja, die Seychellen sind trotzdem eines der schönsten Inselziele der Welt. Der berühmte Anse Source d’Argent auf La Digue mit seinen imposanten Granitfelsen sieht in echt tatsächlich noch besser aus als auf jedem Foto.

10. Totes Meer

Trocknet es wirklich aus? Der Wasserspiegel des Toten Meeres sinkt seit den 1980er-Jahren um etwa einen Meter pro Jahr. Der nördliche Teil trocknet langsam aus. 1970 lag der Spiegel bei rund 389 Metern unter dem Meeresspiegel, 2012 bereits bei etwa 426 Metern. Allein in den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts schrumpfte die Wasserfläche um rund ein Drittel.

Die Hauptursache ist hier bemerkenswerterweise nicht in erster Linie die Erwärmung, sondern die Wasserentnahme aus dem Jordan. Der Fluss, der das Tote Meer speist, wird für Landwirtschaft und Trinkwasser stark angezapft. Dazu kommt die Verdunstung durch die Mineralindustrie im Süden. Der Klimawandel verschärft die Lage zusätzlich, ist aber nicht der alleinige Treiber.

Totes Meer Ufer
Ein unvergesslicher Anblick!

Sichtbar wird das an den Dolinen: Wenn sich das Wasser zurückzieht, lösen sich unterirdische Salzschichten auf und der Boden bricht ein. Ganze Strandabschnitte und Straßen mussten deshalb bereits gesperrt werden.

Und eine Einordnung, die uns wichtig ist: Die oft zitierte Aussage, das Tote Meer trockne bis 2050 vollständig aus, ist unter Fachleuten umstritten. Physikalisch spricht einiges dafür, dass sich mit steigender Salzkonzentration ein neues, tieferes Gleichgewicht einstellt. Verlässlich ist der Trend, nicht das Datum. Könnt ihr noch dort baden? Ja. Nutzt die offiziellen, gesicherten Strandabschnitte, das ist wegen der Dolinen keine Formalie.

FAQ

Beim Thema bedrohte Reiseziele tauchen immer wieder dieselben Fragen auf, und die meisten davon lassen sich zum Glück ziemlich konkret beantworten. Wir haben euch deshalb die häufigsten hier gesammelt, jeweils mit Zahlen und Quellen statt mit Bauchgefühl. Besonders wichtig ist mir dabei die ehrliche Einordnung: Die meisten dieser Orte verschwinden nicht einfach, sie verändern sich, und das macht einen großen Unterschied.

Wie reise ich mit gutem Gewissen?

Der größte Hebel ist der Flug. Deshalb lohnt es sich, seltener und dafür länger zu reisen und Direktflüge zu wählen, weil Start und Landung besonders viel Kerosin verbrauchen. Für die Alpen, Venedig und Italien ist die Bahn ohnehin die schönere Anreise. Lasst euer Geld vor Ort, bei familiengeführten Unterkünften, lokalen Guides und Restaurants außerhalb der Hotelanlage: Tourismus, der wirklich ankommt, ist natürlich das stärkste Argument für Naturschutz.

Achtet dabei auf anerkannte Nachhaltigkeitszertifikate, die sind überprüfbar und kein Marketingversprechen. Schützt außerdem, was ihr anschauen wollt. Die Nebensaison entlastet Infrastruktur und Ökosystem und schenkt euch das entspannendere Erlebnis. Kompensiert über zertifizierte Anbieter, aber seht das als Ergänzung, nie als Ablass.

Welche Reiseziele sind vom Klimawandel bedroht?

Besonders betroffen sind flache Inselstaaten wie die Malediven, die Seychellen und Tuvalu, Küstenstädte wie Venedig, Korallenriffe wie das Great Barrier Reef, Gletscherregionen wie die Alpen, der Kilimandscharo und der Glacier-Nationalpark sowie Feuchtgebiete wie die Everglades. Die Bedrohungsarten unterscheiden sich dabei deutlich: Meeresspiegelanstieg, Erwärmung der Ozeane, Gletscherschmelze und Trockenheit.

Welche Urlaubsorte wird es bald nicht mehr geben?

„Bald nicht mehr geben“ ist fast immer zu stark formuliert. Realistischer ist: Viele dieser Orte werden sich stark verändern. Gletscher verschwinden tatsächlich vollständig. Am Kilimandscharo und im Glacier-Nationalpark voraussichtlich um die Mitte des Jahrhunderts. Inselstaaten werden eher unbewohnbar, bevor sie untergehen. Städte wie Venedig verschwinden nicht, sie werden aber aufwendiger zu schützen sein.

Was bedeutet Last-Chance-Tourismus?

Last-Chance-Tourismus beschreibt Reisen zu Zielen, die als bedroht gelten, angetrieben von dem Wunsch, sie noch zu sehen, bevor sie sich unwiderruflich verändern. Der Begriff ist umstritten, weil zusätzliche Besucherströme und Flüge den Druck auf genau diese Orte erhöhen können. Gleichzeitig kann bewusster Tourismus Einnahmen für Schutzmaßnahmen und politische Aufmerksamkeit schaffen.

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