Mautgebühren in Europa


Wenn ihr mit dem Auto in Europa unterwegs seid, fallen oft zusätzliche Gebühren auf der Autobahn an: die Mautgebühren. Egal wohin eure Reise geht, die Mautbestimmungen sind in jedem Land unterschiedlich und Verstöße sind mit hohen Bußgeldern verbunden. Damit es nicht ungeahnt teuer für euch wird, solltet ihr euch über die wichtigsten Bestimmungen und Sonderregelungen informieren.

Definition: Was sind Mautgebühren?

In vielen Ländern Europas kostet es Geld, Autobahnen, Schnellstraßen, Brücken oder Tunnel zu befahren. Die sogenannte Maut wird dazu genutzt, die Infrastruktur der Straßen zu erhalten sowie Bau- und Betriebskosten zu decken. Weiterhin soll die Maut durch ihre Kosten für weniger Fahrzeuge auf den Straßen sorgen. Damit sollen Staus und negative Umwelteinflüsse auf den Autobahnen reduziert werden. Falls es doch zu Wartezeiten auf der Autobahn kommt, helfen euch unsere Tipps gegen Stress im Stau.

Maut im Ausland bezahlen
Maut im Ausland bezahlen

Unterschied zwischen Maut und Vignette

Dabei wird zwischen zwei Systemen unterschieden: die streckenbezogene Maut und die Vignettenpflicht.

Die streckenbezogene Mautgebühr ist eine Straßennutzungsgebühr. Diese zahlt ihr beim Ein- oder Ausfahren an einer dafür vorgesehenen Mautstelle, wobei die Höhe davon abhängig ist, welche Strecke ihr auf der mautpflichtigen Route zurücklegt. Der Betrag richtet sich also nach der Länge der gefahrenen Strecke und in manchen Ländern sogar nach Fahrzeugklasse. Dabei zahlen Motorradfahrer beispielsweise weniger als Wohnmobilfahrer mit einem Fahrzeug über 3,5 Tonnen.

Für viele Fahrzeuge wird Maut fällig
Für viele Fahrzeuge wird Maut fällig

Die Vignette dagegen ist ein Aufkleber, den ihr an die Windschutzscheibe kleben müsst. Diese kauft ihr an Grenzübergängen, Tankstellen oder Raststätten an der Autobahn. Achtet dabei auf Verkaufsstellen, die mit einem Vignetten-Symbol gekennzeichnet sind.

Die Vignette ermöglicht euch einen Zugang für Straßen, Tunnel und Brücken, der jedoch über eine Gültigkeitsdauer zeitlich begrenzt ist. Die Vignette zeigt also an, dass ihr eine Maut entrichtet habt und erleichtert so die Kontrollen.

Wie bringt ihr die Vignette richtig an?

Das Anbringen der Vignette sorgt oft für Verwirrung. Nachdem ihr die Trägerfolie vollständig abgelöst habt, solltet ihr die Vignette innen an eurer Windschutzscheibe anbringen – und zwar am besten im oberen Bereich oder hinter dem Rückspiegel. Wichtig ist dabei, dass die Vignette gut sichtbar ist und keine Beschädigung aufweist. Habt ihr einen Tönungsstreifen an eurer Windschutzscheibe, darf sich die Vignette auf keinen Fall dahinter befinden. Auch auf den Seitenscheiben oder der hinteren Heckscheibe verliert sie ihre Gültigkeit.

Autobahnvignette für Österreich
Autobahnvignette für Österreich

Auch Motorradfahrer brauchen eine Vignette, doch wo bringen Biker sie eigentlich an? Am besten ihr klebt sie auf den Tank oder den Gabelholm, denn die Vignette sollte auch auf dem Motorrad gut sichtbar sein und keine Beschädigungen abbekommen.

Wie entfernt ihr die Vignette wieder?

Meist ist es ein großes Ärgernis für Reisende, dass die Vignette schwierig zu entfernen ist. Abgelaufene Vignetten solltet ihr trotzdem entfernen, damit es bei Kontrollen keine Verwirrungen gibt. Lässt sich die Vignette nicht einfach ablösen, könnt ihr einen dafür vorgesehenen Vignettenschaber verwenden. Hier tut es jedoch auch ein herkömmlicher Glasschaber.

Sollten trotzdem Reste der Vignette an der Scheibe kleben bleiben, könnt ihr diese mit einem feuchten sauberen Tuch entfernen. Das funktioniert meistens problemlos, denn Vignetten sind wasserlöslich.

Was ist die elektronische Maut?

In den Länder Portugal und Polen gibt es für die Maut schon elektronische Bezahlsysteme, bei der die gefahrenen Kilometer über einen Transponder erfasst werden und ihr den Betrag erst im Nachhinein zahlt.

Elektronische Maut
Elektronische Maut

In Österreich gibt es neben der herkömmlichen Vignette die digitale Vignette, die ihr online bestellen könnt. Beachtet dabei aber, dass die österreichische E-Vignette erst 18 Tage nach eurer Online-Bestellung gültig und an euer Kennzeichen gebunden ist. Elektronische Vignetten bekommt ihr außerdem für die Länder Ungarn, Bulgarien, Rumänien und die Slowakei. In Dublin, London und nördlich von Mailand gibt es einige Streckenabschnitte, für die ihr euch vor eurer Reise online registrieren müsst.

Was ist eine Sondermaut?

Wenn eine Mautgebühr für Brücken, Tunnel oder Pässe erhoben wird, handelt es sich dabei um eine Sondermaut. So kostet euch das Befahren der Öresundbrücke zwischen Malmö und Kopenhagen eine Gebühr. In Holland zahlt ihr für die Durchfahrt zweier Tunnel sowie die Überquerung der Willem-Alexander-Brücke. In Österreich zahlt ihr sowohl eure reguläre Vignette als auch eine zusätzliche Gebühr für bestimmte Tunnel und Pässe, wie die Brenner-Autobahn oder die Großglockner-Hochalpenstraße. In der Schweiz verläuft das ähnlich: hier kostet die Durchfahrt des Sankt-Bernhard-Tunnels sowie verschiedener Tunnel eine Extra-Gebühr.

Tauern-Autobahn in Österreich
Tauern-Autobahn in Österreich

Die Sondermaut erwartet euch in folgenden europäischen Ländern:

  • Österreich
  • Schweiz
  • Italien
  • Schweden
  • Dänemark
  • Frankreich
  • Niederlande 

Doch es gibt auch die sogenannte City-Maut, eine Gebühr, die für die Fahrt durch Innenstädte anfällt, um dort Staus und Emissionen zu reduzieren. Dazu gehören:

  • Oslo
  • London
  • Mailand
  • Stockholm
  • Rom

In welchen Ländern zahlen wir Mautgebühren?

Während sich in Deutschland die Mautpflicht noch nicht durchgesetzt hat, werdet ihr jedoch vor allem im Westen, Osten und Süden Europas zur Kasse gebeten. Falls ihr ganz gemütlich in eurem Urlaubsland ankommen wollt, solltet ihr euch bei der Planung eurer Route immer nach einer kostenfreien Alternativstrecke über die Landstraßen umsehen, denn diese sind meist nicht nur gebührenfrei, sondern auch viel schöner.

Mautgebühren bar bezahlen
Mautgebühren bar bezahlen

In folgenden Ländern Europas zahlt ihr auf einigen Schnellstraßen und Autobahnen eine streckenbezogene Mautgebühr, die sich nach den gefahrenen Kilometer richtet. Dabei ist nicht immer das gesamte Streckennetz mautpflichtig.

  • Frankreich
  • Griechenland
  • Großbritannien
  • Kroatien
  • Italien
  • Irland
  • Spanien
  • Portugal
  • Polen
  • Türkei
  • Serbien
  • Mazedonien
  • Bosnien-Herzegowina
  • Serbien
  • Weißrussland

Eine Vignette braucht ihr dagegen in diesen europäischen Ländern:

  • Rumänien
  • Österreich
  • Schweiz
  • Tschechien
  • Ungarn
  • Slowenien
  • Bulgarien
  • Slowakei

Es gibt jedoch auch europäische Länder, in denen gar keine Gebühr für die Nutzung der Straßen anfällt:

 

  • Moldawien
  • Zypern
  • Ukraine
  • Luxemburg
  • Monaco
  • Finnland
  • Estland
  • Island
  • Malta
  • Belgien
  • Schweden

Mautgebühren: Wieviel müsst ihr bezahlen?

Die Mautgebühren in Europa variieren sehr stark und einheitliche Regelungen gibt es bisher nicht. Damit ihr eine Übersicht bekommt, haben wir euch einmal die Regelungen für die beliebtesten Urlaubsländer Europas zusammengefasst:

Frankreich

In Frankreich zahlt ihr eine Mautgebühr, die Péage beim Ein- oder Ausfahren von Autobahnen und Schnellstraßen. Dabei zahlt ihr zwischen sieben und 16 Cent pro Kilometer – und zwar an jeder Autobahnabfahrt. Dies variiert jedoch je nach Abschnitt, Route und Fahrzeugklasse.

In Frankreich könnt ihr diese Strecken jedoch auch umfahren und euch die Mautgebühr sparen. So gibt es zahlreiche Strecken um Paris, Bordeaux, Marseille, Lyon, in der Bretagne, in der Auvergne und im Elsass/Lothringen, die gebührenfrei sind. Vermeidet dabei blaue Streckenmarkierungen, die für Autobahnen stehen. Allerdings können Sondermautgebühren für Brücken und Tunnel anfallen.

Griechenland

Auch in Griechenland gelten streckenbezogenen Mautgebühren auf etwa zehn Abschnitten der Autobahn, wie Larisa, Athen, Patras, Lavrio, Alexandroupolis und Kalamata. Die Fahrt kostet zwischen 2,20 Euro und 17,40 Euro. Mit Sondermauten müsst ihr in Griechenland ebenfalls rechnen.

Italien

In Italien kosten alle Autobahnen eine Mautgebühr, die Pedaggio, die bis zu 32,90 Euro betragen kann und beim Verlassen der Autobahn gezahlt wird. Auch Sonder- sowie Citymauten in Rom, Palermo, Mailand und Bologna sind in Italien die Regel. Die Höhe richtet sich dabei nicht nur nach der Anzahl der Kilometer, sondern auch nach der Höhe eures Fahrzeuges sowie der Anzahl der Achsen. Nur auf Schnellstraßen könnt ihr euren Geldbeutel geschlossen lassen, denn hier fallen keine zusätzlichen Gebühren an.

Mautstation auf der Autobahn
Mautstation auf der Autobahn

Großbritannien

In Großbritannien seid ihr zwar auf Autobahnen und Schnellstraßen sowie in Tunneln und auf Brücken von einer Maut befreit, doch in den Innenstädten von London und Birmingham fallen City-Mautgebühren an. Außerdem müsst ihr auf der Strecke M6 von Birmingham nach Wolverhampton mit Kosten von vier bis sechs Euro rechnen.

Norwegen

Bei einer Fahrt durch Norwegen erwarten euch nur teilweise Mautgebühren, die an einigen Straßen, Brücken und Tunneln sowie in den Städten Oslo und Bergen anfallen. Hier bezahlt ihr jedoch nicht direkt an Mautstellen. Beim Hindurchfahren wird euer Nummernschild gescannt. Eine Rechnung kommt dann später per Post nach Deutschland. Erkundigt euch vor einer längeren Reise nach Norwegen nach der AutoPASS-Box, die euch Vergünstigungen auf Mautgebühren bietet.

Kroatien

In Kroatien zahlt ihr die Maut ebenfalls nach gefahrenen Kilometern sowie Fahrzeugklasse und diese muss beim Ein- oder Ausfahren an Autobahnen gezahlt werden. Auch Sondermauten können fällig werden, welche in Kroatien nicht nur für Brücken oder Tunnel, sondern auch für Fähren anfallen. Die Gebühren zahlt ihr in der Landeswährung Kuna oder in Euro.

Spanien

In Spanien erwarten euch europaweit die höchsten Gebühren, welche von Barcelona nach Valencia bis zu 40 Euro betragen. In Spanien sind alle Autopista, also Autobahnen sowie einige Tunnel und Brücken gebührenpflichtig. Alternativ könnt ihr auf die Schnellstraßen rund um Valencia, Bilbao und Barcelona fahren, denn dort herrscht keine Gebührenpflicht. Die Tarife in Spanien variieren jedoch von Zeit zu Zeit.

Ungarn

In Ungarn herrscht Vignettenpflicht für alle Autobahnen und Schnellstraßen, die mit einem „M“ gekennzeichnet sind. Das Mautsystem in Ungarn funktioniert jedoch voll elektronisch und ihr könnt für 132,64 Euro sogar eine Vignette für ein ganzes Jahr erwerben. Die Vignette für zehn Tage kostet 10,80 Euro. Könnt ihr keine gültige Vignette vorweisen, zahlt ihr in Ungarn mindestens 50 Euro Strafe.

Mautgebühren im Überblick

Hier bekommt ihr noch einen kleinen Überblick über die Mautgebühren weiterer Länder:

LandPreisGültigkeitBußgeld
Österreich9,20 Euro10 TageErsatzmaut: 120 Euro, Bußgeld: 300 Euro
Schweiz36,50 Euro1 Jahr200 Euro
Slowakei10 Euro10 Tageab 80 Euro
Slowenien15 Euro7 Tage300 bis 800 Euro, bei Sofortzahlung: 150 Euro
Tschechien12,50 Euro10 Tageab 185 Euro
Rumänien3 Euro7 Tageab 50 Euro

Könnt ihr die Maut vor eurem Reiseantritt zahlen?

Falls ihr Vignetten für Tschechien, Österreich, Bulgarien, die Schweiz oder Slowenien benötigt, könnt ihr diese schon vor eurem Urlaub online, beim ADAC oder an den jeweiligen Grenzübergängen kaufen. Die digitale Vignette für Österreich könnt ihr online, via App oder bei der Straßenbetreibergesellschaft ASFINAG erwerben. Diese ist jedoch erst ab dem 18. Tag nach eurem Kauf gültig, wenn ihr sie online erwerbt. Kauft ihr sie bei einer Geschäftsstelle des ADAC, dann gilt sie allerdings sofort.

Was passiert bei Maut-Verstößen?

Bei Verstößen gegen die Mautpflicht drohen Bußgelder, die teuer werden können. Daher solltet ihr euch immer an geltende Regelungen halten und vor allem keine Vignetten hin- und her tauschen, denn diese sind nicht übertragbar. Rechnet die Mautgebühren am besten schon vorab in eurer Reisekasse ein, wenn ihr euren Urlaub plant!

In Österreich beispielsweise wird durch mobile Überwachungsanlagen kontrolliert, ob ihr eine Vignette habt. Dabei wird jedes vorbeifahrende Fahrzeug hochauflösend fotografiert und geprüft, ob sich eine Vignette an der Windschutzscheibe befindet.

Mautgebühren im Reisebudget einplanen
Mautgebühren im Reisebudget einplanen

Wenn ihr ohne gültige Vignette reist und in Österreich erwischt werdet, müsst ihr eine Ersatzmaut zahlen.

  • Bei PKWs beträgt diese 120 Euro. Habt ihr dagegen versucht zu tricksen und eine fremde, bereits verwendete Vignette an eurer Fahrzeug geklebt, müsst ihr mit 240 Euro Ersatzmaut rechnen.
  • Motorradfahrer ohne Vignette zahlen dagegen nur 65 Euro Ersatzmaut ohne Vignette und 130 Euro für eine bereits gebrauchte Vignette.

Falls ihr diese Ersatzmaut nicht zahlt, wird in Österreich durch die Autobahnbetreibergesellschaft ASFINAG eine Anzeige aufgegeben und ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Hier droht eine saftige Strafe von bis zu 3.000 Euro, die bei Nichtzahlung auch in Deutschland zwangsweise vollstreckt wird. In Slowenien erwarten euch beim Schwarzfahren sogar Strafen bis zu 800 Euro und in der Schweiz sowie in Tschechien zahlt ihr bis zu 195 Euro.

Wie vermeidet ihr Stress an den Maut-Stationen?

An den Mautstationen kann es manchmal ganz schön hektisch zugehen. Wenn ihr eine entspannte Anreise bevorzugt, könnt ihr jedoch einige Tipps beherzigen. Schon vor der Mautstation solltet ihr euch rechtzeitig rechts einordnen und keinen abrupten Spurwechsel vornehmen. Haltet eure EC- oder Kreditkarte bereit und fahrt dann nah genug an den Maut-Schalter heran. Auch das Bezahlen mit Bargeld ist in der Regel möglich.

Wenn ihr die Autobahn wieder verlasst, solltet ihr euer Maut-Ticket in eurer Reichweite haben, damit es an den Schranken schneller geht. Sollten die Schranken offenstehen, drückt trotzdem unbedingt die entsprechende Taste, um eine Quittung zu bekommen. Falls ihr euch unsicher seid, fahrt lieber zu den Schaltern, an denen Personal sitzt.

Stau an der Mautstation
Stau an der Mautstation

Vermeidet es außerdem unbedingt, rückwärts aus den Mautstationen zu fahren. Auch hier drohen hohe Bußgelder, die beispielsweise in Italien bis zu 420 Euro betragen können. Solltet ihr unbedingt rückwärtsfahren müssen, informiert vorher das Personal und befolgt deren Anweisungen.

Wenn ihr diese Tipps beherzigt und aufmerksam fahrt, steht einer entspannten Reise nicht mehr viel im Wege. Wir wünschen euch eine gute Fahrt!

 

Alle Daten und Preise: Stand Juli 2019

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