Die märchenhaften Felsformationen Kappadokiens, die pulsierende Metropole Istanbul mit ihren glitzernden Moscheen oder die antiken Ruinen von Ephesus: Hotspots auf dem Festland gibt es gewiss viele. Doch wusstet ihr, dass türkische Inseln auch ihren ganz besonderen Charme haben? Wir machen uns mit euch zusammen auf die Suche.
Überblick
Während Millionen von Reisenden jedes Jahr das türkische Festland erkunden, schlummern vor der Küste kleine Paradiese, die darauf warten, von euch entdeckt zu werden. Kristallklares, türkisfarbenes Wasser, das sanft an unberührte Strände plätschert. Verschlafene Dörfer mit kopfsteingepflasterten Gassen, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Der Duft von frischem Olivenöl und wildem Thymian, der durch die Luft weht, während ihr bei einem Glas lokalem Wein den Sonnenuntergang beobachtet.
Die türkischen Inseln bieten euch genau diese Magie. Hier begegnet ihr herzlichen Einheimischen, entdeckt jahrtausendealte Geschichte und findet jene Ruhe, die in unserer hektischen Welt so kostbar geworden ist. Ob ihr Wassersportfans seid, Kulturliebhaber oder einfach nur die Seele baumeln lassen wollt: Diese Eilande sind pure Idylle.
1. Gökçeada
Unsere Reise beginnt mit einem wahren Juwel: Gökçeada. Sie ist die größte Insel der Türkei und ihr Name bedeutet „Himmlisches Eiland“. Als westlichster Punkt der Türkei und weltweit erste Insel mit dem Prädikat „Cittàslow“ erwartet euch hier ein Ort, an dem das Leben noch seinen eigenen, entschleunigten Rhythmus hat. Völlig zurecht ist dieser Spot Mitglied des 1999 in Italien gegründeten internationalen Netzwerks lebenswerter Orte. Inspiriert von der Slow-Food-Bewegung, setzt sich der Verein für den Erhalt lokaler Identität und eine nachhaltige Stadtentwicklung ein.

Die türkische Insel hat sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt wie kaum ein anderer Ort. Hier findet ihr keine riesigen Hotelkomplexe, sondern charmante Pensionen in historischen Steinhäusern. Die Landschaft ist ein Traum aus sanften Hügeln, duftenden Pinienwäldern und einer wilden, zerklüfteten Küste, die immer wieder traumhafte Buchten freigibt.
Unbedingt besuchen solltet ihr die historischen Dörfer Kaleköy, Zeytinli, Tepeköy und Dereköy: Hier schlendert ihr durch verwinkelte Gassen, entdeckt byzantinische Kirchen und genießt in traditionellen Tavernen fangfrischen Fisch. Verpasst auf keinen Fall einen „Dibek Kahvesi“, den handgestampften türkischen Kaffee, der hier noch nach alter Tradition zubereitet wird.
2. Cunda Island
Dieses kleine Paradies vor der Küste von Ayvalık wird euch vom ersten Moment an verzaubern. Denn hier verschmelzen griechisches Erbe und türkische Gastfreundschaft zu einer einzigartigen Atmosphäre, die ihr so schnell nicht vergessen werdet. Die Insel ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden, sodass ihr ganz unkompliziert mit dem Auto anreisen könnt. Sobald ihr die engen Kopfsteinpflastergassen betretet, gesäumt von liebevoll restaurierten Steinhäusern mit bunten Fensterläden und üppigen Bougainvillea-Ranken, fühlt ihr euch wie in eine andere Zeit versetzt. Hier ticken die Uhren langsamer, und genau das macht den unwiderstehlichen Charme aus.

Euer erster Stopp sollte die imposante Taxiarchis-Kirche sein, eine griechisch-orthodoxe Kathedrale aus dem 19. Jahrhundert, die heute als Rahmi Koç Museum dient und euch mit ihrer beeindruckenden Architektur und faszinierenden Ausstellungsstücken begeistern wird. Von dort schlendert ihr hinauf zum Aşıklar Tepesi, dem „Liebeshügel“. Von hier oben genießt ihr einen atemberaubenden Panoramablick über die gesamte Region und das glitzernde Ägäische Meer. Direkt dort findet ihr auch die charmante Sevim und Necdet Kent Bibliothek in einer restaurierten Windmühle, wo ihr bei einem türkischen Tee die Aussicht genießen könnt.
Kehrt unbedingt im legendären Taş Kahve ein, dem historischen Steincafé am Hafen. Der perfekte Ort, um das bunte Treiben der Fischerboote zu beobachten. Donnerstags lockt außerdem ein lebhafter Markt mit lokalen Köstlichkeiten und Handwerkskunst. Hier findet sich gewiss das eine oder andere zauberhafte Souvenir aus der Türkei. An der kristallklaren Patriça-Bucht könnt ihr wunderbar schwimmen oder bei einer Bootstour versteckte Buchten erkunden.
3. Karaada
Habt ihr schon einmal von der legendären Schönheit Kleopatras gehört und euch gefragt, was ihr Geheimnis war? Dann solltet ihr unbedingt Karaada besuchen. Die mystische „Schwarze Insel“ vor den Toren Bodrums, die der Legende nach einst der ägyptischen Königin als Wellness-Oase diente. Trotz des dunklen Namens erwartet euch hier alles andere als düstere Landschaft: Üppige Pinienwälder bedecken die Hügel, und das türkisblaue Wasser der Ägäis umspielt malerische Felsbuchten. Die Insel erreicht ihr am besten mit einem traditionellen Gulet, einem der typischen Holzsegelboote, die täglich von Bodrum aus in See stechen. Schon die Überfahrt ist ein Erlebnis.

Das absolute Highlight ist zweifellos die berühmte Thermalquelle mit ihren heilenden Schlammbädern. In einer geheimnisvollen Höhle sprudelt vulkanisches, mineralreiches Wasser aus dem Felsen. Warm und wohltuend für Körper und Seele. Die Tradition besagt, dass Kleopatra selbst hier den mineralreichen Schlamm auf ihre Haut auftrug, um ihre legendäre Schönheit zu bewahren.
Doch Karaada hat noch mehr zu bieten: Die Perle unter den türkischen Inseln blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und war einst im Besitz der Johanniter-Ritter, bevor sie ins Osmanische Reich überging. Mit einem Boot könnt ihr zahlreiche versteckte Buchten erkunden, die zum faszinierenden Schnorcheln und Schwimmen einladen. Die Unterwasserwelt ist reich an Meereslebewesen, und Taucher kommen hier voll auf ihre Kosten. Vergesst nicht, den spektakulären Blick zurück auf Bodrum zu genießen. Besonders bei Sonnenuntergang ein absoluter Traum.
4. Büyükada
Ihr entflieht dem pulsierenden Trubel Istanbuls und findet euch nur 45 Minuten später in einer Welt wieder, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Willkommen auf Büyükada, dem strahlenden Juwel der Prinzeninseln im Marmarameer!
Büyükada ist die größte der neun Schwestern und war einst der bevorzugte Sommerrückzugsort der wohlhabenden griechischen, armenischen und jüdischen Familien Istanbuls. Dieses Erbe spürt ihr noch heute: Prachtvolle osmanisch-viktorianische Holzvillen säumen die von Pinien beschatteten Alleen, ihre kunstvollen Fassaden erzählen Geschichten vergangener Eleganz. Auf dem gesamten Eiland sind motorisierte Fahrzeuge verboten. Hier bewegt ihr euch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder in elektrischen Kleinbussen. Eine wohltuende Stille, die euch sofort in ihren Bann ziehen wird.

5. Yassıca Islands
Träumt ihr von einem Ort, der so unwirklich schön ist, dass er direkt aus einem Märchen stammen könnte? Dann werden die Yassıca Adaları – die „Flachen Inseln“ – im Golf von Fethiye eure kühnsten Träume übertreffen. Diese zauberhaften Eilande gehören zu den bestgehüteten Geheimnissen der türkischen Küste und werden euch mit ihrer Schönheit sprachlos machen.
Die Yassıca-Inseln bestehen aus mehreren kleinen, unbewohnten Felsen, die sich malerisch im kristallklaren Wasser zwischen Göcek und Fethiye verteilen. Wie der Name verrät, sind diese Inseln fast vollständig flach. Und genau das macht sie so besonders. An manchen Stellen sind sie unter Wasser miteinander verbunden, sodass ihr durch das seichte, türkisfarbene Wasser von einer zur anderen waten könnt. Ein absolut magisches Erlebnis. Die größte Insel beherbergt einen natürlichen Salzwasser-Pool mit glasklarem Wasser. Perfekt für Familien mit Kindern, da die tiefste Stelle nur etwa einen Meter misst.

Erreichen könnt ihr dieses Paradies am besten mit einer der legendären „12-Inseln-Bootstouren“, die täglich von der schönen Küstenstadt Fethiye oder Göcek aus starten. Lehnt euch auf dem Deck eines traditionellen Gulets zurück, lasst die Meeresbrise durch eure Haare wehen und genießt die vorbeiziehende Kulisse aus schroffen Pinienklippen und versteckten Buchten. An den Yassıca-Inseln angekommen, erwartet euch ein Naturschutzgebiet von atemberaubender Schönheit: puderweiße Sandstrände, die sanft ins türkisfarbene Meer gleiten.
Hier könnt ihr nach Herzenslust schwimmen, schnorcheln und die bunte Unterwasserwelt erkunden. Packt ein Picknick ein und lasst euch auf dem goldenen Sand nieder, während ihr die absolute Stille genießt. Nur unterbrochen vom sanften Plätschern der Wellen. Haltet Ausschau nach den wilden Kaninchen, die auf einigen Inseln leben.
6. Suluada
Habt ihr schon von den „Malediven der Türkei“ gehört? Suluada ist eine kleine, unbewohnte Insel vor der Küste von Adrasan, die mit ihrem unwirklich türkisfarbenen Wasser und den schneeweißen Sandstränden selbst die berühmten Inselparadiese im Indischen Ozean in den Schatten stellt. Der Name bedeutet „Wasserinsel“ und bezieht sich auf die natürlichen Süßwasserreserven, die hier direkt aus dem vulkanischen Gestein sprudeln. Die Einheimischen glauben, dass die Quellen heilende Kräfte besitzen.

Die Bootsfahrt von Adrasan dauert etwa 45 Minuten. Ihr gleitet durch das tiefblaue Mittelmeer, vorbei an dramatischen Klippen und versteckten Buchten. Wenn sich das Wasser plötzlich in ein schimmerndes Türkis verwandelt, wisst ihr, ihr seid angekommen. Die Strände tragen klangvolle Namen wie Cleopatra und Miami Beach, und das aus gutem Grund: Der pudrig weiße Sand und das kristallklare Wasser wirken wie aus einem Traum.
Schnorchler aufgepasst: Die Unterwasserwelt von Suluada ist spektakulär. Bunte Fischschwärme, faszinierende Korallenformationen und mit etwas Glück begegnet ihr sogar den majestätischen Caretta-Caretta-Meeresschildkröten, die hier nisten. Verbringt den Tag mit Schwimmen in den glasklaren Lagunen oder Sonnenbaden auf den einsamen Stränden und genießt ein köstliches Fisch-Mittagessen direkt an Bord eures Bootes.
7. Bozcaada
Weinliebhaber und Romantiker aufgepasst: Bozcaada wird euch den Kopf verdrehen. Diese bezaubernde Insel vor der Westküste der Türkei, nur eine kurze Fährfahrt von Geyikli entfernt, vereint griechisches Flair, osmanische Geschichte und eine lebendige Kulinarik zu einem unwiderstehlichen Gesamtpaket.
Bozcaada, in der Antike als Tenedos bekannt, blickt auf eine schillernde Vergangenheit zurück. Der Legende nach versteckten die Griechen hier ihre Schiffe, bevor sie mit dem berühmten Trojanischen Pferd in die Geschichte eingingen. Griechen, Perser, Römer, Byzantiner, Genuesen und Osmanen – sie alle haben ihre Spuren auf dieser nur 38 Quadratkilometer kleinen Insel hinterlassen. Das Ergebnis? Ein faszinierendes Mosaik aus Kulturen, das ihr bei jedem Schritt durch die verwinkelten Kopfsteinpflastergassen spüren werdet.

Das Herzstück der Insel ist das malerische Städtchen, das sich in ein griechisches und ein türkisches Viertel teilt. Schlendert durch die schattigen Gassen, gesäumt von weiß getünchten Häusern mit bunten Fensterläden, und lasst euch treiben. Die imposante Bozcaada-Burg, eine der besterhaltenen Festungen der Ägäis, thront majestätisch über dem Hafen und bietet spektakuläre Ausblicke. Besucht auch das Ayazma-Kloster, ein stimmungsvolles griechisch-orthodoxes Heiligtum, das über dem gleichnamigen Traumstrand wacht.
Was Bozcaada jedoch wirklich einzigartig macht, sind seine zauberhaften Weinanbaugebiete. Ein Drittel der Insel ist mit Rebstöcken bedeckt, und die lokalen Güter wie Corvus, Talay und Çamlıbağ laden zu unvergesslichen Verkostungen ein. Probiert unbedingt auch die berühmte Tomatenmarmelade der Insel. Packt eine Flasche Inselwein ein, wandert zum Polente-Leuchtturm an der Westspitze und erlebt einen Sonnenuntergang, der euch für immer im Gedächtnis bleiben wird.
8. Marmara
Marmara Adası ist die größte Insel im gleichnamigen Meer und nach Gökçeada die zweitgrößte der Türkei. Mit ihrem höchsten Gipfel, dem İlyas Dağı auf etwa 700 Metern, ist sie zugleich das höchste Eiland des Landes. Die legendären Marmorsteinbrüche, die seit der Antike betrieben werden, lieferten den strahlend weißen Stein für Meisterwerke wie die Hagia Sophia in Istanbul. Im Dorf Saraylar könnt ihr ein faszinierendes Freilichtmuseum mit antiken Skulpturen, Säulen und Sarkophagen bestaunen. Hier wird längst vergangene Geschichte bei eurem Urlaub in der Türkei lebendig.

Die Insel ist einer der wenigen Orte im gesamten Land, an denen noch wilde Pferde in Freiheit leben. Rund 400 dieser majestätischen Tiere streifen durch die windgepeitschten Hügel im Norden. Wandert durch duftende Pinienwälder und Olivenhaine im Süden, entdeckt versteckte Wasserfälle und genießt den aromatischsten Salbeitee der Türkei, der hier auf den Berghängen wächst. Und auch die Unterwasserwelt hält zahlreiche kunterbunte Überraschungen für euch bereit. Denn Marmara hat einige abwechslungsreiche Tauchspots.
9. Burgazada
Sucht ihr einen Ort, an dem ihr dem Trubel Istanbuls entfliehen und gleichzeitig in die Seele der türkischen Literatur eintauchen könnt? Dann ist die „Insel der Festung“ genau das Richtige für euch. Dieser romantische Geheimtipp des Archipels verzaubert mit seiner ruhigen, fast verträumten Atmosphäre. Nur etwa 1.500 Menschen leben hier im Winter, im Sommer steigt die Zahl auf rund 15.000, aber selbst dann bleibt die Insel angenehm entspannt.
Das literarische Herz der Region schlägt im Sait Faik Museum, dem ehemaligen Wohnhaus des berühmten türkischen Kurzgeschichtenautors Abasıyanık, der hier von 1939 bis zu seinem Tod 1954 lebte. Seine atmosphärischen Geschichten fangen das Inselleben perfekt ein. Sein Lieblingsplatz? Kalpazankaya, ein magischer Felsen im Westen der Insel, wo heute ein Restaurant mit atemberaubendem Sonnenuntergangsblick steht. Dort erwartet euch sogar eine Bronzestatue des Dichters mit einem Glas Rakı in der Hand, das täglich frisch aufgefüllt wird.

10. Kekova
Wenn ihr an einen Urlaub in der Türkei denkt, träumt ihr dann davon, über eine versunkene Stadt zu gleiten und dabei durch kristallklares Wasser auf jahrtausendealte Ruinen hinabzublicken? Dann ist Kekova euer Traumziel. Diese mystische Insel an der lykischen Küste beherbergt eines der faszinierendsten archäologischen Wunder des Landes. Eine antike Stadt, die im zweiten Jahrhundert nach Christus durch verheerende Erdbeben im Mittelmeer versank.
Kekova liegt vor der Küste von Demre in der Provinz Antalya und ist Teil eines atemberaubenden Schutzgebietes, das auch die malerischen Dörfer Üçağız und Kaleköy (das antike Simena) umfasst. Die Insel selbst ist unbewohnt und darf zum Schutz der archäologischen Stätten nicht betreten werden – doch genau das macht den Zauber aus: Vom Boot oder Kajak aus gleitet ihr über das türkisfarbene Wasser und erblickt unter euch die gespenstisch schönen Überreste einer versunkenen Welt. Steintreppen, die ins Nichts führen, Hausfundamente, Hafenmauern und zerbrochene Amphoren schimmern durch das glasklare Wasser.

Die beste Art, Kekova zu erkunden, ist eine Bootstour mit einem traditionellen Gulet ab Kaş oder Demre. Macht Halt in der Tersane-Bucht, wo ihr in der Nähe einer byzantinischen Kirchenruine schwimmen könnt, und besucht das bezaubernde Dorf Kaleköy mit seiner mittelalterlichen Kreuzritterburg hoch über dem Wasser. Die Aussicht von dort oben ist schlichtweg atemberaubend. Wer es aktiver mag, kann die Region beim Kanufahren erkunden. Die einzige Möglichkeit, ganz nah an die versunkenen Ruinen heranzukommen.
Verpasst nicht den lykischen Sarkophag, der halb im Wasser vor Simena steht. Eines der ikonischsten Fotomotive der türkischen Mittelmeerküste! In den kleinen Restaurants am Wasser genießt ihr fangfrischen Fisch, während die Sonne golden über den antiken Ruinen untergeht. Die türkische Insel ist lebendige Geschichte im türkisfarbenen Wasser und ein Ort, der euch für immer verzaubern wird.









