Baikalsee: Naturwunder in Sibirien


Im asiatischen Teil Russlands, in Sibirien, liegt der Baikalsee, der wasserreichste Süßwassersee der Erde. Wer hier hinreist, erlebt einen See der Superlative inmitten einer wilden Landschaft. Doch zieht euch warm an, denn hier kann es richtig kalt werden.

Überblick

Der Baikalsee erstreckt sich über mehr als 31.000 Quadratkilometer und ist damit größer als Berlin und Brandenburg zusammen. Noch beeindruckender ist allerdings die Tiefe. Bis zu 1642 Meter tief geht es hinab bis zum Grund. Mit seinen 23.615 Kubikkilometern ist der Baikalsee damit das größte Süßwasserreservoir der Erde.

Baikalsee-Sommertag
Der sibirische Baikalsee an einem Sommertag

Das riesige Binnengewässer befindet sich in den südsibirischen Gebirgen zwischen der Autonomen Republik Burjatien und dem Oblast Irkutsk. Macht euch auf ein raues, winterliches Klima gefasst. Von November bis März herrscht hier Dauerfrost und bis Juni kann es Schnee geben. Trotzdem, oder gerade deswegen ist der Baikalsee besonders für Naturfreunde eine Reise wert.

Orte

Rund um den Baikalsee gibt es vorrangig kleinere Ortschaften, denn die Region ist nur dünn besiedelt. Die beiden Großstädte Irkutsk und Ulan-Ude sind zwar ein gutes Stück vom See entfernt, aber entgehen lassen solltet ihr sie euch nicht, wenn ihr schon mal vor Ort in Sibirien seid. Umso schöner allerdings sind die natürlichen Ausflugsziele rund um oder auch im See.

Irkutsk

Mit knapp 600.000 Einwohnern ist Irkutsk die mit Abstand größte Stadt im Einzugsbereich des Baikalsees. Neben zahlreichen Theatern und Museen dominieren die 300 Jahre alte Erlöserkirche sowie weitere katholische Kirchen und Klöster das Stadtbild. Außerdem ist Irkutsk ein wichtiger Bahnhof der Transsibirischen Eisenbahn.

Irkutsk-Kirche
Blick auf eine Kirche in Irkutsk

Die wichtige Universitäts- und Kulturstadt ist ein echtes Kleinod in Sibirien. Das liegt vor allem daran, dass die typisch zweckmäßige sowjetische Plattenbauarchitektur hier kaum Spuren hinterlassen hat. Vielmehr findet ihr hier Kaufmannsbauten vom Anfang des 20. Jahrhunderts sowie viele traditionelle sibirische Holzbauten.

Ulan-Ude

150 Kilometer südöstlich des Baikalsees liegt Ulan-Ude, die Hauptstadt der autonomen russischen Teilrepublik Burjatien. Die Stadt ist in erster Linie als Eisenbahnknotenpunkt bekannt und verbindet die Transsibirische Eisenbahn mit der hier beginnenden transmongolischen Eisenbahn Richtung China.

Ulan-Udes Bevölkerung ist geprägt durch eine mongolische Abstammung und den buddhistischen Glauben. Daher findet ihr der Nähe der Stadt den größten und bekanntesten buddhistischen Tempel Russlands, das Kloster Iwolgin-Datsan.

Listwjanka

Wenn ihr direkt zum Baikalsee möchtet, dann landet ihr von Irkutsk aus vermutlich erst einmal in Listwjanka. Obwohl es sich dabei eigentlich nur um ein Dorf mit nicht einmal 2.000 Einwohnern handelt, ist der Ort so etwas wie der touristische Ausgangspunkt für Aktivitäten auf oder um den Baikalsee.

In und nahe Listwjankas stehen zahlreiche Hotels, Villen und Gastunterkünfte. Außerdem starten hier saisonale Highlights wie etwa der Eismarathon über den See. Am Seeufer befindet sich ein Strand, der in den kurzen Sommern sogar das Baden im erfrischenden Nass erlaubt. Ansonsten wird hier gern frisch gefangener Fisch geräuchert.

Sewerobaikalsk

Wenn ihr den nördlichen Teil des Baikalsees erkunden möchtet, empfiehlt sich der Ort Sewerobaikalsk als Ausgangspunkt. Hierhin kommt ihr am besten mit einem Nahverkehrszug aus Irkutsk, der allerdings nur einmal pro Woche fährt. Das solltet ihr bei eurer Reiseplanung unbedingt berücksichtigen.

Generell ist der Landschaft im Norden des Sees deutlich weniger gut erschlossen als der südliche Bereich. Ihr findet also weniger Unterkünfte als auch Geschäfte, und auch die Straßen sind oft schlechter. Dafür ist es hier abgeschiedener und ihr könnt wesentlich öfter die totale Einsamkeit genießen.

Insel Olchon

Im Baikalsee gibt es mehr als 20 Inseln, doch nur eine ist bewohnt, nämlich Olchon. Rund 1.500 Menschen leben auf diesem 71 Kilometer langen Eiland, inmitten von Sanddünen und Reliktwäldern. Vom Aussichtspunkt Kap Khoboy habt ihr einen tollen Ausblick auf den See.

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Schamanenfelsen auf der Insel Olchon im Baikalsee

Olchon ist bekannt für seine traditionelle Spiritualität und gilt vielen seiner Bewohner als besonderer Ort. Die Insel ist ein Zentrum des sibirischen Schamanismus und verfügt über heilige Kraftorte. Ihr erkennt sie an den bunten Bändern, die überall verstreut von Bäumen und Pfählen herabhängen.

Die Nationalparks

Der Baikalsee ist seit 1996 UNESCO Weltnaturerbe und gilt hinsichtlich Hydrologie, Flora und Fauna als besonders schützenswert. Daher wurden rund um den See zahlreiche Naturschutzgebiete und Nationalparks definiert. Leider erlaubt die schiere Größe der Parks kaum eine wirksame Kontrolle der Parkregeln. Seid daher bitte besonders umsichtig beim Umgang mit der hiesigen Natur.

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Fluss Chaya am Baikal

Neben den eigentlichen Parks und Reservaten, etwa dem Baikal-Lena-Naturreservat am mittleren Westufer oder dem südlich gelegenen Transbaikal-Nationalpark, ist der gesamte See von einer Küstenschutzzone umgeben. Etwa zwei Drittel der vorkommenden Tiere und Pflanzen gibt es nur hier am Baikalsee.

Heiße Quellen

Durch unterirdische vulkanische Aktivität haben sich rund um den Baikalsee einige heiße Quellen gebildet – je nach Höhenlage mit unterschiedlicher Austrittstemperatur. Das Wasser ist sehr mineralstoffreich und wird von den Menschen am Baikal sowohl getrunken als auch zum Baden benutzt.

Viele der Quellen findet ihr an kleinen, charmanten Ortschaften im Norden und Nordosten, etwa bei Goudzhekit, Dzelinda, Khakussy, im Bargusin Tal oder dem Kotelnikowski Kap. Doch auch im südlicher gelegenen Ost-Sajan-Gebirge befinden sich Thermalquellen, etwa bei Arschan, Zhemchug und Schumak. Gerade in sehr kalten Monaten lohnt sich ein Besuch allemal!

Aktivitäten

Der Baikalsee eignet sich am besten für einen aktiven Urlaub. Allein die schiere Größe der Region macht es unumgänglich, viel unterwegs zu sein. Vor allem für Wanderer ist Sibirien hier ein wahres Paradies. Zur Erholung dürft ihr dann auch Bahn fahren, Robben besuchen oder sogar baden.

Fernwandern

Vom Küstenort Listwjanka aus startet der Great Baikal Trail, ein Fernwanderweg, der einmal 2.100 Kilometer umfassen soll. Er wird seit vielen Jahren von Freiwilligen gebaut und ist in einigen Abschnitten bereits nutzbar. Immer wieder finden Workshops statt, in denen Menschen aus aller Welt aus freien Stücken den Weg weiter ausbauen.

Wandern-Baikalsee
Wandern auf dem Great Baikal Trail

Unabhängig von den ausgebauten Wanderwegen könnt ihr natürlich auch die raue Natur auf eigene Faust erkunden. Die wilde Landschaft lädt zum Wandern oder Bergwandern ein. Es empfiehlt sich allerdings, einen erfahrenen Führer mitzunehmen oder sich nicht allzu weit von der nächsten Siedlung zu entfernen. Die Nächte kommen rasch und sind sehr kalt.

Eine Schifffahrt machen

Wenn ihr gerade sowieso in Listwjanka seid, könnt ihr auch gleich eine kleine Bootstour über den See machen. Das Kreuzfahrtschiff Ivan Babushkin legt am Ort ab. Außerdem gibt es eine Fähre, die zum Hafen nach Baikal fährt. Das gilt natürlich nur im Sommer, wenn der See nicht meterdick zugefroren ist.

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Mit dem Schiff den Baikalsee erkunden

Robben anschauen

Die Fauna des Baikalsees besteht aus zahlreichen, meist endemischen Arten. Das bedeutet, diese Tiere gibt es nur hier und nirgends sonst auf der Welt. Eines davon ist die Baikalrobbe, die einzige Robbenart, die ausschließlich in Süßwasser lebt. Die Robben leben vorrangig auf den Ushkaniy Inseln nahe der Halbinsel Svyatoy Nos. Die Inseln dürfen nicht betreten werden, doch ihr könnt die Robben mit dem Fernglas vom Boot aus beobachten. Wenn ihr Glück hat, seht ihr auch während einer Bootsfahrt eine Robbe. Nämlich dann, wenn sie ihren Kopf zum Luftholen aus dem Wasser reckt.

Baikalbahn fahren

Am Südwestufer des Baikalsees befindet sich eine 89 Kilometer lange Bahnstrecke, die einst als Teil der Transsibirischen Eisenbahn geplant war. Jetzt dient sie als autonome Zweigstrecke zur Versorgung der Einheimischen und als Highlight für Besucher. Der Zug fährt meist am Wochenende zwischen Sludyanka und dem Baikal-Hafen und stoppt regelmäßig, damit ihr Fotos machen könnt.

Baden gehen

Zwischen dem Westufer und der Insel Olchon befindet sich eine Art Meerenge mit relativ flachem Wasser. Hier erwärmt sich das ansonsten sehr kalte Seewasser im Sommer etwas. Für einen reinen Badeurlaub ist der Baikal zu kalt, bei heißen Außentemperaturen aber für eine Erfrischung gut.

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Insel im Baikalsee

Reist am besten von Irkutsk aus mit dem Bus oder per Schiff an und legt euch mitten in Sibirien eine Weile an den Strand. Die Meerenge ist sehr beliebt, deshalb hat sich hier eine gute Infrastruktur etabliert. Ihr findet Restaurants und Geschäfte ebenso wie Geldautomaten oder Apotheken.

Reise-Infos

Lust auf eine abenteuerliche Reise zum tiefsten See der Welt? Dann seht euch vor dem Urlaub in Russland unsere Reise-Infos an. Vor allem in puncto Reisezeit solltet ihr einiges bedenken. Am Baikalsee kann es schließlich bis zu -50 Grad Celcius kalt werden.

Reisezeit

Am Baikalsee herrscht das sogenannte kontinentale Klima. Das bedeutet, die Sommer sind recht kurz und vor allem nicht so heiß wie in Mitteleuropa. Fahrt ihr also zwischen Juni und August, erwarten euch milde Tage mit Temperaturen um die 20 Grad. Baden oder das Wandern mit leichter Kleidung sind nur in diesem Zeitraum möglich.

Wagt ihr euch im Winter zum Baikalsee, dann packt die großen Koffer. Nicht selten sinkt das Thermometer auf -20 bis -30 Grad Celcius ab. Dafür habt ihr auf jeden Fall viel Schnee sowie eine meterdicke Eisdecke auf dem See. Dann könnt ihr direkt auf dem Baikalsee wandern, mit Schlitten oder Auto fahren und sogar übernachten – mit über tausend Metern eiskaltem Wasser unter euch!

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Vereister Baikalsee im Winter

Reisedauer

In Russland und speziell in Sibirien sind alle Wege sehr viel länger als wir das in unserem kleinen Europa gewohnt sind. Plant deshalb bitte mit ein, dass nicht nur die Anreise, sondern auch die Reisen zwischen den Ausflugszielen viel Zeit in Anspruch nehmen. Mit weniger als einer Woche Zeit braucht ihr gar nicht erst zum Baikalsee reisen.

Reisevorbereitung

Russland ist bekanntlich nicht Teil der Europäischen Union. Daher benötigt ihr einen gültigen Reisepass sowie ein Visum für euren Aufenthalt. Visa erhaltet ihr vorab bei der zuständigen russischen Auslandsvertretung. Es ist auch möglich, ein eVisa online zu erhalten. Allerdings ist dieses auf bestimmte Ein- und Ausreisestellen beschränkt.

Anreise

Der schnellste Weg zum Baikalsee führt über die internationalen Flughäfen von Irkutsk oder Ulan-Ude mit Umstieg in Moskau. Von dort sind es dann allerdings noch einmal 70 bzw. 130 Kilometer bis zum eigentlichen See – für sibirische Verhältnisse allerdings ein Katzensprung.

Sehr zu empfehlen ist die (Teil-)Anreise mit der Transsibirischen Eisenbahn auf der mit 9.288 Kilometern längsten Eisenbahnstrecke der Welt. Von Moskau fahrt ihr in rund vier Tagen bis nach Irkutsk oder einen der anderen Bahnhöfe am Baikalsee. Als die landschaftlich schönste Strecke gilt jedoch die Verbindung von Irkutsk nach Ulan-Ude.

Typisch-sibirische-Haeuser-Baikalsee
Typisch sibirische Häuser am Baikalsee

Fortbewegung vor Ort

Die Infrastruktur rund um den Baikalsee ist noch ausbaufähig. An vielen Stellen kommt ihr ohne einen Geländewagen gar nicht weiter. Andere Orte sind am besten per Boot erreichbar. Für die meisten Wege eignen sich Busse oder Routentaxis.

Sprache & Verständigung

Amtssprache ist am Baikalsee wie auch im Rest Russlands natürlich Russisch. In den Hotels und an den Sehenswürdigkeiten kommt ihr auch mit Deutsch oder Englisch weiter. Im ländlichen Raum lohnt es aber, sich vorab zumindest die gängigsten Vokabeln und Redewendungen auf Russisch anzueignen.

Essen & Spezialitäten

Die Küche am Baikalsee konzentriert sich naheliegenderweise vor allem auf Fischspezialitäten. Edle Fische wie Omul, Äsche, Stör oder Weißfisch werden aus dem See gefangen und frisch zubereitet. Der beliebteste Fisch ist der Baikal-Omul, ein Lachsfisch, den es nur hier gibt.

Russisches-Essen
Russisches Essen mit Blini und Kaviar

Neben dem Essen an sich ist den Einwohnern der Baikalregion die Geselligkeit am wichtigsten. Daher wird der Omul oft direkt am See über offenem Feuer gebraten und gemeinsam mit dem Rauschen der Brandung im Hintergrund verspeist. Dazu gibt es auch am Baikalsee durchaus mal einen Wodka, den ihr besonders in den kalten Monaten sicherlich gut gebrauchen könnt.

Hotels & Unterkünfte

Der Baikalsee verfügt über einige gut erschlossene Orte, die den vielen Reisenden ein Dach über dem Kopf bieten. In den meisten größeren Dörfern rund um den See gibt es zumindest Pensionen oder kleinere Hotels. Größere Hotels findet ihr hingegen in Städten wie Irkutsk oder Ulan-Ude.

Wenn ihr die ausgewiesenen Pfade verlasst, dann wird es schon etwas schwerer, eine Unterkunft zu finden. Es empfiehlt sich daher, vorab durch einen Reiseanbieter etwas zu organisieren. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, im Winter eine Hütte mitten auf dem zugefrorenen See zu buchen.

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