Heiße Quellen in der Toskana


Türkisblaues, dampfendes Wasser, das seit Jahrtausenden aus der Erde sprudelt, rings um euch nichts als sanfte Hügel, Zypressen und die stille Weite der Natur. Das erwartet euch, wenn ihr die heißen Quellen der Toskana besucht. Die Region zählt zu den thermalreichsten Italiens und bietet euch ein besonderes Badevergnügen.

Überblick

Von den sanften Hügeln der Crete Senesi bis hinunter in die wilde Maremma, vom UNESCO-geschützten Val d’Orcia bis zu den Wäldern rund um Siena: In der Toskana findet ihr heiße Quellen an vielen pittoresken Orten. Der Grund für diesen Reichtum liegt tief unter der Erde: Durch die geothermische Aktivität im Untergrund wird das Grundwasser der Region aufgeheizt – mancherorts auf bis zu 50 Grad Celsius.

Was macht die Thermalquellen der Toskana so besonders? Es ist die Mischung aus Geschichte, Heilkraft und unberührter Natur. Bereits die Etrusker und Römer wussten um die Wirkung des schwefel- und mineralhaltigen Wassers, und Päpste sowie Medici-Fürsten kurten in der Region durch die Jahrhunderte. Heute könnt ihr einfach euer Handtuch hinlegen, ins Becken gleiten und dieselbe Wärme spüren, die schon Generationen vor euch genossen haben.

1. Bagni di Petriolo

Zwischen den Gemeinden Civitella Paganico und Monticiano, tief unten in einem bewaldeten Tal am Fluss Farma, liegt eine der bekanntesten heißen Quellen der Toskana. Die Geschichte dieses Ortes reicht weit zurück. Bereits die Römer schätzten die Naturtherme für das heilkräftige Wasser, und im Mittelalter zog sie Päpste sowie wohlhabende italienische Adelsfamilien an.

Das Thermalwasser tritt mit einer Temperatur von rund 43 Grad Celsius gurgelnd an die Oberfläche und stürzt über charakteristische Kalksteinfelsen in natürliche Becken. Diese schmiegen sich direkt in die Landschaft, umgeben von dichtem Wald und dem sanften Rauschen des Flusses Farma. Nach einem langen Bad in der heißen Schwefelquelle könnt ihr euch im kühlen Flusswasser erfrischen – ein Wechselbad der Natur der absolut besten Art und das kostenlos und unter freiem Himmel.

Heiße Quellen Toskana Bagni di Petriolo
Thermalquelle in grüner Umgebung

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Die Lage von Bagni di Petriolo ist ein Geschenk für alle, die Natur und Geschichte verbinden möchten. Unmittelbar in der Nähe erstreckt sich das Naturschutzgebiet Basso Merse mit erstklassigen Wanderrouten durch stille Steineichenwälder. Perfekt, um nach dem Bad den Schwefelgeruch in der frischen Luft loszuwerden. Das absolute Highlight der Gegend ist jedoch die Abtei San Galgano: die Überreste einer Kirche im Zisterzienserstil. Beeindruckend ist auch die nahegelegene Einsiedelei von Montesiepi, die für das legendäre Schwert im Stein und die darüber gebaute Kapelle bekannt ist.

Nur wenige Kilometer entfernt verzaubert das mittelalterliche Dörfchen Chiusdino mit seiner ruhigen Atmosphäre. Wer mehr Stadtluft sucht, findet in Siena, rund 35 Autominuten entfernt, eines der schönsten historischen Zentren Italiens mit dem berühmten Dom sowie der Piazza del Campo mit dem ehemaligen Rathaus und dem markanten Glockenturm. Bagni di Petriolo ist also nicht nur eine Thermalquelle, sondern auch ein idealer Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise durch das Herz der Toskana.

Heiße Quellen Toskana Siena
Verbindet euer Bad mit Kultur und Historie

2. Bagni San Filippo

Versteckt in den dichten Wäldern des Val d’Orcia sprudelt in Bagni San Filippo Thermalwasser mit 48 Grad Celsius direkt aus der Erde – umgeben von hohen Bäumen, Vogelgezwitscher und einer Stille, die sich anfühlt wie ein tiefer Atemzug. Was diese heiße Quelle der Toskana so unwiderstehlich macht, ist ihr absolutes Herzstück: die sogenannte Balena Bianca, der „Weiße Wal“. Dieser riesige, strahlend weiße Kalksteinfelsen wurde über Jahrtausende durch die Ablagerungen des Thermalwassers geformt und erinnert tatsächlich an einen aus dem Boden tauchenden Wal.

Die Fosso Biano genannten Becken bieten euch je nach Entfernung zur Quelle unterschiedlich warmes Wasser – perfekt zum langen Verweilen. Der Boden ist mit weißem Schlamm bedeckt, den ihr euch ruhig auf die Haut schmieren dürft: ein natürliches Peeling der feinsten Art. Das Beste daran? Der Eintritt ist völlig kostenlos. Ihr parkt am kleinen Örtchen Bagni San Filippo, folgt dem Fußweg durch den Wald, und schon taucht diese märchenhafte Welt vor euch auf.

Toskana Bagni San Filippo
Naturtherme in schöner Kulisse

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Bagni San Filippo liegt mitten im Val d’Orcia und das merkt ihr bei jedem Kilometer, den ihr durch diese einzigartige Landschaft fahrt. Wer nach dem Bad noch Energie hat, sollte unbedingt einen Abstecher nach Castiglione d’Orcia machen, einem mittelalterlichen Bergdorf mit dem beeindruckenden Turm Rocca Tentennano, von dem aus sich ein atemberaubendes Panorama über das gesamte Tal öffnet. Etwa 20 Kilometer entfernt liegt Pienza, die UNESCO-Renaissancestadt von Papst Pius II., wo ihr durch traumhafte Gassen schlendern und den berühmten Käse „Pecorino di Pienza“ probieren könnt.

Daneben lockt der Ort Montalcino mit seinen weltberühmten Brunello-Weinkellern zu Verkostungen mit Antipasti. Auch die nahegelegene romanische Abtei Sant’Antimo ist einen Umweg wert. Für Naturliebhaber bieten die Hänge des Monte Amiata wunderschöne Wanderwege sowie im Winter sogar Skimöglichkeiten. Wer den Amiata-Ring entlangläuft, entdeckt charmante Dörfer wie Abbadia San Salvatore und Arcidosso.

Italien Val d'Orcia
Diese Landschaft gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe

3. Bagni Vignoni

Es gibt wohl kaum einen ungewöhnlicheren Dorfplatz in ganz Italien. Wo anderswo Brunnen, Café-Tische oder ein Denkmal den Mittelpunkt eines Ortes bilden, dampft in Bagno Vignoni ein riesiges, rechteckiges Thermalbecken, umrahmt von mittelalterlichen Steinmauern und Renaissance-Gebäuden. Dieser Anblick allein ist schon die Reise wert.

Das kleine Dorf südöstlich von Siena, nahe der alten Pilgerroute Via Francigena gelegen, blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück. Bereits Römer und Etrusker schätzten die bis zu 50 Grad heißen Schwefelbäder der Toskana. Der Legende nach sollen sogar die heilige Katharina von Siena und Lorenzo de’ Medici hier gebadet haben – das Wasser dieser Quellen hat also durchaus prominente Stammgäste gehabt.

Das historische Hauptbecken mitten im Ort darf heute leider nicht mehr zum Baden genutzt werden, doch das Erlebnis des Thermalwassers ist deshalb keineswegs verloren. Am Rand des Dorfes, im romantischen Parco dei Mulini, sammelt sich das heiße Wasser in natürlichen Becken, in denen ihr euch wunderbar entspannen könnt. Grüne Vegetation und die felsige Landschaft sorgen für eine idyllische Kulisse.

Heiße Quellen Toskana Bagni Vignoni
Entspannt in dieser warmen Quelle der Toskana

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Bagno Vignoni liegt im Herzen des Val d’Orcia und ist damit der perfekte Ausgangspunkt für eine Erkundung dieser grandiosen Kulturlandschaft während eures Toskana-Urlaubs. Direkt vom Dorf aus führen wunderschöne Wanderwege, etwa entlang der historischen Via Francigena nach San Quirico d’Orcia, einem Pilgerort mit prachtvollen Kirchen und der romantischen Gartenanlage Horti Leonini, die im 16. Jahrhundert angelegt wurde.

Weiter geht es nach Pienza, der idealen Renaissancestadt, und zu den berühmten Fotospot-Klassikern der Toskana: der Kapelle Madonna di Vitaleta mit ihren Zypressen und dem Podere Belvedere, das Filmkulisse in Ridley Scotts Gladiator war. Abends lohnt sich ein Besuch der nahegelegenen Rocca d’Orcia mit der mittelalterlichen Festung Tentennano, von der aus die Abendsonne das Tal in Gold taucht.

Italien Pienza
Auch Pienza hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten

4. Montecatini Terme

Wer bei heißen Quellen in der Toskana an wilde Natur und dampfende Felsenbecken denkt, wird in Montecatini Terme eine angenehme Überraschung erleben. Denn dieser berühmte Kurort nördlich von Florenz spielt in einer ganz eigenen Liga. Das Wahrzeichen der Stadt ist die prächtige Thermalanlage Tettuccio aus dem 18. Jahrhundert. Beim Schlendern durch die majestätischen Hallen mit ihren Marmorsäulen und kunstvollen Fresken fühlt ihr euch wie in eine andere Zeit versetzt.

Das mineralreiche Thermalwasser, das hier aus der Erde sprudelt,  ist seit der Antike für seine heilende Wirkung bekannt, besonders auf Leber, Verdauung und Stoffwechsel, und wurde bereits von den Römern geschätzt. Ein Besuch in Montecatini Terme eignet sich somit perfekt für eine Trinkkur oder einfach zum Genießen der besonderen Atmosphäre des Kurorts.

Quellen Toskana Montecatini Terme
Bad mit stilvollem Ambiente

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Durch Montecatinis Lage in der Nähe von Pisa und Florenz bieten sich Ausflüge in diese beiden Perlen der Toskana an. Besichtigt den weltberühmten schiefen Turm auf der Piazza dei Miracoli oder besucht eindrucksvolle Museen mit bekannten Kunstwerken wie Michelangelos Statue „David“. Auch Pistoia, ein unterschätztes Städtchen mit einem prachtvollen mittelalterlichen Dom, ist nur eine kurze Fahrt entfernt – und beherbergt im Sommer ein legendäres Bluesfestival.

Wer den Ort selbst erkundet, sollte unbedingt die historische Standseilbahn Funicolare nehmen, die seit 1898 in Betrieb ist und euch hinauf nach Montecatini Alto bringt – einem mittelalterlichen Dorf mit herrlichem Panoramablick. In unmittelbarer Nähe liegt zudem Monsummano Terme mit der Grotta Giusti, einer unterirdischen Höhlentherme, die Giuseppe Verdi einst als das achte Weltwunder bezeichnete.

Italien Montecatini Alto
Ein Abstecher in die Altstadt von Montecatini

5. Terme di Saturnia

Es gibt Bilder, die man einmal gesehen hat und die sich für immer ins Gedächtnis brennen. Die Cascate del Mulino von Saturnia sind solche Bilder: türkisfarbene, dampfende Becken, die wie von Geisterhand in weißen Kalkstein gemeißelt scheinen, umgeben von der Weite der südtoskanischen Maremma. Kein Filter, keine Bearbeitung – die Natur hat an diesem Ort in Italien ganze Arbeit geleistet.

Saturnia gilt als eine der ältesten heißen Quellen der Toskana. Der Überlieferung nach soll der Gott Saturn höchstpersönlich einen Blitz in die Erde geschleudert haben, um die streitenden Menschen mit einem warmen Heilbad zu besänftigen, und tatsächlich sprudelt hier seither unaufhörlich Wasser aus der Erde. Pro Sekunde sind es bis zu 800 Liter, konstant auf 37,5 Grad temperiert und reich an Schwefel, Calcium, sowie Magnesium.

Das Herzstück sind die frei zugänglichen und kostenlosen Cascate del Mulino: Hier stürzt das Thermalwasser in natürlichen Kaskaden über Kalkstufen und füllt eine Serie von runden Naturbecken. Dann fühlt sich Saturnia an wie ein Ort aus einer anderen Welt – ursprünglich, magisch und absolut unvergesslich. Kein Wunder, dass selbst Dante einst von dieser Quelle schwärmte.

Termi di Saturnia
Ein unvergesslicher Anblick

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Wer in Saturnia badet, befindet sich im Herzen der wilden Maremma. Das absolute Must-see der Region ist Pitigliano, rund 25 Kilometer entfernt: ein spektakuläres mittelalterliches Städtchen, das auf einem Tuffsteinfelsen thront und mit seinen ockerfarbenen Häusern, dem Medici-Aquädukt und einem gut erhaltenen jüdischen Viertel beeindruckt. Nicht weit entfernt liegt Sovana, ein ruhiges Dörfchen mit etruskischen Wurzeln, in dem die Zeit stillzustehen scheint.

Naturliebhaber kommen im Parco Naturale della Maremma auf ihre Kosten: Über 9.000 Hektar wilder Natur mit Pinienwäldern, Stränden und freilebenden Rindern und Wildpferden, ideal zum Wandern, Radfahren oder für geführte Ausritte. Weinliebhaber sollten die Kellereien der Umgebung besuchen, die den legendären Morellino di Scansano herstellen. Die Maremma ist eben mehr als Thermalwasser: Sie zeigt euch in eurem Toskana-Urlaub die ursprünglichste Seele der italienischen Region.

Italien Pitigliano
Auch Pitigliano ist einen Besuch wert
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