Zwischen endlosen Nadelwäldern im Süden und baumlosen Fjells am Polarkreis findet ihr ein Land, das Stille bewahrt wie kein anderes in Europa. Viele der finnischen Nationalparks liegen so weit voneinander entfernt, dass euch schon der Weg dorthin durch menschenleere Weiten führt.
Überblick
In ganz Finnland gibt es insgesamt 41 Schutzgebiete, die alle völlig kostenlos zugänglich sind. Das berühmte Jedermannsrecht erlaubt euch nicht nur den freien Eintritt, sondern auch das Sammeln von Beeren, das Zelten in der Wildnis und das Paddeln auf allen Gewässern. Der mit 2.500 Quadratkilometern flächenmäßig größte Nationalpark liegt in Lappland, während einige Reservate im Süden nur wenige Autominuten von Helsinki entfernt beginnen. Von uralten Kiefernbeständen im Norden bis zu maritimen Inselwelten im Westen erstrecken sich knapp eine Million Hektar faszinierender Ökosysteme. Jeder einzelne Naturraum erzählt seine ganz eigene Geschichte aus Geologie, Artenvielfalt und traditioneller Sami-Kultur.
Wenn ihr durch die Top 10 der schönsten finnischen Nationalparks streift, erlebt ihr etwas, das kein Bildschirm vermitteln kann. Stellt euch den harzigen Duft der Kiefern über einem stillen Moorsee vor, die absolute Einsamkeit zwischen Fjellkuppen aus grauem Granit oder das leise Rascheln von Rentierhufen auf einem Pfad durch die Tundra. Ihre Spuren versinnbildlichen die alte spirituelle Verbindung zwischen den Sami und diesem Land. Freut euch auf eine raue Wildnis, die ihr in dieser Ursprünglichkeit nördlich des Polarkreises kaum noch findet.
1. Nationalpark Lemmenjoki
Tief im Herzen Lapplands liegt Finnlands größtes Schutzgebiet, das sich über 2.850 Quadratkilometer baumloser Tundra, einsamer Täler und endloser Fjellketten erstreckt. Der namensgebende Lemmenjoki durchzieht den gesamten Nationalpark. An seinen Ufern finden sich Sandbänke mit Edelmetallvorkommen, wo im Sommer noch immer Schürfer ihr Glück versuchen. Die Geschichte des Goldrausches reicht bis in die 1860er zurück, als zahlreiche Abenteurer in diese abgelegene Region strömten. Heute zeugen verlassene Hütten und rostige Werkzeuge von jener Zeit. Die Sami nutzen diesen Naturraum seit Jahrtausenden als Weideplatz für ihre Rentierherden, deren Spuren als schmale Trampelpfade durch die Gegend führen.

Die Vegetation besteht hauptsächlich aus niedrigen Bäumen, Weidengebüschen und ausgedehnten Moorflächen, überzogen von Rentierflechten in zartem Grau. Im Herbst leuchten die Zwergbirken in intensiven Gelb- und Rottönen, während sich die ersten Schneefälle ankündigen. Der Fluss lässt sich über 60 Kilometer per Boot befahren, wobei ihr es an flachen Stromschnellen gelegentlich ans Ufer tragen und ein Stück zu Fuß weitergehen müsst. Diese mehrtägige Paddeltour führt euch durch absolute Einsamkeit, unterbrochen nur von einfachen Schutzhütten. Im Winter erreichen die Temperaturen regelmäßig minus 30 Grad, während die Polarnacht das Gebiet in monatelange Dunkelheit taucht, einzig unterbrochen von den Nordlichtern.
Ihr betretet den Park vom Sami-Dorf Inari aus oder vom südlichen Eingang am Weiler Njurgulahti. Von Ivalo aus führt eine Schotterstraße tief in die Wildnis hinein. Im Besucherzentrum Kultahovi gibt es eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Goldgräber. Ihr könnt auch Waschpfannen ausleihen, um das Schürfen selbst auszuprobieren. Im Hochsommer entdeckt man an den Sandbänken tatsächlich noch immer gelegentlich ein winziges Nugget. Die Mitternachtssonne taucht die Gegend wochenlang in schimmerndes Dauerlicht, das Schlafen zur Herausforderung macht. Wenn ihr absolute Abgeschiedenheit sucht, findet ihr sie in dieser subarktischen Landschaft, die kaum Grenzen kennt.
2. Nationalpark Pallas-Yllästunturi
Am westlichen Rand Lapplands liegen windgepeitschte Berge, deren Kammlinie den Horizont wie eine versteinerte Welle durchzieht. Der Nationalpark Pallas-Yllästunturi zählt seit 1938 zu den ältesten des Landes. Hier atmet ihr die reinste Luft Europas. Sieben große Gipfel erheben sich zwischen den kahlen Kuppen. Im Sommer sind sie von Zwergbirken und Rentierflechten überzogen, im Winter verschwinden sie unter meterhohem Schnee. Von den baumlosen Hochflächen aus könnt ihr bei gutem Wetter sogar bis nach Schweden sehen. Schon beim ersten Aufstieg spürt ihr die Weite und Stille, die diesen Ort so besonders machen. Insgesamt gibt es in dem Schutzgebiet über 200 Kilometer markierte Routen, die den Naturraum erschließen.

Die Vegetation wechselt mit jedem Höhenmeter. Am Fuß der Berge gedeihen noch lichte Birkenhaine, durchsetzt von Wollgras und Moltebeeren, deren honiggoldene Früchte im August zwischen den Moospolstern leuchten. Weiter oben weichen die Bäume niedrigen Sträuchern, bis schließlich nur noch Flechten und vereinzelte Steinbrechgewächse dem rauen Klima trotzen. Der Nationalpark Pallas-Yllästunturi umfasst auch ausgedehnte Sumpfgebiete, durch die schmale Bohlensteige führen. Diese präzise verlegten Holzplanken tragen euch trockenen Fußes durch eine Gegend, in der jeder Fehltritt im torfigen Untergrund versinken würde. Im Herbst verwandeln sich diese Moorlandschaften in ein Farbenmeer aus Rot, Orange und Gelb.
Ihr erreicht den Park vom Dorf Hetta im Norden oder von der Gemeinde Äkäslompolo im Süden. Beide Orte bieten rustikale Unterkünfte und Besucherzentren, in denen ihr euch über Routenbedingungen und Wetterprognosen informieren könnt. Zwischen September und April tanzen Polarlichter über den Bergen, die sich in Grün, Violett und Rosa auf den Schneefeldern spiegeln. Wenn ihr im Winter kommt, solltet ihr auf Skiern oder Spezialschuhen unterwegs sein. Die eisige Kälte und das Knirschen unter jedem Schritt machen diese Monate besonders. Im Hochsommer wiederum lässt die Mitternachtssonne die Gegend über Wochen beinahe taghell scheinen.
3. Nationalpark Urho Kekkonen
Im Nordosten Lapplands ist die Wildnis so weitläufig, dass ihr tagelang wandern könnt, ohne einer Menschenseele zu begegnen. In dieser Abgeschiedenheit liegt der Nationalpark Urho Kekkonen, der mit über 2.550 Quadratkilometern zu den größten Europas zählt, und eine Tundra bewahrt, wie sie südlich des Polarkreises kaum noch existiert. Endlose Bergrücken wechseln mit Birkenwäldern an den geschützten Hängen, während dazwischen Flüsse fließen, deren Wasser so klar ist, dass ihr jeden Kiesel am Grund erkennt. Rentierherden durchstreifen das Gebiet auf uralten Pfaden, die von den Sami seit Jahrhunderten genutzt werden.

Im Norden des Schutzgebietes findet ihr hauptsächlich baumlose Tundra, überzogen von Moosen und niedrigen Sträuchern, die im Herbst in intensiven Rottönen leuchten. Weiter südlich wachsen Birken in knochigen Formationen, deren helle Stämme sich gegen den grauen Fels abheben. Im Nationalpark Urho Kekkonen gibt es über 500 Kilometer markierte Routen, darunter die anspruchsvolle Mehrtageswanderung zum Sokosti, die durch die entlegensten Abschnitte führt. Einfache Hütten mit offenen Kaminen bieten euch spartanische Übernachtungsmöglichkeiten. Im Winter verschwindet alles unter einer dicken Schneedecke, durch die nur noch die höchsten Gipfel ragen. Für Skitouren solltet ihr aber Erfahrung im Umgang mit arktischen Bedingungen haben.
Ihr erreicht den Nationalpark vom Sami-Dorf Inari am gleichnamigen See aus oder vom Dorf Saariselkä mit seinen touristischen Einrichtungen. Von dort führen mehrere Zugänge ins Gebiet. Das Siida-Museum zeigt die Kultur der Rentierzüchter, deren traditionelle Lebensweise eng mit diesem Ort verbunden ist. Im September färben sich die Berge in ein Farbenmeer aus Rot, Gelb und Orange. Diese sogenannte Ruska-Zeit zieht Fotografen aus aller Welt an. Wenn ihr absolute Einsamkeit sucht, findet ihr sie in dieser Wildnis garantiert.
4. Nationalpark Oulanka
An der Grenze zu Russland, wo Karelien und Lappland aufeinandertreffen, toben schäumende Stromschnellen durch enge Schluchten aus schwarzem Schiefer. Der Oulanka schlängelt sich durch den gesamten Nationalpark und bildet dabei Kaskaden, die zu den schönsten Naturschauspielen Ostfinnlands zählen. Hängebrücken aus Holz und Stahl schwingen über den reißenden Gewässern, während schmale Stege entlang der Felswände verlaufen. Auf über 270 Quadratkilometern wechseln Hügel mit dichten Fichtenwäldern, durch die Bäche in moosbewachsenen Rinnen hinabstürzen. Die feuchte Luft lässt eine erstaunliche Vielfalt an Schwämmen, etwa Steinpilze, Pfifferlinge und seltene Korallen-Stachelinge, zwischen den Wurzeln gedeihen.

Der berühmte Bärenpfad, auf Finnisch Karhunkierros, führt über 80 Kilometer durch die abwechslungsreichste Gegend des Parks. Diese mehrtägige Route gilt als Königsweg unter den Trekkingtouren und verlangt gute Kondition sowie wetterfeste Ausrüstung. Unterwegs passiert ihr die tosenden Kiutaköngäs-Stromschnellen, deren Wassermassen mit ohrenbetäubendem Dröhnen über glatt geschliffene Felsstufen donnern. Einfache Schutzhütten entlang der Strecke bieten euch Übernachtungsmöglichkeiten mit offenen Feuerstellen, an denen ihr abends mit anderen Reisenden Kaffee kocht. Kürzere Ausflüge erschließen Abschnitte für weniger fitte Besucher und führen dennoch zu den schönsten Aussichtspunkten über das Flusstal.
Ihr erreicht den Nationalpark Oulanka vom Besucherzentrum Hautajärvi im südlichen Teil oder vom Dorf Juuma im Norden. Von Kuusamo aus sind beide Zugänge innerhalb einer Stunde erreichbar. Im Herbst verwandeln sich Birken und Espen in leuchtende Fackeln aus Gelb und Orange, die sich gegen das dunkle Grün der Fichten abheben. Fotografen aus ganz Europa pilgern in dieser Jahreszeit zu den Stromschnellen, wenn das niedrige Licht die Farben zusätzlich intensiviert. Zwischen den Wasserfällen liegen ruhige Abschnitte, an denen Biber ihre Burgen errichten und Forellen in den stillen Becken laichen. Die Wildnis ist ursprünglich und dennoch zugänglich.
5. Nationalpark Bottenwiek
Entlang der Westküste, wo Finnland an Schweden grenzt, liegt ein maritimes Refugium in den flachsten Bereichen der Ostsee. Der Nationalpark Bottenwiek besteht aus rund 30 bewaldeten und felsigen Eilanden sowie Schären und Klippen, die sich über 157 Quadratkilometer erstrecken. Der Boden hebt sich jährlich um 9 Millimeter, ein geologisches Phänomen, das ständig neue Inseln aus dem Meer aufsteigen lässt. Windgepeitschte Kiefern und Wacholderbüsche dominieren die Vegetation auf den exponierten Bereichen, während ruhige Buchten von Schilf und Binsen gesäumt werden. Rot-weiß gestreifte Leuchttürme markieren die Fahrrinnen.

Die Inselwelt erkundet ihr am besten per Kajak, wobei ihr zwischen den Schären hindurchpaddelt und abends auf einem der vielen Naturlagerplätze anlegt. Rund 60 Vogelarten brüten hier, darunter Küstenseeschwalben, Samtenten und Steinwälzer, die über den Wasserflächen kreisen. Im Frühsommer blühen seltene Primeln zwischen den Felsen, später reifen Blau- und Preiselbeeren. Das Meer schimmert in unterschiedlichen Grüntönen, je nach Tiefe und Algenbewuchs. Robben sonnen sich auf abgelegenen Klippen, tauchen aber blitzschnell ab, sobald sich ein Boot nähert.
Ihr erreicht den Nationalpark Bottenwiek von den Küstenstädten Kemi oder Tornio aus, die beide im südlichen Lappland liegen. Im Sommer verkehren regelmäßige Bootsverbindungen zu den äußeren Inseln. Historische Fischerdörfer auf den bewohnten Eilanden erzählen von einer Zeit, als Menschen noch ausschließlich vom Meer lebten. Übernachtungen in traditionellen Bootshäusern oder auf einfachen Zeltplätzen ermöglichen es euch, den Sonnenuntergang über dem endlosen Horizont zu sehen. Für euren Urlaub in Finnland bietet dieser Naturraum eine ganz andere Perspektive als die bewaldeten Reservate im Landesinneren.
6. Nationalpark Koli
Am westlichen Ufer des Pielinen-Sees erhebt sich ein Höhenzug aus uraltem Quarzit, dessen Gipfel den wohl berühmtesten Ausblick der Region freigibt. Die Szenerie inspiriert Maler und Komponisten seit Generationen. Die Ukko-Koli-Kuppe ragt 347 Meter über den tiefblauen See empor und gilt als Symbol finnischer Identität. Von diesem Punkt aus schaut ihr über endlose Wälder, die sich bis zum Horizont erstrecken, unterbrochen nur vom glitzernden Band des Gewässers. Im 19. Jahrhundert pilgerten Künstler hierher, um diese Aussicht auf Leinwand zu bannen. Jean Sibelius soll am Fuße dieser Felsen Inspiration für seine Kompositionen gefunden haben.

Neben den Gipfeln gehören auch dichte Mischwälder an den Hängen zum Park, durch die markierte Pfade in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden führen. Der Aufstieg vom Dorf dauert nur etwa eine Stunde, die Aussicht prägt sich aber dauerhaft ein. Lichte Kiefernhaine bedecken die oberen Bereiche, während in den Tälern Fichten und Birken dominieren. Im Winter verwandeln sich die Hänge in Skipisten, doch die wahre Magie entfaltet sich abseits der präparierten Abfahrten. Bei Touren mit Schneeschuhen erlebt ihr eine Stille, die nur vom gelegentlichen Knacken eines Astes durchbrochen wird.
Ihr erreicht den Park vom gleichnamigen Dorf am Fuße der Felsen aus, wo traditionelle Gasthöfe und moderne Hotels in Finnland auf euch warten. Von Joensuu aus seid ihr in etwa einer Stunde durch sanft gewelltes Farmland dort. Das Naturzentrum Ukko bietet multimediale Ausstellungen über die kulturelle Bedeutung dieser Gegend, während ein Restaurant mit Panoramafenstern den Blick über den See freigibt. Im Sommer könnt ihr Bootstouren auf dem Pielinen unternehmen, dessen Ufer von Sandbuchten und Schilfgürteln gesäumt werden. Die Kombination aus leichter Erreichbarkeit und emotionaler Wirkung macht Koli zu einem Ort, an dem selbst kurze Besuche nachhaltige Eindrücke hinterlassen.
7. Nationalpark Helvetinjärvi
Mitten in Zentralfinnland, zwischen den Städten Tampere und Jyväskylä, liegt eine tiefe Schlucht in sonst sanfter Gegend. Der Nationalpark Helvetinjärvi bedeutet übersetzt „Höllensee“ und macht damit neugierig auf seine besondere Geologie. Gegründet 1982, erstreckt sich das Schutzgebiet auf nur 50 Quadratkilometern. Die namensgebende Klamm reicht bis zu 60 Meter hinab ins Gestein und bildet an ihrem tiefsten Punkt einen finsteren Tümpel, über dem senkrechte Felswände aufragen. Moos und Flechten überziehen die Steilhänge, während am Grund ein feuchtes Mikroklima seltene Farnarten gedeihen lässt. Die Atmosphäre wirkt fast mystisch, besonders im Nebel.

Schmale Holzstege führen euch entlang des Abgrunds, von wo aus ihr sicher in die Tiefe schauen könnt. An mehreren Stellen ragen Aussichtsplattformen über die Felswand hinaus und geben euch einen schwindelerregenden Blick nach unten. Der Rotko-Pfad verbindet die eindrucksvollsten Abschnitte auf einer etwa sechs Kilometer langen Runde, die auch für weniger geübte Wanderer gut machbar ist. Abseits der Schlucht liegen ausgedehnte Moore mit Holzplanken, die euch durch die Feuchtgebiete tragen. Die Vegetation wechselt vom dunklen Nadelwald über lichte Kiefernhaine bis zu offenen Flächen, auf denen im Sommer Wollgras seine weißen Büschel zeigt. Im Frühjahr brüten Kraniche zwischen den Tümpeln, deren Rufe weithin hallen.
Ihr erreicht den Nationalpark von der Gemeinde Ruovesi aus, etwa 35 Kilometer südlich gelegen. Von Tampere fahrt ihr eine Stunde durch das typische finnische Seengebiet. Ein rustikales Besucherzentrum bietet Hintergrundinformationen zur geologischen Entstehung der Klamm, die auf tektonische Verwerfungen zurückgeht. Übernachtungsmöglichkeiten findet ihr in traditionellen Holzhütten am Rand, wo abends Rauchsaunen zum Entspannen einladen. Die Kombination aus leichter Erreichbarkeit und eindrucksvoller Natur macht Helvetinjärvi zu einem unterschätzten Juwel Zentralfinnlands. Trotz seiner bescheidenen Größe hinterlässt er bleibende Eindrücke.
8. Nationalpark Repovesi
Im Südosten, etwa drei Autostunden von Helsinki entfernt, treffen schroffe Klippen auf eine sanfte Seenlandschaft. Im Nationalpark Repovesi findet ihr Granit und spiegelglattes Wasser direkt nebeneinander. Gegründet erst 2003, hat er sich rasch zu einem der beliebtesten Schutzgebiete der Region entwickelt. Steile Wände ragen bis zu 50 Meter über die schwarzen Tiefen empor, zwischen denen schmale Landzungen und Inseln liegen. Alte Kiefern wachsen an den Steilhängen, während am Grund der Schluchten Farne und Moose gedeihen. Solche Kontraste zwischen Höhe und Weite findet ihr in Südfinnland selten.

Den schönsten Blick habt ihr vom Olhavanvuori-Gipfel, zu dem eine Holztreppe mit über 200 Stufen hinaufführt. Oben angekommen, eröffnet sich euch ein weites Panorama über die Gegend. Eine historische Hängebrücke aus Drahtseilen verbindet zwei Felsufer über dem Lapinsalmi-Kanal und bietet euch beim Überqueren zusätzlichen Nervenkitzel. Rund um die Gewässer führen gut markierte Pfade durch Mischwälder, in denen Heidelbeeren und Preiselbeeren wachsen. Im Sommer könnt ihr mit Kanus paddeln, wobei ihr an mehreren Stellen die Boote ans Ufer tragen und ein Stück zu Fuß weitergehen müsst. Die Stille wird hin und wieder nur vom Ruf des Seetauchers durchbrochen, dessen melancholischer Gesang durch das Flusstal hallt.
Ihr erreicht das Gebiet vom Besucherzentrum Tervalampi aus, wo Karten und aktuelle Informationen erhältlich sind. Von Kouvola seid ihr in etwa 40 Minuten dort. Einfache Campingplätze mit Feuerstellen liegen verstreut und ermöglichen euch, unter freiem Himmel zu schlafen. Das Jedermannsrecht erlaubt zudem wildes Zelten auf den flachen Felsplateaus, solange ihr die Natur respektiert. Im Herbst verwandeln sich die Laubwälder in leuchtende Farbspiele, während im Winter gefrorene Wasserfälle bizarre Eisskulpturen bilden. Die Nähe zu städtischen Zentren macht Repovesi zum perfekten Ziel für Wochenendausflüge in die Wildnis.
9. Nationalpark Nuuksio
Nur eine knappe halbe Autostunde westlich von Helsinki beginnt eine Wildnis aus Kiefernwäldern, Granitgestein und über 80 kleinen Seen. Der Nationalpark Nuuksio zeigt, wie nah urbanes Leben und unberührte Natur in Finnland beieinanderliegen. Gegründet 1994, erstreckt sich das Schutzgebiet im Süden auf 55 Quadratkilometern. Dichte Fichtenhaine wechseln mit offenen Felsrücken, über die im Frühsommer weiße Anemonen und violette Glockenblumen wachsen. Schmale Pfade führen euch entlang der Uferlinien, wo das Wasser so klar ist, dass ihr bis auf den sandigen Grund blicken könnt. Bereits nach wenigen Schritten ins Unterholz verschluckt der Wald sämtliche Geräusche der nahen Hauptstadt.

Im Nuuksio seht ihr die Miniatur-Version der finnischen Seenlandschaft. Sumpfige Uferzonen gehen in moosbedeckte Felsen über, zwischen denen alte Kiefern ihre knorrigen Wurzeln ins Gestein graben. Fliegende Eichhörnchen gleiten in den Dämmerungsstunden zwischen den Baumkronen umher. Das Haukkalampi-Gebiet bietet rund um sein größtes Gewässer mehrere ausgeschilderte Rundwege, die sowohl für aktive Urlauber als auch für Gelegenheitswanderer geeignet sind. Wenn ihr Stille sucht, findet ihr sie am Musta-Lampi, einem tiefschwarzen Moortümpel, dessen Name treffender nicht sein könnte. Im Winter verwandeln sich die gefrorenen Flächen in Langlaufpisten, während im Sommer Kanus und Kajaks über das klare Nass gleiten.
Ihr startet am besten vom Naturzentrum Haltia aus, einem architektonisch beeindruckenden Gebäude aus heimischem Holz, das sich organisch in die Umgebung einfügt. Von Helsinki erreicht ihr den Park bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln, eine Seltenheit für finnische Reservate. In traditionellen Holzhütten am Ufer könnt ihr übernachten und den Sonnenaufgang über dem Nebel erleben, wenn Elche gelegentlich zum Trinken kommen. Die Nähe zur Hauptstadt macht Nuuksio zum perfekten Ausflugsziel für alle, die nach Feierabend in die Einsamkeit der Taiga eintauchen möchten. Trotz der Erreichbarkeit verliert sich die Besucherzahl rasch auf den weiten Wegen.
10. Nationalpark Schärenmeer
Vor der Südwestküste verteilt sich das Festland auf Tausende von Inseln, Felsklippen und Buckeln. Der Nationalpark Schärenmeer erstreckt sich über mehr als 500 Quadratkilometer und ist der größte Archipel der Ostsee. Gegründet 1983, schützt er eine maritime Welt, in der Erde und Wasser ineinander übergehen. Windgepeitschte Kiefern wachsen an kahlen Granitrücken, während ruhige Buchten von Schilf und Erlen gesäumt werden. Die See schimmert in allen Grün- und Blautönen, je nach Tiefe und Untergrund. Am besten erkundet ihr die Gegend per Boot. Mit dem Kajak paddelt ihr zwischen den Eilanden hindurch, vorbei an einsamen Fischerhütten und rostigen Ankern.

Pflanzen müssen hier mit salzigen Winden und magerem Boden zurechtkommen. Wacholder wächst in verdrehten Formen, während Wildkirschen im Mai ihre weißen Blüten über die Steine streuen. Über 250 Arten brüten in den Schären, darunter Seeadler, die majestätisch über dem Meer kreisen. Im Frühsommer bevölkern Eiderenten die flachen Buchten und polstern ihre Nester mit den berühmten Daunen aus. Robben sonnen sich auf abgelegenen Klippen, Schweinswale tauchen gelegentlich in den tieferen Fahrrinnen auf. Außer dem Kreischen der Möwen und dem Plätschern der Wellen hört ihr kaum etwas. Im Hochsommer könnt ihr durch den Archipel paddeln und abends euer Zelt auf einem einsamen Plateau aufschlagen: Das Jedermannsrecht macht es möglich.
Ihr startet am besten von den Hafenstädten Turku oder Naantali aus, von wo regelmäßig Schiffe zu den bewohnten Eilanden verkehren. Die Route über Korpo und Nauvo führt euch über schmale Brücken und kostenlose Überfahrten immer tiefer in den Archipel. Traditionelle Holzhäuser in Ockerrot und Schwedengelb prägen die bewohnten Orte, auf denen Fischer noch immer ihre Netze flicken. Im Besucherzentrum in Kasnäs bekommt ihr Karten und Wetterprognosen, wichtig, weil sich die Bedingungen schnell ändern können. Im Herbst färben sich die wenigen Laubbäume glutrot, während Nebelbänke zwischen den Schären treiben und alles in mystisches Licht tauchen.
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