Montpellier in Frankreichs Languedoc


Unweit vom Mittelmeer gelegen, findet ihr mit Montpellier die vielleicht modernste und aufstrebendste Stadt der gesamten französischen Mittelmeerregion. Die Universitätsstadt im Languedoc verbindet auf einzigartige Weise Tradition und Moderne und gilt nicht umsonst als Geheimtipp vor allem für junge Leute.

Überblick

Südfrankreich ist immer eine Reise wert. Das gilt nicht nur für das lebhafte Marseille oder das mondäne Nizza, sondern auch für Montpellier. Die gut 290.000 Einwohner große Stadt in der historischen Region Languedoc lockt nicht nur Studenten an, sondern auch Touristen. Kein Wunder, werdet ihr in Montpellier an rund 300 Tagen im Jahr mit Sonne verwöhnt.

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Montpellier: Blick über die Stadt

Montpellier bietet Reisenden viel Abwechslung. Ihr könnt am nahegelegenen Strand das warme Mittelmeer genießen oder die historische, mittelalterliche Altstadt mitsamt Kathedrale erkunden. Bewundert im Antigone-Viertel die moderne Architektur, dank derer es viele junge Menschen in die Stadt zieht. Alt und Neu sind in Montpellier auf das Aufregendste vereint. Am Abend sucht ihr ein hippes Lokal auf und lasst es euch kulinarisch gutgehen – Wein inklusive versteht sich, ihr seid schließlich in Südfrankreich.

Geschichte

Anders als die meisten anderen großen französischen Städte hat Montpellier kein antikes Erbe, sondern wurde erst im frühen Mittelalter gegründet. Dank der guten Lage zwischen Katalonien und Italien und der Anbindung ans Mittelmeer entwickelte sich die Stadt schnell zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt, an dem sich Kaufleute, Tuchmacher und Goldschmiede aus Europa, Nordafrika und dem Heiligen Land ansiedelten. 1220 entstand in Montpellier zudem die älteste medizinische Fakultät in Europa. Montpellier erlangte im 17. Jahrhundert große Bedeutung im Zuge der Hugenottenkriege, wovon auch heute noch viele Ausstellungen und Statuen zeugen inklusive des pompösen Triumphbogens der Stadt.

In neuerer Zeit behielt Montpellier seinen Status als Handels- und Wissenschaftsstandort und wurde ebenfalls zu einem wichtigen Industriezentrum. Heute sind vor allem Unternehmen der Medizintechnik, der Chemie- und Agrartechnik sowie Metallverarbeitung und Textilienerzeugung von Bedeutung. An Nachwuchs mangelt es nicht, beherbergt Montpellier doch rund 60.000 Studenten aus aller Welt an drei Universitäten und vier Hochschulen der Stadt.

Sehenswürdigkeiten

Montpellier punktet mit vielen und verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Die verwinkelten Gassen der Altstadt laden zu Erkundungen ein und an jeder Ecke gibt es kleine Kirchen, interessante Bauten sowie Denkmäler und Statuen aus unterschiedlichen Epochen. Doch auch, wer nur wenig Zeit hat, sollte mindestens über den Place de la Comédie geschlendert sein und über die Straßen der Altstadt l’Écusson die Kathedrale erkundet haben.

Place de la Comédie

Der Place de la Comédie ist Herz, Puls und kultureller Dreh- und Angelpunkt Montpelliers. Er befindet sich im Stadtzentrum und ist eine der größten Fußgängerzonen Europas und Heimat unzähliger Bars, Restaurants und natürlich der namensgebenden L’Opera Comédie. Auf dem zentralen Brunnen räkeln sich Die drei Grazien seit fast 250 Jahren, umgeben von Gründerzeitbauten.

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Belebter Place de la Comédie

Vergesst nicht, den Platz auch abends oder nachts zu besuchen. Ein blaues Lichtband taucht die Szenerie dann in ein magisches Licht. Es umkreist den Platz in ovaler Form, weswegen der Place de la Comédie bei Einheimischen auch einfach „l’œuf“ – das Ei – heißt. Der Platz ist grundsätzlich ein idealer Ausgangspunkt, um Montpellier zu erkunden. Nicht umsonst haben sich hier viele Hotels platziert. Wenn ihr mitten im Geschehen nächtigen wollt, sucht nach Hotels am Place de la Comédie oder in der Nähe davon.

L‘Écusson

Gleich nordwestlich des Place de la Comédie liegt l’Écusson, die historische Altstadt Montpelliers. Hier findet ihr reizende kleine Plätze und verwinkelte Gassen, die vor Sehenswürdigkeiten nur so strotzen. Dazu zählen die Kathedrale von Montpellier sowie die Basilika Notre-Dame-des-Tables. Auch auf gute Restaurants werdet ihr treffen. Hinzu kommen rund 80 Stadtpalais, die hôtels particuliers, mit ihren auffälligen Sandsteinfassaden und hohen Stuckdecken.

Wenn ihr zwischen Februar und Oktober in der Stadt seid, könnt ihr die Altstadt mit einer kleinen Bahn erkunden. Der Petit Train de Montpellier fährt ab dem Place de la Comédie und bringt euch ohne schmerzende Füße direkt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt. L’Écusson ist weitgehend autofrei, was dem Flair der Altstadt und der Entspannung der Besucher zugutekommt.

Die Cathédrale Saint-Pierre

Der größte Sakralbau Montpelliers befindet sich im Nordwesten der Altstadt. Die Cathédrale Saint-Pierre de Montpellier wurde im 14. Jahrhundert erbaut und seitdem einige Male umgestaltet, weil man sie während der Hugenottenkriege schwer beschädigte. Im Jahre 1847 wurde sie zur Basilica minor erklärt, ein päpstlicher Ehrentitel für ausgesuchte Kirchgebäude. Bemerkenswert ist auch die fast vier Tonnen schwere Hauptglocke im Westturm der Kathedrale.

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Die Kathedrale von Montpellier aus der Vogelperspektive

Die gotische Kathedrale ähnelt von außen eher einer Festung als einer Kirche. Im Innern herrscht für den einen oder anderen Betrachter eine bedrückende Atmosphäre. Verantwortlich dafür sind riesige Gewölbedecke sowie die trüben Buntglasfenster. Wenn die Orgel spielt, erhält man eine Idee davon, warum diese Sakralbauten im Mittelalter so ehrfurchterregend auf die Einwohner wirkten.

Aktivitäten

Was könnt ihr nun im schönen Montpellier so alles machen? Tatsächlich sind die Möglichkeiten abseits von Besichtigungstouren sehr vielfältig. Ihr habt die Möglichkeit – typisch für Südfrankreich – die Sonne am Strand zu genießen, die über Montpellier so oft scheint wie sonst kaum im ganzen Land. Es gibt auch andere Optionen. Wir haben einige zusammengestellt.

Entspannen am Strand

Die Region um Montpellier ist wirklich von der Sonne verwöhnt. Von Frühjahr bis in den Herbst hinein sind hier warme, trockene Tage die Regel. Das verleitet natürlich dazu, sich einfach an den Strand zu legen und zu entspannen. Tatsächlich liegt Montpellier aber nicht direkt am Meer, sondern einige Kilometer landeinwärts.

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Strand und Hafen von La Grande Motte

Die wohl bekanntesten Strände nahe Montpellier sind die von Palavas-les-Flots und La Grande-Motte. Allerdings sind diese aus diesem Grund meist recht gut besucht. Wen das nicht stört, der findet eine halbe Stunde vom Stadtzentrum entfernt alles, was es für einen gelungenen Strandtag braucht. Wenn ihr es ein wenig abgeschiedener möchtet, fahrt ihr noch ein Stück weiter zum Plage de l’Espiguette in Le Grau-du-Roi. Dieser noch reichlich wilde und unerschlossene Strand inmitten von Buschland und Salzwiesen ist ideal für alle, die sich erholen und die Ruhe abseits des Trubels der Innenstadt genießen wollen.

Das Mare Nostrum Aquarium besuchen

Sollte es dann doch einmal regnen oder ihr wollt einen Tagesausflug machen, empfiehlt sich das Mare Nostrum Aquarium. Etwa drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt wartet dieses moderne Aquarium mit einem der größten Meerwasserbecken des Landes auf euch – ideal auch als Familienausflug. Das Aquarium ist Teil des Odysseum-Einkaufszentrums. Daher könnt ihr den Besuch bestens mit einem Einkaufsbummel verbinden.

Das Aquarium bietet einen umfassenden Einblick in die reichhaltige Unterwasserwelt unseres Planeten. Mehr als 400 Arten gibt es dort zu bestaunen – von der bunten Seeanemone bis zum riesigen Kraken oder gefährlichen Hai. Zudem verfügt das Aquarium über eine hochmoderne 3D-Simulationstechnologie. Hier könnt ihr euch in einen tosenden Sturm oder hoch auf die Internationale Raumstation ISS versetzen lassen, um unsere Ozeane von oben zu bestaunen.

Einkaufen in den Halles Castellanes

Möchtet ihr so einkaufen, wie es die Einheimischen tun? Dann müsst ihr unbedingt einen Ausflug in die Halles Castellanes machen, die größte Markthalle Montpelliers. Nur einen Steinwurf von der Place de la Comédie entfernt findet ihr auf 1.500 Quadratmetern eine Vielzahl von Geschäften, Ständen und kleinen Lädchen, in denen ihr frisches Obst und Gemüse aus der Region, örtliche Wurst- und Käsespezialitäten sowie natürlich Wein aus dem Languedoc kaufen könnt.

Weinverkostung aus dem Languedoc

Wer nach Südfrankreich fährt, tut dies nicht selten aufgrund der vorzüglichen Weine, die die Gegend Jahrgang für Jahrgang hervorbringt. Wenn ihr euch für Weine aus dem Languedoc-Roussillon-Gebiet interessiert, solltet ihr eine der Weinhandlungen in Montpellier aufsuchen.

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Weinreben am Pic Saint Loup

Echte Weinkenner lassen es sich natürlich nicht nehmen, direkt in die berühmten Weinbaugebiete des Languedoc zu fahren. Ein veritables Ausflugsziel ist die Gegend rund um Pic Saint-Loup, etwa 20 Kilometer nördlich von Montpellier. Besucht die Domaine de l’Hortus, das Château de Flaugergues oder die Domaine La Croix Belle und probiert edle Rotweine, spritzige Rosés oder fruchtige Weißweine aus dem sonnenverwöhnten Süden Frankreichs.

Einen Stierkampf erleben

Beim Thema Stierkampf scheiden sich die Geister. Doch anders als beim spanischen Stierkampf geht es beim südfranzösischen Course Camarguaise nicht darum, einen Stier zu verletzen oder gar zu töten. Vielmehr muss mit Mut und Geschick versucht werden, dem Stier bestimmte Trophäen abzunehmen. Meist handelt es sich dabei um Kordeln oder Quasten, die dem Stier um die Hörner gelegt werden. Nach dem Wettkampf geht es für den Stier zurück auf die Weide. Wollt ihr euch so ein Spektakel einmal ansehen, dann besucht die einschlägigen Dörfer rund um Montpellier in der Turnierzeit von April bis Oktober.

Reise-Infos

Konnten wir euch Montpellier schmackhaft machen? Dann informiert euch jetzt in unseren Reiseinfos über die beste Zeit für eine Reise in die südfranzösische Metropole und erfahrt, wie ihr am besten dort hinkommt, euch dort fortbewegt und was ihr unbedingt probieren müsst.

Reisezeit

Einen Montpellier-Urlaub unternehmt ihr am besten im Frühling oder Sommer. Das Wetter ist dann wunderbar sonnig und trocken, was typisch ist für den europäischen Mittelmeerraum. Die Sonne scheint im Sommer bis zu zwölf Stunden am Tag und Niederschläge gibt es nur ganz wenig. Eine moderate Luftfeuchtigkeit und ein lauer Wind vom Meer machen das Wetter traumhaft.

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Der Botanische Garten Montpelliers im Sommer

Reisevorbereitung & Reisedauer

Montpellier liegt in Frankreich und damit in der Europäischen Union. Dank Reisefreiheit innerhalb der EU könnt ihr also ganz spontan losfahren und braucht nichts als euren Personalausweis und eure Kreditkarte oder ein paar Scheine Bares.

Montpellier ist eine Großstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen und verdient daher mehr als nur ein langes Wochenende. Wir empfehlen, dass ihr euch eine Woche Zeit nehmt, um nicht nur die Stadt, sondern auch die Strände, die Weingüter und die Dörfer des Umlandes kennenzulernen. Habt ihr weniger Zeit, so bleibt am besten in der Altstadt, genießt das mittelalterliche Flair und vor allem die regionalen Köstlichkeiten sowie den leckeren Wein.

Anreise

Am einfachsten erreicht ihr Montpellier mit dem Flugzeug. Die Stadt verfügt über einen eigenen Flughafen, den Aéroport International de Montpellier Méditerranée. Dieser wird unter anderem ab Frankfurt, Berlin oder Düsseldorf angeflogen. Alternativ könnt ihr mit dem Zug anreisen. Dank der Schnellfahrstrecke LGV Méditerranée dauert die Anreise aus Paris nur knapp dreieinhalb Stunden.

Natürlich könnt ihr auch mit dem Auto nach Montpellier reisen. Allerdings ist Südfrankreich von Deutschland aus nicht gerade um die Ecke. Von Stuttgart aus sind es sportliche 930 Kilometer, von Frankfurt am Main aus um die 1000 Kilometer bis nach Montpellier. Der Roadtrip führt euch aber an großartigen Städten wie Lyon, Avignon oder Nîmes vorbei.

Fortbewegung vor Ort

Montpellier ist jung, progressiv und umweltbewusst. Die autofreie Innenstadt erkundet ihr am besten zu Fuß. Für alle näheren Ziele empfehlen wir Velogmagg, das stadtweite Netz von Fahrradleihstationen. Alternativ verfügt Montpellier über stylische Straßenbahnen, die von berühmten Designern nach dem Vorbild der vier Elemente gestaltet wurden.

Sprache & Verständigung

Im südfranzösischen Montpellier spricht man natürlich Französisch. Allerdings weiß man dort auch um die Bedeutung des Tourismus, sodass ihr auch mit Englisch oder Spanisch zurechtkommt, zumindest was die Innenstadt betrifft. In den Dörfern außerhalb wird hin und wieder Languedokisch gesprochen, die traditionelle Sprache der Region. Ansonsten findet man diese jedoch höchstens als Schriftsprache im kulturellen Raum.

Essen & Spezialitäten

Die südfranzösische Küche ist vielfältig und oft sehr edel. In der Altstadt Montpelliers findet ihr allein acht Restaurants mit Michelin-Stern. Hier stehen Meeresfrüchte, feine Rinderfiletspitzen sowie regionales Gemüse und vieles, vieles mehr auf dem Programm. Typisch für Montpellier sind außerdem süße Kleinigkeiten wie die Grisettes aus Honig und Lakritze oder die Longué-Kekse mit Vanille.

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Austern essen in Montpellier

Fast wichtiger als das Essen ist im Languedoc aber der Wein. Solltet ihr also nach der Verkostung auf dem Weingut und dem Wein zum Mittagessen noch nicht genug haben, locken euch die Weinbars in der Altstadt, vor allem rund um die Kirche Saint-Roch. Eine bestimmte Sorte hervorzuheben ist dabei unmöglich. Das Languedoc allein hat fast dreimal so viel Rebfläche wie ganz Deutschland.

Hotels & Unterkünfte

Montpellier verfügt über zahlreiche gute Hotels, von denen sich nicht wenige in prachtvollen Bauten am Place de la Comédie oder im Palais der l’Écusson befinden. Checkt ihr dort ein, seid ihr im Zentrum und lange Anfahrten bleiben euch erspart. Das ist vor allem dann anzuraten, wenn ihr nur wenige Tage in der Stadt bleibt. Wer es etwas ruhiger mag, sollte sich die kleineren Hotels und Pensionen nahe der umliegenden Weingüter anschauen.

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