Bolsenasee: Reiseziel in Mittelitalien


Etwa 90 km nördlich von Rom wartet mit dem Bolsenasee eine Gelegenheit zum Baden, Wandern, Besichtigen und Schmausen. Im Rahmen eines Städteurlaubs in der italienischen Hauptstadt lohnt es sich, vorbeizuschauen. Auch ein ausschließlicher Aufenthalt am See samt Umgebung ist lohnenswert.

Überblick

Der Bolsenasee (italienisch “Lago di Bolsena”) verdankt seinen Namen der gleichnamigen Stadt am Nordostufer. Mit einer Fläche von 114 km² ist er der fünfgrößte See Italiens und füllt teilweise eine Caldera aus. Zwei im See gelegene Inselchen können von einem Boot aus besichtigt werden. Wer sich nicht ausschließlich im oder am Wasser aufhalten möchte, erkundet die Orte, die unmittelbar an ihn grenzen oder sich unweit von ihm befinden. Dank behördlicher Maßnahmen ist der Bolsenasee nicht zugebaut, so dass ihr an vielen Stellen Zutritt habt.

Blick auf den Bolsenasee
Darf bei den Tagestrips von Rom aus nicht fehlen: der Bolsenasee

Früher spielte der Fischfang eine wichtige Rolle und auch heute noch dient der Lago di Bolsena der ansässigen Bevölkerung als Nahrungsquelle. Rund um das mittelitalienische Binnengewässer gedeihen Olivenbäume und Wein prächtig. Der See vulkanischen Ursprungs liegt nahe der Stelle, wo die Toskana mit den Regionen Umbrien und Latium zusammentrifft. Letzterer ist er zugehörig. Der Bolsenasee liegt eingebettet in den Volsiner Bergen.

Orte

Hier möchten wir euch fünf Orte vorstellen, die sich am Lago di Bolsena befinden. Sie bilden mit den noch zu thematisierenden Sehenswürdigkeiten das Kontrastprogramm zu den Aktivitäten im und am See, auf die später ebenso eingegangen wird.

Bolsena

Herausragendste Sehenswürdigkeit des weniger als 4.000 Einwohner zählenden Städtchens ist die hochmittelalterliche Burg, gefolgt von der Basilica di Santa Cristina. Des Weiteren stehen in dem Ort noch zwei im 16. Jahrhundert erbaute Tore aus der Renaissance. Die Kirche San Francesco aus derselben Epoche wird heute für Veranstaltungen genutzt.

Bolsena von der Burg aus
Bolsena von der Burg aus

Marta

Marta liegt am Südufer des Sees und ist die Heimat von nicht einmal 3.500 Bürgern. Wahrzeichen der Kleinstadt ist der 21 Meter hohe Torre dell’Orologio (Uhrenturm) aus dem 12. Jahrhundert. Seine Besonderheit ist die achteckige Form. Zum Stadtgebiet zählt die Isola Martana, welche sich in Privatbesitz befindet und nicht betreten werden darf. Der Norden ist mit einem steilen Ufer versehen und bewaldet, das flach abfallende Südufer wird landwirtschaftlich genutzt.

Marta am Lago di Bolsena
Marta am Lago di Bolsena

Capodimonte

Westlich an Marta schließt sich das 1.700-Seelen-Dorf Capodimonte an, dessen markantestes Bauwerk die achteckige Festung Rocca Farnese ist. Errichtet im 16. Jahrhundert, wurde um sie ein Graben ausgehoben, über den eine steinerne Brücke führt. Die auf dem Stadtgebiet liegende Isola Bisentina ist die zweite und größere der beiden Seeinseln. Auf dem unbewohnten und größtenteils mit Bäumen bewachsenen Eiland stehen wenige Gebäude, darunter eine Kirche. Nord- und Ostufer sind steil. Der Zutritt zur Isola Bisentina ist ebenfalls verboten.

Montefiascone

Am Rande der südöstlichen Caldera steht Montefiascone, das 13.200 Einwohner groß ist. Auffälligstes Gebäude ist der Dom Santa Margherita d’Antiochia mit großer Kuppel. Letztere gab es noch nicht zum Zeitpunkt der Kirchenweihnung 1674. Den Weinkennern unter euch ist eventuell der Weißwein Est! Est!! Est!!! di Montefiascone ein Begriff. Falls noch ein Mitbringsel für zu Hause gebraucht wird, wisst ihr nun, was man besorgen könnte.

Der Dom in Montefiascone
Der Dom in Montefiascone

Viterbo

Größte Stadt in der Nähe des Bolsenasees ist Viterbo mit 67.000 Bewohnern. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Provinz und wird auch Stadt der Päpste genannt, weil im 13. Jahrhundert gleich mehrere Stellvertreter Christi dort residierten. Dies taten sie im Palast der Päpste, dem heutigen Bischofssitz. 1268 fand hier das mit 1.005 Tagen längste Konklave statt.

Aktivitäten

Die Möglichkeiten, die der Lago di Bolsena bietet, sind vielfältig. Wir stellen beliebte Freizeitaktivitäten vor. Neben sonnen, baden und Wassersport betreiben sind Rad fahren und wandern möglich.

Baden

Rund um den Bolsenasee gibt es viele Gelegenheiten, sich ans Ufer zu legen und zu entspannen. Zu ihnen gehören beispielsweise die Campingplätze Monterontondo, Lido Camping Village, Internazional Il Lago, Pineta Bolsena, Camping la Cappelletta di Stella P. Luigi, Camping Mario und Vallegra. Der Vorteil liegt darin, dass es vor Ort sanitäre Anlagen und Gastronomie gibt.

Strand am Bolsenasee
Strand am Lago di Bolsena

Alternativ breitet ihr eure Badehandtücher am Strand von Bolsena, der Spiaggia di Grotte di Castro, Spiaggia della Grata, Spiaggia dell’Acetosa, Spiaggia di Cavajano oder an den Stränden von Capodimonte sowie Marta aus. Einige davon verfügen über touristische Angebote. Des Weiteren gibt es Restaurants am Ufer mit der Option, zu baden. Seid ihr mit Hund im Urlaub, sucht ihr eine für Vierbeiner zugelassen Badestelle auf. Urlauber dürfen sich über die gute Wasserqualität freuen, die Sichttiefe beträgt bis zu zehn Metern. Der Sand an den Stränden ist dunkel mit grober Körnung.

Wassersport

Der See lädt seine Gäste zum Wind- und Kitesurfen, Segeln, Stand-Up-Paddeling sowie Kajak fahren ein. Wem das noch nicht reicht, der steigt aufs Wakeboard oder stellt sich auf die Wasserskier. Alle, die noch nicht sicher beim Windsurfen sind oder ihr Können verbessern wollen, haben im Surfcamp Bolsena die Möglichkeit dazu. Für jede Menge Spaß sorgt auch Ringo fahren, wobei man sich von einem Motorboot auf einem Reifen durchs Wasser ziehen lässt. Möchtet und dürft ihr Motorboote nutzen, müsst ihr keine besonderen Einschränkungen beachten. Lediglich das Anlegen auf Inseln ist verboten und in Ufernähe ist das Fahren in Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben.

Mit dem Kajak auf dem Bolsenasee
Den Bolsenasee mit einem Kajak befahren

Darüber hinaus kann man Tretboot fahren oder sich mit Booten über den Bolsenasee schippern lassen. Schaut den Anglern bei ihrem Tun zu, falls ihr nicht selbst die Rute auswerft. Der Fischreichtum beschert den einen oder anderen Fang, worunter Hechte, Flussbarsche, Aale, Meeräschen, Grundeln und Felchen fallen können. Bleibt nur noch zu sagen: “Petri Heil!”

Wandern und Radfahren

Der bekannteste Wanderweg dürfte der Teil des historischen und heutigen Fernwanderwegs Via Francigena sein (deutsch Frankenstraße), der östlich vom See liegt und dabei im Norden durch Bolsena und im Süden durch Montefiascone führt. Die Strecke beträgt 18 km bei mittlerem Schwierigkeitsgrad. Plant etwa fünf Stunden Zeit ein. Die Frankenstraße geht durch den Naturpark Turona, wo ihr zwischen Hainbuchen, Ginster, Ulmen, Ebereschen und weiteren Baumarten wandern könnt. Achtet auf Graureiher, wenn ihr euch für Vögel begeistert.

Wer eher auf einen Spaziergang oder leichtere Touren aus ist, wandelt einfach am Ufer oder dessen Nähe entlang (nicht überall ist der See zugänglich). Auf dem Fahrradsattel benötigt ihr circa vier Stunden, wenn ihr den Ehrgeiz habt, den Lago di Bolsena zu umrunden. Knapp 54 km müssen dafür bei mittlerer Schwierigkeit zurückgelegt werden. Allen, denen das zu viel erscheint, fahren davon Teilstrecken ab oder wählen Routen, die vom See weg und wieder zum Ausgangpunkt hin führen.

Feste

Im Sommer, wenn besonders viele Reisende am Lago di Bolsena verweilen, finden diverse Feste statt. Vielleicht erwischt ihr ja gerade einen Zeitpunkt, wo eines davon ausgerichtet wird:

  • Sagra del Pesce (Fischfest) im Juli in Bolsena
  • Fest der Santa Cristina (heiligen Christina) im Juli in Bolsena
  • Musikfestival Sonica im Juli in Capodimente
  • Sagra delle Lenticchie (Linsenfest) im August in Onano
  • Sagra delle Gnocchi (Gnocchifest) im August in San Lorenzo Nuovo
  • Sagra delle Patate (Kartoffelfest) im August in Grotte di Castro
  • Sagra del Coregona (Weißfischfest) im August in Capodimente

Sehenswürdigkeiten

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen neben den am Lago di Bolsena befindlichen Städtchen mit ihren schmucken Gässchen, Häusern und hübschen Kirchen auch etwas weiter gelegene Orte, für die es sich lohnt, ein bisschen Auto zu fahren. Die Civita di Bagnoregio, die Monterozzi-Nekropole und die Thermalquellen in Saturnia zählen dazu.

Rocca Monaldeschi della Cervara

Über Bolsena thront die Rocca Monaldeschi della Cervara mit vier Ecktürmen. Die Burg stammt aus dem 12. Jahrhundert und verlor ab dem 17. Jahrhundert ihre militärische Bedeutung, als man ein Gefängnis aus ihr machte. Heute befindet sich in den Räumen ein Museum mit Ausstellungsstücken aus der etruskischen und römischen Zeit sowie dem Mittelalter.

Die Burg in Bolsena
Die Burg in Bolsena

Civita di Bagnoregio

15 km östlich von Bolsena trefft ihr auf die Civita di Bagnoregio, die in ihrer Gesamtheit eine Sehenswürdigkeit darstellt. Das Dorf steht auf einem Hügel aus Tuffstein und zählt zu den sogenannten città che muoiono (deutsch “sterbende Städte”). Die Civita di Bagnoregio ist zu Fuß über eine Brücke erreichbar. Im Dorf mit seinen schmalen gepflasterten Gassen sind unter anderem die ehemalige Kathedrale und der frühere Bischofspalast sehenswert. Cafés und Restaurants sind vorhanden und es gibt sogar ein kleines Hotel.

Civita di Bagnoregio
Der Weg zur Civita di Bagnoregio

Übrigens: Wegen der schweren Erreichbarkeit und der durch Errosion drohenden Einsturzgefahr nimmt die Einwoherzahl in solchen Orten für gewöhnlich ab, in diesem Fall jedoch wieder zu. So haben sich beispielsweise Künstler angesiedelt.

Monterozzi-Nekropole

Aus der Zeit der Etrusker stammt die Monterozzi-Nekropole in Tarquinia, keine 40 km von Marta am Lago di Bolsena entfernt. Oberirdisch sind noch Blöcke erkennbar, die um die Wende vom siebten zum sechsten vorchristlichen Jahrhundert dort platziert wurden. Es gibt auch in den Fels gehauene Grabkammern, die jüngsten lassen sich auf das dritte Jahrhundert vor Christus zurückdatieren. Einige von ihnen sind bemalt.

Etruskische Nekropole in Tarquinia
Steinblöcke in der Nekropole von Tarquinia

Villa Lante

In Viterbo lohnt sich die Besichtigung der Villa Lante, die schon seit dem 15. Jahrhundert existiert. Der Garten besteht aus einem terrassierten Hügel und ist ein wahres Kunstwerk. Akkurat geschnittene Hecken bilden geometrische Muster, daneben verzücken schöne Brunnen das Auge. Thematisch wird das wiederentdeckte, zuvor verlorene Paradies dargestellt.

Villa Lante
Der Garten in der Villa Lante

Thermalquellen in Satunia

Sartunia ist etwa 60 km westlich vom Bolsenasee gelegen und für seine Thermalquellen bekannt. Laut der römischen Mythologie hat der Gott Saturn hier einen Blitz auf die Erde geschleudert, wodurch schwefelhaltiges Wasser zu sprudeln begann. Dank Saturn soll Sartunia außerdem die erste Stadt Italiens sein. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Thermalbadruine Bagno secco und natürlich die Thermalquellen selbst. Nehmt Badesachen mit, dann könnt ihr in die Sinterbecken steigen und kostenlos etwas Wohltuendes und Gesundheitsförderndes für euren Körper tun.

Thermalquellen in
Saturnia: baden in den Thermalquellen

Reise-Infos

Die Reise ins Latium, um eine schöne Zeit am Bolsenasee zu verbringen, steht schon fest? Dann lest abschließend noch unsere hilfreichen Tipps für die perfekte Urlaubsplanung und startet bestens vorbeitet.

Beste Reisezeit

Von Mai bis Oktober beträgt die Temperatur zwischen 20 °C und 31 °C, wobei hitzeempfindliche Urlauber den Juli und August meiden sollten, wenn die 30-Grad-Marke geknackt wird. Dank Wassertemperaturen von 20 °C bis 26 °C im Zeitraum Mai bis November besteht lange im Jahr die Möglichkeit, zu baden. Für Wanderungen und Radtouren eignen sich der März, April und Mai, wo die Temperaturen von anfangs 14 °C bis schließlich auf 21 °C klettern. Kennt ihr nur schlechte Kleidung und kein schlechtes Wetter, könnt ihr euch noch im November bei angehmen 15 °C draußen bewegen, allerdings ist der elfte Monat auch der niederschlagsreichte.

Essen & Spezialitäten

Ein traditionelles Essen ist Sbroscia, wobei es sich um ein Fischgericht handelt. Verschiedene im See gefangene Fischarten werden mit Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln und Minze zu einer Suppe verarbeitet. Dazu wird geröstetes Brot gereicht. Der bereits erwähte Weißwein Est! Est!! Est!!! empfiehlt sich als Begleitgetränk. Fällt eure Entscheidung auf ein italienisches Gericht, zu dem Rotwein passt, könnt ihr auf die süße Sorte Aleatico di Gradoli zurückgreifen.

Anreise

Am einfachsten gelangt ihr zum Lago di Bolsena über einen Flug nach Rom. Dieser dauert in Abhängigkeit vom Abflughafen zwischen 2:20 Stunden (Hamburg) und 1:30 Stunden (München). Entscheidet ihr euch für eine Fahrt mit dem Mietwagen, müsst ihr für den 110 km langen Weg ungefähr zwei Stunden einplanen. Fällt die Wahl auf den Zug und Bus, könnt ihr die Strecke Rom-Bolsena in 2:15 Stunden schaffen. Für den Rückweg müsst ihr mehr Zeit kalkulieren, nämlich etwa 3:30 Stunden.

Hotels & Unterkünfte

Legt ihr Wert auf kurze Wege zum Wasser, seid ihr gut in den Hotels von Marta, Bolsena oder Capodimonte aufgehoben. Von dort könnt ihr den Bolsenaee fußläufig erreichen. Die Auswahl an Unterkünften – darunter Bed & Breakfast und Pensionen – ist überschaubar, da sich das Übernachtungsangebot vor allem an Campingurlauber richtet. Trotzdem muss niemand befürchten, auf seinen gewohnten Komfort verzichten zu müssen.

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