Jakobsweg in Deutschland


„Der Weg ist das Ziel“ – dieses Motto nehmen sich immer mehr Menschen zu Herzen, die den Jakobsweg bestreiten wollen, um dabei zu innerem Gleichgewicht und neuer Lebensenergie zu finden. Religiöse Gründe sind dabei längst nicht mehr der alleinige Fokus einer solchen Reise, denn so geht es ebenso um das Wandern in der Natur und das Finden zu sich selbst. Wusstet ihr, dass ihr den Jakobsweg in ganz Europa beginnen könnt? Sogar in Deutschland gibt es Jakobswege, die euch ans Ziel bringen.

Überblick

Schon seit mehr als 1.000 Jahren pilgern Menschen aus der ganzen Welt den Jakobsweg entlang, wobei es den einen Jakobsweg aber genau genommen gar nicht gibt. Der Jakobsweg besteht nämlich aus einem europaweiten Netz aus Wegen, welches durch Täler, Wälder, Städte und Dörfer führt. Der bekannteste von ihnen ist wohl der Camino Francés, der euch mit 800 Kilometer Länge zum Grab des Apostels Jakobus in einer spanischen Kathedrale in Santiago de Compostela führt. Der Jakobsweg besteht aber eben nicht nur aus dieser Route, sondern ist eine Bezeichnung für mehrere Pilgerwege in ganz Europa. Die Gemeinsamkeit dieser Pilgerwege besteht darin, dass sie alle ein Ziel haben: das Grab des Apostels in Santiago de Compostela.

Pilger auf dem Jakobsweg
Pilger auf dem Jakobsweg

Auch in Deutschland gibt es mehrere Jakobswege, die nicht allen bekannt sind. Meist wird das gelb-blau wegweisende Muschelsymbol an deutschen Bäumen, Straßenlaternen, Hauswänden oder Steinen erst wahrgenommen, wenn man zuvor davon gelesen oder gehört hat. Doch tatsächlich ist die Chance sehr hoch, dass auch ihr den Jakobsweg von eurer Heimatstadt aus entlang wandern könnt, denn das miteinander verbundene Netz der Jakobswege ist größer als ihr denkt. In Deutschland gibt es über 30 Jakobswege und durch diese hättet ihr sogar die Option, vom Norden Deutschlands zu starten und den Weg über den Süden, die Schweiz und Frankreich bis in den spanischen Ort Santiago de Compostela fortzusetzen.

Diese Pilgerrouten wurden erst in der Neuzeit speziell für Jakobspilger angelegt. Vorher nutzten Pilger das bestehende Straßensystem, dessen beliebteste Wege jedoch in den 1970er Jahren als Vorbild für die heutigen Jakobswege genutzt, rekonstruiert und ausgeschildert wurden. So werden euch auf eurem Weg viele Klöster, Handelsstätten, Krankenhäuser und Herbergen begegnen, die einst für das Wohl der Pilger sorgten und zum Teil noch sorgen.

Trier liegt am Jakobsweg
Trier liegt am Jakobsweg

Vorteile einer Pilgerreise in Deutschland

Ihr wolltet schon immer einmal den Jakobsweg bestreiten, doch es fehlte euch bisher an Zeit? Die Entscheidung, in eurem Heimatland loszupilgern und nicht erst Tausende Kilometer bis zum Startpunkt eurer Pilgertour zurücklegen zu müssen, ist innerhalb von Deutschland schneller und unkomplizierter getroffen.

Hier habt ihr sogar die Möglichkeit, erst einmal klein anzufangen und nur über das Wochenende zu wandern, anstatt sich „zu überwinden“, mehrere Wochen zu pilgern. Außerdem seid ihr auf den deutschen Jakobswegen weniger sprachlichen und kulturellen Barrieren ausgesetzt, die euch in Spanien zu einem Hindernis werden könnten. Weiterhin sind deutsche Jakobswege weitaus weniger frequentiert als ihre spanischen Äquivalente und so habt ihr hier mehr Ruhe und werdet nicht auf Pilgerscharen oder volle Herbergen treffen. So könnt ihr euch ganz auf euch selbst besinnen und neue Lebensenergie tanken.

Pilgerreise durch die Natur
Pilgerreise durch die Natur

Der größte Vorteil einer Pilgerreise durch Deutschland besteht jedoch darin, dass ihr euer Heimatland besser kennenlernen und ganz neu entdecken könnt. Viele Orte hättet ihr ohne eine Wanderung entlang des Jakobweges sicher nie entdeckt und ihr werdet über die Schönheit und den Facettenreichtum eures Landes staunen. Außerdem geht ihr auf einem Pilgerweg immer auch die Spuren der Vergangenheit entlang und in Kirchen, Klöstern oder Museen, die euren Weg kreuzen, werdet ihr allerhand Wissenswertes über die Geschichte eures Heimatlandes mitnehmen.

Nachteile einer Pilgerreise in Deutschland

Da das Netz des Jakobsweges in Deutschland nicht stark frequentiert ist und ihr auf wenige Mitpilger treffen werdet, könnt ihr zwar einerseits auf leere Hotels, Pensionen oder Gasthäuser an den Wegesrändern hoffen, andererseits müsst ihr für diese etwas tiefer in die Tasche greifen, als für Pilgerherbergen auf dem spanischen Jakobsweg. Bedenkt aber, dass der höhere Preis auch mit mehr Komfort einhergeht und für die schmerzenden Füße und den Muskelkater sind ein bequemes Einzelzimmer sowie ein stärkendes Frühstück vielleicht sogar die klügere Wahl. Außerdem müsst ihr bei Übernachtungen in Pensionen und Co. nicht an einen Schlafsack oder Handtücher denken, die nur eine unnötige Last im Wanderrucksack darstellen.

Pilgern ist nicht immer nur spaßig und erholsam. Es wird definitiv Tage geben, an denen ihr keine Lust mehr auf Wandern habt und darüber nachdenkt, aufzugeben. Seid ihr in Spanien unterwegs, ist das meist keine Option. Doch in Deutschland werft ihr eventuell schneller das Handtuch, da euer Zuhause nicht so weit entfernt liegt. Bleibt also stark und versucht, trotzdem, den Abstand zu eurem Alltag zu schaffen.

Jakobswege in Deutschland

Die über 30 verschiedenen Jakobswege in Deutschland begeistern mit Abwechslungsreichtum und verschiedenen Schwierigkeitsgraden. So ist für jeden Geschmack und für jedes Fitnesslevel etwas dabei.

Stellt euch am besten einige Wochen vor eurem Start eine Tour zusammen, die von der Streckenlänge, dem Zeitaufwand sowie der Schwierigkeit bestens auf euch und eure Bedürfnisse zugeschnitten ist. Natürlich könnt ihr auch von Deutschland aus direkt ans Ziel nach Spanien wandern. Dafür solltet ihr dann aber mehrere Monate einplanen. Stattdessen könnt ihr jedoch auch ein neues Urlaubsritual für euch entwickelt: Nehmt euch jedes Jahr ein neues Stück des Jakobswegs vor, sodass ihr bei eurer letzten Reise auch ans Ziel nach Santiago de Compostela kommt.

Hohenzollerische Jakobsweg

Auf alten Handelsstraßen geht es von Hechingen über die Schwäbisch Alb. Durch tiefe Täler wandert ihr nach Sigmaringen, bis ihr über Messkirch schließlich das Dorf Pfullendorf erreicht.

Etappen

  • Von Hechingen nach Burladingen
  • Von Burladingen nach Veringenstadt
  • Von Veringenstadt nach Sigmaringen
  • Von Sigmaringen nach Messkirch

Streckeninfo

  • Länge: 72 Kilometer
  • Aufstieg: 1.063 Meter
  • Abstieg: 960 Meter
  • Schwierigkeit: mittel

Münchner Jakobsweg

Einst war die Großstadt München die Siedlung „Zu den Mönchen“, welche schon lange als Durchreiseziel vieler Pilger diente. Noch heute führt euch der Münchner Jakobsweg vorbei an Kirchen und Klöstern, in denen ihr sogar übernachten könnt. Während ihr wunderschöne Landschaften durchstreift, bieten euch die bayerischen Seen, Flüsse und Wälder ein in Deutschland einzigartiges Panorama.

Etappen

  • Von München nach Schäftlarn
  • Von Schäftlarn nach Andrechs
  • Von Andrechs nach Utting
  • Von Utting nach Wessobronn
  • Von Wessobronn nach Rottenbuch
  • Von Rottenbuch nach Lechbruck
  • Von Lechbruck nach Marktoberdorf
  • Von Marktoberdorf nach Kempten
  • Von Kempten nach Weitnau
  • Von Witnau nach Weiler im Allgäu
  • Von Weiler im Allgäu nach Lindau

Streckeninfo

  • Länge: 290 Kilometer
  • Aufstieg: 5.591 Meter
  • Abstieg: 5.710 Meter
  • Schwierigkeit: schwer
Wallfahrtskirche Maria Eich in Planegg bei München
Wallfahrtskirche Maria Eich in Planegg bei München

Mosel-Camino

Auf dem Mosel-Camino werdet ihr von Koblenz bis nach Trier eine idyllische und abwechslungsreiche Strecke an der Mosel, dem Moseltal, dem Hunsrück und dem Rhein entlangwandern. Auf eurem Weg begegnen euch zahlreiche Kirchen, Wallfahrtsort und Sakralbauten, die den spirituellen Gedanken der Pilgerreise verdeutlichen. In Trier erreicht ihr das Grab des Apostels Matthias – ein bekanntes Pilgerziel.

Etappen

  • Von Koblenz nach Alen
  • Von Alken nach Treis-Karden
  • Von Treis-Karden nach Bullay
  • Von Bullay nach Traben-Trarbach
  • Von Monzel nach Klüsserath
  • Von Klüsserath nach Schweich
  • Von Schweich nach Trier

Streckeninfo

  • Länge: 156 Kilometer
  • Aufstieg: 4.213 Meter
  • Abstieg: 4.153 Meter
  • Schwierigkeit: mittel
Grab des Apostels Matthias
Grab des Apostels Matthias

Pfälzer Jakobsweg – die Nordroute

Schon seit vielen Jahrhunderten pilgerten die Pfälzer nach Santiago de Compostela und nutzen dafür die Nord- oder die Südroute. Wollt auch ihr von Speyer bis zum Kloster Hornbach durch die vielfältige Natur der Pfalz laufen, so ist die Nordroute des Pfälzer Jakobweges ideal für euch.

Etappen

  • Von Speyer nach Neustadt
  • Von Neustadt nach Elmstein
  • Von Elmstein nach Finsterbrunnental
  • Von Finsterbrunnental zur Fritz-Claus-Hütte
  • Von der Fritz-Claus-Hütte nach Homberg
  • Von Homberg nach Hornbach

Streckeninfo

  • Länge: 147 Kilometer
  • Aufstieg: 3.246 Meter
  • Abstieg: 3.097 Meter
  • Schwierigkeit: schwer

Ökumenischer Pilgerweg

Auf der alten Via Regia, die heute als Ökumenischer Pilgerweg bekannt ist, reisten einst nicht nur Händler oder Kriegsheere von Ost nach West durch Mitteldeutschland. Auch Pilger nutzen die mittelalterliche Straße, um ihre religiösen Ziele zu verwirklichen. So werdet auch ihr auf der Via Regia, welche von Görlitz bis nach Vacha führt, an zahlreichen Kirchen vorbeikommen, die für die damaligen Pilger als Treffpunkt galten.

Etappen

  • Von Görlitz nach Buchholz
  • Von Buchholz nach Bautzen
  • Von Bautzen nach St. Marienstern
  • Von St. Marienstern nach Königsbrück
  • Von Königsbrück nach Schönfeld
  • Von Schönfeld nach Großenhain
  • Von Großenhain nach Strehla
  • Von Strehla nach Börln
  • Von Börln nach Nepperwitz
  • Von Nepperwitz nach Leipzig
  • Von Leipzig nach Kleinliebenau
  • Von Kleinliebenau nach Merseburg
  • Von Merseburg nach Freyburg
  • Von Freyburg nach Rossbach
  • Von Rossbach nach Eckartsberga
  • Von Eckartsberga nach Stedten
  • Von Stedten nach Erfurt
  • Von Erfurt nach Gotha
  • Von Gotha nach Mechterstädt
  • Von Mechterstädt nach Eisenach
  • Von Eisenach nach Oberellen
  • Von Oberellen nach Vacha

Streckeninfo

  • Länge: 466 Kilometer
  • Aufstieg: 4.227 Meter
  • Abstieg: 4.180 Meter
  • Schwierigkeit: mittel
Steinau liegt an der Via Regia
Steinau liegt an der Via Regia

FAQ – Fragen zum Pilgern in Deutschland

Ihr habt die ideale Strecke für euch entdeckt und möchtet am liebsten gleich loswandern? Einige offene Fragen möchten wir euch vor der Jakobsweg-Reise noch beantworten.

Welche Vorbereitungen müsst ihr treffen?

Das Tolle am Pilgern in Deutschland ist, dass ihr immer gute Chancen habt, freie Unterkünfte auf eurem Weg zu finden. So seid ihr spontan und müsst eure Übernachtungsmöglichkeiten nicht zwingend im Voraus schon buchen.

Trotzdem erfordert das Pilgern auf dem Jakobsweg einige Vorbereitungen. So solltet ihr eure Strecke genau planen und euch mental darauf einstellen, dass ihr in den nächsten Tagen oder Wochen auf Luxus verzichten müsst und auch mal mit Rückenschmerzen oder geschwollenen Füßen in die Herberge einkehrt. Sicher habt ihr aber einen motivierenden Gedanken im Hinterkopf, der euch antreibt und die Schmerzen schnell vergessen lässt. Warmlaufen müsst ihr euch jedoch nicht unbedingt, denn lauft ihr vorher schon mehrere Kilometer, verliert ihr vielleicht die Lust.

Was muss man auf eine Pilgerreise mitnehmen?

Nehmt nicht zu viel mit, denn ein leichter Rucksack ist auf dem Jakobsweg ein wahrer Segen. Was jedoch unbedingt ins Gepäck gehört, sind:

  • Wanderschuhe
  • Funktionswäsche
  • Trekking-Socken
  • Freizeitkleidung
  • Schlafkleidung
  • Regenjacke
  • Kopfbedeckung
  • Mini-Waschmittel
  • UV-Schutz
  • Trinkflasche
  • Blasenpflaster
  • Landkarte
  • Wanderstock

Es gibt jedoch auch einige Dinge, auf die ihr gut und gerne bei eurer Pilgerreise durch Deutschland verzichten könnt. Dazu gehören überflüssige Kosmetikartikel sowie das Smartphone. Macht euch frei von solchen „Luxusgegenständen“ und entdeckt die Jakobsmuschel auch ohne Navi an den Steinen und Hauswänden der Region.

Die Muschel ist das Symbol für den Jakobsweg
Die Muschel ist das Symbol für den Jakobsweg

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Pilgern?

Am besten ihr beginnt eure Wanderung im Frühling oder Herbst, wenn das Wetter euch mit einem milden und angenehmen Klima beglückt. Letztendlich entscheidet aber ihr, welches Wetter euch beim Wandern am liebsten ist. Beachtet dabei aber, dass im Winter nicht alle Pensionen und Gasthäuser ihre Türen für euch öffnen werden.

Doch gibt es auch einen Zeitpunkt, der sich psychologisch gesehen, am besten für eine Pilgerreise eignet? Religiöse Gründe rücken immer mehr in den Hintergrund und viele Pilger berichten von persönlichen Motiven, mit denen sie sich einmal in Ruhe auseinandersetzen wollen. Ob ihr für eure Reise einen tiefgreifenden Grund, wie einen Verlust, die Überwindung einer Krankheit oder einen Wendepunkt im Leben habt, ist natürlich nicht zwingend. Auch zum reinen Vergnügen ist das Pilgern in Deutschland bestens geeignet. Bedenkt dabei aber trotzdem, dass der Jakobsweg eine Gegenbewegung zu maßloser Arbeit und Medienkonsum ist, weswegen ihr eure Pilgerreise trotzdem als Rückzug zu Ursprünglichkeit und Natur betrachten sollten.

Wie teuer ist Pilgern?

Bei einer Pilgerreise durch Deutschland kommt ihr tatsächlich mit recht knappem Budget aus, wenn ihr in euren Unterkünften weitestgehend auf Luxus verzichten könnt. So müsst ihr grundsätzlich nur Geld für Essen und Übernachtungen einplanen. Dabei müsst ihr jedoch nicht jeden Tag in Restaurants oder Gasthäusern essen gehen, denn unterwegs werdet ihr auch an Supermärkten und Imbissständen vorbeikommen. Nehmt euch trotzdem lieber ein paar Euro mehr mit, denn unterwegs werdet ihr zahlreiche Museen, Schlösser und Burgen sehen, die nur darauf warten, von euch besichtigt zu werden. So lernt ihr eure Heimat bei diesem besonderen Urlaub in Deutschland definitiv von einer neuen, natürlichen Perspektive kennen.

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