Gepäck und Verspätung: Interessante Flug-Urteile

Fliegen kann so schön sein. Doch manchmal trüben Verspätungen oder Ärger mit dem Gepäck das Urlaubsglück. Zwei neue Urteile zeigen euch, welche Rechte euch im Falle einer Flugverspätung und bei unerwarteten Zusatzkosten für das Gepäck zustehen. Ab-in-den-urlaub.de verrät euch mehr.

Fliegt das Gepäck automatisch kostenlos mit?

Das Amtsgericht München befasste sich mit einem Rechtsstreit zur Gepäckmitnahme. Ein Reisender klagte gegen eine Fluggesellschaft, weil er für seinen Flug von Tel Aviv nach Berlin 80 Dollar für zwei Gepäckstücke zahlen musste. Die Flug- und Gepäckbestimmungen der israelitischen Airline besagten, dass der gebuchte Tarif die kostenlose Mitnahme je eines Handgepäckstücks pro Passagier erlaubt. Der Kläger ging davon aus, dass auch die Beförderung des aufzugebenden Gepäcks kostenfrei ist. Beim Flug nach Tel Aviv zahlte er daher keine Gepäckgebühren, doch beim Rückflug verlangte die Fluggesellschaft je 40 Dollar für den Koffer des Klägers und den seines Begleiters.

Die Koffer kosten bei Billigtarifen oft extra

Der Reisende klagte vor dem Amtsgericht München auf Rückzahlung der Gepäckgebühren, doch die zuständige Richterin wies die Klage ab (Az.: 159 C 12576/15). Aus den Reiseunterlagen und den Bestimmungen der Airline gehe nicht hervor, dass das Unternehmen sich zur kostenfreien Mitnahme des Aufgabegepäcks verpflichte. Der Kläger konnte auch nicht nachweisen, dass die Gepäckgebühren Teil des gebuchten Tarifs waren. Flugreisende müssen sich nach Ansicht des Gerichts also vor dem Abflug aktiv vergewissern, ob ihr gebuchter Tarif zusätzliche Gepäckgebühren erfordert. Und das ist häufiger der Fall, denn viele Billigairlines werben mit besonders günstigen Flugtarifen, die jedoch nur die kostenfreie Handgepäckbeförderung einschließen.

Verpasster Flug wegen Notfallübung

Bei einer Flugverspätung haben Passagiere oft Anspruch auf eine Entschädigung. Dieser erlischt jedoch, wenn außergewöhnliche Umstände zu der Verspätung geführt haben. Wenn beispielsweise eine Notfallübung am Flughafen dazu führt, dass der Flug verspätet abhebt, steht den Fluggästen keine Entschädigung zu. Das Amtsgericht Rüsselsheim befasste sich kürzlich mit diesem Fall: Der Flughafen Hurghada in Ägypten war wegen einer Notfallübung gesperrt worden. Eine Maschine, die von dort aus nach Stuttgart starten sollte, erreichte ihr Ziel deswegen erst mit siebenstündiger Verspätung. Ein Passagier verlangte daraufhin eine Ausgleichszahlung nach EU-Recht von der Fluggesellschaft, doch die verweigerte die Zahlung. Zu Recht, wie das Gericht in Rüsselsheim entschied (Az.: 3 C 4758/14 (34)).

Amtsgericht: Die Airline trifft keine Schuld

Nach Ansicht des Gerichts falle die Sperrung des ägyptischen Flughafens nicht in den Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft. Diese habe in Kairo um eine Ausnahmegenehmigung für den Start gebeten, die ihr jedoch verwehrt wurde. Damit hat sie nach Meinung des Gerichts alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen, um die Flugverspätung zu verhindern. Die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht berichtete über das Urteil in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“.

Welche Entschädigung könnten Fluggäste fordern?

Jeden Tag starten und landen weltweit tausende Flüge, die Abläufe an den Flughäfen müssen wie Zahnräder ineinander greifen, damit alles funktioniert. Kommt etwas dazwischen – beispielsweise ein Streik der Piloten oder Fluglotsen, ein Unwetter oder ein technischer Defekt – kann es daher schnell zu Flugverspätungen kommen. In bestimmten Fällen erhalten Passagiere eine Entschädigung dafür als Ausgleich. Diese berechnet sich in erster Linie anhand der Flugstrecke:

– Flugstrecke bis 1.500 km: 250 Euro
– Flugstrecke zwischen 1.500 und 3.500 km: 400 Euro
– Flugstrecke von mehr als 3.500 km: 600 Euro

Was gestrandeten Passagieren noch zusteht, verrät das folgende Video:

Quelle: YouTube/Verbraucherstiftung

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