Basilikata im Süden Italiens


Die Basilikata ist ein Geheimtipp unter Italiens Regionen, die sich für unterschiedliche Besucher eignet. Wandert durch herrliche Landschaften, werft einen genauen Blick auf alte Bauwerke, badet im Meer oder wagt eine aufregende Outdoor-Sportart, die sicherlich lange im Gedächtnis bleibt.

Überblick

Im Süden von Italien, umgeben von bekannten Regionen wie Kalabrien und Apulien, begrüßt die Basilikata all jene Urlauber, die sie als Reiseziel entdeckt haben. Das sind vergleichsweise wenige, denn oftmals wird die Gegend unterschätzt. Wenn ihr euch aber bewusst auf das Naturparadies mit rund 10.000 Quadratkilometern Fläche einlässt, werdet ihr nicht enttäuscht sein. Hohe Berge, tiefe Schluchten, dichte Wälder, verträumte Strände und malerische Dörfer sowie eine frühere Kulturhauptstadt Europas bilden das abwechslungsreiche Szenario. Wer Lust hat auf Wanderungen, Fahrradtouren oder eine von kulturellen Höhepunkten geprägte Reise, wird die überwiegend unberührte und faszinierende Region Basilikata lieben.

Maratea Kueste
Küste bei Maratea

Städte und Dörfer

Nicht einmal 600.000 Einwohner verteilen sich auf die Basilikata. Daher geht es in den Orten der Region eher beschaulich zu. Das heißt aber nicht, dass Langeweile an der Tagesordnung ist. Ganz im Gegenteil!

Matera

Das Aushängeschild der Region Basilikata ist die Kulturhauptstadt des Jahres 2019: Matera. Das seit 1993 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörende Juwel ist aufgrund der charakteristischen Höhlenbauten eine echte Besonderheit. Bis vor wenigen Jahrzehnten lebten die Menschen hier sogar noch ganz ohne fließendes Wasser und Strom. Heute kann jedoch mit modernen Annehmlichkeiten in einem historischen Umfeld gerechnet werden. Ein Streifzug durch die Stadt offenbart den Blick auf mittelalterliche, in Klippen eingebaute Felsenkirchen und die umrahmende Natur, die gern als Ausgangspunkt für Wanderungen genutzt wird.

Ferrandina

Ferrandina ist die Heimat von circa 8.000 Menschen und 35 Kilometer von Matera entfernt. Nachdem ein Bergrutsch die vorherige Siedlung zerstört hat, wurde das heutige Ferrandina gegründet. Laut urkundlicher Erwähnung wahrscheinlich Ende des 15. Jahrhunderts. Das Kloster Santa Chiara, ein ehemaliger Verteidigungsturm und die Kirche Santa Maria della Croce sind Sehenswürdigkeiten von Ferrandina. Außerdem lohnt sich eine Stippvisite in dem kleinen Museum, das sich alten Handwerkskünsten widmet.

Ferrandina
Blick auf Ferrandina

Castelmezzano

Castelmezzano ist eines von mehreren Bergdörfern der Basilikata und ein tolles Ausflugsziel zu Fuß. Im Dorfkern von Castelmezzano ist es gemütlich. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein – ideale Voraussetzungen für eine Auszeit vom stressigen Alltag zwischen kleinen Kapellen und hölzernen Statuen. Eventuell besichtigt ihr sowohl Castelmezzano als auch das nur 30 Minuten entfernte Pietrapertosa mit Attraktionen wie einer Hängebrücke und eindrucksvollen Felsformationen.

Potenza

Möchtet ihr einen Kontrast zum beschaulichen Landleben? Dann solltet ihr einen Abstecher in das quirlige Potenza wagen. Es handelt sich um die größte Gemeinde der Basilikata und bildet gleichzeitig ihre Hauptstadt. Auf der zentralen Piazza Maria Pagano erlebt ihr Italiens Dolce Vita, begleitet von weltlichen Gebäuden aus vergangenen Zeiten. Die Hauptstadt hat jede Menge Sehenswürdigkeiten zu bieten: Die im 12. bis 13. Jahrhundert errichtete Kathedrale von Potenza, die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche San Michele Arcangelo und ein historisches Kloster erfreuen die Besucher als charmante Bauwerke.

Craco

Craco nimmt eine Sonderstellung unter den Ortschaften in der Basilikata ein, denn es handelt sich um eine mittlerweile leider nicht mehr öffentlich zugängliche Geisterstadt. Nach einem Erdrutsch in den 1960er-Jahren verließen die ehemaligen Bewohner den Ort. Seither steht das Dorf leer, thront hingegen noch immer majestätisch auf einem Felsgipfel. Aus sicherer Entfernung könnt ihr wunderbare Fotos von Craco machen und die einstige James-Bond-Filmkulisse bestaunen.

Craco
Das verlassene Craco

Maratea

Auf der Karte von Basilikata befindet sich Maratea ganz im Westen, und zwar am Tyrrhenischen Meer. Dort lassen sich Besichtigungen mit Schwimmen verbinden. Der Ort beeindruckt mit seinem Wahrzeichen, einer imposanten Christusstatue sowie mit seinem Hafen und den Fels- und Sandstränden vor der Tür. Es lohnt sich auch ein Blick in die Altstadt, die mit ihren verschlungenen Gassen nostalgische Gefühle aufkommen lässt. Nicht unwichtig zu wissen: Es stehen über 40 Kirchen in Maratea. Die Stadt ist ein Paradies für Religions- und Architekturinteressierte.

Sehenswürdigkeiten

Die Sonne über dem Haupt und die schönsten Bauwerke vor euch: So kann eine herrliche Besichtigungstour in der italienischen Region aussehen. Was es zu bestaunen gibt, erfahrt ihr durch unseren Überblick einiger Favoriten. Sicher werdet ihr vor Ort noch mehr entdecken.

Sassi di Matera

Die Altstadt von Matera lässt sich kaum beschreiben: Man muss sie selbst gesehen haben, um sie zu verstehen. Wir versuchen es trotzdem: Ihr findet einen Mix aus klassischen Bauten der Barock- und Renaissancezeit sowie alten Felshöhlen und in die Berge geschlagene Kirchen. Nach und nach wurden die Höhlenwohnungen auf den Bergen errichtet, bis sie ein komplexes Netzwerk ergaben, das über Gassen und Pfade verbunden ist. Unterbrochen wird das denkmalgeschützte und zum UNESCO-Welterbe zählende Szenario von einer Felsschlucht, der Gravina di Matera. Angeblich siedelten in der Sassi di Matera bereits zur Jungsteinzeit Menschen.

Matera
Die Altstadt von Matera

Casa Noha

Die Casa Noha ist Teil der Sassi di Matera und markiert einen aus dem 16. Jahrhundert stammenden Adelspalast. Dieser geht auf die Familie Noha zurück, welche dem Gebäude ihren Namen verlieh. Die Casa Noha ist nicht nur selbst sehenswert, sondern beherbergt darüber hinaus ein Museum, das eine Reise durch die Zeit in Matera offenbart. Aufwendige Projektionen entführen in die über 1.000 Jahre alte Vergangenheit der Gegend.

Statua del Cristo Redentore

Der Christus von Maratea ist eine 21 Meter hohe, aus Marmor und Zement gefertigte Statue, die wir euch bereits kurz als deren Wahrzeichen vorgestellt haben. In den 1960er-Jahren wurde die eindrucksvolle Figur erschaffen und auf dem Gipfel des Monte San Biagio aufgestellt. Die 21 Meter hohe Skulptur ist daher in der Region kaum zu übersehen.

Maratea Statua del Cristo Redentore
Christusstaue auf dem Monte San Biagio

Castello di Melfi

Wer sich für mittelalterliche Festungen begeistern kann, sollte Kurs auf einen Bau wie das Castello di Melfi in der gleichnamigen Gemeinde nehmen. Die Burg wurde ursprünglich im 12. Jahrhundert erbaut, aber im Laufe der Zeit oftmals umgestaltet. Im Inneren befindet sich ein Museum mit archäologischem Schwerpunkt. Durch die vorhandenen Überreste lässt sich die Gründung auf die normannische Eroberung Süditaliens ableiten.

Santa Maria della Croce

Die Kirche Santa Maria della Croce ist eines der sakralen Bauwerke, das in Ferrandina unbedingt besucht werden sollte. Ihr Grundstein wurde im späten 15. Jahrhundert gelegt. Der Innenraum präsentiert einen aus mehrfarbigem Marmor gefertigten Hauptaltar und hölzerne Figuren. Die Besonderheit in dem Sakralbau ist jedoch anderer Natur: Es handelt sich dabei um einen Holzschrein mit dem angeblichen Holz des Heiligen Kreuzes Christi und somit einer wichtigen Reliquie.

Ferrandina Santa Maria della Croce
Kirche Santa Maria della Croce in Ferrandina

Aktivitäten

Wenn plötzlich Langeweile im Urlaub droht, könnt ihr sofort mit verschiedenen Aktivitäten gegensteuern. Eventuell ist es eine der Folgenden, die für Kurzweil nach dem Besichtigen sorgt. Oder ihr haltet einfach die Augen offen und wählt, worauf ihr Lust habt.

Strandbesuch planen

Da die Region Basilikata von gleich zwei Meeren, dem Tyrrhenischen Meer im Westen und Ionischen Meer im Osten, gerahmt wird, ist die Gelegenheit für einen Strandtag günstig. Herausragende Strände sind die Spiaggia Nera bei Maratea, welche mit schwarzem Vulkansand auf sich aufmerksam macht oder der goldene Sandstrand von Policoro. Weitere beliebte Badestellen sind etwa die der Gemeinde Nova Siri und des Städtchens Metaponto. Wer ohnehin über Bari nach Hause fliegt, kann die Stadt in Apulien mit ihren Stränden besuchen.

Maratea Strand
Strand in Maratea

Wandern und spazieren

Durch die weitgehende Unberührt- und Naturbelassenheit von Basilikata müssen wir vermutlich nicht zweimal sagen, dass sie ein perfektes Wanderziel darstellt. Wie wäre es mit einem Tag im Nationalpark Pollino, dem größten seiner Art in ganz Italien? Auf über 192.000 Hektar Fläche zwischen Basilikata und Kalabrien verzaubert er mit seinen hohen Bergen, rauschenden Flüssen, magisch anmutenden Wasserfällen und idyllischen Seen.

Nationalpark Pollino
Im Nationalpark Pollino unterwegs

Die einheimische Fauna wird von Fischottern, Wildschweinen und Rehen geprägt, die zur Naturfotografie einladen. Auch der Parco della Murgia bei Materana und der Nationalpark Val d’Agri, der mit seiner Gründung im Jahr 2007 den jüngsten in der Region markiert, sind tolle Ausflugsorte für Wanderfreunde, Spaziergänger und Tierbeobachter.

Museen besuchen

Neben der Casa Noha in Matera, dem Handwerksmuseum in Ferrandina und dem Archäologischen Museum im Castello di Melfi lassen sich Museumsbesuche in der Region noch ganz anders gestalten. Eventuell ist ein Tagestrip nach Metaponto interessant, der sowohl Einblicke in ein weiteres Museum mit archäologischem Schwerpunkt als auch in ein paar Ausgrabungsstätten vor Ort ermöglicht. Der Parco Archeologico dell’Area Urbana di Metaponto wird traditionell per Führung erkundet. Im Janora Civic Museum geht es mit der Sammlung von Michele Janora auf eine weitere Zeitreise: Seht dort unter anderem prähistorische Waffen.

Einkaufen

Mit einem ausgiebigen Einkaufsbummel beschließen viele Urlauber ihre Reise, denn am Ende des Aufenthalts lässt sich das übrige Budget gut einschätzen. Schlendert beispielsweise über die Via Pretoria in Potenza und schaut euch die verschiedenen Geschäfte an. Wer ein klassisches italienisches Souvenir haben möchte, kommt in den inhabergeführten Läden auf seine Kosten.

Abenteuer erleben

Liegt das Interesse woanders, solltet ihr euch einmal die Abenteuersportarten in der Region ansehen. Sie beginnen mit Rafting auf den Flüssen im Pollino Nationalpark, führen über Canyoning und Klettertouren in den Bergen und enden beim sogenannten „Flug des Engels“ in Castelmezzano, der die Landschaft aus der Vogelperspektive offenbart. Es ist eine knapp anderthalb Kilometer lange Strecke, die ihr mithilfe einer Seilrutsche bewältigt. Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde dürfte auch mutige Reisende, in einer Höhe von 130 Metern, kurz sprachlos machen.

Castelmezzano Seilrutschen
Seilrutschen bei Castelmezzano

Reise-Infos

Wünscht ihr euch nun einen Urlaub in Basilikata, kann die Planung sogleich beginnen. Diese erleichtern euch unsere Tipps zu Themen wie der Reisezeit, Anreise oder Hotelbuchung. Danach wartet erst einmal nur noch eins: die Vorfreude!

Ideale Reisezeit und Reisedauer

Aktivitäten im Freien sind immer wundervoll, jedoch am besten, wenn es nicht zu warm und nicht zu kalt wird. Das ist sowohl im Frühling als auch im Herbst der Fall. Wanderungen, Radtouren und Ähnliches haben dann Hochsaison. Ebenfalls ist das Besichtigen von Sehenswertem bequem möglich. Sonnenanbeter wählen hingegen den Sommer, wenn ihnen Ausflüge bei höheren Temperaturen nichts ausmachen. Durch die Lage zwischen zwei Meeren wird es aber trotzdem nie zu heiß, denn notfalls könnt ihr euch im Wasser eine gelungene Abkühlung abholen.

Erlebt alle Facetten der Basilikata mit mindestens einer Woche Zeit im Gepäck. Auf diese Weise könnt ihr einen Ort oder einen Ausflug pro Tag einplanen. Es geht aber auch mit einem strafferen Zeitplan. Entscheidet euch in diesem Fall, welche Städte und Gemeinden unbedingt besucht werden wollen und fokussiert euch auf die dortigen Sehenswürdigkeiten.

Sprache und Verständigung

Italienisch sollte für den Trip aufgefrischt werden. Ein Wörterbuch schadet nicht. In der Region sind die Einheimischen nicht unbedingt auf internationale Urlauber vorbereitet, glänzen aber – wie überall in Italien – mit Gastfreundschaft.

Anreise und Fortbewegung vor Ort

In der Gegend gibt es zwar keinen Flughafen, doch im Umland habt ihr die Wahl zwischen Bari, Lamezia Terme und Neapel. Ersterer befindet sich in der Nähe von Matera und bietet sich ebenfalls für den Urlaub in Potenza an. Zweiterer ist ideal für einen Ausflug in den Nationalpark Pollino geeignet.

Für die größtmögliche Flexibilität unterwegs empfehlen wir einen Mietwagen. Alternativ gelangt ihr mit dem Zug zu den Bahnhöfen von Maratea oder Potenza. Bergdörfer und abgelegene Orte müssen in der Regel mit dem Bus, mit dem Rad oder zu Fuß aufgesucht werden.

Essen und Spezialitäten

Zu den örtlichen Spezialitäten zählen der Käse „Canestrato di Moliterno“, eine Mischung aus Schafs- und Ziegenmilch, sowie die Nudelsorte „Ferrazuoli“. Beide Leckereien sind ebenso für Vegetarier geeignet wie die Oliven, für die Ferrandina berühmt ist. Es gibt sie im Ganzen oder in Form von Olivenöl, das gewiss auch als Mitbringsel für die Daheimgeblieben überzeugt.

Hotels und Unterkünfte

Von Standard über eine gehobene Ausstattung bis hin zu maximalem Luxus sind in der Region Basilikata Unterkünfte mit einer unterschiedlichen Zahl an Hotelsternen vertreten. Auch bei der Lage ist für jeden Urlauber etwas dabei. Mal übernachten die Gäste ruhig an einem Stadtrand oder außerhalb, mal sind sie bewusst inmitten des Zentrums „zu Hause“. Weiterhin sind sowohl kleine Hotels als auch größere Ketten verfügbar.

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