Klettersteige – Top 10 in Europa


Entspannte Wanderungen durch Bergwelten oder aufregender Nervenkitzel mit schwer begehbaren Stellen über tiefen Schluchten – unsere Top 10 der Klettersteige in Deutschland und Europa bedienen beide Ansprüche. Wir zeigen euch, wo ihr überall zum Gipfelstürmer werden könnt!

Überblick

Klettern in den Bergen ist wohl eine der aktivsten Arten, einen Ausflug oder einen ganzen Urlaub zu gestalten. Für viele Reisende ist es die Auszeit schlechthin, denn allein mit den eigenen Gedanken, lediglich von der Natur und ihren Herausforderungen umgeben zu sein, beschafft dem Alltag im wahrsten Sinne eine Pause. Digital Detox mal anders! Doch auch zu zweit und in der Gruppe macht die Tour durch die Gipfel in Deutschland und Europa viel Spaß.

Welche Klettersteige reizen euch? Die gemütlichen, die viele Ausblicke versprechen und vielleicht sogar mit geschichtlichen Highlights aufwarten? Oder doch lieber die “Klassiker” für Adrenalinjunkies, die über tiefe Schluchten führen und nicht immer einfach zu begehen sind? In unserer Top 10 sollten beide Zielgruppen fündig werden!

Klettersteig Adrenalin
Pures Adrenalin und tolle Panoramen erwarten euch

1. Calmont Klettersteig

Seit 2002 gibt es den durch den Deutschen Alpenverein e.V. gesicherten Calmont Klettersteig in der Region des Moseltals. Wer nicht nur zum Genuss von Wein und Fahrten auf dem Fluss anreist, kann sich in das kleine Abenteuer stürzen. Der Calmont Klettersteig gehört zu den Themenwegen der Region und zu den vergleichsweise einfach zu bewältigenden Wegen. Lediglich für jüngere Kinder ist die Strecke eher ungeeignet und Hunde sind generell nicht erlaubt. Trotz der mäßig anspruchsvollen Wegführung sollte ihr festes Schuhwerk und ein gewisses Maß an Kondition mitbringen. Auf atemberaubende Ausblicke auf die steilen Weinberge und das Flusstal mit der Moselschleife müsst ihr nicht verzichten. Zu weiteren Highlights des Weinanbaugebietes zählen die Felsformationen und das Gipfelkreuz des Calmont. Allerdings ist der Klettersteig, der als bequemer, in maximal drei Stunden begehbarer Rundweg angelegt wurde, sehr begehrt, sodass Auszeiten ganz allein unwahrscheinlich sind.

Klettersteig Calmont
Klettern mit Blick auf die Weinberge in Camont

Länge: 6,4 Kilometer

Höhendifferenz: 425 Meter

Schwierigkeit: mittel

Voraussetzungen: Schwindelfreiheit, ggf. Proviant

2. Mindelheimer Klettersteig

Zu den Traditionsklettersteigen zählt sicherlich der im Allgäu gelegene rund 15 Kilometer lange Mindelheimer Klettersteig, der mit seinen Wegen über die Schafalpenköpfe besticht. Er ist gut gesichert, erfordert aber mit seinen Leitern und Drahtseilen teilweise etwas Mut. Bereits früh gewinnt ihr bei der Tour über die verschiedenen Felsköpfe an Höhe und werdet mit Panoramablicken über die Region belohnt. Einige Passagen muten leicht zu bewältigen an, während andere deutlich mehr von euch abverlangen. Insgesamt ist die Tour daher und aufgrund der Tatsache, dass ein Notausstieg fehlt, nur für Kletterer mit Vorerfahrung geeignet. Zu den Höhepunkten gehören nahezu senkrechte Wände, die bewältigt werden müssen. Unter der Woche ist es meist herrlich einsam rund um den Klettersteig – ideal für den persönlichen Rückzug. Etwa drei bis vier Stunden reine Kletterzeit sind einzurechnen: es handelt sich also beim Mindelheimer Klettersteig um eine Tagestour. Vor allem dann, wenn aufgrund von Gegenverkehr an manchen Stellen gewartet werden muss.

Klettersteig Mindelheim
Hoch hinaus am Mindelheimer Klettersteig

Länge: 15 Kilometer

Höhendifferenz: 400 Meter

Schwierigkeit: mittel bis schwierig

Voraussetzungen: etwas Vorerfahrung im Klettern, Schwindelfreiheit, festes Schuhwerk, ausreichende Kondition, Ausrüstung, Proviant

3. Mittelrhein Klettersteig Boppard

Zurück in Rheinland-Pfalz findet sich ein eher familienfreundlicher Klettersteig mit mäßigem Schwierigkeitsgrad. Er passt auch zu allen, die sich erstmals als Kletterabenteurer ausprobieren und testen wollen, ob der Sport zu ihnen passt. Die Aussicht auf das Rheintal und die malerische Heidelandschaft ist der fast allgegenwärtige Begleiter während der Tour, die seit 2006 auf diese Art gemeistert werden kann. Vergesst den Fotoapparat nicht, um die Landschaftspanoramen einzufangen! Die Kletterstellen sind gut gesichert und auch kleinere Kinder werden sicher ihre Freude haben. Insgesamt benötigt ihr je nach Kondition rund drei Stunden für den Weg – perfekt für einen Tagesausflug, zum Beispiel zu dem nahe gelegenen Koblenz.

Klettersteig Boppard
Der Klettersteig Boppard ist auch für Familien geeignet

Länge: 5,2 Kilometer

Höhendifferenz: 300 Meter

Schwierigkeit: mäßig

Voraussetzungen: Spaß am Klettern, gute Schuhe, sonst keine spezielle Vorerfahrung nötig

4. Hindelanger Klettersteig

Wieder etwas aufregender geht es am Hindelanger Klettersteig in Bayern zu. Er lässt sich bei einem längeren Aufenthalt in der Region bestens mit einem Besuch am Mindelheimer Klettersteigs verbinden. Er besteht bereits seit den 1970er Jahren, wurde aber nach 25 Jahren noch einmal generalüberholt. Kletternde dürfen sich auf eine Welt voller Gegensätze freuen: Es gibt sowohl einfache Wege als auch spannende Stiege, die gerade von Anfängern eine zusätzliche Sicherung durch ein Seil erfordern. Ihr könnt zwischen einer kürzeren “Schnupperrunde” und dem gesamten Klettersteig wählen, doch beide Touren sollten in ihrem Anspruch auf keinen Fall von euch unterschätzt werden.

Klettersteig Hindelanger
Der Hindelanger Klettersteig in Bayern

Länge: 8,5 Kilometer

Höhendifferenz: 338 Meter

Schwierigkeit: anspruchsvoll

Voraussetzungen: Vorerfahrung im Klettern, Schwindelfreiheit, festes Schuhwerk, ausreichende Kondition, Ausrüstung, Proviant

5. Gaisalphorn Klettersteig

Wer lange Aufstiege scheut, sollte diesen Tipp schnell überspringen, denn zum Gaisalphorn geht es einige Zeit sehr steil bergauf. Auch Anfänger im Klettern und Kinder sollten sich daher für einen anderen Klettersteig entscheiden. Alle anderen werden hier im wunderschönen Bayern ihre wahrscheinlich liebste Herausforderung finden! Von der Station Seealpe der Nebelhornbahn aus geht es durch Bergwiesen bis zu einer waldigen Landschaft und immer weiter hinauf in Richtung Gipfel des Gaisalphorns. Neben dem Anstieg sind es Stellen mit Leitern und Stahlseilen, die für Herzklopfen sorgen dürften. Achtet unbedingt auf die von Warnschildern gesäumten Passagen, denn dort besteht erhöhte Absturzgefahr! Traut ihr euch die Strecke zu, wartet eine traumhafte alpine Aussicht.

Länge: 10,2 Kilometer

Höhendifferenz: 300 Meter

Schwierigkeit: anspruchsvoll

Voraussetzungen: Vorerfahrung im Klettern, Schwindelfreiheit, festes Schuhwerk, ausreichende Kondition, Ausrüstung, Proviant

6. Alta via Bepi Zac

Verlassen wir Deutschland, zielen wir sogleich auf einen Geheimtipp für Kletterfreunde. Der Alta via Bepi Zac Klettersteig in Italien ist eher ein gemütlicher Rundweg, der sowohl natürlich schöne Ansichten des Umlandes als auch geschichtliche Highlights offenbart. Immerhin folgt er verschiedenen Kriegssteigen, die noch aus den Zeiten des Ersten Weltkriegs stammen. In unterschiedliche Passagen aufgeteilt, rücken das reine Klettern und die oft damit verbundene Anstrengung sogar zunächst eher in den Hintergrund. Besucht während des Verlaufs ein kleines Museum, das über die Vergangenheit informiert, und werft einen Blick in die geheimnisvollen Stollen. Später kommen noch etwas aufregendere Kletterstellen hinzu, die Erfahrung in diesem Sport bedingen und den Fokus wieder auf den Sport lenken.

Klettersteig Bepi Zac
Imposante Kulisse auf der Alta via Bepi Zac

Länge: 11,2 Kilometer

Höhendifferenz: 915 Meter

Schwierigkeit: mäßig bis anspruchsvoll

Voraussetzungen: für den ersten Teil festes Schuhwerk, für den zweiten Teil: zusätzlich Klettersteigausrüstung und Kondition

7. Le Rocher du Saint Julien

In Frankreich, etwa 150 Kilometer nördlich von Marseille, erstreckt sich ein malerischer Rundweg: Der Rocher du Saint Julien. Eher als mäßig in seinem Schwierigkeitsgrad eingestuft, verwundert es nicht, dass viele Urlauber in der Gegend die Chance nutzen, ihn zu besuchen. Viele Naturfreunde werden euch unterwegs begegnen. Gut für alle, die sich Geselligkeit wünschen, ungeeignet für Ruhesuchende – außer, ihr wählt einen Zeitpunkt außerhalb der Hauptsaison. Wer die größten Besucheranstürme vermeiden will, kann beispielsweise im Mai oder Oktober herkommen. Die Tour ist im Vergleich zu anderen Klettersteigen kurz, aber durch die vielseitigen Aussichten mit teilweise alpinem Flair interessant: perfekt für alle, die ins “Kletterhobby” hineinschnuppern möchten. In der Umgebung locken schöne französische Dörfer wie die Gemeinde Pierrelongue, die zu klassischen Besichtigungstouren einladen und Abwechslung zur reinen Natur versprechen.

Länge: 7,5 Kilometer

Höhendifferenz: 467 Meter

Schwierigkeit: mäßig

Voraussetzungen: zum Wandern geeignetes Schuhwerk

8. Caminito del Rey

Einst als die gefährlichste Route der Welt bekannt, wenn es um das Klettern ging, wurde der Caminito del Rey bei Málaga in Spanien generalüberholt. Vieles ist nun sicherer geworden: Dennoch bleibt der aufregende Charakter bestehen, der sich durch die Pfade über andalusische Schluchten und durch Felsen ergibt. Insgesamt erwarten euch rund acht Kilometer Wandervergnügen, aufgeteilt in acht Passagen und mit einem reinen Kletterpart von etwa drei Kilometern. Ein klares Highlight sind die Canyons, die teilweise über hundert Meter in die Tiefe reichen. Abseits der Schluchten führt der Weg durch Wälder und Flusstäler. Beachtet, dass es sich bei dem Caminito del Rey in Spanien um eine linear verlaufende Strecke und keinen Rundweg handelt. Den Rückweg müsst ihr daher gleich mit einplanen. Zudem ist ein Eintrittsticket erforderlich.

Klettersteig Caminito del Rey
Der Caminito del Rey ist nichts für schwache Nerven

Länge: 7,7 Kilometer

Höhendifferenz: 230 Meter

Schwierigkeit: mäßig

Voraussetzungen: vorab gebuchtes Ticket, Schwindelfreiheit, festes Schuhwerk, ausreichende Kondition, ggf. Proviant

9. Klettersteig am Donnerkogel

Wer über echte Klettererfahrung verfügt und nach dem nächsten Nervenkitzel Ausschau hält, sollte Kurs auf Gosau nehmen. Die in Oberösterreich gelegene Gemeinde beherbergt einen der schönsten Klettersteige Europas. Der Donnerkogel-Klettersteig hat mit seiner “Leiter zum Himmel” einen ganz besonderen Abschnitt zu bieten. Nach oben führt ein drei bis vier Stunden in Anspruch nehmender Weg: Schon hier ist eine Grundkondition erforderlich. Die Leiter selbst ragt 40 Meter über einer tiefen Schlucht in die Höhe und ermöglicht ein frei schwebendes Klettererlebnis erster Güte. Am Ende des Ausflugs durch die Bergwelt wartet die Ansicht verschiedener Gipfel Österreichs, darunter der höchste Berg des Landes: Der 2.423  Meter hohe Großglockner.

Klettersteig Donnerkogel
Die Leiter zum Himmel am Donnerkogel

Länge: 4 Kilometer

Höhendifferenz: 537 Meter

Schwierigkeit: sehr schwer

Voraussetzungen: reichlich Vorerfahrung im Klettern, Schwindelfreiheit, festes Schuhwerk, ausreichende Kondition, Ausrüstung

10. Bärenschützklamm

Mit der Bärenschützklamm entführen wir euch noch einmal nach Österreich – diesmal in die schöne Steiermark. Die Klamm gehört zu den Felsenklammen im Land, die euch den Atem rauben werden. Es handelt sich um ein Panorama mit rauschenden Wasserfällen zwischen kargen Felsen, das in den 1970er Jahren zum Naturdenkmal erklärt wurde. Leider ist eine Begehung nicht immer möglich, da teilweise schwere Felsstürze den Weg unpassierbar machen. Auch im Jahr 2022 war die Bärenschützklamm vollständig gesperrt. Wenn ihr hingegen im Urlaub die Gelegenheit habt, sie zu erkunden, solltet ihr nicht zögern. Bedenkt aber: Hunde sind nicht erlaubt und für kleinere Kinder ist die Strecke zu anspruchsvoll.

Klettersteig Baerenschuetzklamm
Die Bärenschützklamm in Österreich

Länge: 1,4 Kilometer

Höhendifferenz: 700 Meter

Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll

Voraussetzungen: Schwindelfreiheit, festes Schuhwerk, ausreichende Kondition, Ausrüstung

FAQ

Sind jetzt noch Fragen zu eurem Klettersteig-Abenteuer offen? Dann findet ihr hier die Antworten, die ihr sucht und braucht!

Wie plane ich eine Tour?

Ihr solltet zunächst prüfen, in welchen Regionen ein Klettertag in Frage kommt. Anschließend schaut ihr euch die möglichen Strecken an. Werft unbedingt einen genauen Blick auf die Voraussetzungen und unterschätzt sie nicht! Es ist besser, ihr wählt zunächst einen einfachen Weg und unterfordert euch, anstatt bei zu schwierigen Touren in unangenehme Situationen zu kommen. Für den ersten Klettersteig eignen sich beispielsweise kurze Rundwege mit einfacher bis mäßiger Schwierigkeit, die gegebenenfalls auch über Notausstiege verfügen.

Muss ich auf das Wetter achten?

Bei einigen Klettersteigen unbedingt! So sind in den Alpen Begehungen bei Nebel und drohendem Gewitter zu vermeiden. Auch starker Regen kann das Risiko erhöhen, dass ihr im alpinen Terrain stürzt. Im Zweifelsfall sollte der Ausflug verschoben werden.

Welche Ausrüstung wird benötigt?

Festes Schuhwerk ist immer sinnvoll – auch bei leichten Wanderungen ohne hohen Kletteranspruch. Bei besonders unwegsamen Gelände könnt ihr spezielle Kletterschuhe nutzen. Zur Profi-Ausrüstung gehören ein Klettergurt, ein Helm, eine Stirnlampe und ein Klettersteigset mit Seilen. Ihr solltet stets genügend Wasser, Proviant und einen Erste-Hilfe-Kasten sowie ein Smartphone mit ausreichend Empfang und Akku für Notfälle dabei haben.

Klettersteig Sicherheit
Sicherheit und Schutzkleidung sind das A und O

Gibt es eine spezielle Klettersaison?

Viele Klettersteige öffnen nur während der Sommerzeit, darunter einige in Bayern. Dadurch wird vermieden, dass ihr von einer eisigen Schneelandschaft rund um die Gipfel überrascht werdet. Allgemein solltet ihr die eventuellen Öffnungszeiten von Rundwegen prüfen, um nicht vor “verschlossenen Türen” zu stehen. Auch ein spontaner Wetterumschwung kann dem Abenteuer einen Strich durch die Rechnung machen. Seid aber nicht enttäuscht, denn all das dient lediglich eurer Sicherheit – und diese ist schließlich bei all dem Spaß das Wichtigste!

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