Reiserücktritt: Was es zu beachten gilt


Der Traumurlaub steht kurz bevor und dann der Schock: Eine Krankheit, ein Unfall oder ein Arbeitsplatzverlust zwingen euch zum Reiserücktritt. Wann und wie es möglich ist, eure Reise möglichst ohne Verluste zu stornieren, verraten wir euch hier.

Zeitpunkt: Wann kann ich die Reise stornieren?

Ihr habt euch auf euren Urlaub gefreut und dann passiert etwas, das euch den Trip unmöglich macht. Ihr hattet einen Unfall, der euch in eurer Mobilität einschränkt oder ausgerechnet jetzt erwischt euch die Sommergrippe. Vielleicht ist auch einem nahen Angehörigen etwas passiert, sodass ihr den Urlaub überhaupt nicht genießen könntet und eure Unterstützung zu Hause gefragt ist.

Jetzt ist guter Rat teuer: Kann die Reise noch abgesagt werden? Und wenn ja, wie müsst ihr vorgehen und welche Konsequenzen kommen auf euch zu? Zunächst mal eine beruhigende Nachricht: Grundsätzlich könnt ihr jederzeit euren geplanten Trip stornieren – zum Urlaub zwingen kann euch schließlich niemand. Die Frage ist nur, zu welchem Preis der Rücktritt erfolgt.

Wenn sich abzeichnet, dass ihr eure Reise kündigen müsst, solltet ihr euch so früh wie möglich um die Stornierung kümmern. Immerhin gilt die Faustregel: Je später die Kündigung, desto höher die Entschädigung für die Fluglinie, das Hotel oder den Reiseveranstalter. Es gibt auch einige, sehr seltene Fälle, in denen ihr eure Reise immer oder meistens kündigen könnt.

Flug und Hotel am Laptop stornieren
Flug und Hotel am Laptop stornieren

Wann ist die Kündigung immer möglich?

Der einzige Grund, bei dem ihr ohne Wenn und Aber die Reise stornieren könnt, ist höhere Gewalt. Hinter diesem doch recht allgemeinen Begriff verbergen sich beispielsweise Naturkatastrophen oder terroristische Gefahren am Urlaubsort. Sofern das Auswärtige Amt eine entsprechende Reisewarnung für euren Wunschort ausgibt, gilt das als Kündigungsgrund für eure Reise.

Aber: Wenn beispielsweise ein terroristischer Anschlag am Zielort erfolgt ist, die Terrorgefahr im Allgemeinen aber laut Auswärtigem Amt nicht erhöht ist, gilt das nicht als Stornierungsgrund. Die Reisewarnungen für euer Urlaubsland, die seitens Deutschland erfolgen, sind maßgeblich, ob ihr bei einer Stornierung eine Gebühr bezahlen müsst oder nicht.

Wann ist die Kündigung meistens möglich?

Wenn ihr mit einem Reiseveranstalter gebucht habt, könnt ihr außerdem von der Reise zurücktreten, sofern sich maßgebliche Eckdaten ändern. Dazu gehören:

  • die erhebliche Anpassung der Abflugzeit, die beispielsweise um mehrere Stunden verschoben wurde,
  • eine Anpassung der Flugdauer, die deutlich länger ausfällt oder sogar einen Zwischenstopp hinzufügt,
  • ein höherer Reisepreis,
  • ein anderes Hotel als vereinbart,
  • drastisch veränderte Programmpunkte,
  • nicht mehr inkludierte Leistungen, die bei Reiseabschluss noch inklusive waren.

In den meisten Fällen müsst ihr beim Reiserücktritt keine Entschädigung zahlen. Es kann aber sein, dass euch der Reiseveranstalter beispielsweise nach einer Preiserhöhung und eurem Widerspruch den ursprünglichen Preis gewährt. Dann besteht natürlich kein Recht auf eine Reisestornierung.

Reise beim Veranstalter stornieren
Reise beim Veranstalter stornieren

Tipp: Anwalt befragen

Wenn ihr mit den Stornierungsbedingungen nicht einverstanden seid oder euch der Reiseveranstalter nach einem der genannten Punkte nicht entgegenkommt, kann ein Anwalt sinnvoll sein.

Fakten: Lohnt sich eine Versicherung?

Da in anderen Fällen mit Stornierungskosten bei einem Reiserücktritt gerechnet werden muss, entscheiden sich viele Urlauber für eine Reiserücktrittsversicherung. Diese sorgt – unabhängig von den individuellen Stornierungsgebühren der Reiseveranstalter – dafür, dass ihr euer Geld für die Reise bei einem Rücktritt wiederbekommt. Allerdings könnt ihr den Urlaub auch trotz Reiseversicherung nicht einfach aus Lust und Laune absagen. Es sind bestimmte Gründe erforderlich, die ihr im Vorfeld des Versicherungsabschlusses den Allgemeinen Geschäftsbedingungen entnehmen solltet.

Reiserücktrittsversicherungen lohnen sich vor allem bei Frühbuchern, die ihren Trip lange im Vorfeld planen. Denn: Je länger der Zeitraum bis zum Urlaub, desto größer die Gefahr, dass unvorhergesehene Ereignisse wie eine Krankheit oder eine ungeplante Schwangerschaft auftreten, welche die Reise schwierig bis unmöglich machen. Auch sollte die Versicherung abgeschlossen werden, wenn „Risikogruppen“ wie Kinder oder ältere Menschen Teil des Urlaubs sind. War eure Reise sehr teuer und ihr wollt im Zweifelsfall nicht auf den Kosten sitzenbleiben? Auch dann solltet ihr ein paar Euro mehr dranhängen und euch für die Versicherung entscheiden. Wenn ihr hingegen nur einen Kurztrip zum nächsten Strand plant, erweist sich eine Reiserücktrittsversicherung meist als überflüssig. Ihr solltet gut überlegen, ob und welche Reiserücktrittsversicherung ihr abschließen möchtet. Als Faustregel gilt: Versicherungen ohne Selbstbeteiligungen sind besser, aber auch etwas teurer als die Alternativen. Auch sollten die Kosten für die Versicherung sechs Prozent der gesamten Reisekosten nicht überschreiten.

Reise per Telefon stornieren
Reise per Telefon stornieren

Tipp: Kreditkartenanbieter überprüfen

Manchmal ist es gar nicht nötig, dass ihr eine separate Reiserücktrittsversicherung abschließt. So bieten immer mehr Kreditkarten, die auch das kostenfreie Geldabheben im Ausland erlauben, einen erweiterten Reiseschutz an. Habt ihr eine solche Kreditkarte, solltet ihr prüfen, welche Leistungen inklusive sind. Einige könnt ihr auch gegen Aufpreis problemlos für den Urlaub hinzubuchen.

Wann zahlt die Versicherung?

Wie schon erwähnt, zahlt die Reiserücktrittsversicherung nur bei zwingenden Gründen. Zu diesen zählen:

  • Unfälle und Erkrankungen des Reisenden
  • ein erheblicher Schaden am Eigentum eines Reisenden
  • der Tod oder die schwere Erkrankung eines nahen Angehörigen
  • eine zuvor nicht bekannte Schwangerschaft einer Reisenden
  • die plötzliche Arbeitslosigkeit eines Reisenden
  • ein unvorhergesehener Arbeitsplatzwechsel eines Reisenden
  • die zuvor nicht bekannte Unverträglichkeit einer Impfung eines Reisenden
  • ein wichtiger Gerichtstermin, den der Reisende wahrnehmen muss und dessen Datum zuvor noch nicht geklärt oder bekannt war.

Tritt einer der Fälle ein, müsst ihr euch an den Versicherer wenden und die Situation nachweisen, etwa mit einem ärztlichen Attest. Die Reiserücktrittsversicherung zahlt nur, wenn diese Fälle VOR dem Reiseantritt eintreten. Für Erkrankungen während des Urlaubs haftet die Reiseabbruchsversicherung, die zusätzlich zur Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen werden kann.

Ergänzung zur Reiserücktrittsversicherung

Mit einer Reiseabbruchsversicherung, die lediglich in Kombination mit einer Rücktrittsversicherung abgeschlossen werden kann, wappnet ihr euch gegen weitere Eventualitäten im Urlaub. Sofern ihr krank im Urlaub seid und den Trip vorzeitig beenden müsst, greift diese Zusatzversicherung. Das gilt auch, wenn während eurer Reise ein naher Angehöriger verstirbt oder schwer erkrankt.

Entgegen des Namens haftet die Reiseabbruchsversicherung aber nicht nur, wenn der Urlaub abgebrochen werden muss. Auch bei einer Verlängerung aus zwingenden Gründen greift sie ein. Das kann der Fall sein, wenn ihr im Urlaubsland einen Unfall habt und im Krankenhaus liegt, wodurch ihr den Rückflug nicht wahrnehmen könnt. Die Kosten für einen späteren Rückflug und den längeren Aufenthalt werden von der Versicherung getragen.

Bei Krankheit die Reise abbrechen
Bei Krankheit die Reise abbrechen

Stornokosten ohne Reiserücktrittsversicherung

Kommt keine der genannten Möglichkeiten für eine kostenfreie Stornierung in Frage und habt ihr auch keine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen, werden bei einer Kündigung der Reise bestimmte Gebühren auf euch zukommen. Für die Stornierungskosten, die ihr dem Reiseveranstalter oder der Fluglinie als Entschädigung bezahlen müsst, gibt es keine generellen Richtlinien. Ihr müsst also bei einer Stornierung ins Kleingedruckte des Anbieters schauen, bei dem ihr gebucht habt. Idealerweise macht ihr das schon vor der Buchung, damit ihr wisst, was im Zweifelsfall auf euch zukommt.

Erfahrungsgemäß fallen bei Pauschalreisen die geringsten Gebühren für die Stornierung an, da diese in den meisten Fällen vom Anbieter problemlos weiterverkauft werden können. Bei Kreuzfahrten hingegen sind die Stornokosten verhältnismäßig höher. Individuell verschieden ist es bei einzelnen Buchungen von Hotels, Flügen oder Bahnreisen.

Gebühren im Durchschnitt

In den Reisebedingungen des jeweiligen Anbieters werdet ihr hinsichtlich der Stornokosten sicher schnell fündig. Eine übliche Staffelung ist folgende:

  • 20 Prozent der Kosten müssen gezahlt werden, wenn ihr mehr als 30 Tage vor dem Urlaubsbeginn storniert,
  • beim Reiserücktritt bis zum 22. Tag vor eurem Urlaubsbeginn fallen 30 Prozent der Kosten als Stornierungsgebühr an,
  • bis zum 7. Tag vor dem eigentlichen Reisetermin müsst ihr 45 Prozent der Reisekosten tragen,
  • bei späteren Stornierungen fallen 75 bis 100 Prozent der Kosten für den Urlaub an.

Auch hier seht ihr, dass sich die Faustregel „frühe Stornierung – geringere Kosten“ bewahrheitet.

Reiserücktritt: So müsst ihr vorgehen

Ob mit Reiserücktrittsversicherung oder ohne: Es gilt, den Reiseanbieter so bald wie möglich über eure Stornierung zu informieren. In der Regel findet ihr in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen jeweils einen Ansprechpartner, an den ihr die Stornierungsanfrage senden müsst. Falls nicht, solltet ihr direkt nachfragen.

Die Stornierung kann in der Regel nur schriftlich und nicht per E-Mail erfolgen, da eure Unterschrift auf dem Schreiben verlangt wird. Insbesondere, wenn Gründe für eine kostenlose Stornierung vorliegen, solltet ihr diese im Schreiben erwähnen. Es kann aber auch nicht schaden, den Grund anzugeben, wenn ihr mit Gebühren rechnet – manchmal zeigen sich Reiseveranstalter bei schweren Erkrankungen oder ähnlichen Fällen kulant.

Stornieren mit einem Klick
Stornieren mit einem Klick?

Wenn ihr über eine Reiserücktrittsversicherung verfügt, müsst ihr diese ebenfalls zeitnah über eure Absage informieren und kontaktieren. Hier ist die Angabe des Grundes zwingend, um euer Geld zu erhalten. Auch ist ein entsprechender Nachweis wie ein ärztliches Attest notwendig, das euren angegebenen Grund bestätigt.

Kosten umgehen? Mögliche Alternativen

Nehmen wir mal an, dass ein absolutes Dilemma auftritt: Ihr könnt weder kostenfrei stornieren noch den Urlaub antreten, wollt aber auch nicht auf den mitunter hohen Stornierungsgebühren sitzenbleiben. Dann habt ihr jedoch noch ein paar Möglichkeiten, die anfallenden Kosten zu umgehen.

1. Die Umbuchung

Wenn ihr eine Pauschalreise bei einem Veranstalter gebucht habt, gibt es die besten Chancen für diese Option. Manchmal ist es hier auch spontan noch möglich, einen Urlaub auf einen anderen Termin umzubuchen. Wenn das Interesse an eurem ursprünglichen Termin groß ist, kann der Anbieter diesen noch anderweitig verkaufen. In dem Fall kommt ihr vielleicht um die hohen Stornokosten herum. Rechnet aber damit, dass dennoch eine (wenn auch geringere) Entschädigung gezahlt werden muss. Schlechter stehen eure Chancen bei Umbuchungen von Flügen und Hotels. Aber: Fragen kostet (noch) nichts!

2. Der Reiseweiterverkauf

Oftmals könnt ihr eure Reise auch weiterverkaufen. Ist das Ziel begehrt, gelingt das meist zum eigentlichen Buchungspreis, sodass ihr keine Verluste eingeht. Lediglich für die Datenanpassung wie die Namensänderung des Reisenden können Gebühren anfallen. Auch müssen Fluglinie und Hotel natürlich zustimmen, wenn jemand anderes an eurer Stelle reist.

3. Der Kontakt zum Anbieter

Ist eine Stornierung nicht oder nur zu hohen Preisen möglich, solltet ihr euren Reiseanbieter kontaktieren. Kulanz ist hier das Stichwort – manchmal drücken die Veranstalter in wichtigen Fällen ein Auge zu. Die Suche nach einer Lösung, die beide Parteien zufriedenstellt, ist eine gute Alternative zum reinen Widerspruch. Ihr solltet freundlich und sachlich sein und am besten den telefonischen Weg wählen.

Auch könntet ihr nach dem Urlaubstermin fragen, ob die Reise nach eurer Stornierung noch veräußert werden konnte. Wenn ja, erhaltet ihr eventuell einen Teil der geleisteten Stornokosten wieder zurück.

4. Das Geschenk

Bevor die Reise komplett verfällt, solltet ihr überlegen, ob es liebe Freunde oder Bekannte gibt, die sich über den Urlaub freuen würden. Wenn die Stornokosten unverhältnismäßig hoch sind oder vielleicht sogar den kompletten Reisepreis betragen, ist das Geschenk die bessere Wahl. Auch hier gilt: Ihr müsst Rücksprache mit dem Veranstalter halten und Gebühren für die Datenanpassung einkalkulieren.

Reiseüberraschung als Geschenk
Reiseüberraschung als Geschenk

Urlaub planen: hohe Stornokosten vermeiden

Schon bei der Reiseplanung könnt ihr darauf achten, dass ihr hohe Stornierungskosten vermeidet.

Hotel mit Stornomöglichkeit wählen

Es gibt bestimmte Reise- und Hotelangebote, die gegen eine geringfügig höhere Gebühr eine kurzfristige Stornierung erlauben. Diese ist manchmal sogar noch am Anreisetag bis 18.00 Uhr kostenfrei möglich. Wenn das gewünschte Hotel dieses Angebot nicht listet, lohnt sich eine vorherige Nachfrage.

Flexiblen Flug-/Bahntarif wählen

Auch bei der Anreise könnt ihr auf spezielle Angebote schielen, die euch eine Stornierung möglich machen. So gibt es Flex-Tarife bei Bahn und Fluggesellschaften, die entweder eine Umbuchung oder einen kompletten Reiserücktritt erlauben. Auch hier gilt natürlich, dass der Preis höher ist als bei nicht stornierbaren Angeboten. Ihr müsst also genau kalkulieren, ob sich die Tarife lohnen.

Last Minute buchen

Ihr neigt dazu, dass ihr immer im ungünstigsten Moment krank werdet – beispielsweise kurz vor eurem wohlverdienten Urlaub? Dann könnt ihr auch ganz spontan sein und Last Minute buchen. Wenn ihr beispielsweise heute bucht und morgen startet, wird hoffentlich nichts dazwischenkommen. Allerdings habt ihr hier natürlich weniger Spielraum bei der Wahl des Urlaubsziels, auch muss mit Flügen zu ungünstigen Zeiten gerechnet werden. Es ist auch möglich, direkt zu einem Flughafen in eurer Nähe zu fahren und nach freien Plätzen in bald startenden Flugzeugen zu fragen.

Bonus: Der Nervenkitzel, vorher nicht zu wissen, wo es hingeht, macht euren Urlaub besonders!

Sag uns Deine Meinung zu diesem Thema

* Pflichtfelder