Kangaroo Island in Australiens Süden


Auf dieser Insel, rund 16 Kilometer südlich vom Festland, trefft ihr auf die australische Tier- und Pflanzenwelt und habt die Wahl zwischen Auszeiten an weißen Stränden sowie ausgedehnten Wanderungen im Grünen. Die Schönheit der Natur wird euch einen unvergesslichen Urlaub neben Kängurus und Koalas bescheren.

Überblick

Für Familien und Naturfreunde ist es ein Erlebnis, vom australischen Bundesstaat South Australia und dessen Hauptstadt Adelaide den kurzen Seeweg in Richtung Kangaroo Island (zu Deutsch Känguru-Insel) zu nehmen. Sie ist das drittgrößte Eiland des Kontinents und wird häufig als „Zoo ohne Zäune“ bezeichnet, denn hier lebt eine Vielfalt an Tieren, darunter die namensgebenden Beuteltiere. Zu den vielen Wildtieren der Insel gehören aber ebenso Robben und Seelöwen, Koalas und die kleinen Wallabys (eine Gattung innerhalb der Kängurus) sowie Possums (gehören zu den Beutelsäugern), Schnabeltiere und Ameisenigel. Eine Tierwelt, die man hier gar nicht kennt!

Nach Buschbränden zum Jahreswechsel 2020 erholen sich Flora und Fauna auf der 440 Quadratkilometer großen Insel und Besucher können die Schönheit der Natur wieder bestaunen. Dazu zählen rund 900 Pflanzenarten wie Wildblumen und Eukalyptussträucher. Etwa 260 Vogelarten, darunter Zwergpinguine und Pelikane sowie 220 Fischarten gehören ebenfalls zur Tierwelt von Kangaroo Island. Zudem ist die Ligurische Honigbiene hier heimisch, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Italien eingeführt wurde und heute die einzige Honigbiene der Insel ist. Der Honig ist entsprechend ein begehrtes Souvenir.

Geschichte

Archäologische Funde zeigen, dass bereits vor 16.000 Jahren Siedlungen existierten, doch die Landmasse vermutlich vor rund 10.000 Jahren durch den steigenden Meeresspiegel vom Festland getrennt wurde und so eine Insel entstand. 1802 entdeckte der britische Seefahrer Matthew Flinders diese Insel und benannte sie nach den heimischen Tieren: Kangaroo Island. Im Jahr 1836 wurde der heutige Inselhauptort Kingscote von europäischen Siedlern gegründet, die jedoch zeitnah aufs Festland wechselten und Adelaide dann zu ihrer neuen australischen Heimat machten.

Verhalten beim Kontakt zu Wildtieren

Wer Känguru und Co. ganz nah kommen möchte, hat auf der Insel sehr gute Chancen, vor allem bei organisierten Touren mit erfahrenen Begleitern, die um die Lieblingsplätze der Tiere wissen. Ob auf eigene Faust oder bei Führungen: Wenn sie auch hübsch sind und zutraulich wirken, bleiben es Wildtiere, die im Fall der Kängurus durch enorme Schlag- und Trittkraft sehr gefährlich sein können. Menschen sollten sich daher nur langsam nähern, sicheren Abstand wahren und vor allem kein Futter werfen. Gerade Kängurus verlieren sonst schnell jede Scheu, kommen sehr nah und können weiteres Futter aggressiv einfordern.

Orte

Auch wenn die Weite der Natur den Großteil der Insel ausmacht, gibt es mehrere Ortschaften, in denen die rund 4.700 Bewohner daheim sind. Diese Dörfer sind besonders interessant und einen Besuch wert.

Kingscote

Seit seiner Gründung 1836 ist Kingscote an der Nordostküste der Hauptort der Insel und wird jetzt von etwa 1.800 Menschen bewohnt. Noch heute gibt es einen Maulbeerbaum, der im Gründerjahr gepflanzt wurde. Bei einem Besuch erwartet euch neben der Kangaroo Island Gallery auch ein Aquarium am Kingscote Wharf mit Fischen, Seepferdchen und Pinguinen. Hübsch sind die umliegenden Weingüter, Bauernhöfe und eine Honigfarm sowie das Hope Cottage Folk Museum mit historischen Einrichtungsgegenständen der Siedler.

Penneshaw

Alle Fähren vom Festland nach Kangaroo Island legen hier im Osten der Insel an. Penneshaw ist darüber hinaus bekannt für sein informatives Penguin Centre und die Möglichkeit, nach Einbruch der Nacht wilde Pinguine beim Weg vom Meer auf das Eiland zu beobachten. Tagsüber lohnt ein Gang entlang des Kangaroo Island Sculpture Trails.

Penneshaw
Eine Fähre nähert sich Penneshaw

American River

An der Nordostküste leben im Fischerdorf American River etwa 200 Menschen und Besucher finden sich in unmittelbarer Nähe zur Pelican Lagoon wieder. Dieses Naturschutzgebiet bietet Pelikanen, Schwänen, Gänsen und weiteren Vogelarten einen geschützten Brutplatz. Dank des Fish Cannery Walking Trails sind Vogelbeobachtungen auf dem vier Kilometer langen Wanderweg möglich.

Parndana

Im Inselzentrum wurde 1962 die Stadt Parndana errichtet und besitzt bis heute den Charme einer typischen Countrytown. Lohnenswert ist ein Abstecher im Parndana Soldier Settlement Museum, in dem Gäste mehr über die Zeit der Besiedlung durch Europäer erfahren.

Strände

Die Känguru-Insel hat eine 509 Kilometer lange Küstenlinie und bietet viele Möglichkeiten, direkt am Meer eine entspannte oder sportlich aktive Zeit zu verbringen. Die schönsten vier Optionen stellen wir euch vor.

Vivonne Bay

An der Südküste findet ihr den schönsten Strand von Kangaroo Island, der oft sogar zu den besten Stränden der Welt gezählt wird. Vivonne Bay ist perfekt für einen langen Spaziergang, bei dem ihr häufig Robben sehen werdet, die in der Bucht ein Sonnenbad genießen. Menschen sollten für das eigene Sonnen natürlich reichlich Abstand zu den Tieren halten, finden aber am rund sechs Kilometer langen Strand ausreichend ausgewiesene öffentliche Liegeplätze. Die Bucht eignet sich zudem für Anfänger auf dem Surfbrett und lädt alle zur Abkühlung im türkisfarbenen Wasser ein.

Vivonne Bay
Erholsame Stunden am Strand der Vivonne Bay verbringen

Stokes Bay

Stokes Bay liegt versteckt hinter Felsen und kann entsprechend nur zu Fuß erreicht werden. Der ausgeschilderte Weg lohnt sich ungemein, denn wer die Felshöhlen passiert hat, trifft auf einen puderweißen Strand. Oft sind Seesterne zu sehen und wenn ihr daran denkt, eine Decke und den Picknickkorb mitzubringen, spricht nichts gegen einen ruhigen Tag am Strand.

Emu Bay

Der alternativ Bay of Shoals genannte Strand liegt etwa 18 Kilometer vom Hauptort Kingscote entfernt ebenfalls an der Nordküste. Über vier Kilometer verläuft der weiße Sandstrand, den sowohl die Einheimischen als auch Gäste lieben. Während Urlauber ihren Strandtag in der Bucht genießen, gehen Fischer ihrem Tagewerk nach und ziehen durch die Fischabfälle die einheimischen Brillenpelikane an. So können die Vögel am Emu Bay bestens beobachtet werden, was ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Snelling Beach

Ebenso auf der Nordseite befindet sich dieser gerade einmal 660 Meter lange Strand, der jedoch mit kristallklarem Wasser und sauberem Sand überzeugt und regelmäßig von Anglern besucht wird. Erfahrene Surfer kommen am Snelling Beach auf ihre Kosten, denn die Wellen werden häufig deutlich höher als einen Meter und verteilen sich über eine große Zone.

Snelling Beach
Der Snelling Beach eignet sich zum Surfen

Sehenswürdigkeiten

Kangaroo Island bietet viele Sehenswürdigkeiten, die euch von der Schönheit der abwechslungsreichen Natur überzeugen werden. Dank nachhaltigem Tourismus werden die Naturdenkmäler und -parks bewahrt und machen Lust auf ein Wiederkommen.

Flinders Chase National Park

An der südwestlichen Spitze bietet der 326 Quadratkilometer große Flinders Chase Nationalpark tausenden Tieren eine Heimat inmitten der Wälder und auf den Stränden. Während ihr das Gebiet mit seinen Kängurus und Koalas erkundet, werdet ihr auch auf zwei besondere Sehenswürdigkeiten innerhalb des Parks stoßen: Remarkable Rocks und Admirals Arch.

Flinders Chase National Park
Markanter orangefarbener Felsen

Erstere ist eine bizarr anmutende Felsformation aus orangefarbenem Granit und das Ergebnis von Wind und Wasser, die über 500 Millionen Jahre auf die Riesenfelsen einwirkten. Admirals Arch ist der Name einer natürlich entstandenen Felsbrücke, die ebenfalls von den Mächten der Natur geformt wurde. Ein Holzsteg führt euch bis zu einer Aussichtsplattform, von der aus ihr den gesamten Bogen überblickt und nicht selten Langnasen-Pelzrobben seht, die hier in einer Kolonie leben.

Seal Bay Conservation Park

Im Süden von Kangaroo Island leben an einer 900 Meter langen Strandpromenade wilde Seelöwen in einer Kolonie aus rund 700 Tieren. An mehreren Punkten stehen Aussichtsplattformen für Besucher, um die Raubtiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Bis auf wenige Meter können Gäste bei einer Führung an die Kolonie herangehen und für mehr Hintergrundinformationen zum Leben der Seelöwen wurde das Seal Bay Visitor Centre errichtet, das die Entstehung und Pflege des Parks an sich beleuchtet.

Seelöwe im Seal Bay Conservation Park
Seelöwe im Seal Bay Conservation Park

Hanson Bay Wildlife Sanctuary

Dieser Park ist ein Muss für alle Menschen, die freilebende Koalas aus der Nähe sehen möchten. Zwar leben die Tiere überall auf Kangaroo Island, doch da sie vergleichsweise scheu sind und in der Baumlandschaft nur bei genauem Suchen zu sehen sind, ist das Hanson Bay Wildlife Sanctuary die beste Adresse für das Sichten der Tiere. Bei einer geführten Tour seht ihr nicht nur viele Koalas, sondern lernt von den erfahrenen Betreuern vor Ort mehr über deren Leben und Verhalten. Darüber hinaus befinden sich rund 150 weitere Tierarten im Park, darunter Pinguine und Pelikane, die ihr zu den Fütterungszeiten hautnah erlebt.

Koala im Hanson Bay Wildlife Sanctuary
Koala mit Jungtier

Leuchttürme

Wer im Urlaub gern Leuchttürme besichtigt, hat auf Kangaroo Island dreifach die Gelegenheit dazu. An der Ostküste steht das Cape Willoughby Lighthouse, ein 1852 erbauter Turm. 102 Treppen führen zu einer Aussichtsplattform über dem Meer, während das Innere heute als kleines Museum für Besucher offensteht.

Cape Willoughby Lighthouse
Ganz in Weiß: Cape Willoughby Lighthouse

Der zweite Turm ist das Cape du Couedic Lighthouse im Flinders Chase Nationalpark, wo Besucher zwar nicht in das Gebäude können, unmittelbar in der Nähe aber mit einem Rundumblick auf die Känguru-Insel belohnt werden. Der 1909 eingeweihte Leuchtturm wurde mit rund 2.000 Steinblöcken aus der Region erbaut, bis 1957 von Menschen geführt und danach automatisiert.

Nummer drei ist der Leuchtturm am Kap Borda, ebenfalls im Flinders Chase Nationalpark. Er wurde 1858 als einziger quadratischer Steinleuchtturm Südaustraliens erbaut und ist bis heute in Betrieb. Rund um den Leuchtturm befindet sich der Friedhof für Leuchtturmwächter und wer möchte, kann eine geführte Tour ins Gebäude buchen.

Kelly Hill Caves

Zu den schönsten Naturdenkmälern gehören die Kelly Hill Caves, ein weites Höhlensystem aus Stalaktiten, Stalagmiten und weiteren Gesteinsformationen. Zum Schutz der Höhlen ist ein Betreten nur im Rahmen einer Führung möglich. Neben einfachen Besichtigungen von Schauhöhlen können auch abenteuerliche Ausflüge in tiefere Ebenen mit mehreren Stunden Dauer unternommen werden. Mutige vor!

Aktivitäten

Neben den Ortschaften, Stränden und Naturschutzgebieten, die es zu erkunden gibt, habt ihr zusätzlich eine große Auswahl an spannenden Aktivitäten auf Kangaroo Island.

Wanderungen unternehmen

Es gibt viele Wanderwege, die euch durch die Wälder an der Küstenlinie entlang und hin zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten führen. Der Kangaroo Island Wilderness Trail ist beispielsweise ein 61 Kilometer langer Wanderweg durch den Flinders Chase National Park, der für Touren gern auf Etappen über fünf Tage aufgeteilt wird. Sehr zu empfehlen sind ferner die drei Wanderwege durch die Murray Lagoon, die größte Lagune auf der Känguru-Insel, wo sich unzählige Wildvögel aufhalten.

Schwimmen und Surfen

An sonnenverwöhnten Tagen hält es kaum einen Menschen auf der Kangaroo Island vom Meer fern. Die Verlockung einer Abkühlung ist zu groß und so nutzen Einheimische und Gäste gleichermaßen die vielen Möglichkeiten, um im azurblauen Meer zu schwimmen oder mit dem Surfbrett unter den Füßen auf den Wellen zu reiten.

Schnorcheln und Tauchen

Das klare Meereswasser eignet sich überaus gut zum Schnorcheln in Strandnähe und zu Tauchgängen im offenen Meer. Über 20 Meter tief kann man tauchen und dann Schwämme, Korallen und riesige Fischschwärme bewundern. Mit etwas Glück begegnet ihr dem in Südaustralien einzigartigen Leafy Sea-Dragon (zu Deutsch Großer Fetzenfisch). Wer an der Westküste beim Kap Borda auf Tauchgang geht, kann außerdem rund 30 Schiffswracks erkunden.

Kangaroo Island Seepferdchen
Seepferdchen vor Kangaroo Island

Sandboarding in den Dünen

Meterhohe Sanddünen türmen sich im Süden der Insel und gaben dem Gebiet seinen Namen: Little Sahara. Ihr werdet euch tatsächlich wie in einer Wüstenlandschaft fühlen und habt vor Ort die Möglichkeit, beim Sandboarding über die Dünen zu gleiten oder im Buggy eine wilde, abenteuerliche Fahrt zu unternehmen.

Reise-Infos

Ein Besuch auf der Känguru-Insel wird mit Sicherheit ein unvergessliches Urlaubserlebnis, in das ihr am besten gut vorbereitet startet. Für den Urlaub in Australien haben wir noch einige Tipps parat.

Ideale Reisezeit

Da Australien auf der Südhalbkugel liegt, fallen die Wintermonate auf Juni bis August. Dann ist es auf Kangaroo Island mit durchschnittlich 15 Grad Celsius am kühlsten und die Koalas und Kängurus haben Nachwuchs, sodass gute Chancen bestehen, Muttertiere und Jungen zu sehen. Die Sommer auf der Insel sind für australische Verhältnisse relativ mild und steigen selten über 30 Grad, da die Lage kühlere Luft bringt. In der Hauptsaison von November bis März ist die Insel am stärksten besucht, wer es ruhiger mag, wählt als Reisezeit Mai bis September.

Anreise & Fortbewegung vor Ort

Australien besitzt mehrere internationale Flughäfen, doch am nächsten seid ihr der Kangaroo Island, wenn ihr am Adelaide Airport landet. Für die Reise nach Adelaide gibt es eine Verbindung ab Frankfurt am Main mit einer Dauer von 23 Stunden. Zieht es euch sofort zur Känguru-Insel, könnt ihr in Adelaide einen regionalen Flug nehmen, der euch binnen 30 Minuten auf die Insel bringt und euch südwestlich von Kingscote aussteigen lässt.

Alternativ könnt ihr ab Adelaide in weniger als zwei Stunden bis zum Küstenort Cape Jervis fahren, von wo aus täglich Fähren auf die Insel übersetzen. Ihr legt nach ungefähr 50 Minuten Fahrtzeit im Hafen von Penneshaw an. Auf der Insel fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel. Wer nicht mit einer geführten Reiseleitung unterwegs ist, kann einen Mietwagen vor Ort nehmen.

Bedenkt zum einen die Zeitverschiebung von neuneinhalb Stunden und anderen die Notwendigkeit eines Visums für die Reise nach Australien.

Währung & Bezahlung

Auf der Känguru-Insel gilt wie im ganzen Land der Australische Dollar als Währung. Bucht ihr Ausflüge vor Ort oder wollt in Hotels bezahlen, ist Kartenzahlungen in der Regel kein Problem. Bargeld für kleine Geschäfte oder Souvenirstände empfiehlt sich trotzdem und kann in den Ortschaften Kingscote und Penneshaw ebenso wie in Parndana und American River an Geldautomaten abgehoben werden.

Essen & Spezialitäten

Kangaroo Island ist bekannt für Fischgerichte und Marron-Krebse, die in der Küstenregion leben und daher fangfrisch serviert werden. Darüber hinaus sind der regionale Schafskäse, Wein der inseleigenen Güter und der Honig der Ligurischen Honigbiene lokale Spezialitäten.

Hotels & Unterkünfte

Die Känguru-Insel ist auf Besucher bestens eingestellt und bietet neben Bed & Breakfast auch Hotels der gehobenen und luxuriösen Klasse. Die Möglichkeiten zur Übernachtung sind über die Insel verteilt, sodass alle Urlauber den perfekten Platz für sich finden können.

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