Resturlaub verfällt nicht automatisch


In Zukunft müssen Arbeitgeber ihre Beschäftigten auf deren Urlaubsanspruch hinweisen. Nicht genommene Urlaubstage automatisch verfallen zu lassen, ist damit nicht mehr rechtens.

Arbeitgeber: Pflicht zur Information

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt hat entscheiden, dass Arbeitgeber ihre Beschäftigten künftig dazu auffordern müssen, Resturlaub zu beantragen. Gleichzeitig muss der Hinweis erfolgen, dass nicht genommene Urlaubstage ansonsten verfallen. Damit hat das BAG bereits geltendes EU-Recht in deutsches Recht eingeschlossen.

Bild Mit dem Kalender den Resturlaub planen

Steht euch noch Resturlaub zu?

Die Entscheidung stärkt nicht nur die Arbeitnehmerrechte in den kommenden Jahren. Auch wer denkt, sein Resturlaub sei vielleicht schon verfallen, kann als Beschäftigter jetzt noch den eigenen Anspruch auf die freien Tage prüfen. Wie das BAG formuliert hat, müssen Arbeitgeber „klar und rechtzeitig“ auf die Urlaubstage hinweisen. Wann genau ein Hinweis als rechtzeitig gilt, haben die Richter in Erfurt jedoch offengelassen. Ebenfalls offen bleibt die Frage, ob Resturlaub auch verjähren kann. Wer als Arbeitnehmer dennoch davon ausgeht, über ausstehenden Resturlaub nicht informiert gewesen zu sein, kann diesen beim Arbeitgeber jetzt einfordern.

Tipp: Um verfallene Urlaubstage aus den Vorjahren einzufordern, solltet ihr zunächst die Informationen eures Arbeitgebers nachrecherchieren. Gab es entsprechende Mitteilungen, in Form von E-Mails, Intranet oder in anderer Form, die nachvollziehbar sind? Findet ihr keine Belege, muss zunächst das Unternehmen nachweisen, euch ausreichend informiert zu haben. Wie lange ihr entgangenen Urlaub geltend machen könnt, ist (noch) nicht gesetzlich geregelt. Entsprechend gering können eure Chancen ausfallen, wenn ihr Urlaub aus weit vergangenen Jahren nachholen und keinen Rechtsstreit eingehen wollt. Auch wie euch der Arbeitgeber den entfallenen Urlaub bereitstellen muss, ist nicht geregelt. Es gibt daher keinen Anspruch darauf, den Resturlaub etwa mit Brückentagen kombinieren zu können. Bis der Gesetzgeber hierzu entsprechende Rahmenlinien vorgibt, müsst ihr euch im Zweifelsfall auf Kompromisse gefasst machen.

Arbeitnehmer: Urlaub nehmen, nicht aufsparen

Schon im November 2018 hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass Arbeitgeber ihre Beschäftigten über den Urlaubsanspruch angemessen aufzuklären haben. Erst dadurch würden Arbeitnehmer in die Lage versetzt, den Resturlaub zu beantragen. Grundsätzlich regelt jedoch das Bundesurlaubsgesetz, dass der vertraglich vereinbarte Urlaub überhaupt beantragt und auch im entsprechenden Urlaubsjahr genommen werden soll, um den gewünschten Erholungseffekt beim Arbeitnehmer zu erzielen. Möglichst viele Urlaubstage für das kommende Jahr aufzusparen, ist deshalb nicht im Sinne des Gesetzgebers.

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