Dicke im Flugzeug


Für füllige Menschen ist ein Flug meist kein Vergnügen. Wie reagieren Airlines auf übergewichtige Fluggäste und was können diese selber tun, um den Flug so angenehm wie möglich werden zu lassen?

Plussize Passagiere als Geldquelle und Sicherheitsrisiko beim Fliegen

Fliegen stellt Dicke vor eine Herausforderung, die die Vorfreude auf den Urlaub schmälern kann. Und damit das klar ist, wir sprechen hier von seltenen Extremfällen, wie sie etwa aus Samoa bekannt sind, wo das Idealgewicht deutlich im dreistelligen Bereich liegt. Durch die für so kräftige Passagiere zu kleinen Sitze im Flugzeug nehmen sie anderen Passagieren  schnell Platz weg, der gar nicht da ist und sorgen so bei anderen Passagieren, den Flugbegleitern und bei sich selbst für Unbehagen. Die Art und Weise, wie Fluggesellschaften mit diesem Problem umgehen, sorgt bei den Betroffenen auch nicht gerade für gute Laune. Billigflieger Ryan Air machte beispielsweise im Jahr 2009 Schlagzeilen, als es über die Einführung einer sogenannten „fat tax“ nachdachte. Die Einführung einer Zusatzgebühr für dicke Passagiere scheiterte nicht am Protest der Kunden oder der Öffentlichkeit, sondern an der aus der Sicht der Airline schlechten Umsetzbarkeit.

Zum Jahresende 2009 kursierte dann ein Foto im Netz, das einen übergewichtigen Kunden im Flugzeug von hinten auf einem Sitz am Gang zeigte. Der gewichtige Mann hatte kaum Platz, musste die Hälfte des Weges nutzen, so dass man die Sitzreihe kaum passieren konnte. Wenn man weiß, wie eng es im Flugzeug ist, kann man nur ahnen, wie unbequem es solche Passagiere in den beengten Sitzreihen haben. Das Foto soll eine Flugbegleiterin von American Airlines geschossen haben, die von ihrem Arbeitgeber wissen wollte, wie eine solche Situation zu handhaben sei. Eine eventuell nötige Flugzeugevakuierung wird so ebenfalls erschwert. Weil die Stewardess es einem Blogger zusandte, gelangte es schließlich an die Öffentlichkeit. Dicke, die fliegen, gab es zwar schon immer, doch durch ihren steigenden Anteil in der Bevölkerung und die beschleunigte Verbreitung von Nachrichten mittels Internet gelangt die Thematik mehr als zu anderen Zeiten in den Fokus der Wahrnehmung.

Dicke Person im Flugzeug, Gürtel geht nicht zu

Worst Case Szenario: Der Sicherheitsgurt ist zu kurz

Umgang der Airlines mit Übergewichtigen

Rechtlich ist die Lage so, dass die Fluggesellschaften selbst entscheiden können, wie sie mit Dicken auf dem Flug umgehen. Hauptsache, die Sicherheit ist für alle gewährleistet. Wer XXL an Bord ist, muss, wenn es die Airline will, zwei Sitze bezahlen. Fettleibige Menschen gelten nicht als behindert und sind somit nicht gesetzlich besonders geschützt. Während man früher vor dem Fliegen von sich aus einen zweiten Platz zum Kindertarif buchen konnte, zahlen korpulente Passagiere heute den vollen Preis. Die Fluglinien setzen darauf, dass die Betroffenen von sich aus zwei Plätze nebeneinander buchen. Alternativ besteht für übergroße Fluggäste die Möglichkeit, einen Sitz in einer höheren Preisklasse zu buchen, wo die Sitze breiter sind. Ob der breitere Platz reicht, wird der dicke Kunde wissen und welche Variante die günstigere ist, lässt sich herausfinden.

Mittlerweile gibt es auch schon einige Airlines, die den Flugpreis nach dem Gewicht des jeweiligen Kunden berechnen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Samoa Air, die seit 2013 so verfährt. Berücksichtigt wird allerdings auch das Gepäck auf dem Flug, was eigentlich ziemlich fair ist, denn jedes Kilo, dass mit einem Flugzeug von A nach B transportiert wird, verbraucht Kerosin. Das eine solche Idee als Erstes in Amerikanisch-Samoa umgesetzt wurde überrascht wenig, wenn man bedenkt, dass hier die Menschen leben, die weltweit mit am dicksten sind. Aus Sicherheitsgründen fing man 2015 bei Uzbekistan Airways und 2016 bei Hawaiian Airlines an, die Passagiere zu wiegen. Die staatliche usbekische Fluggesellschaft nutzte die vor dem Fliegen gewonnenen Daten für eine spätere Auswertung. Bei der hawaiianischen Fluglinie müssen die Passagiere auf der Strecke nach Amerikanisch-Samoa unmittelbar vor dem Einsteigen ins Flugzeug auf die Waage und bekommen anschließen einen der Flugsicherheit dienlichen Platz zugewiesen.

Dass bereits umgedacht wird, beweist diese Neuigkeit: Flugzeugbauer Airbus hat 2015 ein Patent eingereicht, das vorsieht, die Sitzplätze im Flugzeug durch Bänke zu ersetzen. Die „rekonfigurierbare Passagierbank“, wie es im Fachsprech heißt, hat Schienen, wo Halterungen für Gurte an verschiedenen Stellen angebracht werden können und so besser den unterschiedlichen Körperumfängen der Reisegäste gerecht werden. Auf einer solchen Bank können entweder drei normal gebaute Passagiere, zwei Dicke oder zwei Erwachsene mit kleinen Kindern sitzen. Theoretisch müsste in der Zukunft also niemand mehr eingequetscht auf seinem Sitz fliegen. Negative Gedanken wie „Warum muss ausgerechnet ich wieder fette Menschen um mich herum haben?“ gehören dann der Vergangenheit an. – Auch Mastercard ist an dem Thema dran: 2015 hat man ein Patent für ein System eingereicht, dass Schuh- und Kleidergröße der Kunden erfasst und an die Airlines übermittelt. So können diese die Passagiere optimaler platzieren.

Was können Dicke selber tun?

Vielleicht können auch wir mit ein, zwei Tipps helfen: Bevor Dicke fliegen, können sie sich nach der Beinfreiheit sowie den Sitzplatzgrößen in den verschiedenen Flugzeugtypen informieren. Ein Platz im Flugzeug ist meist etwa 44 cm breit und schwangt um diese Größe um ein paar Zentimeter. Wer Pech in Kombination mit einem kleinen Budget hat, muss mit einem 42 cm Sitz klarkommen, wer Glück oder das entsprechende Geld hat, kann sich auf bis zu 49 cm platzieren. Die Lage der Sitze ist auch wichtig: Reist eine Person mit ein paar Kilos mehr auf den Rippen mit jemand anderen, sollten beide den Gang- und Fensterplatz buchen. Plätze in der Mitte werden meist nur gewählt, wenn keine anderen Sitze mehr frei sind. So steigt die Wahrscheinlichkeit, sich eine Dreierreihe zu zweit teilen zu können. Hat man vor, alleine zu fliegen, bucht man sich in einer aus drei Plätzen bestehenden Reihe ebenfalls dort einen Außensitz, wo bisher erst einmal gebucht wurde. Wenn sich nicht viele für den Flug entscheiden, steigt die Chance, dass der mittlere Platz frei bleibt. Für den Fall, dass der normale Gurt nur schwer zugeht, kann man im Flugzeug vertauensvoll nach einer Gurtverlängerung fragen.

Dass Fliegen für Übergewichtige Auswirkungen auf den Urlaubsgenuss hat, verrät diese Studie zum Spaß am Fliegen.

Sag uns Deine Meinung zu diesem Thema

* Pflichtfelder

6 Kommentare zum Thema
  1. Agatha Rose

    Warum werden nicht einfach größere breitere Sitze gebaut… Und größere Abstände zu seinen Vorderman.. Dabei haben schlanke selbst schon Probleme.
    Aber Hauptsache soviele sitze rein wie möglich damit das Geld läuft.
    Und dazu das dicke mehr Benzin Geld für den Flieger zahlen sollen… Kann ich nur drüber lachen.. wie oft fliegt ein Flugzeug noch 2std. Sinnlos am Himmel um Kerosin zu verbrauchen?!
    Einfach größere size mit mehr Abstand auch zum Vorderman bauen.. und schon können ALLE bequem fliegen.

  2. Uwe

    Finde ich nett das Sie über diese Misere berichten! Bin übergewichtig und behindert und ich traue mich nicht einen Flug überhaupt in Betracht zu ziehen weil, mich schon die möglich auftreten Schwierigkeiten erdrücken! Fahrt zum Flughafen , Einchecken, der lange Weg zum Flugzeug, kann ich mit dem e-Scooter oder e-Rollstuhl bis zum Flugzeug fahren und wird er mitgenommen? Wie lange dauert es vom Eichecken bis wir dan starten oder bin ich schon vorher total erschöpft! Wird mir ein passender Sitzplatz zugewiesen, mein e-Rollstuhl hat eine Sitzbreite von 56cm es gibt auch klappbare Rollstühl mit 50cm da würde ich auch noch zurecht kommen aber es ist nicht sehr gemütlich! Ist viel Gedränge beim einsteigen, wie komme ich aus dem Flugzeug und wo ist mein fahrbarer Untersatz! Wie komme ich zum Hotel und ist dort alles gut zu befahren! wie komme ich im Speisesaal zurecht!
    Da gehen einem so viele Gedanken durch den Kopf das ich am besten es erst gar nicht versuche. Vielleicht gibt es aber jemanden der sich auf so etwas spezialisiert hat. Bei soviel Fragen und Schwierigkeiten für einen Schwergewichtigen Behinderten sollte die Sitzmöglichkeit in einem Flugzeug nicht auch noch eine Behinderung darstellen!!! Übrigens ist die Rede das immer mehr Menschen hohes Übergewicht haben! Die Fluggesellschaften wollen wohl immer weniger Kunden haben. Viele Grüße von Uwe

  3. Christine Gampe

    habe heute urlaub nach Kreta gebucht mit 3 Std. Flugzeit. nach diesem Flug entscheide ich ob ich bei 1,80 m Körperlänge ( davon im Verhältnis 2 Drittel Beim, 1 Drittel Oberkörper ) überhaupt nochmal fliegen kann. Sollten Notausstiegsplätze belegt sein werde ich kaum auf den „normalen“ Sitzplatz passen. Und habe jetzt schon enorme Wut auf die Airlines, die nur ans Geldscheffeln denken. wie komme ich als Alleinlebende Frau dann überhaupt nich ans Meer? wer weiß von Mitreisemöglichkeiten im Auto ( seriöse Anbieter)?

  4. Vanessa

    Hallo Uwe
    Ich bin letztes Jahr mit Ryanair geflogen und bin selbst übergewichtig.
    Es war kein länger Flug und absolut in Ordnung.
    Unter den Passagieren war ein Mann mit e Rollstuhl dabei der als aller erstes eingecheckt wurde und auch als erstes aus dem Flugzeug gebracht wurde.
    Die Crew hat geholfen und es hat alles gepasst.

    Beim Hotel buchen sollte man drauf achten das alles Barrierefrei Ist was bei Hotels aber Vermerkt ist

  5. Gerd

    Dass auch die Übergewichtigen wenig Spass daran haben, in den Airlines – Hühnerställen zu fliegen, leuchtet mir ein. Gleichwohl leiden auch die Normalgewichtigen erheblich, wenn rechts oder links und mitunter auch von beiden Seiten Körpermassen zum eigenen Sitz herüberragen.
    Die Flugpreise im Verdrängungswettbewerb der Airlines sind knapp kalkuliert. Das bedeutet, größere Sitze/weniger Passagiere erfordern höhere Preise. Anders herum bedeutet weniger essen weniger Übergewicht und spart zudem noch Geld ein.

  6. Karola Petry

    Ich bin heute von Athen nach Frankfurt mit Ryanair geflogen und aben mir weil ich 1,80 groß bin und übergewichtig bin den Sitz in der ersten Reihe gebucht und gezahlt.
    Mir hat der Gurt nicht gepasse, was noch nie vorgekommen ist, ich fliege mehrmals im Jahr. Ich bat die Stewardess um eine Gurtverlängerung. Die konnte ich leider nicht bekommen, da man da mit Gurtverlängerung nicht sitzen darf.
    Ich bin dann mit meinem Mann in die zweite Reihe ausgewichen. Und komischer Weise hat der Gurt dort ohne Probleme gepasst. Auf meine Frage wie das sein könnte konnte mir das Kabinenpersonal nicht antworten. Ich finde es komisch, daß der Gurt immer gepasst hat und nun nur abder zweiten Reihe. Ich bin Übergewichtig aber kein Mensch zweiter Klasse. Ich finde es schade, daß ich daür bezahle und auch dazu bereit bin mehr zu zahlen und dann so „verarscht“ werde. Wieso passte der Gurt in der zweiten REihe.? Auf eine Antwort von Ryanair brauche ich wohl nicht zu warten.