Mile High Club: Sex im Flugzeug?


Es gibt kaum eine Gesellschaft, dessen Mitgliedschaft buchstäblich so begehrt ist. Der Mile High Club vereint alle, die der Fantasie von Frivolitäten im Flugzeug nachgehen. Aus rechtlicher Sicht sind Intimitäten über den Wolken jedoch kritisch zu sehen. Wir verraten euch die wichtigsten Fakten zur Luftnummer.

Mile High Club: Verbotenes Spiel auf Wolke 7

Boris Becker, Robbie Williams und John Travolta sind einige der prominenten Mitglieder. Auch dem einstigen Promi-Pärchen Reese Witherspoon und Jake Gyllenhaal wird eine Mitgliedschaft nachgesagt. Der Mile High Club ist allerdings kein Verein für hochkarätige Stars. Sondern die umgangssprachliche Bezeichnung für jeden, der dem Liebesspiel in der Luft nachkommt. Als „Aufnahmebedingung“ des inoffiziellen Mile High Clubs gilt das Liebesspiel ab einer Flughöhe von 1.852 Metern. Also entsprechend einer nautischen Meile.

Next Stop: Mile High Club?

Next Stop: Mile High Club?

Das die Mitgliedschaft für viele ihren Reiz hat, beweist unter anderem das Dating-Portal „Saucy Dates“ in einer Umfrage. Unter 11.179 Befragten gaben 78 Prozent an, von der Luftnummer zu träumen. Nur fünf Prozent der Befragten sind bereits Mitglied des Mile High Club. Davon verkehrten 18 Prozent mit Crewmitgliedern und 30 Prozent mit bis dato Fremden. Die beliebtesten Orte waren mit 59 Prozent die Waschräume und 31 Prozent die Sitze. Nur ein Prozent nutzte das Cockpit zum Liebesspiel. Dieses dauerte der Befragung nach im Schnitt übrigens rund zehn Minuten.

Bordtoilette im Flugzeug

Eher unromantisch: die Bordtoilette

Doch die pikanten Treffen über den Wolken sind aus rechtlicher Sicht ein No-Go. Heute gibt es kaum Airlines, die sich in der Vergangenheit nicht mit einem Mile-High-Club-Skandal beschäftigen mussten. Wessen Tête-à-Tête an Bord auffliegt, muss sich im Zweifelsfall auf empfindliche Strafen einstellen. Ein Ausflug auf die Flugzeugtoilette von Virgin Airlines endete 2018 sogar mit einer Festnahme sowie lebenslangem Flugverbot.

Rechtslage: Love is (not) in the Air

Das über den Wolken die Freiheit wohl grenzenlos sein muss, vermutete einst auch Reinhard Mey. Zumindest im Hinblick auf den Mile High Club sind dieser Freiheit rechtliche Grenzen gesetzt. Denn auch in den Lüften gelten die Gesetze zur Erregung öffentlichen Ärgernisses. In Paragraph 183a des Strafgesetzbuches heißt es dazu: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafen bestraft, wenn die Tat nicht in § 183 mit Strafen bedroht ist.“ Der Paragraph 183 belegt exhibitionistische Handlungen daher mit Geldstrafen oder bis zu einem Jahr Freiheitsentzug. Die Fluggesellschaften selbst betonen die geltenden Gesetze zum Teil nochmals.

Flirten im Flugzeug

Flirten im Flugzeug

Singapore Airlines besitzt in der Ersten Klasse von sechs neuen A380-Maschinen zwölf Doppelbetten mit 1,75 Meter hohen Trennwänden. Der Freifahrtschein zum Höhenflug soll dies allerdings nicht sein. Die Airline erneuerte noch vor Start das geltende Sexverbot und rief dazu auf Anstand zu bewahren sowie auf andere Passagiere Rücksicht zu nehmen. Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow schloss vor einigen Jahren nicht aus, das sexuellen Handlungen als Verstoß gegen Sitten und Ordnung zur Anzeige gebracht werden. Das verbotene Spiel über den Wolken kann sogar noch gravierendere Folgen haben. Der US-Verkehrsbehörde TSB ist mindestens ein Unfall bekannt, bei dem sexuelle Vorgänge an Bord eines Flugzeugs „Mitschuld“ an Schäden trugen. Wer also die Vorteile eines Flug-Clubs nutzen will, entscheidet sich im Zweifelsfall eher für ein Vielfliegerprogramm mit Bonusmeilen.

Die Geschichte des „Luftverkehrs“

Wann der Mile High Club mit den ersten Passagieren seinen Anfang nahm, ist natürlich nicht ganz nachvollziehbar. Als „Gründer“ gelten heute jedoch der Konstrukteur und Pilot Lawrence Sperry sowie seine Flugschülerin Frau Waldo Polk. Sie sollen im November 1916 bei einem Flug über New York dem Club beigetreten sein. Anlass war der Test des von Lawrence konstruierten Autopiloten. Die beiden waren samt ihres Flugbootes vor Long Island abgestürzt, konnten jedoch lebend geborgen werden. Tatsächlich fehlte den beiden nicht viel – außer ihrer Kleidung. Den Kleidungsmangel begründeten sie mit der Wucht des Aufpralls. Heute gelten sie allgemein als die ersten Mitglieder des Mile High Clubs. Bis heute sorgt der Club immer wieder für kleine wie große Skandale:

  • Am 21. November 1963 sollen Präsident John F. Kennedy und seine Ehefrau Jackie gemeinsam einen Flug nach Houston für Frivolitäten genutzt haben. Dies meint zumindest der US-Historiker William Manchester herausgefunden zu haben.
  • Playboygründer Hugh Heffner soll mehrere Betten in sein Flugzeug „Bug Bunny“ einbauen lassen haben. Neben vielen Frauen ging einst angeblich auch Elvis Presley mit auf Höhenflug.
  • Virgin Airways musste 2002 all seine Wickeltische an Bord eines Airbuses austauschen. Einige Passagiere hatten die Tische zweckentfremdet und sie damit unnutzbar gemacht.
  • Bei einem Flug von Paris nach Stockholm beglückwünschte ein Steward im Jahre 2015 einem Pärchen mit den Worten: „Wir möchten dem Paar, das sich vorhin im Bad vergnügt hat, recht herzlich zur fröhlichen Fortpflanzung gratulieren.
  • 2017 machte besonders ein Flug nach Ibiza Schlagzeilen, als zwei Gäste in einer vollbesetzten Maschine Mitglieder des Mile High Club wurden. Das Video der beiden ging viral und Ryanair drohte auch mit rechtlichen Konsequenzen.

Guten Flug: Ausnahmen der Regel

Doch es gibt auch gute Nachrichten für jeden, der mit dem Liebesspiel hoch hinauswill. Einige amerikanische Airlines bieten Schlupflöcher für all jene, die sich über den Wolken austoben wollen.

Liebespaar im Flieger

Liebespaar im Flieger

So ermöglicht beispielsweise „Flamingo Air“ eine Romantik-Tour. Für eine Stunde erhaltet ihr ein eigenes Flugzeug samt Schokolade und Champagner. Ein mit Kissen ausgelegter Bereich gehört ebenfalls zu dem Paket. Während die Gründer jedoch auf den romantischen Fokus verweisen, werden andere Airlines ein wenig deutlicher. So kann bei „Lovecloud“ eine einstündige Tour über Las Vegas gebucht werden. Mit ihrem Namen „Mile High Club“ lässt die Tour wenig Zweifel am Ausgang. Neben roter Satinbettwäsche, Matratze und abschließender Urkunde fliegen hier für rund 1.000 Dollar im übrigen auch Schallschutzkopfhörer für den Piloten mit. Im Zweifelsfall bieten sich jedoch auch andere Unterhaltungsmöglichkeiten. Das In-flight-Entertainment der meisten Airlines sorgt auch ohne strafbare Handlungen für Freude.

Tipp: Weitere Informationen zur Bordunterhaltung der jeweiligen Airlines findet ihr unter „In-flight-Entertainment im Flugzeug“.

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