Haie im Roten Meer


Das Rote Meer wird von Reisenden gerne zu Zeiten angeflogen, wenn es andernorts noch oder schon wieder zu kalt ist zum Sonnen und Baden. Diejenigen, die hauptsächlich zum Wassersport treiben kommen, können sich über ein ganzjährig warmes Meer freuen, denn die Temperaturen sinken nie unter 20 °C. Egal, zu welchem Zweck Urlauber vor Ort sind, sie alle fasziniert auch die Thematik Haie im Roten Meer. Die einen sind dabei von Furcht getrieben, die anderen von Interesse.

Überblick

Fast 440.000 km² Fläche bedeckt das Rote Meer, das es auf eine Länge von 2.240 km und Breite von 355 km bringt. Da ist zugegebenermaßen viel Platz für Haie. Informiert euch darüber, wo sie anzutreffen sind und welche Arten in dem Nebenmeer des Indischen Ozeans vorkommen. Des Weiteren stellen wir Verhaltensregeln vor, die man befolgen sollte, wenn man Haikontakt vermeiden möchte oder wie man am besten reagiert, wenn es sich nicht mehr verhindern lässt. So minimiert ihr die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs mit eventuell schweren Folgen. Übrigens: Eigentlich ist es passender, von Begegnungen oder Unfällen mit Haien zu sprechen, da die Raubfische nicht von sich aus Menschen angreifen. Passiert dies doch, fühlen sie sich in die Enge getrieben oder verwechseln Badende und Wassersportler mit Beute.

Ein Weißspitzen-Riffhai zwischen Korallen und Meeresboden

Wo gibt es Haie im Roten Meer?

Während Haie in der Nordsee eher selten sind, ist die Wahrscheinlichkeit eines Kontaktes mit den Fischen im Roten Meer wesentlich höher. Das liegt zum einen an der Anzahl der Tiere und zum anderen daran, dass Schnorchler und Taucher aktiv nach ihnen Ausschau halten. Haie sind hier nicht die Ausnahme, sondern die Regel. So könnt ihr zum Beispiel an den ägyptischen Urlaubsorten Hurghada, Marsa Alam, El Gouna, Soma Bay und Safaga vorgelagerten Riffen auf Exemplare treffen. Auch vor dem Sinai tummeln sie sich, falls ihr lieber nach Sharm el Sheikh oder Dahab reisen möchtet. Sie tauchen ebenso beim israelischen Eilat oder jordanischen Akaba auf. Wer weit aufs Meer hinaus will, unternimmt Tauchsafaris in Richtung Brother Islands, Elphinstone-Riff oder Daedalus-Riff.

Rotes Meer: Welche Haie gibt es?

Im Roten Meer kommen viele verschiedene Haie vor, insgesamt hat man bisher um die 40 Arten entdeckt. Wir stellen euch ein paar der Vertreter vor, damit ihr sie vor Ort erkennen könnt und berichten, wie gefährlich sie möglicherweise sind.

Schwarzspitzen-Riffhai

Zu den am häufigsten vorkommenden Arten zählt der Schwarzspitzen-Riffhai. Er bringt es auf eine Körperlänge von 1,60 m bis 2,00 m, die Farbe ist grau bis graubraun und wie sein Name schon verrät, sind die Spitzen der Flossen schwarz. Korallenriffe – auch das ahnt ihr bereits – sind sein Lebensraum. Dabei kommt er auch an die Wasseroberfläche und schwimmt in Lagunen rein, so dass man ihn sogar vom Strand aus beobachten kann. Sie bevorzugen den Aufhenthalt in flachem Wasser. Die scheuen Fische flüchten, sobald ihr in ihre Nähe kommt. Gute Chancen, sie zu sehen, sind dann, wenn man sich ruhig verhält. Begegnungen mit Schwarzspitzen-Riffhaien sind ideal, wenn es darum geht, die Angst vor der Tierart zu verlieren.

Schwarzspitzen-Riffhai
Zwei Schwarzspitzen-Riffhaie nahe der Wasseroberfläche

Weißspitzen-Riffhai

Ähnlich oft wie der Schwarzspitzen-Riffhai kommt der Weißspitzen-Riffhai im Roten Meer vor. Die meisten Artgenossen werden nicht länger als 1,60 m und auch sind es die Korallenriffe, in denen sie viel Zeit verbringen. Dort schweben sie gerne über das Riffdach, sind aber auch an steil abfallenden Riffhängen und Abhängen des Meeresgrundes anzutreffen. Weißspitzen-Riffhaie zieht es eher Richtung Meeresboden und nicht an die Wasseroberfläche. Wundert euch nicht, wenn ihr sie beim Tauchen reglos am Boden oder ruhend in einer Höhle seht. Ihren Namen haben die Raubfische – wie könnte es anders sein – von der Farbe ihrer Flossenspitzen. Da sie scheu sind, gibt es auch kaum Berichte über Attacken.

Walhai

Der Walhai ist im Roten Meer einer der Haie, die gar nicht gefährlich sind. Mit einer Länge von bis zu 12 m ist er der größte Fisch der Welt. Klein ist im Gegensatz dazu seine Nahrung, denn die besteht im Wesentlichen aus Plankton, Krill und kleinen Fischen, die er in sein riesiges Maul einsaugt. Neben der beachtlichen Größe ist seine weiß gefleckte Haut ein unverwechselbares Charakteristikum. Die sanften Meeresbewohner sind sowohl in Küstennähe als auch auf Hoher See unterwegs. Leider ist der Bestand stark gefährdet.

Hammerhai

Leicht zu erkennen ist der Hammerhai, was an dem Cephalofoil liegt. So wird in der Biologie der hammerähnliche Kopf genannt. Von den insgesamt acht Arten ist der Große Hammerhai mit bis zu 6 m Länge der größte von ihnen. Wegen der weit auseinander liegenden Augen haben Hammerhaie eine gute Rundumsicht und Tiefenwahrnehmung. Man muss weit auf das Rote Meer hinaus, um die Haie zu sichten. Am Daedalus-Riff in circa 100 km Entfernung zu Marsa Alam, könnt ihr ihnen begegnen. Die größeren Hammerhaiarten gelten als potenziell gefährlich, aber bei ihnen sind nur wenige Angriffe bekannt. Ihr Bestand unterliegt einer Gefährdung.

Hammerhai
Ein Hammerhai nähert sich

Sandtigerhai

Auch wenn Sandtigerhaie mit ihrem leicht geöffneten Maul und den gebogenen Zähnen bedrohlich aussehen, sind sie nicht gefährlich. Im Roten Meer ist diese Haiart entweder in flachen Zonen in Ufernähe oder in küstenfernen Gebieten bei Korallenriffen unterwegs. Da sie wie alle Haie keine Schwimmblase besitzen, sind sie immer in Bewegung, um nicht Richtung Meeresgrund zu sinken. Im Gegensatz zu anderen Haiarten haben Sandtigerhaie die Fähigkeit, Luft im Magen zu halten, so dass sie in der Lage sind, gemächlich im Wasser auf der Stelle zu schweben. Leider ist ihre Art vor dem Aussterben bedroht, weshalb ihr einmal mehr einen Grund habt, nach Haien in Roten Meer Ausschau zu halten.

Weißspitzen-Hochseehai

Bis zu vier Meter Länge können Weißspitzen-Hochseehaie erreichen. Da die weißen Flossenspitzen abgerundet sind, kann man sie gut erkennen. Vor den Weißspitzen-Hochseehaien müsst ihr euch in Acht nehmen, denn diese im Roten Meer lebenden Haie sind gefährlich. Gleichzeitig sind sie neugierig, weshalb ihr als Anfänger nicht unbedingt dort tauchen solltet, wo sie vorkommen. Denn gerade ihnen gegenüber muss man sich besonnen zeigen. Wer schon Erfahrung im Tauchen vorweisen kann und bereits Kontakt zu anderen Haien hatte, findet Weißspitzen-Hochseehaie beispielsweise am Elphinstone-Riff 25 km nördlich von Marsa Alam und 10 km von der Küste entfernt.

Weissspitzen-Hochseehai und Pilotfische
Pilotfische begleiten einen Weißspitzen-Hochseehai

Makohai

Der Makohai ist der schnellste Hai der Welt, zumindest der Kurzflossen-Mako. Mit bis zu 70 km/h soll er sich durchs Wasser bewegen. Grund für die hohe Geschwindigkeit ist neben dem Körperbau die Beschaffenheit der Haut. Die Raubfische werden zwischen zwei und vier Meter lang. Wenn sie nicht gerade in ihrer Höchstgeschwindigkeit an euch vorbeiflitzen, erkennt ihr sie unter anderem an ihren stark gebogenen Zähnen. Als eine von wenigen Haiarten besitzen sie die Fähigkeit, aus dem Wasser zu springen. Auch die Makohaie sind stark gefährdet. Bisher sind nur wenige Kontakte zwischen Hai und Mensch mit ungutem Ausgang bekannt.

Tigerhai

Ein selten anzutreffende Haiart im Roten Meer ist der Tigerhai, welcher um die 6 m lang wird. Ihr erkennt ihn beim Tauchen an seinen dunkelgrauen Streifen. So ist er wie der Hammerhai nicht mit anderen Haien verwechselbar. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist seine im Vergleich zu anderen Arten breite Schnauze. Die Tiere halten sich sowohl an Korallenriffen als auch in tiefen Gewässern auf. Die Einzelgänger sind neugierig und gefährlich, wenn es zu einer der seltenen Attacken kommt, endet diese häufig tödlich, weil Tigerhaie ihre Beute sofort fressen, anstatt einen Probebiss zu nehmen. Ihr Bestand gilt als potenziell gefährdet.

Tigerhai
Dicht über dem Meeresboden: ein Tigerhai

Verhaltensregeln

Möchtet ihr im Roten Meer die Möglichkeit minimieren, auf Haie beim Baden, Schnorcheln und Tauchen zu treffen oder wollt ihr wissen, wie man sich richtig verhält, um Unfälle zu vermeiden, haben wir nachfolgend ein paar Verhaltensregeln für euch.

Anlocken mit Fischen & Abfällen

Wenn ihr in der Nähe beobachten könnt, dass tote Fische ins Wasser geworfen werden, könnt ihr davon ausgehen, dass diese dazu dienen, Haie anzulocken. Werden Essensabfälle von einem Boot entsorgt, kann dies im Roten Meer Haie auf den Plan rufen. Entfernt euch also.

Angeln & fischen

Angler werfen Köder aus, um Fische zu fangen, die wiederum ein Leckerbissen für das Raubtier Hai darstellen. Die von Fischern genutzten Netze samt des darin befindlichen, lebendigen Inhalts sind natürlich ebenfalls interessant für Haie. Es ist Zeit, sich woanders hinzubegeben.

Trübes Wasser

Ist das Wasser trüb, beispielsweise durch aufgewirbelten Meeresboden durch die Brandung in Standnähe, schränkt das die Orientierung von Haien ein. Die meisten Haie haben nämlich sehr gute Augen und verlieren sie den Überblick, können sie aggresiv reagieren. Meidet Orte mit solchen Verhälnissen.

Extremitäten

Geht ihr surfen und benötigt eine Pause, solltet ihr euren Körper komplett auf dem Brett platzieren. Unterlasst das Herunterhängen von Armen und Beinen. So verwechselt euch der Hai nicht mit einer Beute, zum Beispiel Robben.

Kontakt

Bewahrt Ruhe, begebt euch bei Haikontakt in eine senkrechte Position und nutzt möglichst nur die Arme, um sie zu halten. Haltet Blickkontakt und drückt den Hai an seiner Schnauze an euch vorbei, sollte er sich auf euch zubewegen. Lässt er immer noch nicht von euch ab, schwimmt auf ihn zu und berührt die Kiemen, das mögen sie nicht. Tritt der Hai dann den Rückzug an, könnt ihr euch bedächtig ins Boot beziehungsweise an den Strand retten.

Lebensraum Rotes Meer

Die Wärme des Roten Meeres sorgt für eine hohe Artenvielfalt, die von Massentourismus und ungeklärten Abwässern bedroht wird. Als Binnenmeer gibt es wenig Wasseraustausch, der eine Verschmutzung lindern könnte. Der Klimawandel ist schädlich für die Korallen, was sich letztendlich negativ auf das Ökosystem Rotes Meer und damit auch auf die Haie, auswirkt. Hinzu kommt die Überfischung, die den Haien die Nahrung nimmt und die Gefahr, dass sie als Beifang enden. Positiv ist, dass das Fischen von Haien von ägyptischer Seite her verboten ist.

Sag uns Deine Meinung zu diesem Thema

* Pflichtfelder