Schnäppchen auf der Langstrecke?


Europas Billigflieger verlagern ihr Geschäft immer mehr auf die Langstrecke, ist der Markt auf den Mittelstrecken doch zunehmend umkämpft und kaum noch Gewinn zu machen. Doch was taugt ein Billigflug nach Übersee und wie teuer wird er am Ende wirklich?

Ein Flug in die USA liegt im Sommer von Deutschland aus bei rund 600 Euro. Wer über den großen Teich will, muss deshalb allein schon für die Anreise tiefer in die Tasche greifen, als ihm lieb sein dürfte. Wer nicht unbedingt mit Lufthansa fliegen muss, findet jetzt auch günstigere Angebote für die Langstrecke.

Für kleines Geld nach Übersee

Für 130 Euro kommt man mit der Bahn von Berlin nach München – oder man fliegt mit einer Billigairline in die Vereinigten Staaten. Es sind erst wenige, doch es werden immer mehr Billigflieger, die derart günstige Angebote auf der Langstrecke machen. Im Juni steht mit Level, einer British-Airways-Schwester schon das nächste Unternehmen in den Startlöchern, das preisbewusste Passagiere über den Atlantik zu bringen. Die Fluggesellschaft soll zunächst von Barcelona aus in Richtung San Francisco, Los Angeles, aber auch nach Buenos Aires und in die Dominikanische Republik starten. Wow Air, die in Europa bereits einen festen Stand hat, steuert die USA über Island an. Auch die deutsche Eurowings will künftig noch häufiger zu Zielen in Asien, Afrika und Amerika fliegen. Auf dem Langstreckenmarkt ergeben sich für Airlines ganz neue Möglichkeiten, aber auch neue Konkurrenten. Denn wer denkt, die etablierten Fluglinien würden sich hier die Butter vom Brot nehmen lassen, irrt. Die Langstrecke ist das Segment, indem die Platzhirsche noch gutes Geld verdienen können. Besonders mit den Plätzen in der Businessclass lässt sich Gewinn machen. Drängen die Billigflieger jedoch erfolgreich bis auf den Langstreckenmarkt vor, müssen Airlines wie Lufthansa durchaus zittern.

Bild Günstig fliegen auf der Langstrecke

Bereit für den Flug?

Die wichtigsten Billigflieger auf der Langstrecke

Zupass kommt den Low-Cost-Carrier dabei auch, dass Passagiere sich ihnen immer stärker zuwenden und auf Ersparnisse aus sind. Die aus Europa bekannten Zugpferde beteiligen sich vorerst nicht an der Eroberung der Langstrecke: Ryanair und Easyjet üben sich noch in vornehmer Zurückhaltung. Weltweit größter Anbieter von Langstreckenflügen ist die 1993 gegründete Norwegian, gefolgt von Air Asia X, Jetstar Airways, Scoot und Eurowings. Auch die neue Technik spielt den Billig-Airlines in die Karten. Moderne Flugzeuge wie Boeings Dreamliner 787 sind in der Lage, bis zu 20 Prozent Sprit einzusparen und ohne Stopp von Europa aus bis an die Ostküste der USA gelangen können. Gerade für Billigflieger, die nicht immer voll ausgelastet sind, ist es wichtig, die Kosten gering zu halten. Denn das Fehlen einer Business-Class heißt für Norwegian und andere auch, dass sie weniger Geld einnehmen können, obwohl sie auch große Airports ansteuern müssen, die stets hohe Landegebühren verlangen.

So teuer ist der Billigflug wirklich

Damit die Preise für Passagiere klein bleiben, bieten die Billigflieger nur Service auf Basis-Niveau. Jedes Extra, sei es das Essen, der Wunschsitzplatz oder der aufgegebene Koffer und das Unterhaltungsprogramm an Bord kostet zusätzlich. Mit dieser Taktik können die Low-Coster ihre Preise etwa 20 Prozent unter dem Niveau der großen Airlines halten, was weniger ist als auf dem Kurz- und Mittelstreckenmarkt. Für Reisende dürfte die Ersparnis dennoch attraktiv sein, wenn sie zeitlich flexibel sind. Für 125 Euro fliegt Norwegian etwa von Oslo nach New York – allerdings im November. Ab München steigt der Preis auf 175 Euro, was immer noch ein Schnäppchen ist. Mit Koffer wird es jedoch wieder teurer und essen will man unter Umständen auf der Langstrecke dann auch noch etwas. So sinkt die Ersparnis gegenüber den etablierten Airlines umso stärker, je mehr Extras man dazu bucht. Doch der Markt befindet sich noch im Wachstum, so viel ist klar. In den nächsten Jahren dürften Kunden auf mehr verbesserte Angebote in ihrer Nähe zugreifen können, als es heute der Fall ist. Wer keinen festen Reisezeitpunkt im Jahr hat, sondern einfach einmal im Leben günstig nach New York fliegen will, kann sich jetzt schon bei einem der Billigflieger umsehen nach günstigen Flügen umsehen. Wie ihr den Flug auf dem ungeliebten Mittelplatz übersteht, lest ihr im Übrigen auch bei uns.

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