Roaming in & außerhalb der EU


Per Roaming könnt ihr auch in WLAN-freien Gebieten im Urlaub Kontakt zu Freunden und zur Familie halten – ob einfache WhatsApp-Nachricht oder cooles Strandfoto, die Versuchung ist groß. Doch gerade in Ländern außerhalb der EU schnellen die Kosten dafür rasch in die Höhe. Wir zeigen euch, worauf ihr beim „Surfen“ und Telefonieren im Urlaub achten müsst.

Kostenloses Roaming in der EU

Im Urlaub schnell ein Poolfoto schicken, auf das Hotelbuffet neidisch machen oder ein Video des Animationsclubs senden… das ist häufig mit hohen Kosten verbunden. Doch gibt es eine gute Nachricht: Seit Juni 2017 sorgt eine Regelung der EU dafür, dass im Urlaub in einem EU-Land keine Roaming-Gebühren mehr anfallen. Wer das Smartphone also im EU-Raum zum Telefonieren, Simsen oder Surfen nutzt, zahlt denselben Preis wie im Heimatland. Habt ihr eine Flatrate, kommen keine einzelnen Gebühren auf euch zu. Diese Regelung wird „Roam like at home“ genannt und betrifft alle 28 EU-Länder. Hinzu kommen die drei nicht zur EU gehörenden Staaten Island, Norwegen und Liechtenstein.

Keine Roaming-Kosten: Selfie mit Mailänder Dom verschicken
Keine Roaming-Kosten: Selfie mit Mailänder Dom verschicken

In den folgenden Ländern fallen somit keine Gebühren für das Roaming an:

  • Belgien
  • Bulgarien
  • Dänemark
  • Deutschland
  • Estland
  • Finnland
  • Frankreich
  • Griechenland
  • Großbritannien (bis zum EU-Austritt)
  • Irland
  • Island
  • Italien
  • Kroatien
  • Lettland
  • Liechtenstein
  • Litauen
  • Luxemburg
  • Malta
  • Niederlande
  • Norwegen
  • Österreich
  • Polen
  • Portugal
  • Rumänien
  • Schweden
  • Slowakei
  • Slowenien
  • Spanien
  • Tschechien
  • Ungarn
  • Zypern

Wichtig: Wie in fast allen Bereichen, die zu schön klingen, um wahr zu sein, gibt es auch für das kostenlose EU-Roaming einige Ausnahmen. Bevor ihr fleißig Fotos sendet, solltet ihr diese beachten, um nach dem Urlaub keine böse Überraschung zu erleben!

Ausnahmen für das kostenfreie EU-Roaming

Generell ausgenommen von der EU-Regelung sind nahe gelegene Länder, bei denen gern einmal vergessen wird, dass sie gar nicht zur EU gehören. Darunter fallen die Schweiz, San Marino, Monaco, Andorra und auch das Urlaubsland Türkei. Weitere Ausnahmen sind spezielle Tarife und mobilfunkanbieterbezogene Begrenzungen, aber auch zum Beispiel die Nutzung von Roaming auf hoher See.

Bestimmte Tarife

Wenn ihr über einen Handytarif verfügt, der kein Roaming im Ausland erlaubt, bleibt das auch weiterhin so. Es gibt außerdem Verträge, die das zu nutzende Datenvolumen außerhalb des Heimatlandes begrenzen. Dann könntet ihr im Urlaub zwar von keiner Kostenfalle, aber von einem plötzlichen Internet-Stopp überrascht werden. Ihr solltet dies in eurem Vertrag prüfen oder gleich den Mobilfunkanbieter kontaktieren, wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt.

Vorsicht: Ältere Verträge bedingen manchmal sogar eine komplette Sperrung der SIM-Karte, wenn ihr im Ausland seid. Dann könnt ihr nicht nur nicht im Internet surfen, sondern auch niemanden anrufen oder eine SMS verschicken.

Reisen per Schiff und Flugzeug

Gerade auf einer Kreuzfahrt kann das mobile Surfen schnell teuer werden – selbst wenn ihr euch im Raum der EU oder Norwegen, das sich auch am kostenfreien Roaming beteiligt, bewegt. Der Grund: Die Bord-Funknetze der Schiffe werden meist über einen Satellit betrieben und fallen somit nicht in die Regelung. Diese richtet sich ausschließlich an Mobilfunknetze. Große Reedereien bieten den Service durch Bord-Funknetze für Geschäftskunden an, doch manchmal wählen sich auch gewöhnliche Smartphones zufällig in die Netze ein. Die Kosten schlagen dann mit satten 30 Euro pro Megabyte zu Buche; das entspricht einer guten Minute Telefonieren per WhatsApp! Ähnlich sieht es aus, wenn ihr eine Flugreise antretet. Wie früher solltet ihr elektronische Geräte ausschalten oder im Flugmodus belassen. Eine Ausnahme bilden Fluggesellschaften, die offiziell WLAN für Reisende anbieten.

Roaming auf Kreuzfahrtschiff
Roaming auf Kreuzfahrtschiff

Anrufe/SMS von Deutschland aus

Wenn ihr zum Beispiel in Österreich seid und zuhause in Deutschland anruft, ist das kostenfrei. Umgekehrt gilt es jedoch nicht! Anrufe aus eurem Heimatland ins EU-Ausland kosten nach wie vor extra. Allerdings wurden die Grenzen dafür ebenfalls herabgesenkt: Seit dem 15. Mai 2019 beträgt die maximale Gebühr für eine Minute ins Ausland Telefonieren 19 Cent plus Mehrwertsteuer, sowohl für Anrufe aufs Festnetz als auch auf ein ausländisches Handy. Für eine SMS fallen höchstens noch sechs Cent plus Mehrwertsteuer an. Das sollte also auch dann, wenn ihr die Regelung mal vergesst, nicht allzu sehr zu Buche schlagen.

Netzinterne Flatrates

Habt ihr einen Handyvertrag mit einer Flatrate in das Netz des eigenen Anbieters? Dann solltet ihr aufpassen, wenn ihr euch gegenseitig im Ausland anruft. Zwar seid ihr eigentlich im selben Netz zuhause, im Ausland kann das jedoch aufgrund der Neueinwahl ins fremde Netz variieren. Daher sind zusätzliche Gebühren in diesem Fall nicht ganz ausgeschlossen.

Begrenzungen durch den Mobilfunkanbieter

Auch der Mobilfunkanbieter kann die Datennutzung deckeln – nämlich im Rahmen der so genannten „Fair Use Regelung“. Wird die im Vertrag festgelegte Grenze des Datenvolumens im Ausland erreicht, fallen für jeden zusätzlichen Gigabyte separate Kosten an. Diese betragen höchstens 7,70 Euro plus Mehrwertsteuer, sollen ab 2022 aber auf maximal 2,50 Euro plus Mehrwertsteuer begrenzt werden.

Begrenzung der Dauer für kostenloses Roaming

Die EU-Regelung rund um das kostenfreie Roaming betrifft ausschließlich Urlaubsreisen oder kurzfristige Aufenthalte. Dadurch soll dauerhaftes Roaming vermieden werden, bei dem Kunden extra eine günstige SIM-Karte im Ausland kaufen und anschließend permanent im eigentlichen Heimatland surfen. Normalerweise bleibt das Roaming bis zu vier Monate lang kostenlos. Im Zweifelsfall – zum Beispiel bei einem geplanten Auslandssemester – sollte aber zuvor der Mobilfunkanbieter kontaktiert werden.

Roaming im Ausland: Wann es teuer wird

Bei einem Urlaub oder geschäftlichen Aufenthalt außerhalb der EU fallen nach wie vor Roaming-Gebühren an – und das nicht zu knapp! Je nach Anbieter und Zielland können zwischen 0,99 Euro und 34,64 Euro pro Megabyte anfallen. Ja, ihr habt richtig gelesen! Schon ein simpler WhatsApp-Anruf kann immerhin einen Megabyte in Anspruch nehmen, bei Fotos sind es sogar drei und mehr. Selbst bei der Nutzung von speziellen Postkarten-Apps fällt für den internationalen Versand der Bilder dann die genannte Gebühr an! In diesem Fall müsst ihr gut überlegen, ob euch das Verschicken eines Bildes von einer coolen Sehenswürdigkeit wirklich knapp über 100 Euro Wert ist (wahrscheinlich wohl eher nicht).

Telefonieren am Strand
Telefonieren am Strand

Vor allem nach einem Urlaub in diesen Ländern machen Reisende oftmals lange Gesichter, wenn sie die Handyrechnung erhalten:

  • Australien und Neuseeland
  • Brasilien
  • China
  • Indonesien
  • Neuseeland
  • Thailand
  • Vietnam

Auch das Telefonieren in diesen und anderen Ländern kann teuer werden. Zwischen 0,99 Euro und 6,70 Euro fallen pro Minute an, und zwar sowohl bei ankommenden als auch bei ausgehenden Anrufen.

Tipps gegen die Kostenfalle

Vorm Urlaub in Übersee könnt ihr einiges erledigen, um die Kosten gering zu halten – oder bestenfalls erst gar keine zu verursachen.

Mobile Daten beschränken

Manchmal ist es möglich, vorab das Datenvolumen auf eine bestimmte Menge zu begrenzen. Zwar zahlt ihr dann trotzdem für jedes Megabyte, immerhin gibt es allerdings eine Obergrenze. Viele Smartphones verfügen auch über ein internes Warnsystem, das euch informiert, wenn eine zuvor festgelegte Grenze überschritten wurde.

Extra-Tipp: Damit ihr erst gar nicht viele Megabytes verbrauchen müsst, lohnt sich eine gewisse Vorbereitung. Möchtet ihr unterwegs Serien schauen, ladet euch diese noch im heimischen WLAN auf das Handy herunter und löscht sie nach dem Ansehen wieder. Und auch in puncto Navigation könnt ihr tricksen: Viele Apps erlauben den vorherigen Download der benötigten Karten und sind am Zielort dann auch offline verfügbar.

Mobile Daten deaktivieren

Wenn ihr ganz sicher gehen wollt, dass euch keine horrende Handyrechnung die Urlaubsstimmung vermiest, solltet ihr die mobilen Daten komplett abstellen. Denn manchmal synchronisieren sich bestimmte Apps, ohne dass ihr es kommen seht – oder ein Update wird nebenbei heruntergeladen. Vor allem, wenn euer Hotel oder Flughafen WLAN anbietet oder ihr in großen Städten mit WLAN-Hotspots Urlaub macht, braucht ihr mobiles Internet mitunter gar nicht. Aber Vorsicht, wenn ihr öffentliche Netzwerke nutzt. Manchmal sind diese nicht ausreichend gesichert.

Beim Provider informieren

Fragt vor dem Urlaub am besten direkt beim Handyanbieter nach, welche Begrenzungen bestehen und welche Kosten pro Megabyte im Nicht-EU-Ausland anfallen können. Vielleicht ist es auch möglich, für den Zeitraum des Urlaubs eine Grenze des Datenvolumens festzulegen und diese danach wieder aufzuheben.

Prüfen, ob das Zielland in der EU liegt

Ein Tipp, der euch jetzt vielleicht ein Lachen entlockt, aber gar nicht so dumm ist: Viele Länder liegen quasi vor der Haustür, gehören aber gar nicht zur EU. Das solltet ihr bei der Reiseplanung nicht übersehen! Denn gerade die Schweiz wird gern als Nicht-EU-Land „vergessen“ – und auch in Kleinstaaten wie Andorra denkt man nicht unbedingt daran. So verlasst ihr euch vielleicht auf kostenfreies Roaming, obwohl ihr die EU längst verlassen habt.

Nicht in der EU: Die Schweiz
Nicht in der EU: Die Schweiz

Prepaid-Karte oder Extra-SIM nutzen

Früher war es oft ganz normal, extra für den Urlaub eine Prepaid-Karte zu kaufen. Warum auch nicht? So könnt ihr maximal das zuvor aufgeladene Guthaben verbrauchen und müsst euch auch außerhalb der EU vor keiner großen Handyrechnung fürchten. Allerdings beschränken manche Prepaid-Anbieter das Datenroaming oder Optionen wie den SMS-Versand im Ausland. Da solltet ihr besser vorab ins Kleingedruckte schauen! Alternativ ist es auch möglich, direkt im Zielland eine SIM-Karte zu erwerben. Meist sind die dortigen Tarife für den Aufenthalt günstiger als die Roaming-Gebühren; vor allem, wenn ihr dort mal ein paar Wochen mehr verbringt.

Mailbox deaktivieren

Auch diesen Tipp solltet ihr noch von „früher“ kennen: Stellt die Mailbox ab! Diese wird ohnehin kaum noch genutzt, doch viele User vergessen schlicht, sie im Smartphone abzustellen. Das ist gerade im Ausland sehr ärgerlich, wenn auch ankommende Anrufe oder das Hinterlassen einer Nachricht Kosten verursachen.

Fragen und Antworten rund ums Roaming

Habt ihr noch Fragen, vor dem nächsten Urlaub? Nachfolgend werden diese bestimmt beantwortet.

1. Was ist denn eigentlich Roaming?

Roaming bezeichnet die Möglichkeit sich mit der SIM-Karte eines Handys in ein fremdes, also ausländisches Mobilfunknetz einzuwählen. Oftmals wird der Begriff des „Roaming“ mit dem Abrufen von Datenvolumen im Internet gleichgesetzt; es bezeichnet aber auch das Anrufen und das Senden von SMS-Nachrichten.

2. Wer darf kostenloses EU-Roaming nutzen?

Jeder, der in einem EU-Land wohnt und ein anderes bereist, kann von dem kostenlosen Roaming profitieren. Der oft zitierte Slogan „Roam like at home“ beschreibt die Situation ziemlich gut: Genau dieselben Gebühren wie Zuhause fallen auch im EU-Ausland für Telefonate, SMS und Datenvolumen an. Gibt es eine Flatrate, greift diese auch im Ausland der EU. Alle Verträge sind davon betroffen, es sei denn, sie verfügen über eine spezielle Sperre oder Grenze im Ausland.

Gehört zur EU: Slowenien mit Ljubljana
Gehört zur EU: Ljubljana in Slowenien

3. Wie aktiviert man kostenloses EU-Roaming?

Die Antwort ist in den meisten Fällen sehr simpel: Gar nichts! Zwar gibt es nach wie vor eine Benachrichtigung im Zielland, die euch darüber informiert, dass ihr nun Roaming nutzt. Doch wird der eigentliche Vorgang automatisch aktiviert.

Eine Ausnahme bilden Nutzer, die noch zu nicht kostenfreien Roaming-Zeiten die entsprechende Funktion im Handy deaktiviert haben. Diese muss natürlich nun wieder aktiviert werden – anderenfalls ist im Ausland weder Telefonieren noch Simsen oder Surfen möglich. In den meisten Fällen findet sich die gesuchte Einstellung unter „Mobiles Netz/Datenoptionen“ (Apple-Geräte) oder „Drahtlos & Netzwerke/Mehr/Mobilfunknetze“ (Android-Geräte). Findet ihr sie nicht, solltet ihr in der Bedienungsanleitung nachschauen oder den entsprechenden Provider kontaktieren.

4. Sind ankommende Anrufe gebührenfrei?

Ja, auch ankommende Anrufe sind dann innerhalb der EU gebührenfrei.

5. Was tun bei einer zu hohen Handyrechnung?

Entgegen aller Erwartungen ist die Handyrechnung nach dem Urlaub zu hoch? Dann solltet ihr diese schnellstmöglich, aber spätestens innerhalb von acht Wochen bei eurem Anbieter reklamieren. Ein Widerspruch muss in dem Schreiben ebenso enthalten sein wie die Bitte um ein technisches Prüfprotokoll und einen Entgeltnachweis, falls dieser noch nicht gemeinsam mit der Handyrechnung vorliegen sollte. Liegt der Nachweis bereits vor, seid ihr in der Beweispflicht, nachzuweisen, dass ihr die genannten Posten nicht verursacht habt. Im Zweifelsfall kann auch die Bundesnetzagentur ein wichtiger Ansprechpartner sein.

Ärgerlich: Hohe Rechnung wegen Roaming
Ärgerlich: Hohe Rechnung wegen Roaming

6. Was ist, wenn ich z. B. von Österreich nach Belgien telefoniere – fallen dann Kosten an?

Solange das Ausgangsland und auch das angerufene Zielland zur EU gehören, fällt das in den Bereich des kostenlosen Roamings. Eine Ausnahme bildet der Anruf aus dem Heimatland in ein anderes EU-Land.

7. Gibt es eine zeitliche Begrenzung?

Generell ist kostenfreies Roaming in der EU für Kurzaufenthalte gedacht. Meist wird es auf einen Zeitraum von maximal vier Monaten begrenzt, da so das dauerhafte Roaming mit absichtlich im Ausland gekauften SIM-Karten eingeschränkt werden soll.

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